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Der Großteil der Analysten ist für SAP bullisch. Und selbst das niedrigste Experten-Kursziel liegt über dem derzeitigen Kurs der Aktie. Trotzdem fiel die Aktie auch am Freitag wie ein Stein. Das kann auf eine spannende Einstiegschance hinauslaufen. Aber noch ist es keine.
Wenn es um Argumente geht, warum ausgerechnet die SAP-Aktie, die 2023 und 2024 das Top-Zugpferd im DAX war, derart schnell und weit fällt, kommt immer die gleiche Antwort: „Verdrängungssorgen“ durch die KI. KI könnte Software-Systeme wie die von SAP in den kommenden Jahren weniger lukrativ machen, weil andere, schnellere, billigere Wege entstehen könnten, um zu leisten, was die SAP-Produkte leisten. Ob es wirklich so kommt, ist nicht sicher. Wie stark dieser Effekt dann sein könnte, erst recht. Hinzu kommt, dass dieses Argument den Kurs ja mittlerweile schon mehrfach in Abwärtsschübe gedrängt hat, ohne dass neue, die Argumentation verstärkende Aspekte hinzukamen.
Darüber hinaus argumentieren nicht wenige Analysten, dass die KI-Fortschritte auch für die Softwarebranche von Vorteil sein können. Sogar Nvidia-Chef Jensen Huang ist der Ansicht, dass dieser Verkaufsdruck bei Aktien des Software-Sektors nicht berechtigt sei. Gerade erst vor drei Wochen sagte er, dass Unternehmen seiner Meinung nach KI-Agenten haben wollen, die innerhalb von bestehenden Systemen wie denen von Salesforce oder SAP arbeiten und diese ergänzen und aufwerten, so dass die Nutzung dieser Software-Plattformen eher steigen statt sinken dürfte. Der Blick auf den SAP-Chart zeigt:

Denen, die es eigentlich wissen sollten, scheint man nicht zu glauben. Denn was sonst könnte diesen immensen Druck aufrechterhalten, der den SAP-Kurs am Freitag aus der vorherigen Bodenbildung nach unten heraus auf den tiefsten Stand seit Anfang 2024 drückte?
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Expertenmeinung: Es gäbe durchaus noch einen möglichen Grund: Die Schwäche der Aktie an sich. Nicht umsonst gibt es den alten Börsenspruch „die Hausse nährt die Hausse“. Das gilt für eine Baisse genauso. Trends erneuern sich quasi von innen heraus, weil trendfolgende Anleger und Handelssysteme die Positionen immer wieder erneuern und ausweiten, solange der Trend hält.
Es ist durchaus möglich, dass ein entscheidender Faktor dafür, dass SAP trotz bullisch gestimmter Analysten und Beschwichtigungen zum Thema „Verdrängung durch KI“ immer weiter nachgibt, in der bisherigen Schwäche liegt, denn an der Börse gilt: Die Letzten beißen die Hunde. Und das gilt umso mehr, wenn zugleich am Terminmarkt Optionen abgerechnet werden, wie das am Freitag der Fall war.
Grundsätzlich agieren erfahrene Trader immer nach dem Prinzip „folge dem Trend“. Bei besonders starken Aktien hat man Long-Positionen, bei den schwächsten eines Index ist man auf der Short-Seite dabei. Damit fährt man in der Regel gut. Und ob eine Abwärtsbewegung rational unterfüttert ist oder nicht, spielt dabei eine kleine Rolle: Der Trend zählt, nicht das „Warum“. Aber wenn das so ist … dann könnte SAP ja immer und immer weiter fallen?
Theoretisch natürlich schon, die natürliche Grenze ist da wie immer die Nulllinie. Eine „ewige Baisse“ ist aber genauso unwahrscheinlich wie eine ewige Hausse. Irgendwann wird ein Punkt erreicht, an dem genug Bären sich sagen, dass es an der Zeit ist, den Gewinn einzustreichen … an dem andere bärische Trader zur Einschätzung gelangen, dass es auf diesem Niveau zu riskant ist, neu Short zu gehen … und an dem erste Anleger trotz des gegen sie laufenden Trends einstiegen, weil sie sich sagen: Jetzt ist das Risiko nach unten ausreichend niedriger als das Aufwärtspotenzial, um auch mal ins fallende Messer greifen zu können.
Oft ist zu beobachten, dass Verfalltermine an den Terminbörsen wie die große, Optionen und Futures umfassende März-Abrechnung am vergangenen Freitag starke Trends noch einmal intensivieren, der Druck dann aber, wenn große Adressen unter den Short-Sellern ihr Ziel durch die Abrechnung ihrer Positionen erreicht haben, erst einmal aufhört. Das muss nicht zwingend in eine Aufwärtswende führen, aber:
Bei SAP, die mittlerweile sogar ein gutes Stück unter dem niedrigsten aller Analysten-Kursziele notiert, das derzeit bei 178,44 Euro liegt und bei der 25 von 29 Analysten eine „Kaufen“-Einschätzung ausgegeben haben, kann das jederzeit passieren. Nur: Es muss nicht. Eine Baisse läuft genauso aus sich selbst heraus weiter, wie es umgekehrt eine Hausse tun kann, daher wäre man gut beraten, ein entsprechendes Signal im Chartbild abzuwarten.
Derzeit könnte beispielsweise ein Anstieg über die Zwischenhochs vom Februar und damit zugleich eine Rückkehr in den Ende Januar nach unten durchbrochenen Abwärtstrendkanal ein zumindest kurzfristig bullisches Signal sein, das risikofreudige Trader mit entsprechend konsequenten Absicherungen als ein denkbares Startsignal einordnen könnten. Das wäre bei Closings über 180 Euro der Fall, aber: Eine solide Aufwärtswende wäre auch das noch lange nicht, Vorsicht bleibt hier auch über 180 Euro erste Trader-Pflicht!
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