CoreWeave ist kontrovers, wächst rasant, jedoch auf Pump. Ist das Geschäft ein Geniestreich oder dem Untergang geweiht?
Zwischen Boom und Kritik
CoreWeave gehört wohl zu den kontroversesten Aktien, die die Börse zu bieten hat. Daher haben seit dem Börsengang etliche Anfragen zum Unternehmen erreicht – schauen wir uns die Sache also an.
CoreWeave ist ein US-amerikanischer Cloud-Infrastruktur-Anbieter, der sich auf GPU-beschleunigtes Computing spezialisiert hat – vor allem für KI-Training, KI-Inference, VFX-Rendering und High-Performance-Computing (HPC).
Im Gegensatz zu großen, breit aufgestellten Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud konzentriert sich CoreWeave stark auf spezialisierte Hochleistungs-GPUs. Diese stammen in der Regel von NVIDIA und gehören zu den leistungsfähigsten Chips, die derzeit für KI-Workloads verfügbar sind. Dadurch kann CoreWeave besonders große und komplexe KI-Modelle effizient trainieren.
Das Unternehmen profitiert stark vom weltweiten Boom im Bereich generativer KI. Viele Start-ups, Forschungsorganisationen und Technologieunternehmen benötigen enorme Rechenleistung, um Sprachmodelle, Bildgeneratoren oder andere KI-Systeme zu entwickeln.
Das hat ein „Geschmäckle“
Da leistungsstarke GPUs zeitweise knapp waren (oder es noch immer sind), wurde CoreWeave für viele Firmen zu einer wichtigen Alternative zu den klassischen Cloud-Anbietern.
In diesem Zusammenhang wurde aber auch immer wieder Kritik laut. Denn die Verbindungen zwischen CoreWeave und Nvidia sind womöglich etwas enger als es gesund wäre.
Kritikern zufolge handelt es sich um eine „zirkuläre Finanzierung“. Durch ein Investment von Nvidia in CoreWeave ist dem Unternehmen Geld zugeflossen, dass anschließend dann wieder in Hardwarekäufe bei Nvidia gesteckt wurde.
Nüchtern betrachtet lässt das beide Seiten nicht besonders gut dastehen.
Wirtschaftlich kann das aber dennoch Sinn ergeben. Auch abseits von KI kommt es immer wieder vor, dass sich Großkunden bei ihren Lieferanten beteiligen, oder umgekehrt.
Einige Beobachter argumentieren, dass dieses Modell die Nachfrage künstlich aufblähen könnte, weil ein Großteil von CoreWeaves Wachstum auf Finanzierungsflüsse von NVIDIA und der daraus resultierenden Möglichkeit zur Aufnahme von Fremdkapital basiert.
Ich teile das Argument der künstlich aufgeblähten Nachfrage nicht. Man muss sich nur die Lage bei Amazon, Google und Microsoft anschauen – die Nachfrage für KI-Rechenpower übersteigt das Angebot am Markt substanziell.
In diesem großen Teich ist Coreweave nur ein kleiner Fisch und ändert am Gesamtzustand der Branche so gut wie nichts.
Wachstum auf Pump²
Den öffentlichen Verlautbarungen zufolge ist Microsoft sogar der größte Kunde von CoreWeave, dicht gefolgt von bekannten Namen wie OpenAI, Meta und IBM.
Aus meiner Sicht ist das größte Problem, dass teilweise GPUs als Sicherheiten für weitere Schulden genutzt wurden.
Auch das ist nicht unüblich, aber dass das ein zusätzliches Risiko mit sich bringt, steht außer Frage. Der Wert von Hardware sinkt stetig und könnte bei technologischen Durchbrüchen von Nvidia schlagartig sinken. Dadurch könnte das Unternehmen im Extremfall in finanzielle Schwierigkeiten kommen.
Durch diese Konstruktion ist das Geschäft von CoreWeave auf kontinuierliches Wachstum angewiesen. Hohe Fixkosten für Rechenzentren, Energie und Finanzierung müssen durch eine konstant hohe Auslastung gedeckt werden. Fällt die Nachfrage nach KI-Trainingskapazitäten oder geraten große Kunden unter Druck, könnte die Tragfähigkeit der Schulden infrage stehen.
Diesen Risiken sollte man sich als Anleger bewusst sein. Die Kritiker des Unternehmens haben valide Argumente zur Hand.
Das bedeutet aber nicht, dass sich CoreWeave morgen in ein Flammenmeer verwandeln muss.
Das Unternehmen fährt eine Hochrisiko-Strategie, die noch lange tragfähig sein kann oder sich am Ende als großer Erfolg erweisen könnte.
Sollte die KI-Nachfrage in den kommenden Jahren mit hohem Tempo weitersteigen, könnte CoreWeave als Sieger vom Platz gehen.
Hier entscheidet es sich
Bisher scheint die Strategie weitgehend aufzugehen. Im letzten Geschäftsjahr hat sich der Umsatz von 229 auf 1,92 Mrd. USD nahezu verzehnfacht.
Im laufenden Geschäftsjahr hat sich das rasante Wachstum fortgesetzt. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 420 % auf 982 Mio. USD.
Gleichzeitig kletterten die operativen Kosten jedoch um 487 % auf 1,01 Mrd. USD. Darüber hinaus vervielfachten sich die Zinsausgaben von 41 auf 264 Mio. USD.
Im zweiten Quartal verzeichnete CoreWeave einen Umsatzsprung um 207 % auf 1,21 Mrd. USD.
Die operativen Kosten kletterten in einem ähnlichen Umfang, lagen jedoch bei 1,19 Mrd. USD erstmals knapp unter dem Umsatz.
Das ist ein positives Zeichen. Das Verhältnis zwischen Umsatz und Kostenbasis entwickelt sich demnach in die richtige Richtung.
Von schwarzen Zahlen ist das Unternehmen damit aber noch ein gutes Stück entfernt, schließlich mussten auch noch Zinsen in Höhe von 267 Mio. USD beglichen werden.
Wann endlich schwarze Zahlen?
Im dritten Quartal kletterte der Umsatz um 134 % auf 1,36 Mrd. USD. Die operativen Kosten lagen bei 1,31 Mrd. USD und die Zinskosten bei 311 Mio. USD.
Die operative Marge ist auf 4 % gestiegen und die Nettomarge auf -8 % gestiegen. Bei beiden Kennzahlen handelt es sich um die vorläufigen Bestwerte von CoreWeave. Das Unternehmen könnte demnach nicht mehr allzu weit davon entfernt sein, endlich schwarze Zahlen zu schreiben.
Je nach Schätzung könnte das in einzelnen Quartalen in diesem oder dem nächsten Jahr der Fall sein.
Fazit:
Das ist aber auch dringend notwendig, denn CoreWeave kommt auf einen Börsenwert von 47,9 Mrd. USD. Um das zu rechtfertigen, muss das Unternehmen auf unabsehbare Zeit stark wachsen und möglichst schnell beweisen, dass es auch profitabel arbeiten kann.
CoreWeave ist eine unternehmerische Wette mit hohem Risikoprofil und einer großen Bandbreite an Zukunftsszenarien. Das sollte jedem Anleger bewusst sein und spiegelt sich in einer erhöhten Volatilität wider.

Aus technischer Sicht verhält sich die Aktie sehr unsauber. Unterstützungen und Widerstände sind aufgrund der kurzen Zeit an der Börse noch nicht gefestigt und werden häufig kurzzeitig durchbrochen.
Über 100 USD käme es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 115 und 125 – 130 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 86 USD, müsste mit einem erneuten Abverkauf in Richtung 74 oder 65 USD gerechnet werden.
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