Siemens Energy startete am Mittwoch stark, lag zeitweise gut zehn Prozent im Plus und beendete den Tag sieben Prozent höher. Charttechnisch gesehen könnte es jederzeit zu einem Ausbruch nach oben kommen. Aber ist da wirklich noch viel Luft nach oben?
Während die Allgemeinheit noch bis zum 12. Mai auf die Ergebnisse des zweiten Geschäftsjahresquartals warten muss, gab es zu Wochenbeginn einen sogenannten „pre close call“, in dem Analysten über die Lage und die Einschätzungen des Energie-Ausrüsters informiert wurden. Was konkret da verlautbart wurde, wird nicht frei veröffentlicht, aber es scheint, dass die Experten die da getroffenen Aussagen positiv aufnahmen, denn am Dienstag und Mittwoch legten vier Bankhäuser neue Kursziele fest bzw. bestätigten bestehende, die sich in der Spanne zwischen 150 und 200 Euro bewegten.
Das blieb den Tradern natürlich nicht verborgen. Außerdem konnte man, wenn man es denn wollte, die aktuelle Nachrichtenlage als für Siemens Energy positiv auslegen: Ein eventuelles, baldiges Kriegsende in Sachen Iran, das dem Unternehmen in Bezug auf Wiederaufbau und Reparatur von Energieanlagen Aufträge bringen könnte. Und der wieder im Raum stehende Austritt der USA aus der NATO, der für ein Unternehmen, das als Ausrüster und Zulieferer von Energieversorgern fungiert, ebenfalls ein gesteigertes Wachstum mit sich bringen könnte. Aber ob all das wirklich ausreicht, um das am Montag von JPMorgan bestätigte Kursziel von 200 Euro (erstmals am 11. Februar vergeben) anzusteuern?
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Expertenmeinung: Eine günstige und damit als Kaufargument einsetzbare Bewertung findet sich hier derzeit nicht gerade. Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von derzeit 38 auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung der Analysten für das bis 30.9. laufende Geschäftsjahr 2025/2026 ist nicht gerade niedrig. Und deren durchschnittliches Kursziel von 166 Euro liegt nicht mehr weit entfernt, zudem läge es noch unter dem im Februar bei 171,65 Euro erreichten, bisherigen Rekordhoch der Aktie.
Hinzu kommt, dass die Experten, die hohe Kursziele gesetzt haben, zwar weiterhin den Daumen heben, diese Ziele aber nicht eigens angehoben hatten, weder JPMorgan mit ihren 200 Euro noch der „Zweitplatzierte“, die Deutsche Bank mit 180 Euro: Auch dieses Kursziel stammt aus dem Februar und wurde jetzt nur bestätigt. „Frische“ bullische Argumente scheint man dort also nicht zu sehen. Doch der Blick auf den Chart bietet dem bullischen Lager einen nicht unwesentlichen Rückhalt:

Im Gegensatz zu den meisten DAX-Aktien ist der mittelfristige Aufwärtstrend bei dieser Aktie trotz des Drucks, der im März vom Iran-Krieg ausging, nicht gebrochen. Der Kurs hat nach einer moderaten Korrektur eine volatile Seitwärtsbewegung absolviert und hätte damit grundsätzlich die Chance, sich mit einem Schlusskurs über der derzeitigen Kursspanne von 130,90 zu 159,86 Euro nach oben abzusetzen, das unmittelbar nächste Kursziel wäre dann bereits das Verlaufshoch von 171,65 Euro. Was aber für einen Neueinstieg ein bisschen mager wäre. Ein Ausbruch nach oben wäre da also schon ein Ziel, das man sich als Käufer setzen würde. Und ob das kurzfristig gelingt, ist momentan zumindest ein bisschen fraglich.
Zum einen, weil die Analysten großenteils mit ihren Kurszielen darunterliegen und der Kursziel-Schnitt unter dem bisherigen Hoch liegt. Zum anderen wegen der vorgenannten, eher hohen Bewertung mit einem KGV von 38. Es bräuchte neue Argumente für neue Kursrekorde. Die zwar kommen könnten, aber nicht müssen. Wie könnte man damit umgehen?
Der Neueinstieg wäre auf jeden Fall eher risikobehaftet, denn ja, Siemens Energy läuft in einem intakten Aufwärtstrend. Aber eindeutig gebrochen wäre der erst bei Schlusskursen unter 130,90 Euro … das wäre vom aktuellen Kurs ein Abwärtsrisiko von 14 Prozent, während der Weg bis zum bisherigen Verlaufshoch knapp 13 Prozent ausmachen würde. Das Chance-/Risiko-Verhältnis wäre also nicht gerade üppig, zumal man ja erst dann, wenn das obere Ende der aktuellen Handelsspanne bei 159,86 Euro überwunden wäre, wirklich eine „Aktivierung“ des Aufwärtspotenzials aus charttechnischer Sicht hätte.
Dagegen, als bereits investierter Trader am Ball zu bleiben und den Stoppkurs mit dem Anstieg der Aufwärtstrendlinie sukzessiv nachzuziehen, spräche momentan nichts, aber um jetzt erst auf den Zug aufzuspringen, ist der doch schon ein bisschen weit gelaufen.
Quellen:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/ENR.DE/analyst-insights/
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