Wer Kapital benötigt oder investieren will, kommt an S&P Global kaum vorbei. Das Unternehmen verdient an Entscheidungen, die andere treffen müssen.
Eine Seltenheit
Früher oder später korrigiert jede Aktie, doch bei manchen kommt es besonders selten vor. S&P Global ist eine davon. Ist der jüngste Rücksetzer eine Gelegenheit?
S&P Global ist eines der stillen Machtzentren der Finanzwelt. Das Fundament bildet das Ratinggeschäft. Gemeinsam mit Moody’s dominiert S&P diesen Markt nahezu vollständig.
Das Prinzip ist einfach: Emittenten zahlen dafür, dass ihre Schuldtitel bewertet werden. Investoren nutzen diese Bewertungen als Entscheidungsgrundlage. In der Praxis geht es jedoch um weit mehr als Orientierung.
Das Unternehmen bewertet Staaten, Unternehmen und Finanzprodukte – und setzt damit Standards, an denen sich ganze Märkte ausrichten.
Ein Rating ist oft Voraussetzung, um überhaupt Kapital zu erhalten. Viele Fonds, Versicherungen und Banken dürfen ohne entsprechende Bonitätsnote nicht investieren.
Die ökonomische Logik dahinter ist klar. Anleihen mit Rating sind günstiger zu finanzieren als solche ohne. Die Kosten für das Rating fallen im Vergleich dazu kaum ins Gewicht. Für Emittenten entsteht sofort ein Vorteil, der sich über die gesamte Laufzeit vervielfacht. Entsprechend groß ist die Bereitschaft, für diese Dienstleistung zu zahlen.
Ratings zahlen sich von selbst
Eine Untersuchung (Quelle) der Federal Deposit Insurance Corporation zeigt, dass Kommunalanleihen ohne Bewertung im Schnitt deutlich höhere Renditen bieten müssen – rund 48 Basispunkte mehr als vergleichbare Papiere mit Rating.
Demgegenüber stehen Kosten von etwa 8 Basispunkten für ein Rating. Selbst bei der Beauftragung von zwei Agenturen zahlen sich die Ratings bereits im ersten Jahr von selbst. Langfristig entsteht ein erheblicher Vorteil.
Doch das ist längst nicht der einzige Vorteil. Ratings sind heute tief in das Finanzsystem integriert. Sie stecken in Anlagerichtlinien, Kreditverträgen und regulatorischen Vorgaben. Selbst wenn neue Technologien bessere Analysen ermöglichen würden, ändert das wenig. Entscheidend ist nicht nur die Qualität der Bewertung, sondern ihre Akzeptanz im System.
Genau hier liegt der Burggraben. Es gibt zahlreiche Anbieter, die ebenfalls Bonitätsanalysen erstellen könnten. Doch ohne die Anerkennung durch Regulatoren und Marktteilnehmer bleiben sie bedeutungslos. Der Name S&P ist die eigentliche Währung.
Ein elegantes Geschäft
Das Geschäft endet jedoch nicht bei Kreditbewertungen. S&P verkauft Daten, Analysen und Softwarelösungen, die tief in die Prozesse von Banken, Fonds und Unternehmen integriert sind. Entscheidungen werden datengetrieben, und S&P liefert die Grundlage dafür.
Hinzu kommt Beratung. Große Konzerne und Regierungen greifen über Jahre hinweg auf die Expertise zurück. Es geht um Marktanalysen, Risikoabschätzung und strategische Planung. Diese langfristigen Beziehungen sorgen für stabile Einnahmen und verstärken die Bindung an das Unternehmen.
Die vielleicht eleganteste Einnahmequelle ist jedoch der Indexbereich. Der S&P 500 ist der globale Referenzmaßstab für Aktien. Unzählige ETFs und Fonds bilden ihn nach und zahlen dafür Lizenzgebühren.
Das bedeutet: S&P verdient jedes Mal mit, wenn Kapital passiv investiert wird. Ohne eigenes Risiko.
Das spricht für sich selbst
Dass dieses System aufgeht, zeigen die Zahlen. In den zurückliegenden zehn Jahren konnte S&P Global den Umsatz von 5,66 auf 15,34 Mrd. USD mehr als verdoppeln.
Gleichzeitig hat sich die Profitabilität etwas verbessert, zuletzt lag die operative Marge bei etwa 40 %.
Der Gewinn hat sich in dieser Zeit von 5,35 auf 17,83 USD je Aktie mehr als verdreifacht.
Darüber hinaus kauft das Unternehmen konstant eigene Aktien zurück. Eine Verwässerung fand nur im Zuge der Übernahme von IHS Markit statt. Abseits von Zukäufen sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien stetig – im letzten Jahr beispielsweise von 315 auf 306 Millionen Stück.
All das hat S&P zu einem langfristigen Outperformer gemacht und darf man den derzeitigen Prognosen Glauben schenken, dürfte sich das in ähnlicher Weise fortsetzen.
Derzeit wird erwartet, dass der Gewinn in diesem Jahr um 10 % auf 19,60 USD je Aktie steigen wird.
S&P Global kommt demnach auf eine forward P/E von 21,3. Damit ist die Bewertung auf einem ähnlichen Niveau wie am Tief von 2022 oder 2020 angekommen.
Enttäuschendes Rekordergebnis
Darüber hinaus wäre es möglich, dass die Erwartungen zu niedrig sind. Nachdem S&P im letzten Quartal „enttäuschende“ Zahlen und einen „enttäuschenden“ Ausblick vorgelegt hat, dürften die Prognostiker verhalten sein.
In der Realität lag der Gewinn in Q4 mit 4,30 USD minimal unter den Erwartungen 4,33 USD je Aktie und der Umsatz mit 3,92 Mrd. USD minimal über den Schätzungen von 3,90 Mrd. USD.
Für 2026 stellt S&P einen Gewinnsprung auf 19,40 – 19,65 USD je Aktie in Aussicht. Bisher war man von 19,82 USD je Aktie ausgegangen.
Im großen Kontext waren diese Neuigkeiten aus meiner Sicht geradezu belanglos. Dass an der Börse aus jeder Fliege ein Elefant gemacht wird, ist jedoch nicht neu.

S&P Global scheint an der Unterstützungszone bei 404 – 413 USD auf Interesse zu stoßen. Gelingt auf diesem Niveau eine Bodenbildung, könnte das eine Erholung in Richtung 450 – 455 USD einleiten. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal.
Fällt die Aktie hingegen per Wochenschluss unter 404 USD, müssen weitere Kursverluste bis 390 oder 370 USD eingerechnet werden.
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