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Die Berichtssaison nähert sich so langsam dem Ende, doch für Überraschungen ist nach wie vor gesorgt. Intuit ist nachbörslich um 13 % auf 332,95 USD abgestürzt.
Der Markt ignoriert die Realität
Das ist für sich genommen nicht ungewöhnlich, schließlich kommt es nach Quartalszahlen regelmäßig zu Kurssprüngen und Abstürzen. Diese Berichtssaison hat aber offenbar ihre Besonderheiten.
Die Anzahl an Unternehmen, die trotz einer starken geschäftlichen Entwicklung abgestürzt sind, ist enorm. Und das betrifft nicht nur vermeintliche oder wirkliche KI-Verlierer, bei denen das Sentiment so negativ ist, dass selbst sehr gute Zahlen nicht mehr helfen.
Aber auch abseits von diesem Thema geschieht das. Das letzte Mal war das in dieser Intensität im Jahr 2022 zu beobachten, zumindest ist das mein Empfinden, ohne es statistisch auszuwerten. Damals wurden Tech-Konzerne unterschiedslos abverkauft, heute trifft es die Unglücklichen mit einem schwachen Chartbild.
Das Muster dahinter ist so simpel wie stupide: Was bereits gefallen ist, wird einfach weiter abverkauft und umgekehrt.
Wenn gute Zahlen nicht mehr reichen
Im Fall von Intuit ist der Kurs dadurch von über 800 USD abgestürzt, obwohl das Unternehmen Quartal für Quartal die Erwartungen übertrifft. Das ist auch gestern wieder geschehen. Die Quittung war ein Kurssturz von 13 %.
Der Gewinn lag in Q3 mit 12,80 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 12,48 USD. Mit einem Umsatz von 8,56 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 8,52 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht konnte der Umsatz und der Gewinn um 10 % gesteigert werden.
Zum Wachstum haben beide Sparten und nahezu alle Produktlinien beigetragen. TurboTax verzeichnete ein Umsatzplus von 7 % auf 4,4 Mrd. USD, Credit Karma konnte um 15 % auf 631 Mio. USD zulegen.
Global Business Solutions verzeichnete ein Umsatzplus von 15 % auf 3,3 Mrd. USD.
Einzig und allein ProTax konnte den Umsatz nicht steigern und verharrte bei 278 Mio. USD. Dabei handelt es sich jedoch um die kleinste und somit auch eher unwichtige Produktlinie. An dem Wachstum auf Konzernebene ändert das ohnehin nichts.
Schneller, schlanker, fokussierter
Intuit hat außerdem neue KI-gestützte Funktionen und Automatisierungen für die Intuit Enterprise Suite in den USA ausgerollt.
Zu den wichtigsten Erweiterungen gehören KI-basierte Insights, die Finanz- und Unternehmensdaten automatisch analysieren und Handlungsempfehlungen ableiten, flexiblere und detailliertere Auswertungen und ein integriertes Human Capital Management (HCM). Ferner branchenspezifische Funktionen für die Bauwirtschaft, um dort typische Prozesse besser abzubilden.
Darüber hinaus hat Intuit eine umfassende Umstrukturierung angekündigt und bestätigt, dass rund 17 % der Belegschaft abgebaut werden. Das entspricht ungefähr 3.000 Arbeitsplätzen.
Laut dem CEO soll dieser Schritt das Unternehmen „schneller, schlanker und fokussierter“ machen. In internen Mitteilungen wird betont, dass es vor allem um eine Vereinfachung der Unternehmensstruktur geht – nicht primär um KI-bedingte Stellenstreichungen.
Ausblick und Bewertung
Trotz der Restrukturierung, die im ersten Moment immer mit Kosten verbunden ist, hat Intuit die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 angehoben. Beim Umsatz von 21,0 – 21,2 Mrd. USD auf 21,3 – 21,4 Mrd. USD und beim Gewinn von 22,98 – 23,18 auf 23,80 – 23,85 USD je Aktie.
Der Gewinn würde demnach um etwa 18 %, statt wie bisher angenommen um 14 – 15 %, steigen.
Falls Sie sich jetzt fragen, warum die Aktie nach diesen Neuigkeiten abstürzt, ist das ein gutes Zeichen. Es ergibt aus heutiger Sicht schlichtweg keinen Sinn. Börse in Reinform.
Sollte die Prognose erfüllt werden, entspricht das einer forward P/E von 14. Da sich Intuit bereits im Schlussquartal befindet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Ausblick erreicht wird.
Sollte der Gewinn im nächsten Geschäftsjahr, das bereits im August beginnt, abermals um 15 % zulegen, würde die P/E dadurch auf 12,2 sinken.
Für Intuit ist das eine historisch einmalige Situation. Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 30 und selbst am absoluten Tief der Finanzkrise von 2009 lag die P/E bei knapp über 14.
Die Gesamtsituation lässt sich in einem äußerst simplen Fazit zusammenfassen: Entweder wird Intuit disruptiert, wofür es bisher keinerlei Anzeichen gibt, oder die Aktie ist mit hoher Wahrscheinlichkeit unterbewertet.

Sollte der nachbörsliche Abverkauf im regulären Handel bestätigt werden, wird ein Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 290 – 300 USD ausgelöst.
Gelingt hingegen eine Rückkehr über 358 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 425 USD einleiten. Darüber hellt sich das Chartbild nachhaltig auf.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.05.2026 um 14:22 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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