Im ersten Halbjahr hat sich der Auftragseingang des Avionik- und Radar-Spezialisten Hensoldt verdoppelt, wie im Rahmen der Halbjahresbilanz gemeldet wurde. Trotzdem ging es mit der Aktie abwärts. Weil selbst die Verdoppelung zu wenig war? Nein, der Grund war ein anderer.
Hensoldt verbuchte in den ersten sechs Monaten einen Auftragseingang von 2,81 Milliarden Euro, sagenhafte 100 Prozent über den 1,41 Milliarden des Vorjahreszeitraums. Damit stieg der Auftragsbestand um 46,5 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro. Das klingt grandios. Aber es schwimmt ein Haar in dieser Suppe.
Denn was im ersten Moment gut klingt, nämlich dass die Book-to-Bill-Ratio, das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, von 1,5 auf 2,4 stieg, ist gar nicht mal so erfreulich, weil es andeutet, dass Hensoldt zwar von der Nachfrage her ein rasantes Umsatz- und Gewinnwachstum erreichen könnte, es bislang aber nicht tut … nicht zuletzt, weil es eben nicht so leicht ist, größere Produktionskapazitäten einfach aus dem Boden zu stampfen.
Und so stieg der Umsatz zwar, mit 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro legte er aber deutlich langsamer zu als der Auftragseingang. Und auch wenn eine hohe Nachfrage steigende Gewinnmargen erwarten lässt, wenn sie auf ein knappes Angebot trifft, legte die operative Marge, bezogen auf das EBITDA, nur von 11,1 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 11,5 Prozent zu. Und da dürfte bei so manchem Anleger eine Augenbraue nach oben gewandert sein.
Denn natürlich ist es hervorragend, dass Hensoldt angesichts dieses Auftragsbestands auf Jahre hinaus ausgelastet sein wird. Aber die immense Hausse, die diese Aktie im vergangenen Jahr erlebt hatte, setzte auf ein rasantes Wachstum, nicht auf ein solides, konstantes. Und da Hensoldt an der bestehenden Gesamtjahresprognose festhielt, die einen Umsatz um die 2,75 Milliarden Euro avisiert (2025: 2,45 Mrd.) und eine EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent sieht (2025: 18,4 Prozent), kann man nicht davon ausgehen, dass das Wachstum in Kürze an das Tempo des Auftragseingangswachstums anknüpfen kann.
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Expertenmeinung: Aber viele hatten genau darauf gesetzt. Denn trotz der kräftigen Korrektur im vergangenen Herbst, die zu Jahresbeginn in die bis jetzt geltende Seitwärtsspanne überleitete, wirkt die Bewertung, die für die derzeitige durchschnittliche 2026er-Gewinnschätzung der Analysten ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 46 ausweist, eher teuer. Da entsteht der Eindruck, dass der Kurs nach oben angesichts dieser Kombination aus Wachstumstempo und Bewertungsniveau „gedeckelt“ ist. Ist das so?
Zumindest dürfte der Weg nach oben vorerst eher steinig sein. Zwar ist ein Ausbruch nach oben noch nicht vom Tisch, denn wenngleich die Aktie mit dem Minus als Reaktion auf die Halbjahreszahlen an der Widerstandszone 82,02 zu 85,36 Euro abgedreht hat, könnte ein zweiter Anlauf erfolgen, solange der Kurs den am Freitag verteidigten Supportbereich 78,30/79,50 Euro hält, der sich aus der 20-Tage- und der 200-Tage-Linie zusammensetzt.

Aber darüber warten dann bei 91,72 und 96,70 Euro weitere Hürden … und diese ebenfalls nachhaltig zu überwinden, würde für die Aktie auf Basis des derzeit avisierten Gewinnwachstums bereits eine derart hohe Bewertung bedeuten, dass es fraglich wäre, ob sich genug Akteure finden, die dann noch weiter kaufen, statt Gewinne mitzunehmen.
Zwar bedeutet das nicht, dass die Hensoldt-Aktie für Short-Trades interessant wäre. Charttechnisch wäre sie erst bärisch, wenn der Kurs aus der aktuellen Handelsspanne nach unten herausrutscht. Das wäre erst unter 63,18 Euro der Fall … und dann würde das Argument einer eher zu hohen Bewertung nicht mehr ziehen. Aber solange es nicht zu einem klaren Ausbruch nach oben käme, der zugleich auf Basis neuer Fakten Rückenwind seitens des Gewinnwachstums vorweisen könnte, ist auch die Oberseite nichts, worauf man allzu viel wetten sollte. Mittel- und langfristig wäre diese Aktie allein mit Blick auf das randvolle Auftragsbuch zweifellos interessant, kurzfristig muss man sie aber als neutral einstufen.
Quellenangaben:
Ergebnis des 1. Halbjahres 2026, 31.07.2026: https://investors.hensoldt.net/de/nachrichten/hensoldt-verdoppelt-auftragseingang-im-ersten-halbjahr-2026-umsatz-und-ergebnis-legen-deutlich-zu/d0140adc-3137-47d7-8f70-fbf0acbf0597
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/HAG.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 01.08.2026 um 18:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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