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Börse aktuell

Börse aktuell: Nachrichten, Analysen und Einordnungen zur aktuellen Börsenentwicklung in Deutschland, den USA und an den internationalen Finanzmärkten. Hier erfahren Sie, was aktuell an der Börse geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet das Marktgeschehen und fasst wichtige Börsendaten, Marktentwicklungen und Börsenberichte für Sie zusammen. Mit Börse aktuell erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Börsennachrichten und Einordnungen zu aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie regelmäßig über die Entwicklungen an den Finanzmärkten. Welche Themen bewegen derzeit die Börse? Welche Ereignisse könnten in der kommenden Woche für Aufmerksamkeit sorgen? Und wie präsentiert sich das aktuelle Marktumfeld – eher von Bullen oder Bären geprägt? In unserer Kolumne ordnen wir die wichtigsten Börsenthemen, Marktdaten und Ereignisse der Woche ein und geben einen Überblick über Entwicklungen, die Einfluss auf den weiteren Börsenverlauf haben könnten.

Börse aktuell vom 17.-23.08.2026

An der Börse kann es sehr vorteilhaft sein, keine Meinung zu haben

von

17.08.2026 | 07:00 Uhr
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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Wenn man zu einem Thema keine Meinung hat, kann man auch keine Entscheidungen treffen: Diese Aussage klingt logisch, ist aber nicht zwingend und hilft nicht weiter. Denn Meinung und Fakten können auch weit auseinanderliegen, so dass Meinungen zu falschen Entscheidungen führen. Und an der Börse sind wir ja in der glücklichen Situation, etwas anderes für Entscheidungen nutzen zu können. Es müsste sich nur mal herumsprechen.

Über die Jahre bin ich von allen möglichen Leuten gefragt worden, was ich denn meine, wo wohl der DAX, der Dow Jones, Gold, Öl oder sogar der Bitcoin in einer Woche, einem Monat, gar am Jahresende stehen würde. Und ein ums andere Mal antworte ich: Keine Ahnung, ist mir auch egal.

Das sorgt in aller Regel für entrüstete Blicke. „Warum weißt du das nicht, du bist doch vom Fach?“ Eben, antwortet der genervte Zeitgenosse dann, und gerade weil ich die Börse kenne und verstehe, weiß ich, was man wissen kann und was nicht. Und wo X oder Y zu einem bestimmten Zeitpunkt notieren werden, kann man eben nicht wissen.

Bisweilen versuche ich dann zu erklären, warum das so ist (an dieser Stelle schon oft geschehen, siehe meine Kolumnen zum Thema Prognosen), manchmal auch nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass es eh keinen Sinn hat. Vor allem, wenn man aufgrund eines Folgesatzes erkennt, dass das Gegenüber die Börse nicht so recht durchdrungen hat: „Aber du musst doch wenigstens eine Meinung dazu haben!“

Nein, das muss ich nicht. Nicht, weil mir das zu anstrengend wäre. Wenn einem Börsianer zu oft etwas zu anstrengend ist, ist er bald aus dem Rennen. Sondern weil Meinungen weitaus mehr schaden als nutzen. Eigentlich nutzen sie, wenn man’s genau bedenkt, sogar in keinem Fall etwas, wenn es um die Kurse geht. Warum nicht?

Die persönliche Marktmeinung als Entscheidungsgrundlage? Dünnes Eis.

Man kann, ja ich denke sogar, man muss sich mit den Rahmenbedingungen auskennen. Man ist gut beraten, Konjunkturdaten und Bilanzen zumindest im Groben verstehen zu können, wenn man Anleger ist. Auch, wenn man passiv vorgeht, indem man z.B. über Sparpläne Geld in Fonds oder ETFs investiert. Denn um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ob man Geld dort abzieht oder frisches Kapital zuführt, sollte man schließlich wissen, was man da tut. Und dann kann man auch eine Meinung dahingehend haben, ob die Gesamtwirtschaft in einem guten oder schwachen Umfeld unterwegs ist, ob man einem Unternehmen weiteres Wachstum zutraut und ob bestimmte Sektoren und Branchen womöglich eine bessere Geldanlage wären als andere. Aber!

In dem Augenblick, wo die Meinung sich darauf erstreckt, wo die Kurse in ein, zwei, sechs oder mehr Monaten liegen werden und man diese eigene Meinung als Entscheidungsgrundlage nutzt, wird die Sache kontraproduktiv. Denn das kann realistisch betrachtet niemand wissen. Nun wird mir auf diese Aussage hin gerne entgegengehalten, von Außenstehenden ebenso wie von denen, die ihr Erspartes bereits investiert haben: Ohne Meinung kannst du doch nie entscheiden, ob du jetzt kaufen oder verkaufen müsstest.

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und Subindex Halbleiter & Halbleiter-Ausrüster und S&P 500, Januar - August 2026, Meinungen zu Halbleiter-Branche bestimmen Subindex | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 und Subindex Halbleiter & Halbleiter-Ausrüster und S&P 500, Januar – August 2026, Meinungen zu Halbleiter-Branche bestimmen Subindex | Quelle: marketmaker pp4

Doch, das kann ich. Nur nutze ich dafür die Kurse selbst und keine subjektive Meinung darüber, warum die Kurse dies oder jenes tun und was das für die Zukunft bedeuten wird. Täte ich Letzteres, wäre es mir zwar ein Leichtes, mir bei einer Verlustposition die Meinung zuzulegen, dass es sich nicht lohnt auszusteigen, weil der Kurs ohnehin in Kürze wieder in die richtige Richtung laufen wird. Aber das wäre eine komplett subjektive Meinung, aus Wunschdenken geboren. Und ich würde große Gefahr laufen, den Selbstbetrug nicht einmal zu bemerken.

Und das gleich dazu geschrieben: Ich bin mit dieser Haltung nicht geboren worden. Ich habe in Sachen „Marktmeinung“ eine Menge Fehler gemacht. Und nicht nur einmal. Aber zurück zum Punkt:

An der Börse machen nicht Fakten Kurse, sondern die Kurse formen die Fakten

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass eigentlich klar negative Daten oder Nachrichten im Nachhinein medial positiv eingeordnet werden, weil die Börsen daraufhin gestiegen sind, statt zu fallen? Nehmen wir nur als ein Beispiel von vielen die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten. Stellenverluste statt neue Jobs, die Zahl der neuen Arbeitsstellen der beiden Vormonate nach unten korrigiert … das ist in keiner Weise positiv. Aber die US-Aktienindizes stiegen. Hier wurde „erklärt“: Die Anleger reagierten erfreut auf diese Zahlen, weil sie dermaßen schlecht waren, dass die US-Notenbank es nicht wagen könne, die Leitzinsen anzuheben.

Das war in der Tat wohl das Motiv. Aber es war kein schlaues. Sicher, wenn einem das Hemd näher ist als die Hose, könnte man sich sagen: Für den Moment sind höhere Zinsen vom Tisch. Aber davon abgesehen, dass höhere Leitzinsen die Ursache des Inflationsaspekts in Form hoher Ölpreise als Folge geopolitischer „Abenteuer“ nicht lösen würden und Zinserhöhungen daher in der Tat derzeit eher schaden würden, geht diese „Meinung“ am eigentlichen Problem vorbei:

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100, KW 32-33, Freude über "bad news" | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100, KW 32-33, Freude über “bad news” | Quelle: mrketmaker pp4

Der US-Arbeitsmarkt sieht schlecht aus. Mehr und mehr Arbeitnehmer, dort wie auch bei uns, müssen sich Sorgen darüber machen, ob sie in ein, zwei Jahren noch genug Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. Wer sich solche Gedanken machen muss, neigt dazu, sein Geld zusammenzuhalten. Und das bremst das Wirtschaftswachstum und in dessen Folge die Unternehmensgewinne. Das passiert zwar dann auf einer mittelfristigen Ebene und nicht übermorgen. Aber diese durch solche Daten manifestierte Gefahr geht eben unter, wenn Medien schlechte Konjunkturdaten als bullisch für die Börse einordnen.

Dieses Beispiel sollte zeigen, dass an der Börse oft die Reaktion der Kurse dazu führt, dass man Fakten entsprechend an diese Reaktion anpasst. „Etwas Negatives sorgt für steigende Kurse? Dann müssen wir schauen, wie wir das entsprechend kommentieren, damit das logisch klingt“. Da machen dann die Kurse die Fakten, nicht umgekehrt. Nicht gut, denn:

Meinungen werden von wenigen „gemacht“ … und von vielen übernommen

Wenn etwas gut klingt, wenn eine „Marktmeinung“ genau meinen Erwartungen und Wünschen entspricht … schaue ich da noch lange unter Teppiche und hinter Vorhänge, ob ich diesem Braten auch trauen darf? Eher nicht, oder? Man glaubt gerne etwas unbesehen, wenn einem genau das erzählt wird, was man hören möchte.

Anfang 2000 war man ein Nestbeschmutzer, wenn man als Börsenjournalist wagte, die Gefahren der Internetblase aufzuzeigen. Die Subprime-Blase sei keine Gefahr für Weltwirtschaft und Börse, hieß es 2008 von Politikern, Banken und so manchem angeblichen Experten. Die Inflation gehe einfach von allein wieder weg, behaupteten nicht nur viele Notenbanken, sondern auch Banken und Analysten Ende 2021/Anfang 2022. Die Liste ließe sich fortsetzen. Doch diese so wunderbar klingenden Meinungen waren falsch. Und das hätte man nicht nur wissen können, sondern müssen.

Börse aktuell: Entwicklung DAX und Inflationsrate Deutschland, 2018-2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX und Inflationsrate Deutschland, 2018-2026 | Quelle: marketmaker pp4

In solchen Fällen können zwei mögliche Ursachen naheliegen. Entweder diejenigen, die solche Meinungen verbreiten, haben keine Ahnung von ihrem Geschäft. Oder sie haben im Gegenteil sehr viel Ahnung davon und könnten die vielen wenig fachkundigen Anleger gezielt beeinflussen.

Denken wir daran, dass kaum ein Unternehmen, das an die Börse geht, erklären würde: „Wir haben uns finanziell so sehr verhoben, dass wir jetzt euer Geld brauchen“. Nein, das liest man natürlich kaum. Man will die Allgemeinheit am Erfolg teilhaben lassen, denn jetzt werde das große Wachstum erst richtig losgehen … so klingen die Aussagen vor einem Börsengang schon eher.

Denken wir auch daran, dass, wer Fonds und ETFs anbietet, dadurch Geld verdient, dass die Anleger ihr Erspartes dorthin leiten. Selbst, wenn die Entscheider bei solchen sogenannten „institutionellen Investoren“ beim Gedanken an die kommenden Monate graue Haare bekommen würden: Würden die Ihnen offen sagen, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn Sie als Anleger Ihr Geld vorübergehend auf dem Konto in Sicherheit bringen und erst einmal nicht zukaufen?

Nein, Optimismus ist nötig, um das Feuer der Finanzindustrie am Brennen zu halten. Optimismus ist das, was alle hören wollen. Also wird er geliefert und wird zur Basis der vielen Börsenmeinungen, die doch am Ende alle ein und dasselbe aussagen:

Die Kurse werden steigen. Wenn’s mal kippt, wird es schon gutgehen. Und wenn es mal stürmischer wird, sagt man sich: Naja, ist gerade nicht so schön, aber langfristig, da steigen Aktien ja immer.

Übernommene Meinungen sind am Ende auch übernommene Entscheidungen

Das hat für das Verhalten vieler Anleger unmittelbare Konsequenzen. Viele kaufen nonstop zu, egal, wie sich das Umfeld darstellt. Die Wenigsten steigen aus, wenn Aufwärtstrends brechen, sondern kaufen in fallende Kurse immer weiter.

Ja, Sie hätten im Prinzip Recht, wenn Sie jetzt einwenden würden, dass das ja auf lange Sicht nichts ausmacht und man in fallende Kurse hinein für das gleiche Geld dann mehr Anteile eines Fonds oder ETFs bekommt. Dadurch betreibt man eine Art „Averaging“, was langfristig durchaus klug sein kann. Aber es gab so manche Phase, in der „langfristig“ in Sachen Wiedersehen mit dem Einstiegskurs länger dauerte, als viele sich das so dachten. Und man könnte ja schließlich trotz alledem weitaus besser fahren, wenn man zeitgerecht bei einem Trendbruch aussteigt und zurückkauft, wenn die Aufwärtswende gelungen ist.

Was aber nicht so einfach ist, wenn man eine von außen übernommene, dauer-optimistische Meinung hat, die das eigene Handeln entscheidend beeinflusst und man zugleich wenig bis gar nichts von der Materie versteht, weil es einfacher ist, gut klingende Meinungen zu übernehmen, als das Anleger-Handwerk wirklich zu erlernen. Ich kann jedem nur dazu raten, das mit dem Börsen-Grundwissen zügig nachzuholen, wenn es nicht vorhanden ist. Denn dann kann man sich zum Umfeld eine eigene und auch fundierte Meinung bilden. Und man versteht eher, warum es nicht weise ist, diese Meinung auch auf das unmittelbare Kursverhalten und damit auf Kauf- und Verkaufsentscheidungen auszudehnen.

Börse aktuell: Entwicklung SAP, Januar - August 2026, Meinung in Bezug auf KI bestimmt den Chart | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung SAP, Januar – August 2026, Meinung in Bezug auf KI bestimmt den Chart | Quelle: marketmaker pp4

Das „Ist“ zählt, nicht ein „müsste aber“

Denn was die Kurse tun werden, ist nicht vorhersehbar. Selbst, wenn es den „homo oeconomicus“ wirklich gäbe, der permanent logisch auf Basis aller vorhandenen Daten und Fakten handelt: Das wären extrem wenige. Die Masse handelt aus dem Bauch heraus, emotional. Und Emotionen lassen sich nicht einfangen oder in Stärke, Richtung und Zeitpunkt vorhersagen. Hinzu kommen die nicht vorhersehbaren, externen Impulse wie z.B. der Angriff auf den Iran oder Corona. Wenn man sich dessen bewusst wird, versteht man, dass man sich irgendwelche Meinungen dazu, wo egal welches Asset zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft notieren wird, an den Hut stecken kann.

Ich schlage vor: Nutzen Sie die hervorragenden Tools, die Ihnen Chart- und Markttechnik bieten. Sie orientieren sich am „Ist“, an dem, was die Kurse hier und jetzt tatsächlich tun. Und da viele rein technisch agierende Trader und Handelsprogramme das ebenfalls tun und die Trends entscheidend mitbestimmen, könnte man damit bessere Chancen haben, unter dem Strich mit der Börse Geld zu verdienen, als es über die Jahre langsam dahin schwinden zu sehen als Konsequenz starrer Meinungen darüber, was passieren sollte … aber oft eben nicht passiert.

„Meinungsoffen“ zu sein, ermöglicht einen objektiveren Blick auf die Kurse

Sich stur auf die Kurse zu fokussieren, ist nicht ganz so einfach, wie sich das hier schreibt, keine Frage. Auch ich werde immer wieder von mir selbst überrumpelt, indem ich manchmal trotz eines klaren Signals in meinem eigenen Handelssystem sage: „Nein, das wird ganz sicher nichts“ und deswegen nicht reagiere oder sogar gegen das Signal handele. Aber ich werde immer wieder zügig auf den Boden der Tatsachen gebracht, wenn ich sehe: Ja, eigentlich hätte dieses Signal nichts werden dürfen, wenn alle am Markt logisch agiert hätten … wurde es aber doch.

„Meinungsoffen“ auf Signale zu warten, die die Kurse einem liefern, hat schon seine Vorteile. Dauerpositionen im Depot, basierend auf der subjektiven Meinung, was zu geschehen hat, können die eigenen Entscheidungen korrumpieren, vor allem, wenn man bereits in der Verlustzone festhängt. Frische Signale nutzen und umgehend aussteigen, wenn sie nicht mehr gelten, ist da deutlich einfacher vom Umgang. Ich für meinen Teil habe zu fast allem eine Meinung … aber nicht zu dem, was mit den Kursen passieren wird. Nicht, weil ich mich mit der Börse nicht auskenne, sondern weil ich es tue!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 16.08.2026 um 13:11 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie über wichtige Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten. Ein Schwerpunkt unserer Berichterstattung liegt auf den großen Aktienindizes wie dem DAX sowie den US-Börsen mit Dow Jones, Nasdaq und S&P 500. Diese Indizes zählen zu den wichtigsten Barometern für die Börsenentwicklung weltweit. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf Aktien, die aktuell im Fokus der Marktteilnehmer stehen, und ordnen relevante Ereignisse an den Börsen ein. So erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Themen der Börse aktuell.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung an der Börse wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten sowie Unternehmensmeldungen börsennotierter Gesellschaften. Solche Informationen können sich nicht nur auf Aktienkurse auswirken, sondern auch auf andere Anlageklassen wie ETFs, Optionen oder Futures. Darüber hinaus reagieren häufig auch die Märkte für Anleihen und Rohstoffe auf wichtige Börsennachrichten. Daher beobachten wir neben der Börsenentwicklung auch Zinsen, den Ölpreis sowie den Goldpreis und ordnen diese Entwicklungen im aktuellen Marktumfeld ein.

Börse: Aktuelle Einordnungen zum Marktgeschehen

Neben Börsennews erhalten Sie auch Einordnungen, die dabei helfen können, das aktuelle Marktgeschehen besser zu verstehen. Die Börse setzt sich aus zahlreichen Märkten zusammen. Unterschiedliche Länder, Branchen und Finanzprodukte werden von verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Faktoren beeinflusst. Dadurch kann es schwierig sein, Entwicklungen und Trends an den Finanzmärkten umfassend zu verfolgen und einzuordnen. Mit Börse aktuell fasst unser Börsenexperte die wichtigsten Börseninformationen zusammen und gibt einen Überblick über relevante Themen und Entwicklungen der kommenden Börsenwoche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

10.08.2026
07:00 Uhr

Der Treibstoff einer Hausse: Fakten sind gut, Hoffnungen sind besser — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
DAX - Deutscher Aktienindex
Neutral
NASDAQ 100 Index
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 09.08.2026 um 20:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Es ist bemerkenswert, dass Kaufwellen insbesondere am Aktienmarkt dann besonders intensiv und weitreichend ausfallen, wenn sie nicht auf Fakten, sondern auf großen Hoffnungen basieren. Das wirkt absurd, ist aber erklärbar.

Denken wir über die aktuell zwar in einer Korrekturphase befindliche, aber deswegen noch nicht zwingend beendete Hausse der Halbleiter-Aktien nach, so ließe sich behaupten, dass man da auf Basis von Fakten agiert, denn Umsätze und Gewinne der meisten dieser Unternehmen sind zuletzt erheblich gestiegen. Das stimmt so weit durchaus, aber:

Die Dimension der zuletzt erreichten Kursgewinne bildet nicht ab, was bereits schwarz auf weiß in den Bilanzen steht. Sie nimmt vorweg, dass sich dieses Wachstum nicht nur fortsetzen, sondern intensivieren wird … und damit nimmt man eine Zukunft vorweg, die man sich erhofft, die aber, wie das mit der Zukunft nun einmal so ist, in keiner Weise sicher ist. Das ist gewagt, in manchen Ausprägungen sogar halsbrecherisch. Aber dieses Phänomen ist nicht neu, sondern taucht immer wieder auf. Die Frage ist: Was steckt dahinter?

Die Börsen haben ihre ganz besondere „Logik“

Zu verstehen, warum etwas läuft, wie es läuft, kann nie schaden. Nur wenn man versteht, wie ein Motor funktioniert, weiß man auch die Zeichen zu deuten, wenn er beginnt, unrund zu laufen. Einfach ins Auto setzen und Vollgas geben – das geht, keine Frage, meist sehr lange gut. Aber wenn es am Ende eben doch schiefgeht, wäre man froh zu wissen, was zu tun ist. Das gilt für die Börse ebenso. Und meiner Erfahrung nach ist der Anteil derer, die sich vorher mit den Grundlagen beschäftigen, bevor sie loslegen, an der Börse ähnlich gering wie in Bezug auf Autos.

Börse aktuell: Entwicklung DAX, 2019 bis 2022 - Corona Phase | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX, 2019 bis 2022 – Corona Phase | Quelle: marketmaker pp4

Und eigentlich sollte ja eine Art neugierige Skepsis entstehen, wenn man feststellt, dass Aufwärtstrends, die auf Basis von solidem Wachstum, einem ruhigen Umfeld und unter dem Strich konstant steigenden Unternehmensgewinnen und Dividenden beruhen, meist deutlich weniger spektakulär ablaufen als Kaufwellen, bei denen man am Markt auf etwas setzt, das erst noch eintreten müsste. Denn rein von der Ratio her ist das ja absurd. Aber deswegen ist die Sache nicht unlogisch. Dieses Phänomen basiert nur auf der ganz eigenen Logik der Börsen, bei der Fakten sehr oft von Emotionen und Notwendigkeiten verdrängt werden.

Berechtigte Zweifel als Treibstoff einer Kaufwelle?

Nehmen wir als Beispiel die Phase unmittelbar nach der Verkündung von Trumps Zöllen auf alles und für alle im Frühjahr 2025. Der folgende Chart zeigt, dass der DAX verblüffend schnell nicht nur die Verluste aufholte, die diese „Aktion“ des US-Präsidenten auslöste, sondern sogar über das vorherige Hoch stieg. Dabei hätte man nun wirklich keine Basis dafür gehabt zu glauben, dass diese US-Zölle der deutschen Wirtschaft mehr Wachstum bescheren würden. Zumal man sich ja in Expertenkreisen schon immer nahezu einig war und auch in diesem Fall ist: Zölle bringen nur Verlierer hervor; auch diejenigen, die sie verhängen, zahlen am Ende die Zeche mit. Wie also kann man diese Kaufwelle erklären?

Börse aktuell: Entwicklung DAX, 2022 bis 2026 - Kaufwellen | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX, 2022 bis 2026 – Kaufwellen | Quelle: marketmaker pp4

Es sind genau diese „berechtigten Zweifel“ der Mehrheit am Markt, die eine solche Kaufwelle auslösen. Das lief nach dem Corona-Crash, nach dem Angriff auf die Ukraine oder auch aktuell in Bezug auf den Iran-Konflikt genauso. Denn was denkt man sich, wenn ein Index wie der DAX in einem klar bärischen Umfeld auf einmal drastisch anzieht?

Der erste Gedanke ist, dass da nur einige Bären ihre leer verkauften Aktien eindecken, was zwar die Kurse nach oben zieht, aber nicht zugleich bedeutet, dass diese Bären damit automatisch zu Bullen werden … sie machen nur Kasse, weil sie ihre Kursziele erreicht haben, der Markt überverkauft ist und sie sich sagen: Lieber jetzt erst einmal die Position etwas reduzieren. Und in der Regel ist es auch genau das und nicht mehr, aber:

Wenn diese Gegenbewegung erste charttechnische Widerstände überwindet, springen rein charttechnisch agierende Trader und entsprechend ausgerichtete Handelsprogramme auf einmal auf einen Zug auf, den es rein von der Logik gar nicht geben sollte. Oft sind es im Getümmel erster Short-Eindeckungen überwundene Widerstandslinien, die Trader mobilisieren, die nicht nach dem „Warum“ fragen, sondern nur den Kursbewegungen folgen. Und die dadurch die Basis dafür verbreitern, dass eine Bewegung, die rational gesehen eigentlich nicht existieren dürfte, besonders intensiv wird, denn:

Manche wollen, andere müssen … das Phänomen der Kettenreaktion

Diejenigen, die sich bis zu diesem Punkt gedacht haben: „Das kann ja gar nichts werden“, geraten in eine emotionale Zwickmühle. Sie sehen das bestehende Risiko einer Rallye ohne Fakten, bei der die Hoffnung, alles werde schnell wieder gut und idealerweise noch viel besser, die Kurse treibt … und sehen eben auch, dass ihnen gerade die Kurse davonlaufen. Ich vermute, viele von Ihnen kennen das aus eigener Erfahrung: Irgendwann wird man „weich“ und steigt, mit flauem Gefühl im Magen oder nicht, doch noch ein.

Und dann gibt es ja noch die Fonds und ETFs, die gezwungen sind, zufließendes, frisches Kapital zu investieren. Bei ihnen geht es nicht darum, ob die Entscheider Käufe für eine gute Idee halten: Was an Geld hereinkommt, muss auch „arbeiten“. Und wenn genug Anleger, vom emotionalen Sog schnell steigender Kurse beeindruckt, reichlich Geld in diese Fonds und ETFs überweisen, müssen sie kaufen … und intensivieren und verlängern das Phänomen dadurch.

Aber wieso hält sich so etwas oft so verblüffend lange, obwohl sich die Lage gar nicht so entwickelt, dass die Hausse ein Fundament aus positiven Fakten nachgereicht bekommt?

Dauerhafte Unwiderlegbarkeit

Selbst wenn die Kettenreaktion des „Einsteigen-Müssens“ über die Bühne ist, geht eine solche Hausse oft noch weiter, siehe die Endlos-Aufwärtsbewegung, die der Nasdaq-100-Index in den Monaten nach Trumps „Zoll-Schock“ zeigte. Das liegt zu einem ganz wesentlichen Teil daran, dass eine Hoffnungs-Rallye eine für Bullen höchst praktische Eigenart hat: Man kann nie beweisen, dass etwas nicht kommen wird, auf das man hofft – es könnte ja irgendwann doch noch kommen.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100, 2024 bis 2026 - Kaufwellen | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100, 2024 bis 2026 – Kaufwellen | Quelle: marketmaker pp4

Natürlich könnte man, wenn man die Sache rational angeht, in die Vergangenheit blicken und zahllose Fälle entdecken, in denen Hausse-Phasen, die auf reiner Hoffnung basierten, am Ende fatal endeten. Denken wir nur an die zahlreichen Aktien, die mit der Behauptung immer höher und höher stiegen, dass bestimmte, durch die Corona-Phase entstandene Wachstumsmärkte schnell und andauernd weiterwachsen würden, z. B. HelloFresh, Delivery Hero oder TeamViewer. Oder denken wir an Aktien von Unternehmen, die vor einigen Jahren durch die Post-Corona-Materialengpässe deutlich steigende Gewinnmargen verbuchten, etwa Sartorius oder Carl Zeiss Meditec. Sie alle wurden von einer Realität eingeholt, die den großen Erwartungen nicht entsprach. Aber!

Solange diese Hoffnungen nicht wirklich widerlegt werden, wirken sie. Und viele sind besonders dann bereit, daran festzuhalten, wenn der Markt noch steigt. Daher sieht so mancher massiv bullisch investierte Marktteilnehmer wohl auch jetzt noch ein ganz sicher bald kommendes Ende des Iran-Krieges als gutes Argument für neue Rekorde. Gerade weil sich das so lange hinzieht, funktioniert das noch. Das erinnert an die Möhre vor dem Esel, die ihn am Laufen halten soll.

Warum es z. B. 2003 und 2009 anders lief

Diese Kombination aus Emotionen, Kettenreaktionen und dem Aspekt, dass Hoffnungen nicht rational widerlegbar sind – denken Sie an den Dauer-Lottospieler, den der Gedanke, eines Tages den Jackpot zu holen, auch nach 50 Jahren noch in die Lottoannahmestelle treibt –, funktioniert aber nicht mehr, wenn Fakten bereits da sind … weshalb Aufwärtstrends, die nicht auf Hoffnungen und Fantasien, sondern auf einer realen Entwicklung basieren, meist deutlich weniger extrem ablaufen. Beispiel: das Jahr 2009.

Börse aktuell: Entwicklung DAX, 2007 bis 2010 - Platzen der Subprime-Blase | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX, 2007 bis 2010 – Platzen der Subprime-Blase | Quelle: marketmaker pp4

Hier war es im Vorfeld nicht zu einem Sell-off gekommen, der blitzschnell ablief und durch etwas Unerwartetes ausgelöst wurde, wie es z. B. bei Trumps Zöllen deren groteske Höhe war. Hier lag vor der Aufwärtswende eine fünf Quartale dauernde Baisse von gewaltiger Dimension. Und es war zudem eine Baisse – auch das war entscheidend –, in der blinde Hoffnung bereits übel ausgegangen war. Denn viele dachten wirklich, dass die in sich zusammenfallende US-Immobilienblase bzw. die sogenannte Subprime-Blase kaum bis gar keine negativen Auswirkungen auf die Börsen haben würde. Hatte sie aber … und das deutlich heftiger, als selbst viele Experten vermutet hatten.

Die brutale Ernüchterung darüber, dass die Hoffnung, alles würde schon von allein wieder gut, ein Luftschloss war, hatte viele so hart getroffen, dass man auf die ersten Signale, die Lage könnte in den Griff kommen, kaum reagierte. Damals liefen die Kurse den Ereignissen eher hinterher, als sie vorwegzunehmen.

Beim Corona-Crash ging es im Unterschied zu diesem Beispiel viel schneller bergab, sodass die Zeit zwischen der vorherigen, von Optimismus geprägten Normalität am Aktienmarkt und der Rallye nach dem Crash so kurz war, dass eine tiefergehende Ernüchterung der meisten Investoren nicht entstehen konnte. Daher war es da leichter, die Hoffnung als Kurstreiber zu aktivieren als nach einer längeren Krise.

Irgendwann muss aber am Ende doch „geliefert“ werden

Aber irgendwann müssen die erhofften positiven Fakten dann eben doch nachgereicht werden. Wenn Sie noch einmal zum obersten Chart zurückgehen, der die Zeit des Corona-Jahres 2020 beim DAX abbildet, sehen Sie, dass diese Hoffnungs-Hausse im Herbst 2020 gerade dabei war, komplett zu kippen. Nur weil da mit dem von vielen positiv gesehenen Ausgang der US-Wahl und der Meldung über erste einsatzfähige Impfstoffe doch noch die nötigen „Good News“ kamen, drehte der DAX wieder nach oben.

Fazit: Eine Hausse, die auf großen Hoffnungen und mageren Fakten basiert, kann lange dauern und weit reichen. Aber nur, wer weiß, dass etwas, das endlos scheint, irgendwann eben doch ein Ende hat, ist imstande, sofort und konsequent von Bord zu gehen, solange es noch Gewinne gibt, die man mitnehmen kann.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

03.08.2026
07:09 Uhr

Wie man Gleitende Durchschnitte für das Trading einsetzen könnte — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
AIXTRON SE
Neutral
Allianz SE
Neutral
Caterpillar Inc.
Neutral
Deutsche Telekom AG
Neutral
Euro / US-Dollar
Neutral
Dow Jones Industrial Average Index
Neutral
Microsoft Corp.
Neutral
NASDAQ 100 Index
Neutral
SAP SE
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 02.08.2026 um 14:52 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, die Gleitenden Durchschnitte als Eckpfeiler des Tradings einzusetzen. Nicht alle Möglichkeiten erweisen sich dauerhaft als tauglich, aber es bietet sich an, alles einmal gesehen zu haben und dann selbst zu entscheiden, ob und womit man hier arbeiten möchte.

Ich habe über die vergangenen Jahrzehnte seit meinen ersten eigenen Trades und der damaligen Lektüre von so ziemlich allem, was damals zur Technischen Analyse zu bekommen war, festgestellt, dass sich die Verwendung von Gleitenden Durchschnitten (GD) mit der Zeit immer wieder leicht gewandelt hat.

Das dürfte zum einen daran liegen, dass das Trading internationaler wurde und wir so neben den eigenen, klassischen Handhabungen auch US-amerikanische Vorgehensweisen adaptiert haben.

Zum anderen vermute ich, dass der Siegeszug der computergesteuerten Handelsprogramme einerseits und die zunehmende Tendenz zu sehr kurzfristigem Trading und den entsprechend kurzen Zeitrastern andererseits ihren Anteil daran haben, dass vor allem der Einsatz von GDs als „Teams“, d. h. die Verwendung mehrerer Zeitraster gleichzeitig zur Generierung einer tradingrelevanten Kurszone, an Bedeutung gewonnen hat. Zu diesem Thema kommen wir ganz zum Schluss; hier zunächst ein Blick auf die „Klassiker“:

Der Einsatz eines GDs als „flexible Trendlinie“

Die eigentliche Grundlage der Gleitenden Durchschnitte war das rechnerisch basierte Hervorheben der Trendrichtung und zugleich die Möglichkeit, anhand der Entfernung eines Kurses zu einem entsprechenden GD abzuschätzen, ob ein Trendimpuls langsam überzieht oder noch im Rahmen ist.

Börse aktuell: Entwicklung Telekom, 2023 bis 2026 - 200 Tage-Linie als Unterstützung und Widerstand | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Telekom, 2023 bis 2026 – 200 Tage-Linie als Unterstützung und Widerstand | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Zugleich ist ein GD aber so etwas wie eine Trendlinie, nur eben viel flexibler als eine durch mehrere Umkehrpunkte verbundene Gerade. Und das führte dazu, dass man GDs nicht nur als Orientierung nutzt, sondern als unmittelbaren Signalgeber. Das Über- oder Unterkreuzen eines GDs dient als Kauf- oder Verkaufssignal. Das funktioniert natürlich vor allem bei den Zeitrastern, die allgemein beachtet und genutzt werden. Das Kreuzen eines 145-Tage-GDs ist meist belanglos, weil dieses Zeitraster kaum verwendet wird. Beim klassischsten aller Zeitraster, der 200-Tage-Linie, sieht das anders aus, wie wir im vorstehenden Chart sehen.

Börse aktuell: Entwicklung Aixtron, 2025 bis 2026 - 20 Tage-Linie als Leitstrahl | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Aixtron, 2025 bis 2026 – 20 Tage-Linie als Leitstrahl | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Je intensiver ein Trend wird, desto mehr Akteure wechseln zu kurzfristigeren Zeitrastern. Hierzulande spielt die 20-Tage-Linie als Signalgeber und Leitstrahl eines Impulses oft eine tragende Rolle, so wie wir das hier bei Aixtron sehen. Längere Zeitraster werden dadurch aber nicht irrelevant. Nur weil die 20-Tage-Linie den kurzfristigen Tradern als Taktgeber dient, übersehen sie natürlich nicht, wenn der Kurs die 200-Tage-Linie testet. Was wir bei Aixtron auch deutlich sehen, ist, dass der 200-Tage-GD wohl von vielen gesehen und offenkundig zum Anlass genommen wurde, aktiv zu werden.

Börse aktuell: Entwicklung Caterpillar, 2025 bis 2026 - 50 und 100 Tage-Linie als Signalgeber | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Caterpillar, 2025 bis 2026 – 50 und 100 Tage-Linie als Signalgeber | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

An den US-Börsen sind es eher die 50-Tage- und die 100-Tage-Linien, die den Tradern als Orientierung und Signalgeber dienen, wie der vorstehende Chart der Dow-Jones-Aktie Caterpillar zeigt. Diese beiden Zeitraster haben aber auch bei uns an Bedeutung gewonnen. Wenngleich das bislang nicht so dominant ist wie jenseits des Atlantiks, empfiehlt es sich trotzdem, diese Linien bei der Analyse eines Charts mit einzublenden und zu prüfen, ob auffällige Schwenks an diesen Linien darauf hindeuten, dass viele Trader sich aktuell an einer oder beiden dieser Linien orientieren.

Welche Linien bei welchem Asset oder welcher Aktie relevant sind, ist nie in Stein gemeißelt; man könnte sagen: Das ergibt sich aus dem Geschehen heraus. Wenn es erst einmal zu ein, zwei auffälligen Verteidigungen eines bestimmten Zeitrasters kam, der Kurs dort nach unten abgewiesen wurde oder eine Überkreuzung einen deutlichen Impuls ausgelöst hat, „committet“ man sich quasi darauf, diese Linie fürderhin als Signalgeber zu sehen. Ein weiteres Zeitraster, das allgemein eher wenig bekannt ist, sollte man ebenso im Auge haben, vor allem nach großen Kursbewegungen: die 1.000-Tage-Linie.

Börse aktuell: Entwicklung Dow Jones, 2007 bis 2026 - 200 Wochen und 1000 Tage-Line bei Indizes | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Dow Jones, 2007 bis 2026 – 200 Wochen und 1000 Tage-Line bei Indizes | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Dieser GD ist letzten Endes näherungsweise nichts anderes als ein 200er-GD, nur eben nicht auf Tages-, sondern auf Wochenbasis. Immer dann, wenn es zu starken Auf- und vor allem Abwärtsbewegungen kam, schauen sich Trader diese Linie an, denn wenn diese Linie fällt, könnte es für das bullische Lager schwierig werden. Daher wird, wenn es dahingehend eng wird, oft vieles, was an Reserven da ist, ins Rennen geschickt, um diesen 1.000-Tage-GD zu retten … hier beim Dow Jones z. B. nach dem „Zoll-Schock“ im April 2025.

SMA oder EMA? Welche Variante wäre besser?

Ein kurzer Exkurs zu der Frage, welche Variante der GDs man denn nutzen sollte: Ich verwende grundsätzlich die einfachen GDs, die „Simple Moving Averages“ (SMA). Andere präferieren die gewichteten GDs, die „Exponential Moving Averages“ (EMA), bei denen die jüngeren Kurse in der Kette ein höheres Gewicht haben als die am weitesten zurückliegenden. Aber wenn wir uns den folgenden Chart ansehen, in dem ich den 20-Tage-GD einmal als SMA und einmal als EMA abgebildet habe, gibt sich das kaum etwas, sodass wir hier eher eine Glaubensfrage als ein faktisch relevantes Problem vor uns haben.

Börse aktuell: Entwicklung Allianz, 2025 bis 2026 - EMA 20 und SMA im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Allianz, 2025 bis 2026 – EMA 20 und SMA im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Übrigens: Sie sehen an diesem Beispielchart, dass die Tauglichkeit von GDs genauso davon abhängt, ob auch wirklich ein Trend vorliegt, wie das für charttechnische Trendlinien gilt. In Phasen des „Seitwärts-Schaukelns“ sind, wie wir das hier am Beispiel der Allianz-Aktie sehen, GDs häufig genauso wenig tauglich wie Trendfolge-Indikatoren der Markttechnik. Wer unbedingt in Seitwärtsphasen aktiv sein will, findet da bei den sogenannten „Oszillatoren“ wie u. a. Stochastik und RSI unter den Indikatoren bessere Wegweiser.

Crossover – sind sie wirklich „handelbar“?

„Crossover“ sind Überkreuzungen, bei denen ein GD mit kürzerem Zeitraster einen GD mit längerem Zeitraster nach oben (bullisches Signal) oder nach unten (bärisches Signal) kreuzt. Dabei können alle Zeitrahmen grundsätzlich ein Signal auslösen; der im Folgenden gezeigte bärische Crossover des GD 20 unter den GD 200 bei SAP ist nur ein Beispiel. Auch das Kreuzen z. B. der 50-Tage-Linie über oder unter den GD 100 oder 200 kann ein Signal sein; ein Crossover des GD 20 über den GD 50 ebenso … und so weiter. Aber so plakativ dieser Begriff „Crossover“ auch ist: Taugen diese Überkreuzungen als Trading-Signal wirklich etwas?

Börse aktuell: Entwicklung SAP, 2024 bis 2026 - Crossover GD20 und GD200 | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung SAP, 2024 bis 2026 – Crossover GD20 und GD200 | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Meine persönliche Meinung ist: Da könnte ein wenig Skepsis nicht schaden. Denn ein solcher Crossover zeigt ja nur an, was im Kurs bereits passiert ist; damit wäre er nur die Bestätigung einer neuen Richtung, die der Kurs bereits eingeschlagen hat. Und wenn wir uns das folgende Chartbeispiel mit Microsoft ansehen, erkennen wir:

Börse aktuell: Entwicklung Microsoft, 2024 bis 2026, Fehlsignale bei Crossovers | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Microsoft, 2024 bis 2026, Fehlsignale bei Crossovers | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Oft ist der Kurs längst über oder unter die beiden entsprechenden GDs gelaufen, bevor diese sich überkreuzen. Würde man also das Über- oder Unterschreiten eines GDs durch den Kurs selbst als Signal nutzen, wie es ja üblich ist, wäre man sowieso schon in Trendrichtung mit von der Partie. Und in Seitwärtstrends (in denen alles, was mit Trendfolge zu tun hat, eher nichts taugt, auch die GDs nicht) käme es, wollte man solche Crossover als direkte Trading-Signale einsetzen, häufig zu potenziell kostspieligen Fehlsignalen; daher würde ich diese Variante eher weniger nutzen.

GD-Bundles: Trading-Zonen mit Gleitenden Durchschnitten

Für konsequent technisch orientierte Trader haben die GDs eine Menge für sich, nicht zuletzt, weil computergesteuerte Handelsprogramme diese für ihre Signalgenerierung gut einsetzen können und dies offenbar auch tun, wie bereits in Teil 1 in der vergangenen Woche erwähnt. Das gilt vor allem, wenn man sie als „Team“ einsetzt, d. h. mehrere GDs zugleich nutzt, um nicht nur eine Linie zu haben, die den Kurs nach oben oder unten begleitet, sondern eine durch zwei oder drei GDs definierte Support- oder Widerstandszone nutzen zu können.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100, 2026 - GDs im Einsatz zur Bestimmung von Trading-Zone | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100, 2026 – GDs im Einsatz zur Bestimmung von Trading-Zone | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Grundsätzlich könnte man mit zwei, drei oder sogar vier GDs arbeiten und sie ganz individuell einsetzen. Beim Beispiel des Nasdaq 100 mit den GDs der letzten 10, 20 und 50 Handelstage drängt sich z. B. eine Vorgehensweise auf:

Der GD50 würde hier als grundsätzlicher Richtungsindikator dienen; darüber wäre man Long, darunter Short. Die beiden kürzeren GDs ließen sich als Positionssteuerung nutzen, zum Beispiel so: Sobald der Kurs unter den GD10 fällt, könnte man eine Long-Position reduzieren, unter dem GD20 vorerst ganz aussteigen (und neutral bleiben, solange der GD50 nicht unterschritten wird), bis der Kurs wieder über den GD10 gelaufen ist, und dann wieder eine Long-Position aufbauen.

Börse aktuell: Entwicklung Euro Dollar Relation, 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Euro Dollar Relation, 2025 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Quelle: marketmaker pp4

Eine solche Vorgehensweise ist flexibel und reagiert zügig auf das aktuelle Geschehen, ist also eine Sache, die man sich als Strategie durchaus überlegen kann. Indes: Es funktioniert auch nicht immer. Denn wenn es zu einem eher planlosen Auf und Ab kommt, wie wir das im Fall der Euro/US-Dollar-Relation in der rot hervorgehobenen Phase sehen, sind auch GDs nicht das geeignete Mittel. Da müsste man dann auf sogenannte Oszillatoren unter den markttechnischen Indikatoren oder klassisches charttechnisches Range-Trading umschalten … oder sich in solchen Seitwärtsphasen ganz heraushalten.

Fazit: Mit GDs kann man viel anfangen … aber ein Allheilmittel des Tradings sind auch sie nicht

Gleitende Durchschnittslinien haben einem Trader einiges zu bieten, sei es als reine Signalgeber oder als Element einer Trading-Strategie z. B. mit GD-Bundles. Aber man sollte sie immer als ein Tool von mehreren im großen Werkzeugkasten der Technischen Analyse sehen und nicht als einzig seligmachende Strategie. Und: Einen Trend braucht es bei GDs in der Regel, um vernünftig agieren zu können. In einem ziellosen Hin und Her kommt man mit nahezu keinem Instrument besonders weit; da würde es sich anbieten, nicht das Trading-Tool, sondern die Trading-Basis, sprich den Markt, zu wechseln!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr
Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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