Eigentlich lagen die gestern präsentierten Halbjahreszahlen des Mahlzeiten-Lieferdienstes Delivery Hero im Rahmen der Erwartungen. Eigentlich sind die Analysten hier mehrheitlich ziemlich optimistisch. Trotzdem wurde der gestrige Tag ein Intraday-Turnaround nach unten.
Delivery Hero schreibt netto zwar immer noch tiefrote Zahlen, ein Minus von 1,34 Euro pro Aktie im ersten Halbjahr ist keine gute Sache. Allerdings auch eine weniger schlechte als die -2,58 Euro im Vergleichszeitraum 2024. Und immerhin gelang im zweiten Quartal erstmals ein um Sonderfaktoren bereinigter Gewinn auf rein operativer Basis. Außerdem stieg der Umsatz um 25 Prozent.
Das mag zwar keine Offenbarung gewesen sein, aber es wirkt auch nicht wie ein Grund, die Aktie auf solche Zahlen hin zu verkaufen. Zumal sie anfangs ja noch deutlich im Plus notierte. Am Morgen hatte der Kurs in der Spitze ein Plus von 4,56 Prozent erreicht, drehte dann aber am Nachmittag ins Minus und beendete den Handel mit -5,93 Prozent.

Dabei waren die Analysten zwar nicht alle begeistert, einige senkten auch ihr Kursziel, zumal Delivery Hero die Gesamtjahresprognose zumindest in Bezug auf den operativen Gewinn aufgrund negativer Währungseffekte etwas senkte. Aber diese Kursziel-Senkungen bewegten sich weit außerhalb der aktuellen Handelsspanne der Aktie. Die am Donnerstag als Reaktion auf die Halbjahreszahlen vergebenen Analysten-Ziele lagen in einer Spanne zwischen 35 und 56 Euro. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel findet sich derzeit um 36 Euro … und damit über 60 Prozent höher. Was ist los mit den Marktteilnehmern?
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Expertenmeinung: Dass die Anleger hier eine „Sleeping Beauty“ übersehen, kann man gerne ausschließen. Denn Delivery Hero war eine der Boom-Aktien der Corona-Zeit. Die vergisst man nicht, wenn man sie mal hatte. Aber da kommt man dem Problem auch schon näher. Viele dürften eben auch nicht vergessen, dass diese Aktie einmal bei 145 Euro notiert hatte. Und nicht gerade wenige dürften zu sehr hohen Kursen ein- und vermutlich nur wenige rechtzeitig wieder ausgestiegen sein. Da liegt der Hase im Pfeffer.
Hier waren damals, vor allem im Jahr 2020, gewaltige Erwartungen eingepreist worden. Und die haben sich bislang nicht erfüllt. Ein Jahr ums andere sah man Delivery Hero näher an der Gewinnschwelle. Jetzt, 2025, gelang zwar endlich ein operativer Gewinn. Aber von einer schwarzen Netto-Null ist man immer noch ein gutes Stück entfernt, trotz verschiedener Aktionen zur Steigerung der Effektivität und zur Stärkung von Marktposition und Kapitaldecke. Je größer die Erwartungen im Vorfeld waren, desto größer wird eben das Misstrauen, wenn sie nicht erfüllt wurden. Die Zweifel sitzen jetzt tief … und das kann auch das bärische Lager gezielt nutzen.
Es müssen keineswegs nur zweifelnde Anleger gewesen sein, die angesichts eines kleinen Zugewinns mit Blick auf diese Bilanzdaten entschieden, lieber auszusteigen. Immerhin war der Kurs im Vorfeld nicht gestiegen und läuft seit April in einer breiten Spanne seitwärts. Hier sind also keine Vorkäufe im Vorfeld der Bilanz schiefgegangen, das sieht mehr nach bärischen Tradern aus, die gezielt darauf setzen, dass ein Abwärtsschwenk an einem Tag wie diesem die Tür für weitere Kursverluste und damit für weitere Gewinne auf der Short-Seite aufstößt.
Was sich indes erst herausstellen müsste. Denn noch bewegt sich die Aktie in dieser seit April geltenden Handelsspanne zwischen 19,69 und 28,28 Euro. Der Kurs müsste aus dieser Range nach unten herausrutschen, um wirklich größeres Abwärtspotenzial zu erhalten. Und das ist, da die Bilanz nicht wirklich eine Enttäuschung darstellte, zweifelhaft genug, um hier besser nicht auf die Short-Seite zu wetten. Innerhalb dieser breiten Spanne wäre man entweder als kurzfristiger Range-Trader unterwegs oder, als mittelfristiger Anleger, gar nicht. Besser abwarten, bis die Delivery-Hero-Aktie wieder ein mittelfristiges Trendsignal liefert!
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