An der Börse geschehen die verrücktesten Dinge. Aber Rekordgewinne, ein Gewinnsprung um 42 % und ein Kurskollaps?
An der Börse geschehen die verrücktesten Dinge. Aber wie oft erlebt man es, dass ein Unternehmen einen Gewinnsprung verzeichnet und die Aktie gleichzeitig abstürzt?
Sicherlich nicht allzu oft, doch genau das ist bei Sprouts Farmers Market geschehen.
Die Aktie ist in kürzester Zeit von etwa 180 auf knapp über 65 USD abgestürzt, hat also fast zwei Drittel an Wert verloren. Die Kursverluste sind dramatisch. Doch wie ist es dazu gekommen?
Die Sprouts-Strategie: Zwischen Discount und Premium
Der US-Lebensmitteleinzelhandel steckt mitten im Umbruch. Klassische Supermärkte kämpfen mit Margendruck, veränderten Konsumgewohnheiten und wachsender Konkurrenz. Gleichzeitig entstehen neue Gewinner in klar definierten Nischen.
Sprouts besetzt das Segment für natürliche, frische und gesundheitsorientierte Lebensmittel – und trifft damit einen Nerv.
Das Konzept ist klar umrissen. Sprouts verbindet das Gefühl eines Bauernmarktes mit der Effizienz eines Discounters. Die Filialen wirken offen, frisch und übersichtlich. Im Mittelpunkt stehen Obst und Gemüse.
Mehr als 60 Prozent des Sortiments entfallen auf frische Produkte. Ergänzt wird das Angebot durch Bio-Waren, pflanzliche Alternativen, Fleisch aus verantwortungsvoller Haltung sowie ein wachsendes Angebot an Eigenmarken. Auch Vitamine, Nahrungsergänzung und Naturkosmetik gehören dazu.
Damit positioniert sich Sprouts geschickt zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite stehen klassische Ketten wie Walmart oder Kroger, die vor allem über den Preis konkurrieren.
Auf der anderen Seite Premiumanbieter wie Whole Foods Market oder Trader Joe’s. Sprouts liegt genau dazwischen. Die Zielgruppe ist gesundheitsbewusst, aber preisorientiert.
Nächstes Ziel: 1000 Niederlassungen
Gleichzeitig ist die Kundschaft im Schnitt kaufkräftiger. Das macht das Geschäftsmodell robuster in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Ein weiterer Vorteil liegt in der operativen Umsetzung. Sprouts setzt auf ein dynamisches Sortiment mit häufig wechselnden Produkten. Viele Entscheidungen werden dezentral in den Filialen getroffen. Das erhöht die Nähe zum Kunden und beschleunigt Anpassungen. Parallel investiert das Unternehmen in digitale Vertriebskanäle und kooperiert mit Plattformen wie Instacart, um Lieferung und Abholung anzubieten.
Der wohl entscheidende Hebel bleibt jedoch die Expansion. Aktuell betreibt Sprouts 477 Filialen in 24 Bundesstaaten. Ein Drittel davon liegt in Kalifornien. Das zeigt, wie groß die weißen Flecken auf der Landkarte noch sind.
CEO Jack Sinclair hat das Ziel ausgegeben, langfristig mehr als 1.000 Standorte zu erreichen. Das wäre mehr als eine Verdopplung. Angesichts der bisherigen geografischen Konzentration erscheint selbst dieses Ziel nicht ambitioniert, sondern eher konservativ.
Warum das Geschäftsmodell so robust ist
Mehr Filialen bedeuten stärkere Skaleneffekte. Gleichzeitig wächst die Marke. Ergänzt um E-Commerce und einen steigenden Anteil margenstarker Eigenmarken entsteht ein klarer Wachstumspfad.
Sprouts ist eine der wenigen echten Expansionsgeschichten im stationären Lebensmittelhandel.
Diese Strategie scheint bisher voll aufzugehen. In den letzten fünf Geschäftsjahren konnte der Umsatz von 6,10 auf 8,81 Mrd. USD gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert. Die Zahl der ausstehenden Aktien wurde von 115 auf 98 Millionen Stück reduziert.
Unterm Strich konnte der Gewinn dadurch von 2,10 auf 5,31 USD je Aktie gesteigert werden.
Das Sahnehäubchen auf der Torte ist das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr 2025, auch wenn es sich in Anbetracht der Kursentwicklung paradox anhört.
Sprouts ist es gelungen, den Umsatz um 14 % und das Ergebnis je Aktie um 42 % zu steigern.
Kurzfristige Schwäche als langfristige Chance?
Aufgrund der schwierigen makroökonomischen Rahmenbedingungen geht der Vorstand jedoch davon aus, dass der Umsatz im ersten Quartal leicht sinken wird (comparable store sales -1 bis -3 %) und ein Ergebnis von 1,66 – 1,70 USD je Aktie erzielt wird.
Im Jahresverlauf soll sich die Dynamik jedoch wieder verbessern und es sollen 40 neue Standorte entstehen.
Das deutet darauf hin, dass die Probleme nicht hausgemacht sind und die zugrundeliegenden Trends intakt sind, sonst würde Sprouts nicht eine Filiale nach der anderen eröffnen.
Der Umsatz wird voraussichtlich um 4,5 – 6,5 % steigen und das Ergebnis bei 5,28 – 5,44 USD je Aktie liegen.
Da Sprouts in den letzten 20 Quartalen in jedem einzelnen Fall die Erwartungen übertroffen hat, liegt die Vermutung nahe, dass das auch in Zukunft der Fall sein wird. Der Vorstand ist nicht für hochtrabende Prognosen bekannt, ganz im Gegenteil.
Den Konsensschätzungen zufolge wird ein Ergebnis von 5,55 USD je Aktie erwartet. Sprouts kommt demnach auf eine forward P/E von 13,9. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 15, zeitweise lag die P/E aber auch bei über 40.
Darüber hinaus wurden Aktienrückkäufe mit einem Volumen von 1,0 Mrd. USD beschlossen, was nahezu einem Siebtel des Börsenwerts entspricht.

Fällt die Aktie jetzt unter 75 USD, könnten sich die Verluste dennoch in Richtung 65,50 USD ausdehnen.
Gelingt hingegen eine Rückkehr über 78 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 86 USD einleiten. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 98 – 103 USD.
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