Manche Geschäftsmodelle funktionieren nur, solange die Musik spielt – und Strategy tanzt gefährlich nah am Abgrund.
Wer nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernt …
Das Zitat „As long as the music is playing, you’ve got to get up and dance“ stammt von Charles „Chuck“ Prince, dem ehemaligen CEO der Citigroup, aus einem Interview mit der Financial Times vom 9. Juli 2007.
Es gilt heute als eines der berüchtigsten Symbole für die Ignoranz und den Herdentrieb an der Wall Street kurz vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise.
Es steht für das bewusste Weitertanzen am Abgrund, in der Hoffnung, den Ausstieg noch rechtzeitig zu finden, bevor die Musik endgültig stoppt. Dass das eine außerordentlich gefährliche Herangehensweise ist, dürfte offensichtlich sein.
Strategy ist ein gutes Beispiel dafür, wie Herdentrieb, Gier und schlechtes Risikomanagement zu einem explosiven Cocktail werden.
Ihr Erspartes steht möglicherweise auf dem Spiel
Wer mit dem Geld von anderen Menschen handelt, kann sich das vielleicht leisten. Wer jedoch sein eigenes Vermögen verwaltet, kann das keinesfalls.
Doch gelernt hat daraus scheinbar niemand etwas, denn an der Börse lässt sich immer wieder dasselbe halsbrecherische Verhalten beobachten.
Vor Strategy hatte ich beispielsweise schon mehrfach gewarnt, zuletzt bei einem Kurs von 186 USD:
Strategy: Bitcoin auf Pump. Was kann da schon schiefgehen?
In einem früheren Artikel hatte ich Strategy sogar als das dümmste Geschäftsmodell seit WeWork bezeichnet. Warum? Weil das Geschäftsmodell aus meiner Sicht strukturell fehlerhaft („structurally flawed business model“) ist.
Es funktioniert nur, solange der Bitcoin-Preis ewig steigt. Doch bisher ist der Bitcoin alle paar Jahre in einen Bärenmarkt gerutscht. Viele bezeichnen das auch als Krypto-Winter.
Daher war es anzunehmen, dass das wieder geschehen wird.
Antizyklisch gewinnt
Als der Bitcoin vor einigen Monaten und bei Kursen von über 100.000 Euro Rekord-Mittelzuflüsse verzeichnete, war eigentlich schon ziemlich klar, dass vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht war.
Auch das geschieht immer wieder.
Während der Bärenmärkte lässt das mediale Interesse nach und Anleger kaufen weniger Bitcoin. So manch ein Anleger dürfte seine zuvor teuer gekauften Coins in diesen Phasen sogar abstoßen.
Die große Masse der Anleger steigt immer erst dann ein, wenn der Kurs wieder erheblich gestiegen ist und das mediale Interesse größer wird.
Es ist der typische Schweinezyklus, der sich nicht nur bei Kryptos und an der Börse beobachten lässt.
Warum Strategy brandgefährlich ist
Doch kommen wir zurück zu Strategy und warum das Geschäftsmodell aus meiner Sicht so gefährlich ist:
MicroStrategy wurde 1989 von dem zweifelhaften Geschäftsmann Michael Saylor gegründet. Heute heißt das Ganze „Strategy“ und verhält sich eher wie eine Bitcoin-Holding. Das Unternehmen hat kein wirkliches Produkt, kein echtes Kerngeschäft – es handelt sich schlichtweg um eine riesige Kiste BTC und einen kostenverursachenden Finanzapparat, der Aktien, Anleihen und Preferred Shares ausspuckt.
Die Idee klingt simpel. Strategy kauft Bitcoin und Anleger können sich über die Aktie daran beteiligen. Schon hier beginnt das Problem. Denn warum sollte man diesen Umweg gehen? Wer Bitcoin will, kann Bitcoin kaufen. Wer es bequem mag, nimmt einen ETF. Beides ist günstiger.
Strategy hingegen hat hohe laufende Kosten. Ein aufgeblähter Verwaltungsapparat, Millionengehälter im Vorstand und sämtliche Nebenkosten eines börsennotierten Unternehmens. All das frisst Rendite. Während ein ETF mit minimalen Gebühren auskommt, finanziert man bei Strategy vor allem eines: das Management.
Einen Mehrwert gäbe es nur unter zwei Bedingungen. Entweder Strategy wäre außergewöhnlich gut darin, Bitcoin günstig einzukaufen. Oder man bekäme über die Aktie mehr Bitcoin pro investiertem Dollar als beim Direktkauf. Beides ist nicht der Fall.
Strategy entlarvt
Im Gegenteil. Strategy kauft erstaunlich konstant zu schlechten Zeitpunkten. Seit Beginn der Bitcoin-Käufe lag der durchschnittliche Einstiegspreis jedes Jahr über dem jeweiligen Marktdurchschnitt. Je nach Jahr zwischen drei und 44 Prozent. Das ist keine Pechsträhne, das ist aus meiner Sicht geballte Inkompetenz.
Noch absurder wird es beim Blick auf die Bewertung. Zeitweise lag der Börsenwert von Strategy 20-30 % über dem Wert der gehaltenen Bitcoins.
Durch den jüngsten Kurssturz hat sich dieses Problem weitgehend aufgelöst – allerdings nur auf den ersten Blick.
Aktuell kommt Strategy auf einen Börsenwert von 35,6 Mrd. USD und hält Bitcoin im Wert von 46,2 Mrd. USD.
Inklusive Schulden kommt das Unternehmen jedoch auf einen Enterprise Value von 50,0 Mrd. USD.
Selbst nach dem Kurssturz der letzten Wochen ist das Unternehmen demnach noch rund 10 % überbewertet – und das alles, wenn man die operativen Kosten und vor allem die erheblichen Zinsen ignoriert.
Diese Faktoren würden einen erheblichen Abschlag auf den Wert der gehaltenen Bitcoin rechtfertigen.
Auf Pump
Strategy hat wortwörtlich ein halbes Dutzend Wandelanleihen mit einem Gesamtvolumen von 8,2 Mrd. USD und Zinssätzen von bis zu 2,25 % ausgegeben. Hinzu kommen direkte Verbindlichkeiten und vor allem Preferred Shares.
Es gibt gleich vier verschiedene Preferred Shares mit einem nominalen Gesamtwert von knapp 8 Mrd. USD und – schnallen Sie sich bitte an – Dividenden zwischen 8 und 11,25 %.
Falls Sie sich jetzt fragen, wie Strategy Zinszahlungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar pro Jahr finanziert, haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen.
Das Unternehmen hat schließlich kein operatives Geschäft und da sich Bitcoin nicht einfach vermehren, hat Strategy nur eine Möglichkeit:
Die bestehenden Schulden werden durch neue Schulden oder neue Aktien finanziert.
Wer in Bitcoin investieren möchte, kann das über den direkten Kauf oder per ETF sicherer und günstiger tun.
Der wirtschaftliche Mehrwert von Strategy liegt unter null, ebenso wie die Wertschöpfung des Unternehmens.

Fällt die Aktie jetzt nachhaltig unter 114 USD, käme es zu einem prozyklischen Verkaufssignal mit einem ersten Kursziel bei 100 USD. Darunter wären weitere Kursverluste in Richtung 72 USD möglich.
Gelingt hingegen eine schnelle Rückkehr über 114 USD, entspannt sich die Lage vorerst wieder. In diesem Szenario wäre sogar eine Erholung bis 150 USD denkbar. Klar positive Signale ergeben sich jedoch erst über 180 USD.
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