Adesso hat turbulente Jahre hinter sich – von rasantem Wachstum bis hin zu deutlichen Rückschlägen. Doch aktuell deutet vieles auf ein Comeback hin, das vom Markt bislang kaum gewürdigt wird.
Der Fall Adesso im Check
Adesso ist ein deutscher IT-Dienstleister, der sich auf die Entwicklung von individuellen Softwarelösungen und IT-Beratung spezialisiert hat.
Adesso unterstützt Unternehmen bei der Analyse, Planung und Umsetzung von IT-Projekten und entwickelt individuelle Softwarelösungen für Unternehmen in einer Vielzahl von Branchen wie Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Industrie und öffentlichem Sektor.
Ferner bietet man Managed Services, Data Analytics und Agile Transformation an. Das bedeutet, dass Adesso teilweise auch den Betrieb der IT-Infrastruktur für Kunden übernimmt, sie bei der Analyse und Verarbeitung von Daten sowie der Umstellung auf agile Arbeitsmethoden unterstützt.
Für Adesso gibt es immer was zu tun, egal ob die Kunden technologisch im Spitzenfeld mitspielen wollen oder nur das Notwendigste investieren.
Der Digitalisierung und den immer neuen Anforderungen an dieser Front kann sich niemand entziehen.
Warum Adesso jetzt wieder spannend wird
Adesso hat einige bewegte Jahre hinter sich. Ab 2020 schossen nicht nur die Kurse in die Höhe, sondern auch der Gewinn.
Nachdem man 2020 einen Gewinnsprung von 20 % verzeichnet hatte, legte das Ergebnis 2021 noch einmal um mehr als 100 % zu.
An der Börse war man begeistert, doch auf die Flut folgte eine Ebbe und das Ergebnis kollabierte regelrecht.
Hinzu kamen Verzögerungen und unvorhergesehene Kosten bei mehreren Großprojekten, was wiederum zu Rückstellungen und Abschreibungen geführt hat.
Adesso hat darauf mit entschlossenen Schritten reagiert und in neue Geschäftsfelder und Technologien investiert, um sich für die Zukunft zu rüsten.
Dadurch sind die Kosten kurzfristig noch weiter gestiegen und der Gewinn wurde zusätzlich belastet.
Die Strategie scheint aufgegangen zu sein, auch wenn das an der Börse bisher überhaupt nicht honoriert wird. Im Geschäftsjahr 2024 hat sich der Gewinn mehr als verdoppelt, 2025 hat sich die positive Entwicklung fortgesetzt und auch für 2026 zeigt sich der Vorstand optimistisch.
Trotzdem ist der Kurs zuletzt wieder auf das Mehrjahrestief nahe 55 Euro eingebrochen.
Unterschätzt oder zu Recht abgestraft?
Vermutlich wird Adesso als KI-Verlierer eingestuft, doch es ist fraglich, inwieweit das Sinn ergibt. Schließlich ist Adesso ein Spezialist für individuelle Lösungen und nicht für Standardsoftware.
Es ist unwahrscheinlich, dass derartige Projekte durch KI ersetzt werden können. Dafür wäre enormes Know-how auf der Kundenseite notwendig und wie wahrscheinlich ist es, dass dieses bei den wichtigsten Kunden (Öffentliche Verwaltung, Versicherungen, Banken, Finanzdienstleister, Gesundheitswesen und Utilities) vorhanden ist?
Das lässt sich anhand von Beispielen leicht illustrieren. Im letzten Jahr hat Adesso beispielsweise den Auftrag erhalten, das bestehende ERP-System der amedes Gruppe auf SAP S/4Hana umzustellen.
Vielleicht fehlt mir die Vorstellungskraft, aber ich sehe nicht, wie amedes das mit Hilfe von KI selbst hätte bewerkstelligen sollen.
Darüber hinaus könnte man ebenso gut argumentieren, dass Adesso ein KI-Gewinner ist, weil die Kunden Spezialsoftware trotz KI nicht selbst erstellen können, die Programmierer von Adesso dadurch aber effizienter werden könnten.
Ausblick und Bewertung
Die Diskrepanzen zwischen der geschäftlichen Entwicklung und dem Aktienkurs sind jedenfalls frappierend.
Das gilt umso mehr, da sich die Dynamik im Jahresverlauf verbessert hat. Im ersten Quartal lag das Umsatzplus bei 11 %, nach einem Halbjahr bereits bei 12 %, nach neun Monaten bei 13 % und insgesamt bei 14 %.
Der Umsatz konnte von 1,29 auf 1,47 Mrd. Euro gesteigert werden. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität erheblich verbessert. Der Gewinn hat sich auf 2,83 Euro je Aktie mehr als verdoppelt.
Adesso kommt demnach auf ein KGV von 20,1. Das könnte man als fair bezeichnen, allerdings soll das Ergebnis in diesem Jahr auf über 5 Euro je Aktie steigen, wodurch das KGV auf unter 12 sinken würde.
Der Vorstand stellt für 2026 einen Anstieg der Umsätze auf 1,6 – 1,7 Mrd. Euro und ein EBITDA von 130 – 150 Mio. Euro in Aussicht, nach 123,6 Mio. Euro im letzten Geschäftsjahr.

Gelingt ein Anstieg über 62,50 Euro könnte das eine Erholung in Richtung 67 Euro einleiten. Darüber käme es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 75 und 82,50 Euro.
Fällt die Aktie hingegen unter das bisherige Jahrestief bei 53,40 Euro, könnte das einen Abverkauf in Richtung 45,75 Euro einleiten.
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