Ich hatte an dieser Stelle vor zwei Wochen in Bezug auf die Hochtief-Aktie getitelt „nomen est omen“, weil nach dem Kurssprung der Tage zuvor ein immenses Risiko bestand, dass nach „hoch“ eher über kurz als über lang „tief“ käme. So kam es auch … wie könnte es weitergehen?
Man kann nie sicher sein, ob eine überzogene Kursbewegung nicht noch überzogener wird, weder auf der Ober- noch auf der Unterseite. Aber manchmal sind die Indizien dafür, dass ein Impuls in einer Bauchlandung mündet, derart intensiv, dass man mit nur einer hochgezogenen Augenbraue nicht mehr auskommt. So geschehen bei der Aktie des Baukonzerns Hochtief, die den Ausbruch auf neue Rekordhochs nur wenige Tage vor den Quartalszahlen vollzog. Im Vorgriff auf grandiose Zahlen wurde massiv gekauft … bei einer Aktie, die ohnehin schon drastisch gestiegen war. Und das in einer Intensität, dass das Wort „Leichtsinn“ rot im Chartbild aufblinkte.
Hinzu kam, dass die Analysten da mehrheitlich nicht mitgezogen hatten. Das durchschnittliche Kursziel lag am 6. Mai, dem Tag meiner vorherigen Analyse, bei 375 Euro. Die Aktie schoss im Vorfeld der Bilanz, die am 11. Mai kam, auf bis zu 554 Euro nach oben.
Diese Bilanz war in der Tat gut. Aber sie war nicht gut genug, um diejenigen zu belohnen, die vorgekauft hatten. Am Bilanztag erreichte der Kurs dieses Verlaufshoch von 554 Euro zwar wieder und schloss nach zeitweise deutlichen Gewinnmitnahmen immerhin knapp behauptet. Aber die Verkäufer kamen zurück. Hochtief verlor per gestrigem Schlusskurs, gerechnet von diesem Verlaufshoch, knapp 16,7 Prozent. Und was jetzt?
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Expertenmeinung: Seitens der Experten wurden die Quartalszahlen zwar auch positiv aufgenommen, was dazu führte, dass das durchschnittliche Kursziel von zuvor 375 auf jetzt 409 Euro nach oben wanderte. Aber nur einer der acht die Aktie aktuell einstufenden Analysten wertet sie noch als kaufenswert. Und immerhin notiert der Kurs immer noch ein gutes Stück über diesem durchschnittlichen Kursziel. Da wäre also grundsätzlich noch Spielraum nach unten. Aber wie viel?
Aus rein charttechnischer Sicht würde sich die Ende September etablierte Aufwärtstrendlinie einschließende Unterstützungszone im Bereich von 400 bis 430 Euro als Sprungtuch anbieten. Dann wäre die Bewertung nicht mehr zu hoch und wenigstens die Kurszielzone der Analysten einigermaßen wieder erreicht. Aber ob das so hinhaut, könnte auch von einem anderen Faktor abhängen: der Frage, wie die Mehrheit der Investoren das Wachstumspotenzial in Sachen KI sieht.
Hochtief gehörte zum Kordon KI-verbundener Aktien (in diesem Fall, weil man vom Bau von Rechenzentren stark profitiert), die am Dienstag kräftigen Abgabedruck sahen. Sollten die heute am späten Abend anstehenden Quartalsergebnisse von KI-Gigant Nvidia die Sorge bestätigen, dass man in Bezug auf das noch anstehende Wachstum dieses Sektors womöglich über das Ziel hinausgeschossen ist, würde das womöglich auch auf die Beurteilung von Hochtief abfärben. Im negativen Fall könnte diese Supportzone von 400 bis 430 Euro also durchaus brechen.

Fazit: Die Korrektur fällt bislang ebenso kräftig aus, wie man es befürchten musste. Wie weit sie reicht, ist aber noch offen. Der Unterstützungsbereich von 400 bis 430 Euro würde eine Chance bieten, die aber nicht so groß ausfällt, dass man es wagen könnte, noch oberhalb dieses Bereichs beherzt ins fallende Messer zu greifen. Ideal wäre ein Aufwärtsschwenk in dieser Zone und die Rückeroberung der 20-Tage-Linie als nächster, darüber verlaufender Hürde. Bevor das nicht gelungen wäre, bleibt das Abwärtsrisiko erheblich genug, um die Füße still zu halten.
Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/HOT.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.05.2026 um 22:14 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.





