Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.
Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche
Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.
Börse aktuell vom 06.-12.07.2026
Warum Quartalswenden oft neue Trends entstehen lassen
Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.
Wenn sich an den Börsen neue Trends entwickeln, passiert das oft zu Monatswenden und hier dann vor allem in der Phase von Quartalsübergängen. Das ist kein Zufall … und bietet Anlegern die Möglichkeit, recht zeitig neue Tendenzen zu erkennen, wenn sie sich in diesen Phasen besonders genau umschauen.
Wir Menschen denken in Etappen. Von einem Gehalt zum nächsten, von einem Kalender- und/oder Lebensjahr zum nächsten. Viele unterteilen den Tag in die Zeiten zwischen den Pausen, in kleine Abschnitte bei der Arbeit. Und wir neigen dazu, diese einzelnen, kleinen Bausteinchen unseres Lebens zu bewerten. Der gestrige Abend war richtig gut … in diesem Monat lief es mal besser als sonst … das war wirklich ein übles Jahr:
So etwas hört man oft … und die meisten von uns dürften es auch selbst so machen. Man versucht auf diese Weise, das Unüberschaubare überschaubar zu machen. Und zugleich sind solche Zeitpunkte dann auch diejenigen, in denen man öfter als sonst überlegt: So weit bis jetzt … wie will ich weitermachen? Warum sollte das an der Börse anders sein?
Quartale sind „Messpunkte“ und damit potenzielle Momente der Neuorientierung
Und das ist es auch nicht. Hier geht es immer darum, ob sich ein Investment rechnet oder nicht. Ob man sich selbst auf die Schulter klopfen kann und, wenn nicht, ob man etwas unternehmen sollte, sei es, Probleme umgehend zu ignorieren oder, die natürlich bessere Idee, nach Abhilfe und Alternativen Ausschau zu halten. Und natürlich können die „Messstrecken“, die man da hernimmt, nicht „vom Geburtstag meiner Frau bis da, wo wir die neue Waschmaschine gekauft haben“ lauten. Man braucht vergleichbare, konstante Zeitraster, um wirklich Vergleiche anstellen zu können. Und da bieten sich Monate und Quartale ebenso wie Halbjahre und ganze Jahre eben an. Die Folge:
Diejenigen, die Geld damit verdienen, dass wir als Anleger Geld verdienen wollen, d.h. sogenannte institutionelle Investoren wie Fonds, Hedgefonds, Pensionskassen oder ETFs, wissen, dass sie am Abschneiden zum Ende solcher zeitlichen Etappen gemessen werden. Was zum einen dazu führt, dass man sich zu solchen Messpunkten besonders bemüht, da, wo es machbar ist, eine besonders gute und damit werbewirksame Performance vorweisen zu können. Und zum anderen gerade zu solchen Zeitpunkten besonders intensiv darüber nachdenkt, ob ein zuletzt gewählter und erfolgreicher Schwerpunkt des Investments bis zum nächsten Monats- und/oder Quartalsende weiterlaufen kann oder ob man nicht gut daran täte, sich für das neue Quartal nach anderen Schwerpunkten, nach „frischen Pferden“, umzuschauen.
Kursentwicklung von Nasdaq 100 und ausgewählten Aktien im Zeitraum Januar bis Mai 2026 | Quelle: marketmaker pp4
Ein Favoritenwechsel ist immer ein „Kann“, nie ein „Muss“
Die beiden ersten Beispielcharts zeigen, dass man vermuten darf, dass sich diese institutionellen Investoren in Bezug auf „das“ Zugpferd des zweiten Quartals in Form der Halbleiter-Aktien genau diese Gedanken gemacht haben. Wenn wir uns ansehen, wie weit diese Kaufwelle bei den hier in den Charts zum Nasdaq 100 abgebildeten Beispiel-Aktien seit dem 18. Mai, als ich die Halbleiter-Hausse an dieser Stelle thematisiert hatte, noch gelaufen ist und wie immens volatil die Kurse zuletzt auftraten, wäre es eher eine Überraschung, wenn viele große Investoren jetzt, da mit dem zweiten Halbjahr und dem dritten Quartal ein typischer Moment für eine Neuorientierung gekommen ist, stur an diesem Bereich als Schwerpunkt festhalten würden. Aber:
Kursentwicklung von Nasdaq 100 und ausgewählten Aktien im Zeitraum Januar bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4
„Es wäre überraschend“ ist nicht gleichbedeutend mit „Da kann man Haus und Hof darauf wetten“. Davon abgesehen, dass viele Trader auch an wankenden Trends festhalten, wenn sie im Vorfeld eine derartige Sogwirkung hatten wie der bei den Halbleitern, kann es durchaus sein, dass eine Quartalswende zwar eine Korrektur alter Favoriten einläutet, nicht aber eine endgültige Wende.
Nichtsdestotrotz sind solche Zeitpunkte oft die Geburtsstunden neuer Impulse in einzelnen Branchen. Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen, weniger bei den Indizes an sich. Denn die unterliegen oft deutlich weniger dem „Quartalsphänomen“, weil es dabei ja weniger um nennenswerte Zu- oder Abflüsse von Kapital am Markt an sich geht, sondern um Umschichtungen innerhalb des Marktes. Und was tut sich da aktuell, jetzt, wo das neue Quartal drei Handelstage hinter sich hat?
Noch zeichnet sich kein klares Bild ab
Bislang ist noch kein klarer, neuer Favorit auszumachen, wenn man sich beispielsweise den DAX genauer ansieht. Es fällt zwar auf, dass viele der Verlierer des zweiten Quartals kräftig anziehen. Aber auch Aktien, die zuletzt gut gelaufen waren, jedoch nicht dem „Hype-Bereich“ angehörten wie z.B. Allianz, adidas oder Symrise, sahen Zugewinne. Und bei den anderen sehen wir noch kein einheitliches Bild. So zog Brenntag kräftig an, BASF aber nicht. Die Deutsche Bank zog an, die Commerzbank weniger. E.ON zog kräftig an, RWE blieb dagegen eher zurück.
Kursentwicklung von DAX und ausgewählten Aktien im Zeitraum April bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4
Nur im Automobilsektor wirkte das Bild einheitlicher, da wurde quasi alles gekauft. Allerdings waren das auch die großen Verlierer bislang, so dass man da auch reine Rückkäufe leerverkaufter Aktien seitens der Bären unterstellen könnte. Und nur, weil die Leerverkäufer diesen Bereich als ausgereizt ansehen, sprich, man unterstellt, dass die Luft nach unten weg ist, muss sie nach oben nicht groß sein.
Es braucht immer etwas Zeit, bis sich etwas Neues wirklich etabliert
Es ist aber durchaus nicht unüblich, dass es seine Zeit dauert, bis sich abschätzen lässt, ob sich jetzt, zum Start ins neue Quartal, auch neue Gewinner-Branchen herausbilden oder nicht. Denn auch wenn sich das Überprüfen der Anlageschwerpunkte bei institutionellen Investoren zeitlich auf solche Termine konzentriert:
Kursentwicklung von DAX und Automobilwerten im Zeitraum April bis Juli 2026 | Quelle: marketmaker pp4
Die Ergebnisse ihrer Überlegungen sind ja nicht immer gleich. Die einen würden eher zur Chemie tendieren, andere Entscheider womöglich die Medizintechnik und Healthcare übergewichten, wieder andere vielleicht sogar die Automobilbranche als genug gedrückt einordnen, um ihnen die Chance auf ein wieder mal gutes Quartal einzuräumen. Da wird mal hier, mal da an den Fäden gezogen … bis sich eine Tendenz wirklich durchsetzt, kann es durchaus ein, zwei Wochen dauern.
Aber nur, wer um die Bedeutung der Quartalswenden weiß und deshalb frühzeitig beobachtet, ob sich da etwas entwickelt, wird von neuen Trends nicht überrascht, sondern ist dann womöglich schon mit im Boot. Jetzt die Fühler auszustrecken und die Einzelwerte der für einen selbst interessanten Indizes genauer zu beobachten, kann sich also auszahlen.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!
Ihr
Ronald Gehrt
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 05.07.2026 um 19:39 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.
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Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.
Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends
Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.
Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen
Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.
Börse aktuell: Die letzten Nachrichten
29.06.2026 07:00 Uhr
Der Blick auf die „Internals“ des Aktienmarkts – Roundup Sommer 2026
— Ronald Gehrt
Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
NYSE Composite Index
Neutral
Composite DAX (Performance)
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.06.2026 um 18:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Die reinen Kursveränderungen der großen Aktienindizes können zwar aufzeigen, in welche Richtung der Trend weist, aber sie gewähren keinen Blick hinter den Vorhang. Wie sieht die innere Struktur der Trends aus? Was tun die institutionellen Investoren, was die spekulativen Trader? Die folgenden Charts lüften den Vorhang zur Halbzeit dieses Börsenjahres ein wenig.
Man kann nie alles erfassen, was man gerne erfassen würde, wenn es um die Börsen geht. Wer genau wann was warum getan hat … selbst, wenn man das wüsste, wäre die Flut unterschiedlicher Motive und Handlungen zu groß, um daraus ein sicheres Gesamtbild zu generieren. Und selbst, wenn man sogar das könnte: Was morgen und übermorgen passiert, enthüllt das dann auch nicht. Denn an der Börse gilt: Unverhofft kommt oft. Seit wir wieder eine „Trump-Börse“ erleben, erst recht.
Aber man kann immerhin abschätzen, ob sich ein Trend auf eher solidem Boden bewegt oder auf Treibsand. Ob man eher moderate Risikobereitschaft sieht oder gefährlichen Leichtsinn. Und ob die Konjunktur als Rückgrat jedes Trends wirklich unterstützt, was der Aktienmarkt gerade treibt. Das ist kein klarer Blick in die Zukunft, sondern ein Erhaschen von einzelnen Eindrücken aus dem Hier und Jetzt. Aber das genügt, um für sich selbst beurteilen zu können, wie man es selbst mit Kapitaleinsatz und Risikobereitschaft halten will. Und darüber auf Basis von Daten statt aus dem Bauch heraus zu entscheiden, kann Gold wert sein.
Sehr wenige Pferde ziehen gerade einen sehr schweren Karren
Ob ein Trend auf einer breiten Basis steht oder nur auf einem Bein, kann man am Verlauf eines Index, der zahlreiche Aktien unter seinem Dach vereint, nicht erkennen. Hier sind „interne“ Indikationen hilfreich, wie der nachfolgend abgebildete Anteil an Aktien im derzeit um die 2.400 Aktien umfassenden New York Stock Exchange (NYSE) Composite Index, die über ihrer 200-Tage-Linie notieren. Wir sehen:
NYSE Composite und Anteil der Aktien über der 200-Tage-Linie im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4
Momentan liegt deren Anteil bei 62 Prozent. Und das ist für einen Index, der auf Rekordlevels notiert, überraschend wenig. Denn die 200-Tage-Linie ist ja letztlich nur eine Art mittelfristige Scheidemarke zwischen bullischer und bärischer Tendenz, keineswegs ein Ausweis starker Auf- oder Abwärtsdynamik. In einem soliden Aufwärtstrend sollte der Anteil dieser grundsätzlich im bullischen Terrain laufenden Aktien daher höher sein … so, wie es in den Vorjahren bei neuen Hochs auch der Fall war. Die rote Linie hebt hervor, dass dieser Anteil bullischer Aktien geringer wird, die Kurse aber trotzdem steigen. Ein Warnsignal, das wir bei dieser Indikation auch sehen, wenn wir sie auf den deutschen Aktienmarkt anwenden:
CDAX und Anteil der Aktien über der 200-Tage-Linie im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4
Hier nehmen wir als Referenz den Composite DAX (CDAX), der um die 400 Aktien erfasst. Hier, am deutschen Markt, ist der Anteil mittelfristig bullischer Aktien sogar noch niedriger, aktuell kommen wir da gerade einmal auf 46 Prozent. Was indes nicht überrascht, wenn man den Blick vom DAX, der immerhin nahe seines Rekordhochs notiert, auf MDAX, SDAX oder TecDAX schweifen lässt, die im mittel- und langfristigen Bild weniger stark daherkommen.
Aber dieses Warnsignal in Bezug auf die 200-Tage-Linie ließe sich relativieren, wenn zum einen diejenigen Aktien, die die Indizes aktiv nach oben ziehen, von guten Argumenten begleitet werden. Was indes bei der derzeitigen Halbleiter-Hausse in ihrer jetzt erreichten Dimension langsam eine wacklige Sache wird. Zum anderen wäre es gut, wenn die über dem 200-Tage-Durchschnitt liegenden Aktien großenteils dynamisch laufen und nicht nur einige wenige extrem haussieren, während der Rest zwar steigt, aber keinen echten Schwung zeigt. Das Problem aktuell ist:
Was die New York Stock Exchange angeht, ist Ersteres der Fall, d.h. es laufen wenige Aktien extrem stark, einige gut, aber zu viele schlechter als die Indizes, um eine „gesunde Marktbreite“ zu erreichen. Die im Folgenden gezeigte Zahl von 381 neuen 52-Wochen-Hochs am Freitag ist für eine marktbreite Hausse zu gering, vergleichen Sie dazu nur die 653 neuen Hochs, die der NYSE Composite Index unmittelbar vor dem Angriff auf den Iran Ende Februar erzielt hatte. Aber wäre das bereits ein Grund, nervös zu werden?
NYSE Composite und Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs im Zeitraum 2016–2026 | Quelle: marketmaker pp4
Nein, zumindest nicht zwingend. Denn hier würde ja auch eine Aktie als neues 52-Wochen-Hoch auftauchen, die zwar unter der 200-Tage-Linie läuft, aber von der so lange so weit entfernt war, dass ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht werden kann, die Aktie aber trotzdem noch unter der 200-Tage-Linie notiert. Und auch in einer Hausse mit großer Marktbreite würde eine Woche mit allgemeinen Gewinnmitnahmen den Trend an sich noch nicht gefährden, aber die Zahl neuer Hochs auf einmal drastisch drücken.
Hinschauen sollte man da regelmäßig, eine Webseite, die diese Zahlen liefert, ist unten bei den Quellen verlinkt. Vor allem aktuell könnte es interessant werden, weil die Zahl neuer Hochs am Freitag recht deutlich angezogen hat. Das könnte, wenn sich das hält, ein Signal dafür sein, dass die fehlende Marktbreite nachgeholt wird, indem viele zuletzt im Schatten der Halbleiter-Hausse stehende Aktien jetzt ebenfalls „entdeckt“ und gekauft werden.
Die Institutionellen Investoren scheinen optimistisch zu sein, die Spekulanten hingegen übermütig
Eine andere Facette, die einem einen Eindruck vermitteln kann, wie robust oder im Gegenteil instabil ein Trend derzeit sein könnte, sind Daten, die auf das Verhalten von großen Investorengruppen außerhalb der privaten Anleger schließen lassen.
Neben den Informationen aus regelmäßig von der Bank of America durchgeführten Umfragen unter Fondsmanagern ist die Entwicklung der durchschnittlichen Barreserve der US-Fonds eine interessante Indikation. Denn natürlich müssen die Fonds das Geld, das ihnen die Anleger überweisen, investieren, ob es nun mal weniger oder mal mehr ist. Aber wie groß sie ihre Barreserve halten, deutet an, ob man hier eher vorsichtig wird, sprich dunkle Wolken am Markt heraufziehen sieht oder nicht.
Denn das ist die Reserve, mit der man bei günstigen Gelegenheiten noch ordentlich zukaufen könnte, die einen aber auch bei größeren Abwärtsbewegungen vor zu viel Performanceverlust schützt, weil Geld, das auf dem Konto liegt, nun einmal keinen Verlust generieren kann,
Barreserven der US-Fonds im Zeitraum 2008–2026 | Quelle: marketmaker pp4
Die derzeitige Barreserve in Höhe von im Schnitt 4,1 Prozent ist niedrig genug, um einen grundsätzlichen Optimismus auszustrahlen, aber hoch genug, um nicht, wie es direkt vor dem Iran-Krieg mit nur 3,2 Prozent der Fall war, eine schon fast leichtsinnig wirkende, bullische Einstellung auszuweisen. Das ist schon mal gut … nur sieht das bei den sogenannten „Börsenkrediten“ anders aus, wie wir im folgenden Chart sehen.
NYSE Composite und Kreditvolumen für Derivate-Margins im Zeitraum 2007 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4
Diese Börsenkredite sind Kredite, die Spekulanten bei Banken für die Sicherheitsleistungen aufnehmen, die sie bei Brokern für Derivategeschäfte zu hinterlegen haben. Je höher diese auch Margin-Kredite genannten Kredite sind, desto höher ist in der Regel auch das Volumen an aktuell laufenden, hoch spekulativen Positionen. Die müssen nicht alle auf den Aktienmarkt bezogen sein und ebenso nicht alle die Long-Seite betreffen. Aber gemeinhin ist der Level dieser Kredite eine gute Indikation dahingehend, ob ein Trend langsam zu spekulativ wird oder nicht. Da, darf man behaupten, spricht die Entwicklung der vergangenen Monate für sich. Die Quelle für diese Daten finden Sie ebenfalls unten verlinkt.
Aktienmarkt-Trends und ihr Umfeld: Passt das zusammen?
Grundsätzlich ist ein großer Aufwärtstrend am Aktienmarkt dann mit einem tauglichen Fundament versehen, wenn die Wirtschaft solide wächst. Wenn die Unternehmen guter Dringe und die Verbraucher in Konsumlaune sind, so dass man davon ausgehen kann, dass die Unternehmensgewinne – als grundsätzliche Basis für den Trend der Aktien – steigen. Wie sieht es da derzeit aus?
NYSE Composite und US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Zeitraum 2000–2026 | Quelle: marketmaker pp4
Drei Jahre lang lief der US-Aktienmarkt, wenngleich von scharfen Korrekturen durchzogen, gegen eine insgesamt eher pessimistische Stimmung bei den Einkaufsmanagern der US-Unternehmen, wie der vorstehende Chart zeigt. Werte unter 50 in diesem Indikator bedeuten, dass mehr Einkaufsmanager für die kommenden sechs Monate von einer Verschlechterung der Lage ausgehen als im Gegenzug Wachstum erwarten. Das ist riskant, erklärt sich aber auch durch die oben genannte, schwache Marktbreite:
Die Anleger kauften, das aber exzessiv, nur die Aktien von Unternehmen, bei denen es gut lief, die breite Masse an Unternehmen blieb am Aktienmarkt wenig beachtet. Aktuell aber ist dieser Einkaufsmanagerindex seit Monaten recht deutlich in den positiven Bereich über 50 gelaufen. Was immerhin die Chance böte, dass eine Besserung der Gesamtlage der Hausse nachträglich den nötigen Unterbau liefert.
CDAX und ifo-Geschäftsklimaindex im Zeitraum 2007–2026 | Quelle: marketmaker pp4
Diese Aufhellung der Stimmung in den Unternehmen sehen wir hierzulande aber nicht. Dafür ist der ifo-Geschäftsklimaindex, der monatlich um die 9.000 deutsche Unternehmen aller Branchen zu ihrer Meinung zu Lage und Ausblick befragt, ein guter Wegweiser. Dieser Index bewegt sich weiter im unteren Bereich der Spanne, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben. Die Stimmung ist nicht dramatisch schlecht, aber für eine stabile Hausse bei deutschen Aktien auf jeden Fall zu mager, um als Rückenwind dienen zu können.
Dass die deutschen Verbraucher derzeit ebenfalls nicht als Rückhalt kräftigen Wirtschaftswachstums dienen, weiß man. Bei den US-Konsumenten scheint das aber anders zu sein. Wobei man da bei der Antwort auf die Frage, ob das gut oder schlecht ist, differenzieren sollte:
Sparquote der US-Haushalte im Zeitraum 1999–2026 | Quelle: marketmaker pp4
Dass die Sparquote der US-Haushalte derzeit auf einem der niedrigsten Levels dieses Jahrhunderts liegt, hat zwei Gesichter. Einerseits bedeutet das, dass man fleißig weiter konsumiert, trotz gestiegener Preise. Andererseits deutet es an, dass die Barreserven der US-Bürger im Gegensatz zu denen der Fonds keine tauglichen Puffer im Fall von auftretenden, finanziellen Problemen aufweisen. Und das kann sich bei unerwarteten, negativen Entwicklungen nicht nur schnell und erheblich auf die US-Wirtschaft, sondern auch auf den Aktienmarkt auswirken. Indirekt durch dann tendenziell schwächere Unternehmensgewinne und direkt, wenn Anleger, die nicht genug Barreserve haben, Aktien verkaufen müssen, um unerwartete Ausgaben bezahlen zu können.
Fazit: Erhöhtes Risiko, aber noch keine „Alarmstufe Rot“
Versucht man aus dem Gesamtbild dieser Charts ein Fazit zu ziehen, fällt das natürlich immer sehr subjektiv aus, je nachdem, wie schwer man einzelne Daten und ihre Ausprägung gewichten möchte. Aus meiner Sicht würde dieses Fazit lauten: Man sollte diese Hausse besser nicht als in Stein gemeißelt sehen, erhöhte Vorsicht ist allemal angebracht. Aber von den hier gezeigten Daten ist bis auf diese „Margin-Kredite“ zumindest aktuell noch nichts dabei, das bereits mit einer rot blinkenden Alarmleuchte versehen wäre.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!
Ihr
Ronald Gehrt
Quellenangaben: Neue 52-Wochen-Hochs und 52-Wochen-Tiefs am US-Aktienmarkt: https://www.barchart.com/stocks/highs-lows Kredite für Margins am US-Markt: https://www.finra.org/rules-guidance/key-topics/margin-accounts/margin-statistics
Über den Autor
Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.
Analysemethode
Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.
22.06.2026 07:00 Uhr
Warum der Fear & Greed-Index gerade falsche Signale sendet
— Ronald Gehrt
Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
NASDAQ 100 Index
Neutral
SanDisk Corp.
Neutral
S&P 500 Index
Neutral
Western Digital Corporation
Neutral
Arm Holdings plc. ADR
Neutral
NYSE Composite Index
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.06.2026 um 18:23 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Vor zwei Jahren hatte ich an dieser Stelle schon einmal über den vom US-Sender CNN ermittelten Fear & Greed-Index geschrieben. Im Rahmen der Sentiment-Analyse ist er ein vielbeachtetes Tool für Marktteilnehmer. Aber er ist nicht unfehlbar. Es gibt Sondersituationen, die der Index nicht erfassen kann. Dann werden seine Signale problematisch … so wie aktuell.
Es geht darum, aus dem Verhalten der Marktteilnehmer ableiten zu können, wie die Gesamtstimmung am Markt ist und was sich daraus für die kommende Zeit als Markttendenz ableiten ließe.
Die Grundidee der Sentiment-Analyse
Dabei wird unterstellt, dass die Stimmungslage der Masse der Marktteilnehmer in dem Moment wie ein Kontraindikator zu wirken beginnt, wenn sie zu extrem wird. So indiziert extrem bullische Stimmung Gier (Greed). Gier macht unvorsichtig, das verfügbare Kapital wird voll investiert … und irgendwann gehen dem Markt die Käufer aus und die Sache kippt. Warum? Weil wohl niemand in Bezug auf den Aktienmarkt euphorisch bzw. gierig ist, aber noch gar nicht gekauft hat.
Das ist eine ebenso richtige wie hilfreiche Überlegung. Denn die meisten Anleger dürften eine „Bombenstimmung“ am Aktienmarkt mit einer besonders hohen Sicherheit darüber verbinden, dass die Kurse immer weiter steigen müssen. Wenn es, wie gesagt, zu extrem wird, ist aber das Gegenteil richtig. Der alte Börsenspruch, dass die Stimmung am Hoch am besten ist, hat schon seinen Sinn.
Umgekehrt bedeutet eine massiv negative Stimmung Angst (Fear). Wer Angst hat, verkauft oder hat das bereits getan. Damit ist bei extrem am Markt umgehender Angst kaum noch jemand da, der in die gefallenen Kurse hinein aussteigen will bzw. kann. Was bedeutet, die Kurse werden über kurz oder lang steigen.
Der Haken dabei ist dieses „über kurz oder lang“. Sentiment-Indikatoren sind für das unmittelbare Timing von Trades nicht ideal, denn „Greed“- oder „Fear“-Phasen können bisweilen verblüffend lange anhalten, daher sind einzelne Indikatoren eher unzuverlässig. Dieses Problem versucht der „Fear & Greed“-Index von CNN Business zu lösen, indem er sich nicht auf einen, sondern auf gleich sieben Indikatoren stützt.
Sieben Indikatoren ergeben ein Gesamtsignal … grundsätzlich eine gute Sache
Da dieser Fear & Greed-Index CNN Business gehört, kann ich ihn an dieser Stelle nicht einfach abbilden, daher hier noch einmal der Link dorthin, dann können Sie ihn sich selbst ansehen und nachvollziehen, wo es momentan klemmt: https://edition.cnn.com/markets/fear-and-greed.
Grundsätzlich ist dieser Index ein gutes Tool, das ich auch selbst gerne mit in meine Überlegungen einbeziehe (wenn er nicht, wie momentan, daneben liegt, dazu gleich mehr), denn er hat einen bedeutenden Vorteil gegenüber den meisten anderen Indikatoren, egal, ob aus dem Bereich Sentiment oder Markttechnik:
Er besteht aus sieben Unterkomponenten und erzeugt damit ein breites, geglättetes Bild, so dass man normalerweise nicht wie bei Fehlsignalen von Einzel-Indikatoren komplett auf den falschen Dampfer geraten würde. Was aber ganz anders aussieht, wenn mehrere dieser sieben Indikatoren ein verzerrtes Bild liefern. Folgende sieben Indikatoren bilden zusammen diesen Index:
Die einzelnen Indikatoren des Fear & Greed-Index
Zunächst haben wir da das Momentum, die Schwungkraft des Marktes. Dazu wird geprüft, ob und wie weit der marktbreite S&P 500 über dem gleitenden Durchschnitt der letzten 125 Handelstage notiert. Warum man mit 125 Tagen ausgerechnet ein ansonsten nie benutztes Zeitraster gewählt hat, sei mal dahingestellt, aber vom Prinzip her passt die Aussage: Je weiter der S&P 500 über dieser 125-Tage-Line notiert, desto größer ist das Momentum. Und mit ihm die Euphorie. Euphorie aber heißt, dass die meisten vermutlich schon investiert sind (weil man nicht euphorisch ist und zugleich ein leeres Depot hat). Und das bedeutet: Abwärtsrisiko. Umgekehrt gilt: Je weiter der S&P 500 unter der Linie notiert, desto größer ist der Pessimismus, d.h. wer verkaufen wollte, hat wohl schon verkauft. Und das bedeutet: Chancen auf der Oberseite. Allein für sich genommen ist das zwar trotzdem noch sehr unzuverlässig. Aber es kommen ja noch sechs andere Indikatoren hinzu.
Entwicklung S&P 500 Index und 125-Tage-Durchschnitt von Juni 2025 bis Juni 2026 | Quelle: marketmaker pp4
Der zweite Indikator ist die Marktbreite des Trends. Je mehr Aktien an der NYSE (New York Stock Exchange) neue Hochs markieren im Vergleich zu denen, die neue Tiefs markieren (immer bezogen auf die letzten 52 Wochen), desto massiver ist – normalerweise – die Hausse. Und wenn eine Hausse extrem wird, steht sie eben oft kurz vor ihrem Ende. Daher wird ein hoher Wert von 52-Wochen-Hochs minus 52-Wochen-Tiefs als bullisch und das wiederum als „Gier“ eingestuft, im Gegenzug ist ein geringer oder sogar negativer Wert (wenn mehr neue Tiefs als Hochs vorliegen) extrem bärisch und würde „Fear“ indizieren, d.h. es bieten sich Chancen für steigende Kurse. Und genau hier liegt derzeit der Hase im Pfeffer, dazu gleich, zuerst weiter mit den anderen Indikatoren.
Entwicklung neuer 52-Wochen-Hochs und 52-Wochen-Tiefs von an der NYSE notierten Aktien von April 2024 bis Juni 2026 | Quelle: marketmaker pp4
Als drittes haben wir eine Messgröße für die Trendstärke des Aktienmarkts, indem die Zahl der jeweils steigenden zu den fallenden Aktien an der NYSE mit ihren insgesamt um die 2.400 dort notierten Unternehmen ermittelt wird. Ist dieser Wert relativ niedrig, steigen also nur wenig mehr Aktien als zugleich fallen oder ist die Zahl nachgebender Aktien sogar höher, wertet der Fear & Greed-Index dies als „Fear“. Da entsteht in der besonderen Situation derzeit erneut ein Problem bei der Auslegung. Zum Ende der Vorwoche wies dieser Indikator sogar „Extreme Fear“ aus. Was keineswegs der Fall war.
Indikation Nummer 4 ist die sogenannte Put/Call-Ratio. Hier wird gemessen, wie sich das Verhältnis der am Terminmarkt gekauften Put- und Call-Optionen darstellt. Das ist eine gute Indikation, weil Optionen, anders als hierzulande, in den USA immer noch „das“ Derivat der Privatanleger sind. Wenn der Anteil an Puts über den der Calls steigt ist das ein Signal dafür, dass sich auffallend viele Anleger abzusichern scheinen, weil sie nervös sind. Das ist bärisch, weil man das als Kontraindikation sehen kann: Ungewöhnlich viele Trader, die skeptisch sind, bieten Chancen nach oben. Im Gegenzug ist ein starker Überhang an Calls ein Signal für Leichtsinn und damit als Kontraindikation potenziell bärisch.
Nummer 5: der VIX oder Volatilitätsindex. Er basiert auch auf dem Optionsmarkt und versucht zukünftige Preis-Volatilität zu messen. Steigt der VIX stark an, ist das ein Signal für „Fear“, ein niedriger VIX-Level zeugt von „Greed“. Das war und ist aber immer eine wacklige Sache, die Aussage des VIX liegt nicht selten völlig daneben. Da diese Indikation zum Vorwochenschluss aber mit „Neutral“ daherkam, soll das nicht unser heutiges Problem sein.
Die sechste Komponente misst die Kursgewinne am US-Aktien- und am US-Anleihemarkt über die letzten 20 Tage mit jeweiligen Durchschnittswerten. Die Aussage: Wenn die Gewinne am Aktienmarkt höher sind als am Anleihemarkt, ist das ein Signal höherer Risikobereitschaft und wird als Gier, sprich „Greed“ gewertet. Wenn dieses Verhältnis aber zu Gunsten der Anleihen dreht, nimmt der Wunsch der Investoren zu, sich abzusichern, das signalisiert „Fear“.
Zuletzt haben wir noch das Verhältnis der Renditen von Anleihen mit schlechter Bonität (Junk Bonds) zu denen von US-Staatsanleihen, die die höchste Bonität aufweisen. Junk Bonds haben eine deutlich höhere Rendite, sprich man bekommt dort mehr Zinsen als Ausgleich für das höhere Risiko wegen der schwachen Bonität. Wenn die Spanne zwischen den Renditen von Junk Bonds und den US-Staatsanleihen zunimmt, zeugt das von zunehmender Risikobereitschaft und damit von Leichtsinn, was die Gefahr von Rückschlägen erhöht, daher wird das als „Greed“ eingestuft. Wird diese Rendite-Schere kleiner, greifen die Trader also vermehrt zu den weniger hoch rentierenden, aber sichereren US-Staatsanleihen, sieht man das als Signal von Angst, also „Fear“.
Wie wird der Fear & Greed-Index berechnet?
Wie macht man aus sieben Indikationen eine? Das Berechnungsprinzip ist ebenso simpel wie sinnvoll: Alle sieben Indikatoren werden in einer Range zwischen 0 und 100 Punkten berechnet, die sich aus der für diese Indikatoren normalen Spanne ergibt. Diese jeweiligen, aktuellen Wertungen zeigen für sich genommen, Sie sehen das selbst, wenn Sie den obigen Link auf die CNN Business-Seite nutzen, ob der Indikator gerade Angst oder Gier aussendet.
Aus diesen sieben Punktwertungen der Einzelindikatoren wird dann der Wert des Fear & Greed-Index ermittelt, indem die sieben Werte addiert und dann durch sieben geteilt werden, so dass jeder Einzelindikator die gleiche Gewichtung für den Endwert des Fear & Greed-Index erhält.
Dieser bewegt sich ebenso in der Skalenspanne 0 bis 100 Punkte, wobei er fünf Zonen ausweist: 0 bis 24 Punkte werden als „extreme Fear“ gewertet, 25 bis 44 Punkte als „Fear“. Die Zone zwischen 45 und 54 Punkten ist die neutrale Zone, danach sehen wir zwischen 55 und 74 Punkten „Greed“ und darüber, zwischen 75 und 100 Zählern, „Extreme Greed“.
Erinnern wir uns, bevor wir uns jetzt des Pudels Kern ansehen: Das ist ein Kontraindikator, den man also „auf den Kopf gestellt“ nutzt, indem „Fear“ bullisch und „Greed“ bärisch gewertet werden, sobald die Indikationen in die Extremzonen eintreten … und nur, wenn sie in den Extremzonen sind. Erst unter 25 Punkten sollte man den Fear & Greed“-Index als Hinweis auf einen baldigen Aufwärtsschwenk betrachten und erst über 75 als Vorboten einer nahenden Abwärtsbewegung. Zwischen 25 und 75 ist nichts extrem. Trends, die laufen, während der Index in diesem Bereich liegt, sind also, zumindest auf Basis dieser Ebene des Sentiments, nicht gefährdet.
Der Stand der Indikatoren zum Wochenende … und die Quelle des Problems
Die einzelnen Elemente gingen per Donnerstagabend (Freitag war in den USA feiertagsbedingt geschlossen) mit folgenden Aussagen in den Gesamtindex ein:
Indikator 1, Momentum: Greed
Indikator 2, Marktbreite: Fear
Indikator 3, Trendstärke: Extreme Fear
Indikator 4, Put/Call-Ratio: Fear
Indikator 5, VIX: Neutral
Indikator 6, Spanne Anleihe/Aktienkurse: Fear
Indikator 7: Junk Bonds vs. Staatsanleihen: Extreme Fear
Damit lag der Fear & Greed-Index insgesamt bei nur 37 Punkten und damit in der Angst-Zone … und das, obwohl der US-Aktienmarkt nach dem Rücksetzer zu Monatsbeginn wieder kräftig zugelegt hat. Doch der Fear & Greed-Index meldete: Man ist ängstlich. Seltsam?
Allerdings. Also muss man die Sache mal abklopfen … und wird umgehend fündig. Denn wie ist es möglich, dass das Markt-Momentum, also der Indikator 1, Gier vermeldet, die Indikatoren für Marktbreite und Trendstärke, Nummer 2 und 3, zugleich aber Angst bzw. sogar extreme Angst? Da muss doch etwas falsch laufen. Ja, das tut es auch … und genau da liegt das Problem!
Wieso der Fear & Greed-Index aktuell falsche Werte ausweist
Dieses Problem könnte jeder erkennen … aber die meisten schauen nur auf die Summe, nicht auf die einzelnen Komponenten und merken daher gar nicht, dass hier gerade etwas nicht passt. Vor allem Handelsprogramme, die den Fear & Greed-Index als Signalgeber nutzen und nicht seine einzelnen Elemente, wären dadurch derzeit auf dem falschen Dampfer. Worum geht es?
Es geht natürlich um die Indikatoren Nummer 2 und 3, die gerade melden, dass am Aktienmarkt Angst umgeht, während die Aktienmärkte von einem Rekordhoch zum nächsten marschieren. Das liegt einfach daran, dass momentan ungewöhnlich wenige Aktie ungewöhnlich extrem zulegen. Sie, vor allem die Halbleiter-Aktien, ziehen den Gesamtmarkt nach oben, während das Gros der Aktien weniger gut oder sogar schlecht läuft. Deswegen ist die Marktbreite schwach und die Zahl neuer 52-Wochen-Hochs untypisch niedrig.
Dabei ist es sicherlich richtig, dass vermutlich viele derjenigen, die diesem Treiben bei den Zugpferden der Hausse zuschauen, eher skeptisch, vielleicht sogar wirklich ängstlich sind. Aber da sich diese Klientel erfahrungsgemäß nicht dazu hinreißen lassen wird, auf diese haussierenden Halbleiter noch aufzuspringen, ist die hinter den Indikatoren stehen Grundaussage, nämlich, dass eine weit verbreitete Furcht dazu führen wird, dass viele erst noch einsteigen, falsch … und damit auch die wegen des „Fear“-Levels bullische Bewertung des Gesamtindex.
Ein grundsätzlich problematischer Aspekt ist zudem der Subindikator Nummer 7 mit seiner Auswertung der Spanne zwischen „soliden“ und „riskanten“ Anleihen … denn das ist ein eigenes Spielfeld, das zumindest aus meiner Sicht nicht Teil eines Gesamtindikators sein sollte, der vor allem für die Messung der Stimmung am Aktienmarkt benutzt wird. Fazit:
Der Fear & Greed-Index sendet momentan irreführende, bullisch wirkende Signale aus. Der Grund: Die extreme Konzentration von immer mehr Kapital auf ungewöhnlich wenige US-Aktien.
Entwicklung Nasdaq 100 und NYSE Composite im Vergleich zu Sandisk, Western Digital und ARM Holdings im Jahr 2026 | Quelle: marketmaker pp4
Der „Fear & Greed“-Index könnte die laufende Hausse noch intensiviert haben
Wenn man sich überlegt, dass der Fear & Greed-Index viel Beachtung findet und er sich zudem sehr gut eignet, um Signalgeber von computergesteuerten Handelsprogrammen zu sein, kann es einem ein wenig bange werden. Einem Handelsprogramm muss man ja einfach vorgeben „unter 25 kaufen, unter 20 Long mit Derivaten … über 75 Long verkaufen, über 80 Short mit Derivaten“. Das funktioniert gut, denn der Indikator an sich ist ja ein tadelloses Tool und dass man ihn so nutzt, habe ich in den letzten Jahren immer wieder beobachtet. Aber wäre es so, kommt der Gedanke auf, dass diese durch diese Sondersituation hervorgerufene Fehlfunktion die Hausse am US-Markt noch intensiviert haben könnte. Und damit das Rückschlagrisiko.
Denn grundsätzlich funktionieren Handelsprogramme so, dass sie, wenn sie ein bullisches Grundsignal sehen, in die Aktien investieren, die das höchste Momentum, d.h. die höchste Aufwärtsdynamik zeigen. Was dazu geführt haben kann … und grundsätzlich noch weiter führen könnte … dass diese derzeitigen Favoriten noch extremer zulegen und diese Blase dann unweigerlich platzt, so, wie es absolut allen Blasen zuvor erging. Ob es dann bei einem sportlichen „Luft ablassen“ bleibt oder es wirklich zu einem großen Knall kommt, ist nicht absehbar, aber klar sollte sein:
Dass der Fear & Greed-Index gerade suggeriert, dass an den US-Märkten die Angst umgeht und das als bullisch deklariert, während die Indizes im Bereich bisheriger Hochs notieren, wirkt wie eine Aufforderung zum Tanz auf einer Feier, die schon so lange läuft, dass sie jederzeit enden könnte. Dass dieser grundsätzlich so sinnvolle Indikator die Risiken noch verschärft, sollte man daher besser im Hinterkopf behalten!
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!
Ihr
Ronald Gehrt
Quellenangaben: Fear & Greed-Index, CNN Money: https://edition.cnn.com/markets/fear-and-greed
Über den Autor
Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.
Analysemethode
Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.
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