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Der Ausbruch über einen markanten Widerstandsbereich ist normalerweise eine eindeutige Sache, nämlich klar bullisch. Sollte der TecDAX seine jetzt angesteuerten Charthürden überwinden, sollte man sich die Sache aber vielleicht nicht ganz so einfach machen.
Seit meiner letzten Analyse des TecDAX am 6. Mai hat der Index einen ersten Anlauf unternommen, die zwischen Oktober und Februar entstandene Widerstandszone zwischen 3.796 und 3.859 Punkten zu überwinden. Dort wurde er zwar abgewiesen, aber jetzt ist er erstaunlich schnell mit einem zweiten Anlauf unterwegs. Dass er dabei präzise an der 20-Tage-Linie nach oben drehte, die bereits Ende April Basis des vorherigen Aufwärtsschubes wurde, ist kein Zufall, sondern unterstreicht, dass die charttechnisch orientierten Trader hier ebenso entschlossen wie erfolgreich agieren. Aus dieser Warte heraus könnte es also etwas werden mit diesem zweiten Versuch, sich nach oben abzusetzen.
Allerdings sehen Sie im Chart auf Monatsbasis, dass die größere Hürde dann immer noch im Raum stünde … und nahe läge. Da geht es um das Ende 2021 markierte Hoch bei 4.010 Zählern, damals der höchste Kurs seit dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000. Im vergangenen Sommer unternahmen die Bullen den Versuch, diesen Widerstand herauszunehmen, und scheiterten.

Warum sollte diesmal gelingen, was zuvor schiefging? Die Gesamtsituation ist keine, in der man es sich leisten sollte, die Sache mit größeren Long-Positionen nach dem Motto „Versuch macht klug“ einfach mal laufen zu lassen. Da wäre ein genauerer Blick nötig.
Expertenmeinung: Wie sich die Rahmenbedingungen darstellen, weiß jeder. Geopolitische Spannungen, Planungsunsicherheit aufgrund der unsteten US-Wirtschaftspolitik, hohe Ölpreise, nervöse Verbraucher. Jetzt könnte man sich hinstellen und argumentieren: Wenn der TecDAX trotz dieser potenziellen Bremsklötze so stark unterwegs ist, kann er auch weiterlaufen. Denn warum sollte etwas plötzlich zum Problem werden, das bislang offenbar keines war? Und sollten einige dieser negativen Aspekte vom Tisch kommen, würde er ja umso rasanter steigen. Letzteres ist theoretisch richtig, im aktuellen Fall womöglich aber nicht.
17 der 30 TecDAX-Aktien weisen in der bisherigen Jahresperformance ein Minus auf. Nur acht Aktien laufen wirklich stark, die aber so extrem, dass das reicht, um den Index trotz der vielen Verlierer höher zu ziehen. Das wäre unter zwei Voraussetzungen kein Grund, unruhig zu werden:
Entweder haussieren die Zugpferde zu Recht und hätten noch realistisches, weiteres Aufwärtspotenzial. Oder der hinterherhinkende Rest der Index-Titel hat gute Aussichten, nach oben zu drehen und dadurch ggf. sogar eine Korrektur der vorausgelaufenen Titel mehr als zu kompensieren.
Doch diese Zugpferde gehören großenteils in den Bereich der vor allem in den USA momentan ungebremst durch die Decke gehenden Halbleiter-Hersteller oder deren Zulieferer. Diese Aktien sind schon jetzt markttechnisch heiß gelaufen, zeigen eine hoch riskante, charttechnische Fahnenstange und sind ungewöhnlich teuer bewertet. In solchen Phasen, in denen ein bestimmter Sektor „gehyped“ wird, gibt es keine zwingende Begrenzung für die Dimension der Kaufwelle, klar ist aber: Man muss damit rechnen, dass das endet wie fast alle Hypes: mit einer schnellen, oft weitreichenden Korrektur. Die würde den TecDAX abfangen, egal, ob er da dann noch unter dem 2021er-Hoch bei 4.010 Punkten stünde oder darüber.
Und die Nachzügler präsentieren sich zu Recht schwächer. Denn da werden die oben genannten Belastungsfaktoren in den Rahmenbedingungen ebenso wahrgenommen und eingepreist, wie man sie bei den Halbleitern gerade ignoriert. Da die Wahrscheinlichkeit überschaubar ist, dass sich in Sachen Geopolitik und Wachstum in nächster Zeit etwas glaubhaft zum Positiven ändert, sollte man besser nicht darauf wetten, dass diese schwach daherkommende Mehrheit der TecDAX-Titel die Führung übernimmt und/oder eine Korrektur der Gipfelstürmer auffangen würde.
Fazit: Die Luft ist dünn. Davon, dass die Käufer bei ihren aktuellen Lieblingsaktien so tun, als wäre das nicht so, wird sie nicht dicker. Ein Ausbruch des TecDAX über die aktuell attackierte Widerstandszone 3.796/3.859 Punkte oder auch über die „große“ Hürde bei 4.010 Punkten hätte daher nicht die Grundlage, ein vergleichbar solides Kaufsignal zu sein wie in einem normalen Umfeld, daher:

Mit einem an der die Bullen leitenden 20-Tage-Linie orientierten Stop-Loss weiter hart am Wind zu segeln, ist sicherlich machbar. Aber erst jetzt oder erst über 4.010 Punkten einzusteigen, wäre weit riskanter als in einem auch vom Umfeld her bullischen Gesamtbild!
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.05.2026 um 22:25 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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