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Social Media hat unsere Wahrnehmung der Realität verzerrt, KI hat sie zerstört. Vertrauen, Wahrheit und Fakten wurden durch Narrative und Schlagworte ersetzt.
Die Illusion der Wirklichkeit
Inzwischen dürfte jedem normal denkenden Menschen klar sein, dass Social Media erhebliche Probleme und Schattenseiten mit sich bringt.
Wir haben über die Jahre hinweg eine zunehmende Polarisierung und Fragmentierung der Öffentlichkeit erlebt.
Algorithmen sozialer Netzwerke sind darauf optimiert, Aufmerksamkeit zu maximieren. Empörung, Angst und moralische Entrüstung erzeugen nachweislich höhere Interaktionsraten als differenzierte Argumente. Das Resultat ist eine systematische Verstärkung extremer Positionen.
Hinzu kommen die psychischen Belastungen durch den Vergleich mit den Hochglanzbildern auf Social Media. Perfekte Körper, perfekte Karrieren, perfekte Leben – erzeugen ein verzerrtes Bild der Realität.
Nein, sie erzeugen kein verzerrtes Bild der Realität, sondern eine blanke Illusion.
Etliche Studien haben gezeigt, dass die Nutzung von Social Media das gefühlte Glücksniveau senkt. Trotzdem hängen viele Menschen endlos am Smartphone. Das sogenannte Doom-Scrolling, bei dem man sich selbst endlos mit irgendwelchen Kursvideos das Hirn herausbrennt.
Dabei spielt es keine Rolle, ob das auf TikTok, mit Reels oder YouTube Shorts geschieht.
Es handelt sich um Suchtverhalten, das bewusst erzeugt wird. Plattformen sind so gestaltet, dass sie die Nutzungszeit maximieren. Aufmerksamkeit wird zur Ware – und Nutzer werden zum Produkt.
Vertrauen, Wahrheit, Fakten: Alles verhandelbar
All das wäre schon schlimm genug. Gleichzeitig findet aber auch eine Erosion von Vertrauen und Wahrheit statt.
Der Vertrauensverlust betrifft nicht nur Medien, sondern auch Wissenschaft, Politik und öffentliche Institutionen. Wenn jede Meinung als gleichwertig erscheint, verliert Expertise an Gewicht. Wahrheit wird relativiert.
Was ist die Wahrheit überhaupt noch? Vor allem in einer Welt, die dank KI geradezu mit Inhalten überschwemmt wird. Noch nie war es so einfach, Texte, Bilder oder Videos zu erzeugen. Das führt zu einer Flut von Informationen und Inhalten – leider ist der überwiegende Teil davon inhaltsleer.
Was ist real, was nicht? Was ist von einer KI erstellt und komplett an den Haaren herbeigezogen?
Was früher Meinungsvielfalt war, wird heute zur Überforderung. Die Folge ist Zynismus oder Resignation: Wenn alles gleich laut ist, glaubt man am Ende nichts mehr.
All das wird noch dadurch verstärkt, dass KI aktiv zur Manipulation genutzt wird.
300 Milliarden durch einen Blogpost?
Warum erzähle ich Ihnen das alles und was hat das mit Salesforce zu tun? Aus meiner Sicht sehr viel.
Denn die kollektive Abkopplung von der Realität scheint durch KI nochmal massiv zugenommen zu haben – anders kann ich mir so manche Kursbewegung an der Börse nicht mehr erklären.
In einem Umfeld, in dem Aufmerksamkeit die knappste Ressource ist, gewinnen Narrative an Bedeutung.
Aktien werden in Schubladen gesteckt und Kurse werden auf der Basis von Schlagworten und medialen Ereignissen gemacht und nicht mehr auf der Basis der Realität.
Wie wäre es sonst erklärbar, dass ein Blogpost über eine fiktive Zukunft im Jahr 2028 an der Börse Kursverluste von rund 300 Milliarden Dollar auslöst?
Die Börse im Bann der Narrative
Und da wären wir bei Salesforce. Wie das Unternehmen Geld verdient und all die anderen Dinge, die in der Realität geschehen, spielen keine Rolle.
Viel wichtiger sind die Schublade und das Narrativ, in der sich das Unternehmen befindet: Salesforce ist ein KI-Verlierer und nur das zählt.
Wen interessieren schon die Quartalszahlen oder das Geschäft selbst? Es spielt keine Rolle, dass der Gewinn im vierten Quartal mit 3,81 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 3,04 USD lag. Ebenso wenig, dass der Umsatz von 11,2 Mrd. USD die Analystenschätzungen von 11,1 Mrd. USD ebenfalls übertroffen hat.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 12 % und einem Gewinnsprung von 37 %.
Unter dem Strich konnte der Umsatz im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr um 10 % auf 41,5 Mrd. USD gesteigert werden.
Das Ergebnis verbesserte sich von 9,93 auf 11,97 Mrd. USD, oder von 10,20 auf 12,52 USD je Aktie.
Der freie Cashflow konnte um 16 % auf 14,4 Mrd. USD gesteigert werden.
Salesforce kommt demnach auf einen P/FCF von 13. Sollte der FCF im laufenden Geschäftsjahr wie erwartet um 11 % steigen, würde der P/FCF dadurch auf 11,9 sinken.
Wie Agentforce und Data 360 zum Wachstumsmotor werden.
Vermutlich sind die Erwartungen ohnehin zu niedrig. Die Wachstumsdynamik hat zuletzt zugenommen.
Darüber hinaus ist der Auftragsbestand noch stärker angezogen – die current remaining performance obligations kletterten zuletzt um 16 % auf 35,1 Mrd. USD. Der Gesamtwert aller ausstehenden Aufträge stieg um 14 % auf 72,4 Mrd. USD.
Für den „KI-Verlierer“ Salesforce wird das hauseigene KI-Geschäft immer mehr zum Wachstumsmotor. Der annualisierte Umsatz mit Agentforce und Data 360 ist zuletzt um mehr als 200 % auf 2,9 Mrd. USD gestiegen.

Schade nur, dass das in einer postfaktischen Welt überhaupt keine Rolle spielt. Oder wie ist es zu erklären, dass es haufenweise Downgrades regnet, nachdem ein Unternehmen die Erwartungen übertroffen und eine überraschend starke Prognose vorgelegt hat?
Salesforce begegnet diesem Problem auf eine simple Art und Weise: Es wurde ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar beschlossen, was mehr als einem Viertel des Börsenwerts entspricht.
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