Intuit lief jahrelang von Allzeithoch zu Allzeithoch und war ein klarer Outperformer. Ist Intuit ein KI-Verlierer, oder ist der Abverkauf übertrieben?
Ein Produktportfolio, das Millionen Kunden bindet
Mit einem Portfolio von Software-Tools für Geschäftskunden konnte Intuit mehr als 100 Millionen Kunden gewinnen.
Die wichtigsten Produkte sind TurboTax, QuickBooks, Mint, Credit Karma und Mailchimp. TurboTax ist eine Steuer-Software, QuickBooks ein System zur Daten- und Cashflow-Analyse sowie Buchhaltung.
Mit Mint kann man sich einen Überblick über Geldströme sowie verschiedene Konten verschaffen.
Mit Credit Karma kann man sich kuratierte Kreditangebote einholen und kennt bereits vor Beantragung die Wahrscheinlichkeit einer Kreditzusage. Mailchimp gehört zu den bekannten Anwendungen im E-Mail-Marketing.
Mit diesem Produktportfolio konnte Intuit den Umsatz binnen zehn Jahren von 4,69 auf 18,83 Mrd. USD steigern.
Der Gewinn verbesserte sich in dieser Zeit von 3,78 auf 20,15 USD je Aktie.
Die operative Marge liegt bei etwa 26 %. Die Zahl der ausstehenden Aktien ist bereits seit einigen Jahren unverändert.
Warum selbst Top-Aktien immer wieder brutal korrigieren
Der Kurs hat sich über die Jahre entsprechend entwickelt. Intuit lief jahrelang von Allzeithoch zu Allzeithoch und war ein klarer Outperformer. So sehen Charts von Unternehmen aus, die man im Depot haben sollte und sicherlich auch gerne gehabt hätte.

Was man mit Blick auf diesen Chart aber gerne vergisst, ist die Tatsache, dass es auch bei solchen Aktien immer wieder zu größeren Korrekturen kommt. Rückblickend wirken sie unbedeutend. In dem Moment, in dem sie geschehen sind, wird das aber vollkommen anders wahrgenommen.
Jeder kann es nachvollziehen und weiß, wie schwierig es ist, Rücksetzer „auszuhalten“ und wie es sich anfühlt, wenn eine Aktie von über 300 auf unter 200 USD oder von 700 auf 350 USD abstürzt.
All das sind reale Rücksetzer, zu denen es bei Intuit über die Jahre gekommen ist. Wer sich von der Panik am Markt mitreißen ließ, hatte das Nachsehen, wer die Ruhe bewahrt hat, wurde dafür belohnt.
Panik verkauft, Geduld gewinnt
Wer sogar dazu in der Lage war, antizyklisch einzusteigen und die Rücksetzer für sich zu nutzen, für den lief die Sache umso erfreulicher.
Nun stellt sich die Frage, ob Sie in der Lage sind, sich gegen die Masse zu stellen und die derzeitige Korrektur zu nutzen.
Anleger hatten, als die Aktie von 300 auf 200 USD abgestürzt ist, sicherlich gute Gründe, um zu verkaufen. Aber war es deshalb eine gute Entscheidung?
Heute stoßen Anleger die Aktie vermutlich deshalb ab, weil Wachstumsaktien zuletzt an Beliebtheit verloren haben, wegen allgemeiner Makro-Unsicherheiten und weil vor einigen Quartalen ein enttäuschender Ausblick vorgelegt wurde.
Aber machen wir uns nichts vor. Der Hauptgrund für die meisten Verkäufe ist psychologischer Natur. Anleger verkaufen Aktien meist deshalb, weil der Kurs gefallen ist und sie Angst vor weiteren Kursverlusten haben.
Was sich wirklich geändert hat
Das Geschäft von Intuit selbst läuft nämlich nicht schlecht. In den letzten Quartalen wurden die Erwartungen durchweg übertroffen.
Was sich wirklich geändert hat, ist das Narrativ.
Bisher wurde Intuit als langfristiger Outperformer mit hohen Wachstumsraten gesehen, der eine Premiumbewertung verdient.
Doch jetzt wird die Aktie als möglicher KI-Verlierer betrachtet.
Unternehmen wie Intuit rechnen pro Nutzer ab (Seat). Den Bären zufolge könnte man die Annahmen treffen, dass die Nutzer in Zukunft durch KI-Agenten ersetzt werden, oder ein Mitarbeiter zukünftig den Job von mehreren Mitarbeitern erledigt.
Das wird zu einer sinkenden Zahl an Nutzern führen und den Bären zufolge die Geschäftsbasis von Unternehmen wie Intuit massiv schädigen.
Diese Theorie dürfte der Hauptgrund für den Abverkauf im Software-Sektor sein.
Dieses Narrativ kann sich als richtig oder komplett falsch herausstellen. Das werden die Geschäftszahlen der jeweiligen Unternehmen in den nächsten Jahren zeigen.
KI-Risiken, aber auch Chancen
Einige Unternehmen werden vermutlich unter Druck kommen, andere gestärkt aus der Krise hervorgehen – das ist schwer vorherzusagen.
Eine Sache dürfte aber sicher sein: Intuit und Konsorten werden keinesfalls kampflos untergehen.
Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die betroffenen Anbieter ihr Geschäftsmodell umstellen und zukünftig nicht mehr pro Nutzer abrechnen – oder aber sie rechnen pro KI-Agent ab, wodurch die Zahl der „Nutzer“ sogar noch steigen könnte.
Oder es wird zukünftig pro menschlichem und pro KI-Agent abgerechnet.
Wenn man davon ausgeht, dass menschliche Mitarbeiter zukünftig in vielen Bereichen einen KI-Agenten zur Seite gestellt bekommen, ergeben sich daraus sogar neue Möglichkeiten zur Monetarisierung.
Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass sich die 18.000 Mitarbeiter von Intuit über diese Themen keine Gedanken machen und keine Lösungsansätze haben?
Intuit ist eine Geschichte mit offenem Ende, so wie nahezu alle Aktien. Allerdings ist es eine Geschichte, bei der aus statistischer Sicht die Chancen überwiegen.
In seinem Buch „The Joys of Compounding“ verweist Gautam Baid auf eine Studie, die sich über zwei Dekaden erstreckt hat.
Demnach waren 80 % der Aktien, die zu Beginn der Studie Outperformer waren, auch 20 Jahre später noch Outperformer und umgekehrt.

Darüber hinaus ist die Bewertung von Intuit inzwischen vergleichsweise niedrig. Im laufenden Geschäftsjahr (7/2026) wird ein Gewinnanstieg um 15 % auf 23,12 USD je Aktie erwartet.
Intuit kommt demnach auf eine forward P/E von 23,6. Im Verhältnis zu den vorliegenden Wachstumsraten ist das aus meiner Sicht vertretbar. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 38,6.
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