Daimler: Jetzt wird das Gap geschlossen … aber was dann?

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Zur Daimler Aktie

Nervöse Verbraucher, reißende Lieferketten, steigende Energiekosten: Nichts konnte die Daimler-Aktie zuletzt aufhalten. Selbst das große „Gap Down“, das durch die „Omikron“-Meldung entstand, wird gerade geschlossen. Aber wenn es geschlossen ist, was dann?

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Rein charttechnisch betrachtet ist die Ausgangslage klar. Nachdem die Daimler-Aktie im Oktober über das vorherige Jahreshoch bei 80,41 Euro gelaufen war, setzte der Kurs kurz auf den Ausbruchslevel zurück, bestätigte den Ausbruch dadurch und stieg bis 91,63 Euro weiter. Dann kam es zu diesem kurzen „Omikron-Selloff“, doch der Daimler drehte am Dienstag präzise auf Höhe dieser so wichtigen Supportlinie, dem alten Jahreshoch vom Juni, wieder nach oben, sah am Mittwoch kräftige Anschlusskäufe und ist damit der oberen Begrenzung des „Gap Down“ vom Dienstag bei 88,38 Euro bereits sehr nahe gekommen. Damit gilt:

Gelingt es, dieses Gap zu schließen und die Aktie steigt unmittelbar weiter, wäre der Weg aus rein charttechnischer Sicht wieder bis an und im Idealfall über das bisherige Jahres-Verlaufshoch von 91,63 Euro frei. Sollten die Verkäufe im Bereich dieser oberen Begrenzung des Gaps aber wieder einsetzen, stünde sofort wieder diese Linie bei 80,41 Euro zur Disposition. Die Frage ist aber, wie man dann jeweils reagieren sollte. Und da kämen dann die Fundamentals ins Spiel. 

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Daimler Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Daimler ist deswegen in diesem Jahr derart stark gelaufen, hat in der Spitze bereits 60 Prozent Gewinn erzielt, weil die Anleger immer wieder von den Ergebnissen des Konzerns verblüfft wurden. Auch Daimler sieht sich mit höheren Kosten, reißenden Lieferketten und nervösen Verbrauchern konfrontiert, aber all das scheint die Bilanzen nicht auszubremsen. Weil es gelingt, bei den hochpreisigen Modellen hohe Gewinnspannen zu erzielen, läuft es weiter wie geschmiert, so dass die Erwartungen der Analysten, dass Daimler 2021 einen Rekordgewinn erreichen wird, weiterhin erfüllt werden könnten … sofern Umsatz und Gewinn nicht im vierten Quartal doch noch von den so viele andere Unternehmen unter Druck setzenden Problemen eingeholt werden.

Aber selbst, wenn nichts schiefgeht und sich die Lage Anfang 2022 wieder normalisiert, sehen die meisten Experten für die kommenden zwei Jahre nur noch eine minimale Gewinnsteigerung. Und eine Daimler-Aktie, die bereits sehr stark gelaufen ist, die den DAX meilenweit unter sich ließ, hat genau das, eine Normalisierung des Umfelds, bereits eingepreist. Daher ist die Luft nach oben eher dünn, wenn man unterstellt, dass es nicht noch zu positiven Überraschungen in Bezug auf die Rahmenbedingungen kommt, die bislang noch nicht auf dem Zettel von Anlegern und Analysten stehen.

Im Gegenzug ist diese Super-Hausse dadurch auf diesem Niveau anfällig für „bad news“. Noch auf der Long-Seite neu einzusteigen, sollte es gelingen, dieses Gap zu schließen, wäre daher eher riskant. Die Aktie zu halten, sofern man bereits an Bord ist, wäre indes allemal drin, wenn man sich gegen negative Überraschungen wappnet. Wobei das bei diesem Chartbild recht leicht fällt, denn genau dort, wo die Daimler-Aktie am Dienstag nach oben drehte, liegt auch die Achillesferse der Bullen: bei 80,41 Euro. Sollte Daimler diese Linie auf Schlusskursbasis um mindestens ein Prozent unterschreiten, wäre man wohl gut beraten, wenn man da einen Stoppkurs liegen hätte.

Daimler-Aktie: Chart vom 01.12.2021, Kurs 86,59 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX
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Was Daimler für das 3. Quartal berichtete, dürfte die große Mehrheit der Marktteilnehmer völlig überrascht haben. Es wirkte, als wären steigende Kosten und fehlende Teile ein Problem, das Daimler nichts angeht. Die Anleger griffen zu … aber wie viel Luft nach oben wäre da noch?

Wie war es möglich, dass Daimler trotz eines in den letzten Monaten auch hier stark gesunkenen Absatzes aufgrund fehlender Chips die Gewinnerwartung der Analysten mit 3,61 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern deutlich schlagen konnte (Konsens-Prognose 3,29 Milliarden)? Wie konnte der Umsatz mit 40,1 Milliarden Euro nur knapp unter dem Vorjahresquartal und deutlich über der Prognose (38,6 Milliarden) liegen?

Das erklärte sich mit einem Satz: Man konnte höhere Preise bei den hochpreisigen Modellen erzielen. Dadurch sah sich Daimler in der Lage, im Zuge der Quartalsbilanz die Gesamtjahresprognose für die Eigenkapitalrendite, quasi eine Form der Gewinnmarge, von zuvor 17 bis 19 auf jetzt 20 bis 22 Prozent anzuheben. Und das „heilt“ die hinter den ursprünglichen, unternehmenseigenen Zielen zurückbleibenden Auslieferungszahlen. Weniger Fahrzeuge, dafür bessere Preise: Daimler sieht sich dadurch auf dem besten Weg, die eigenen 2021er-Jahresziele trotz Materialknappheit zu erreichen.

Tageschart vom 29.10.2021, Kurs 85,74 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

Expertenmeinung: Dass sich ausgerechnet ein „big player“ aus der Automobilindustrie so souverän dem allgemeinen Sog entzieht, begeisterte so manchen Anleger. Die Aktie legte zu und erreichte dadurch am Tageshoch den höchsten Kurslevel seit Juli 2015. Signifikant über das markante Zwischenhoch vom 1. Dezember 2015 bei 85,50 Euro hinaus kam die Aktie aber noch nicht. Aber wer heute investiert ist oder aber über den Neueinstieg nachdenkt, für den ist es sekundär, wo eine Aktie herkommt. Entscheidend ist, wie viel Luft da kurz- bis mittelfristig noch nach oben wäre. Denn wer kauft oder dabei bleibt, tut das ja nur, wenn eine berechtigte Hoffnung auf beizeiten weiter steigende Kurse besteht.

Und da sollte man zumindest ein bisschen vorsichtig nach oben blicken. Denn momentan sehen die Experten zwar einen grandiosen Gewinn für 2021, der jetzt durch dieses Zahlenwerk auch als erreichbar bestätigt wird. Aber für die kommenden Jahre ist noch nicht absehbar, wie es laufen könnte. Derzeit erwarten die meisten Analysten nicht, dass Daimler die Gewinne in den kommenden zwei Jahren deutlich steigern wird. Dass kann sich ändern, keine Frage. Aber angesichts zunehmender Inflation, einem nicht absehbaren Ende der Lieferprobleme und einem deutlich wankenden Konsum im wichtigen Absatzmarkt China eben auch nach unten.

Und wenn man sich den langfristigen Chart der Daimler-Aktie ansieht, sieht man eine Art „natürlicher Grenze“ auf der Oberseite, und zwar das 2015er-Hoch bei 96,08 Euro. Dieser Level wurde schon einmal erreicht, und zwar im Jahr 1999. Es müsste viel passieren, um diese Hürde zu überwinden. Und der Spielraum nach unten ist mit dieser Bilanz noch nicht vom Tisch. Sollte die Aktie unter 80 Euro zurückfallen, den im Oktober gelungenen Ausbruch damit eliminieren, wäre ein Test der Zone 67,50/70 Euro allemal drin … und deren Bruch auch. Voraussetzung wäre natürlich, dass die bisherige „Immunität“ gegen die Probleme, die andere Unternehmen haben, nicht mehr gilt. Aber wer wollte das für die Zukunft ausschließen?

Wochenchart vom 29.10.2021, Kurs 85,74 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

Die weltweiten Probleme mit Lieferketten scheinen kein Ende zu finden. Jetzt könnte es die Autobranche an einer neuralgischen Stelle treffen.

China hat eine faktische Monopolstellung im Bereich Magnesium. Rund 87% der weltweiten Produktion stammt aus dem Reich der Mitte. In Europa ist die Abhängigkeit mit 95% noch größer.

Die in China stark gestiegenen Energiepreise haben dazu geführt, dass die Branche nicht mehr profitabel arbeiten konnte. Die Produktion wurde zuletzt immer weiter heruntergefahren, seit dem 20. September steht sie nahezu still.

Der Wegfall der chinesischen Produktion hat zu einem rasanten Preisanstieg von 2.000 auf 14.000 USD pro Tonne geführt. Doch langsam gehen die Reserven aus. Größere Mengen an Magnesium sind kaum mehr zu bekommen.

Unverzichtbar

Das Metall ist für einige Branchen aber vollkommen unverzichtbar. In der Metallindustrie wird Magnesium für Legierungen genutzt und ist Bestandteil von Aluminium- und Stahlkomponenten.
Zu den wichtigsten Abnehmern gehört die Automobilindustrie.

Wird die Produktion nicht umgehend hochgefahren, könnte die Produktion in wenigen Wochen zum Erliegen kommen.
Hält der Trend an, wären die Vorräte in Europa Ende November erschöpft.

Am Freitag warnte eine Gruppe von 12 Branchenvertretern vor den möglicherweise „katastrophalen Auswirkungen“. Es handelt sich um eine „internationale Versorgungskrise von beispiellosem Ausmaß“.

Werden nicht umgehend Maßnahmen ergriffen, könnten die Bänder bei Daimler, BMW, VW & Co. bald stillstehen.
In diesem Szenario müssten die Prognosen spürbar zur Unterseite revidiert werden.

Aluminium -Industrie schlägt Alarm

Mindestens genauso hart würde es die Aluminium-Industrie treffen. Darunter Rio Tinto, Alcoa, Norsk Hydro, Kaiser Alu, Constellium und  Century Alu. Ohne Magnesium kommt das Geschäft schlichtweg zu Erliegen.

Das sind aber nur die unmittelbar betroffenen Unternehmen. Aufgrund der zentralen Rolle von Magnesium im Wertschöpfungsprozess bedrohen die Produktionsausfälle tausende von Unternehmen in Europa.
Es stehen unzählige Jobs auf dem Spiel.

Das wäre nicht notwendig

Dabei hätte es nicht zu einer solchen Situation kommen müssen. Man hat sich schlichtweg zu sehr auf China verlassen.

Magnesium ist eines der zehn häufigsten Elemente in der Erdkruste. Vorkommen gibt es überall.
Doch in Europa und andernorts wurde die Produktion immer weiter zurückgefahren, während sie in Fernost massiv ausgebaut wurde.

Der Anteil Chinas an der globalen Magnesium-Produktion ist seit 2000 von 12 auf 87% gestiegen. Die extreme Verlagerung ist also ein eher neues Phänomen. Das zeigt, dass es auch anders gehen würde.

Das gilt übrigens für viele Industriezweige. Womöglich sollte hier endlich ein Umdenken einsetzen.
Die Produktion von allem auszulagern, nur weil es im ersten Schritt etwas günstiger ist, ist langfristig nicht zielführend.

Unternehmen übersehen die Sekundärkosten ihrer Entscheidungen. Was meine ich damit?
Bleiben wir beim Beispiel Aluminium und Magnesium.

Es gibt die Möglichkeit hier zu produzieren und lokal einzukaufen, oder eben für einen etwas geringerem Preis in China einzukaufen.
Die meisten Unternehmen entscheiden sich für Fernost.

Das zerstört hier vor Ort Arbeitsplätze und senkt dadurch unmittelbar die Kaufkraft. Am Ende zahlt ein Autobauer womöglich weniger für Magnesium, verkauft aber auch weniger oder günstigere Autos.
In Summe hätte der Autobauer in unserem Beispiel womöglich mehr Geld verdient, wenn er eben nicht in China eingekauft hätte.

Denn der durchschnittliche Arbeiter in einer Aluminiumhütte in China ist sicherlich kein möglicher Kunde für Daimler und BMW. Der Arbeiter in der Aluminiumbranche in Deutschland aber sehr wohl.

Ähnlich sieht es in anderen Branchen aus. Doch um das zu erkennen, fehlt der Weitblick.

Ausblick und Bewertung: Daimler und BMW

Da es bereits eine aktuelle Analyse zu Volkswagen (Volkswagen Vz.: Besser schon mal anschnallen?) von meinem lieben Kollegen Ronald Gehrt gibt, möchte ich mich auf Daimler und BMW beschränken.

Daimler hat sich seit dem Vorjahrestief vervierfacht. Das sollte jedem rationalen Anleger gewisse Sorgen bereiten. Denn selbstverständlich hat sich die wirtschaftliche Realität in dieser Zeit nicht annähernd so stark verändert.

Chart vom 26.10.2021 Kurs: 83,46 Kürzel: DAI - Monatskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 26.10.2021 Kurs: 83,46 Kürzel: DAI – Monatskerzen

Das bedeutet nicht, dass die Rallye unmittelbar enden muss. Wenn eine Aktie aber über mehrere Dekaden hinweg immer wieder auf einem ähnlichen Niveau Mehrjahreshochs ausbildet, sollte man das nicht ignorieren.

Hinzu kommen die zuvor besprochenen und möglicherweise aufziehenden Probleme. Für Investoren ist das Chance-Risiko-Verhältnis an diesem Punkt sicherlich nicht optimal.

Chart vom 26.10.2021 Kurs: 87,82 Kürzel: BMW - Monatskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 26.10.2021 Kurs: 87,82 Kürzel: BMW – Monatskerzen

Bei BMW sieht es übergeordnet eine ganze Ecke besser aus. Darüber hinaus hat sich die Aktie „nur“ verdoppelt.
Zieht man einen normalisierten Gewinn heran, ist BMW im historischen Vergleich trotzdem hoch bewertet.

Reine Charttechniker dürfte das aber nicht interessieren. Daher könnte ein Anstieg über 90,00 und 92,50 Euro weitere Anschlusskäufe in Richtung 100 oder 104 Euro auslösen.

Trendbetrachtung auf Basis 6 Monate: Der DAX präsentiert sich derzeit recht angeschlagen und nicht viele Titel konnten sich gegen den jüngsten Abverkauf stemmen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Daimler-Aktie, welche im Laufe der vorigen Woche den Turbo zünden konnte.

Seit Mitte des Jahres korrigierte das Wertpapier, was aber angesichts der langen Aufwärtsbewegung seit 2020 nichts Ungewöhnliches ist. Solch lange Verschnaufpausen sind sogar sehr gesund und liefern oft den Nährboden für weitere Anstiege. Mit dem Ausbruch aus der jüngsten Korrektur entstanden Kaufsignale und die Bullen scheinen jetzt wieder vollends das Ruder übernommen zu haben. Das sieht richtig gut aus.



Expertenmeinung: In den kommenden Tagen dürfte die Aktie den nächsten Widerstandsbereich bei rund 80 EUR anlaufen. Der Weg dorthin ist nicht mehr weit und der Bereich könnte bereits diese Woche erreicht werden. Anleger, die noch auf einen günstigen Einstieg warten, könnten im Bereich von 73 bis 74 EUR aktiv werden, sofern die Kurse überhaupt noch einmal kurzfristig nach unten kommen. Hier lauern solide Unterstützungen. Nach oben hin könnte die Reise auf bis zu 86/87 EUR gehen. Hier setzen wir auch unser vorläufiges Kursziel an. Daimler stufen wir weiterhin mit bullisch ein.

Aussicht: BULLISCH

Chart vom 04.10.2021 Kurs: 76.99 Kürzel: DAI | Online Broker LYNX

Eine Ampel-Koalition ist nach der Wahl die wahrscheinlichste Perspektive und ausgerechnet eine Daimler-Aktie steigt wie entfesselt? Das wirkt nicht nur seltsam, das ist es auch, vor allem auf diesem relativ hohen Kursniveau. Was steckt hinter dieser Rallye, kann man ihr trauen?

Man könnte argumentieren, dass eine Ampel immerhin die FDP beinhaltet, die dafür sorgen wird, dass den Autobauern nicht zu viel Ungemach droht … und dass Daimler darüber hinaus schließlich auch auf dem Weg der E-Mobilität unterwegs ist. Aber das wäre letztlich ja nur eine Begründung, warum die Aktie nicht fallen müsste. Sie läuft aber gerade gegen einen tendenziell kippenden DAX aufwärts. Dazu bräuchte es mehr und bessere Argumente, ansonsten müsste man diese Rallye als reine Flucht nach vorne der Bullen ansehen. Was meist nicht auf Dauer gelingt.

Die Vorfreude auf grandiose Quartalsergebnisse dürfte die Käufer nicht mobilisiert haben, denn es ist klar, dass die Lieferprobleme ebenso wie die haussierenden Energiekosten die Automobilindustrie hart treffen. Erst gestern meldete das ifo-Institut, dass 97 Prozent aller befragten Unternehmen der Branche über Probleme aufgrund des „Flaschenhalses“ klagen. Und selbst wenn man unterstellt, dass in Kürze von den Verbrauchern begierig gekauft wird, was heute nicht vom Band gehen kann: Auch das wäre kein Argument für neue Hochs, bestenfalls für ein Beibehalten der im Frühjahr begonnenen Seitwärtsbewegung.

Denn die Marktteilnehmer hatten Anfang des Jahres höchst optimistische Statements des Daimler-Konzerns zum Ablauf des Jahres 2021 zu hören bekommen. Inflation und Flaschenhals hatte da noch niemand auf dem Zettel. Trotzdem hält die Aktie ein Niveau, das erreicht wurde, als alle davon ausgingen, dass man Ende 2021 mindestens das erreichen würde, was Anfang des Jahres als Perspektive herumgereicht wurde. Doch genau das ist fraglich, mit einer positiven Überraschung zu rechnen, wäre daher, vorsichtig formuliert, gewagt. Also?

Expertenmeinung: Also bleibt nur das reine, kurzfristige Trading. Und ja, da finden sich in der Tat Gründe, wieso die Aktie in den vergangenen Tagen zulegte. Daimler hatte Anfang vergangener Woche die Unterstützungszone 67,50/70 Euro verteidigt, zum zweiten Mal in kurzer Zeit. Dadurch gelang es zugleich, die zuvor nicht signifikant gebrochene 200-Tage-Linie zurück zu erobern. Das sorgte für Trading-Käufe und den Kurs ziehende Eindeckungen von Short-Sellern, die die Daimler-Aktie an und dann auch über die kurzfristige Juni-Abwärtstrendlinie hoben. Das Bezwingen dieser Abwärtstrendlinie sorgte dann für erneute Käufe – letztlich ist diese Rallye also eine Kettenreaktion nach der Verteidigung der Unterstützungszone 67,50/70 Euro, deren Bruch eine Toppbildung vollendet und den Weg nach unten freigegeben hätte. Die Vollendung des Topps ist damit also erst einmal abgewendet, aber ob das allein reicht, um die Aktie über das bisherige Jahreshoch bei 80,41 Euro zu heben, ist recht fraglich, denn es fehlt eben an dem normalerweise unumgänglichen, fundamentalen Rückenwind. Die noch im Frühjahr fest verankerte Erwartung, dass Daimler auf dem Weg zu einer Rundum-Sorglos-Boomphase ist, wird derzeit erschüttert … das sollte man berücksichtigen, falls man erwägen würde, auf diesen Rallye-Zug aufzuspringen.

Daimler-Aktie: Chart vom 29.09.2021, Kurs 77,40 Euro, Kürzel DAI | Online Broker LYNX

In den letzten Monaten ist es zu einer wahren Renaissance der Autobauer gekommen, zumindest kurstechnisch.

Die Pandemie hatte weitaus geringere Auswirkungen auf das Geschäft, als man zwischenzeitlich angenommen hatte.
Darüber hinaus wurde durch die Meldung, dass VW bald mehr Elektroautos verkaufen wird wie Tesla, einigen wohl schlagartig klar, dass man die deutschen Autobauer wohl doch nicht voreilig abschreiben sollte.

Daimler, BMW und VW sind allesamt bis an ihre Mehrjahres- oder Allzeithochs vorgestoßen.

Chart vom 21.09.2021 Kurs: 69,54 Kürzel: DAI - Wochenkerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.09.2021 Kurs: 69,54 Kürzel: DAI – Wochenkerzen

Auf diesem Niveau war es in der Vergangenheit immer eine gute Entscheidung, sich von seinen Daimler -Anteilen zu trennen.
Die Chancen stehen gut, dass das wieder der Fall sein wird und man die Aktie in Zukunft nochmal deutlich günstiger bekommen kann.

VW ist bereits ordentlich vom Hoch zurückgekommen und hat 25% an Wert verloren. Bei BMW sind es immerhin 15%.
Es wäre gut möglich, dass Daimler diesem Beispiel folgt.

Chart vom 21.09.2021 Kurs: 69,54 Kürzel: DAI - Tageskerzen | Online Broker LYNX
Chart vom 21.09.2021 Kurs: 69,54 Kürzel: DAI – Tageskerzen

Aus technischer Sicht ist die Lage angeschlagen. Der mehrmonatige Aufwärtstrend wurde durchbrochen und eine Rückkehr in ihn ist mehrfach nicht gelungen.

Gleichzeitig hat sich ein Abwärtstrend ausgebildet, der wiederholt bestätigt wurde.

Fällt die Aktie jetzt unter 67,50 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 60 und 56 Euro.

Solange Daimler noch über 67,50 Euro notiert, besteht allerdings noch Hoffnung. Wirklich helfen würde den Bullen allerdings nur ein Ausbruch aus dem Abwärtstrend. Dafür wäre ein Anstieg über 73,50 Euro notwendig.