Viele Anleger lieben Geschichten über das nächste große Ding. Die wirklich großen Vermögen entstehen jedoch oft mit langweiligen Aktien wie Microsoft.
Warum Kreativität an der Börse überschätzt wird
Mit Microsoft gewinnt man als Anleger keinen Preis für Kreativität, doch das ist an der Börse auch kein erstrebenswertes Ziel. Es ist besser, auf bewährte und erfolgreiche Unternehmen zu setzen, als das nächste große Ding zu jagen.
Statt sich mit irgendwelchen Wunder-Unternehmen zu beschäftigen, wäre man besser gefahren, wenn man vor 5, 10 oder 20 Jahren Namen wie Microsoft oder McDonald’s gekauft hätte.
Wir alle kannten diese Namen damals, doch die wenigsten Anleger haben sie seitdem auch im Portfolio.
Doch nichts hindert Sie daran, diese Unternehmen in den kommenden 5, 10 oder 20 Jahren im Portfolio zu haben. Die Vergangenheit ist natürlich kein Garant für zukünftigen Erfolg, aber eine Sache scheint sicher:
Unternehmen, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, sind es sehr viel wahrscheinlicher auch in der Zukunft – ganz im Gegensatz zu all den Rohrkrepierern der Vergangenheit.
Erfolg durch kluge Nachahmung
In der Wirtschaft erhält man übrigens auch keinen Preis für Kreativität. Erfindungen und neue Ideen sind eine tolle Sache, aber das Geld wird vor allem mit der Skalierung und Distribution von guten Ideen verdient.
Unternehmen, die bestehende Ideen kopieren und verbessern, sind oft erfolgreicher als die ursprünglichen Innovatoren, weil sie aus deren Fehlern lernen und mit geringerem Risiko agieren. Dieses Prinzip wird als Copycat-Theorie bezeichnet und Microsoft beherrscht es wie kaum ein anderes Unternehmen in der Branche.
Der Grundstein des Konzerns ist Nachahmung. Das Unternehmen hat vieles nicht selbst erfunden, versteht es aber, Erfolgsmodelle zu erkennen und dann auf den fahrenden Zug aufzuspringen.
Das galt bereits für das erste wichtige Produkt des Unternehmens. Als IBM in den frühen 80er-Jahren ein Betriebssystem für seine erste Personal-Computer-Serie (den IBM PC) benötigte, bot es Microsoft an.
Microsoft entwickelte MS-DOS jedoch nicht selbst, sondern kaufte ein bestehendes System von Seattle Computer ein und passte es für IBM an. Dieser strategische Schachzug machte Microsoft zum Standardanbieter für PCs weltweit.
Kaum etwas erfunden, aber alles perfektioniert
Auch Windows war keine echte Neuerfindung, sondern übernahm zentrale Konzepte wie die grafische Benutzeroberfläche, die zuvor bei Xerox und später bei Apple entwickelt wurden. Microsoft erkannte das Marktpotenzial, standardisierte die Technologie und brachte sie über seine enorme Reichweite in den Massenmarkt.
Dieses Muster wiederholte sich über Jahrzehnte. Microsoft erfand weder Textverarbeitung noch Tabellenkalkulation, verdrängte mit Office jedoch Lotus 1-2-3 und WordPerfect. Der Internet Explorer folgte auf Netscape, Teams auf Slack, und Azure entstand als Antwort auf Amazons Cloud AWS.
In anderen Fällen kaufte Microsoft Marktführer direkt, etwa LinkedIn im Bereich beruflicher Netzwerke oder GitHub als zentrale Plattform für Softwareentwickler. Entscheidend ist nicht die ursprüngliche Idee, sondern die Fähigkeit, erfolgreiche Modelle früh zu erkennen, stark zu skalieren und tief in das eigene Ökosystem zu integrieren.
Das Unternehmen prägt Märkte nicht durch Erfindungen, sondern durch Timing, Kapitalstärke und Vertriebsmacht. Genau das macht Microsoft für Anleger so interessant.
Der entscheidende Unterschied
Solange es Microsoft immer wieder gelingt, Trends zu erkennen und Märkte zu erschließen, wird die Erfolgsgeschichte des Unternehmens wohl weitergehen.
Wie wichtig das ist, zeigt das heutige Geschäft von Microsoft. Denn inzwischen dominiert die Cloud den Konzern und einstige Kernprodukte wie Windows spielen nur noch eine untergeordnete Rolle.
Bei den Verlierern der Geschichte ist das Gegenteil geschehen. Unternehmen wie Nokia, Yahoo oder MySpace dominierten zeitweise ihre Branche, verloren aber schlussendlich den Anschluss – alle gleichen Gründen.
Nokia war über Jahre der unangefochtene Weltmarktführer bei Mobiltelefonen. Das Unternehmen dominierte Hardware, Lieferketten und Markenwahrnehmung, verpasste jedoch den Übergang zum Smartphone.
Yahoo war einst das Tor zum Internet. Das Unternehmen dominierte das Suchmaschinengeschäft, Nachrichten und Online-Werbung, erkannte aber weder die Bedeutung algorithmischer Suche noch sozialer Netzwerke.
Ausblick und Bewertung
MySpace war vor Facebook das größte soziale Netzwerk der Welt, vernachlässigte jedoch das Nutzererlebnis und setzte stattdessen auf maximale Monetarisierung.
Wer sich auf bestehende Erfolge verlässt, statt neue Trends zu adaptieren oder zu kopieren, wird überholt. Microsofts Stärke liegt genau darin, dieses Schicksal über Jahrzehnte vermieden zu haben. Das Unternehmen ist ein König der Nachahmer.
Zuletzt hat die Aktie eine größere Korrektur vollzogen, wodurch die blended P/E von etwa 37 auf unter 32 gesunken ist.
Damit ist Microsoft sicherlich kein Schnäppchen, aber warum sollte das Unternehmen auch eines sein?
Microsoft glänzt seit Jahren mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten und daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern.
Im aktuellen Geschäftsjahr 2026, das noch bis Ende Juni läuft, soll das Ergebnis um 18 % auf 16,05 USD je Aktie steigen. Das Wachstum bewegt sich auf einem Niveau, das mit den Vorjahren vergleichbar ist.
Microsoft kommt demnach auf eine forward P/E von 29,7. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 35 und am absoluten Tief bei 23,5.

Microsoft hat ein Doppel-Top ausgebildet und ist zur Unterstützung bei 470 USD zurückgekommen.
Solange die Aktie nicht unter diese Marke fällt, könnte es jederzeit zu einer Erholung in Richtung 490 USD kommen. Darüber wird ein prozyklisches Kaufsignal ausgelöst, das einen erneuten Angriff auf das Allzeithoch wahrscheinlich macht.
Fällt die Aktie jedoch unter 470 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur gerechnet werden. Mögliche Kursziele auf der Unterseite liegen bei 434 und 388 – 408 USD.
Tiefere Kurse erscheinen aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Bei einem Kurs von 388 USD läge die P/E von Microsoft in etwa auf einem Niveau, das zuletzt am Tief der Crashs von 2020 und 2022 erreicht wurde.
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