Man müsste ins Jahr 2014 zurückgehen um eine längere Phase zu finden, in der die SAP-Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 20 aufwies. Jetzt ist es wieder soweit. Und das, obwohl die Aktie unter dem niedrigsten aller Analysten-Kursziele notiert. Kaufen?
Den Bullen wird ja nachgesagt, dass sie wild und mutig (bzw. leichtsinnig) voranpreschen, während die Bären im Verborgenen auf ihre Gelegenheit lauern und erst zuschlagen, wenn sie erkennen, dass sie ihre Beute ohne große Gefahr erlegen können. Davon mal abgesehen, dass das Plattitüden sind und, wie so vieles an der Börse, nichts mit einem platten Spruch korrekt beschrieben ist, hätte die Eigenschaft, in aller Ruhe abzuwarten, bis der rechte Moment gekommen ist, etwas für sich. Vor allem, wenn es um die SAP-Aktie geht.
Denn hier geht es nur mit Geduld. Wer in den vergangenen Monaten sicher war, dass die Aktie jetzt nicht mehr allzu viel tiefer fallen könnte und in einem intakten Abwärtstrend antizyklisch zugriff, verbrannte sich die Finger. Richtig ist zwar, dass SAP eigentlich viel höher notieren könnte. Aber was hilft das, wenn sie es nicht tut?
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Expertenmeinung: Die im Januar losgetretene „KI-Angst“, d.h. die Sorge, dass der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz die Softwarebranche in Schwierigkeiten bringen werde, hat sich in den Ergebnissen der Softwareunternehmen im ersten Quartal zwar nicht bewahrheitet. Aber die Bären argumentieren mit einem „Totschlag-Argument“: „Noch nicht“, heißt es da. „Das kommt noch“. Eine Behauptung, die man nicht widerlegen kann.
Da hilft es eben nichts, dass SAP mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 ungewöhnlich günstig bewertet ist, in den Jahren zuvor hatte man bei KGVs von 40 und mehr noch kein Problem damit, immer weiter zu kaufen. Es hilft auch nichts, dass die Analysten diese „KI-Angst“ mehrheitlich nicht teilen, weshalb 23 von 27 Analysten SAP mit „Kaufen“ einstufen, das durchschnittliche Kursziel bei knapp 216 Euro liegt und der Kurs sogar deutlich unterhalb des niedrigsten aller Kursziele von 170 Euro notiert. Da hilft nur Geduld.
Geduld, bis das Chartbild dem bärischen Lager den Rückenwind nimmt, weil Hürden überwunden wurden, die normalerweise effektiv von den Short-Sellern verteidigt worden wären. Zwei Chartmarken springen da ins Auge:

Zum einen die untere Begrenzung des Anfang 2025 etablierten Abwärtstrendkanals, derzeit bei knapp 171 Euro. Und darunter das Februar-Verlaufstief bei 159,60 Euro, das zurückzuerobern bislang gescheitert ist. Oberhalb dieser beiden Widerstandslinien wäre dann für das bullische Lager lohendes Aufwärtspotenzial bis an den Kreuzwiderstand aus Juli 2025-Abwärtstrendlinie und 200-Tage-Linie bei 190 Euro gegeben. Aber eben erst, wenn diese beiden im Weg liegenden Bremsmarken aus dem Weg geräumt sind. Das abzuwarten, mag Geduld erfordern. Eine Eigenschaft, die man den Bullen abspricht … aber clevere Bullen lernen eben auch vom Gegner, diese Fähigkeit sollte man sich, nicht nur in Bezug auf SAP, von den Bären abschauen.
Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/SAP.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.05.2026 um 22:01 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.




