Die Ende letzter Woche vorgelegte Quartalsbilanz des Softwarekonzerns SAP reflektierte die „KI-Angst“ nicht, die seit Ende Januar zu einem immensen Sell-off bei Software-Aktien geführt hatte. Binnen drei Handelstagen ging es um 24 Prozent aufwärts. Ist das schon die Wende?
Da sollte man noch vorsichtig sein, denn auch wenn eine solche Rallye beeindruckend ist: Aus rein charttechnischer Sicht ist die Aktie zwar an die für eine Aufwärtswende entscheidenden Widerstandslinien gelaufen, aber noch nicht darüber. Und vor einem Sprung über diese Charthürden steht ein dickes „könnte“, denn:
Die Zahlen und Aussagen des Softwareriesen im Zuge der Bilanz stützten zwar nicht die für die vorherige Baisse der Software-Aktien verantwortliche Unterstellung, dass der KI-Boom der Branche massiv zusetzen werde. SAP implementiert KI sogar verstärkt in die eigenen Produkte, was für die Zukunft durchaus hoffen lässt. Aber das zweite Quartal an sich war in der Masse „nur“ wie erwartet ausgefallen.
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, das entsprach der mittleren Schätzung der Analysten. Auch der Gewinn pro Aktie lag mit 1,89 Euro im Rahmen der Schätzungen. SAP wächst, aber eben so, wie diejenigen, die sich mit dem Unternehmen befassen, es auch vermutet hatten. Die einzige positive Überraschung war also eigentlich, dass es in Sachen KI keine negativen Überraschungen gab. Reicht das, um eine mittelfristige Aufwärtswende zu generieren?
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur SAP Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung: Wenn man sich ansieht, wie diejenigen Analysten reagierten, die seit der Bilanzvorlage am späten Donnerstagabend letzter Woche ihre Kursziele aktualisierten, sollte man das zumindest nicht als ausgemachte Sache ansehen. Denn da dominierten Kurszielsenkungen. Meist zwar nur leichte, aber immerhin. Derzeit ist die Mehrheit der Experten zwar weiterhin bullisch. Aber das vor wenigen Tagen noch meilenweit über dem letzten Kurs liegende durchschnittliche Kursziel kam jetzt erst einmal nicht weiter voran und liegt bei rund 200 Euro … vor drei Monaten lag es noch bei 245 Euro.
Jetzt, nach einer 24-Prozent-Rallye, wirken unmittelbar folgende weitere Kursgewinne daher nicht mehr wirklich zwingend. Daher ist es ebenso wenig zwingend, dass es der Aktie kurzfristig gelingen wird, die jetzt von unten angelaufene massive Widerstandszone zwischen 159,40 und 174,80 Euro zu überwinden.

Dass bärische Trader jetzt gefährlicher leben, nachdem sich auch in dieser Quartalsbilanz keine Hinweise darauf fanden, dass die „KI-Angst“ so, wie sie am Markt gespielt wurde, aktuell berechtigt ist, mag sein. Aber solange die SAP-Aktie diese mittelfristige Aufwärtswende noch nicht vollzogen hat, sind Long-Positionen genauso risikobehaftet. Ein klares bullisches Signal im Chart abzuwarten, erscheint hier angebracht.
Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Quartals 2026, 23.07.2026: https://www.sap.com/investors/de/financial-documents-and-events/recent-results.html?pdf-asset=44edb8dd-5d7f-0010-bca6-c68f7e60039b&page=2 Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/SAP.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.07.2026 um 20:18 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.




