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Der S&P 500 tat es, der Nasdaq 100 tat es, sogar der Russell 2000 tat es: Alle diese Indizes erreichten seit Beginn der Kaufwelle Anfang April neue Hochs. Nur das Index-Flaggschiff Dow Jones nicht. Jetzt hat der Dow nachgezogen … aber kann man diesem Braten trauen?
Eigentlich sollte die Choreographie für die Bullen funktionieren. Am vergangenen Donnerstag hatte sich der Dow Jones Index in Startposition für einen Ausbruchsversuch gebracht. Am Freitag überbot er dann das bisherige Verlaufshoch, das am 10. Februar bei 50.513 Punkten markiert wurde. Vor einem langen Wochenende (gestern war wegen „Memorial Day“ geschlossen) … das war ein psychologisch idealer Zeitpunkt. Und dann kam ja am Samstag die Kunde von Mr. Trump, eine Einigung mit dem Iran sei gelungen, es müssten nur noch ein paar Details konkretisiert werden, die werde man dann in Kürze nachreichen.

Das führte dazu, dass der Ölpreis, der Dreh- und Angelpunkt der Befindlichkeit der US-Konsumenten, deutlich zurückkam. Zwar nicht unter das Zwischentief vom 17. April, als schon einmal ein unmittelbar bevorstehendes Ende des Konflikts verkündet wurde, aber immerhin. Und so lagen die außerbörslichen Kurse für den Dow Jones am Montagabend gegen 20 Uhr bei etwas über 51.000 Punkten, was hieße:
Aus einem bis dahin auf Schlusskursbasis reichlich knappen Ausbruch über das vorherige Hoch könnte ein signifikanter Ausbruch werden, der zudem auch noch durch das Argument eines Endes des Iran-Kriegs unterfüttert wäre. So weit das Szenario, das für die Bullen ideal wäre. Doch die Sache hat Haken:
Expertenmeinung: Erstens hatte der US-Präsident seine eigene Aussage vom Samstag gleich am Sonntag relativiert, als er erklärte, er habe seine Verhandler angewiesen, nicht zu schnell vorzupreschen, weil eine solche Vereinbarung nicht mal eben schnell binnen 72 Stunden sauber hinzubekommen sei. Da kommt dann wieder der Dauer-Spruch auf, den man aus der US-Regierung hört, wenn etwas nicht vorangeht: Es muss nicht schnell gehen, wichtig ist nur, dass es gut wird. Schön. Nur könnte sich den Anlegern dadurch eine Frage stellen, die sich zwar in diesen außerbörslichen Taxen des Montagabends nicht niedergeschlagen hat, es aber im regulären Handel heute tun könnte:
Was, wenn sich herausstellt, dass die von Mr. Trump verkündete, prinzipiell gelungene Einigung noch keineswegs so weit ist wie behauptet? Was, wenn sie zwar kurzfristig vollzogen wird, aber einen für die USA weniger vorteilhaften als erhofften „Deal“ bedeuten würde? Und was, wenn sich zu viele die Frage stellen, was denn jetzt besser für die US-Wirtschaft sein soll als vor dem Angriff Ende Februar? Denn würde man zu dem Schluss kommen, dass die Antwort „gar nichts“ lauten müsste, darf man sich auch fragen, was der US-Aktienmarkt, der Dow ebenso wie die anderen Indizes, dann auf einem deutlich höheren Niveau wie zuvor verloren hätte.
Damit steht die Sache für die Bullen aus aktueller Sicht nicht auf soliden Füßen, sondern balanciert auf einem Bein … aber:
Dieses eine Bein hat immerhin dazu geführt, dass die anderen wichtigen US-Indizes längst neue Hochs erreicht hatten: zum einen der KI-Hype an sich, zum anderen sein Ableger in Form der noch einiges drastischeren Kaufwelle bei den Halbleiter-Aktien. Wiederum aber:
Diese Kaufwelle hat bereits Züge erreicht, die andeuten, dass das Ende dieser Fahnenstange jederzeit kommen und die Sache in eine überaus scharfe Korrektur einmünden kann. Nur könnte niemand vorhersagen, wann genau das passieren würde. Also?
Sollte der Dow Jones heute weiter ordentlich Boden gutmachen, wäre der Ausbruch zumindest charttechnisch einwandfrei. Zugleich hätten die markttechnischen Indikatoren noch Luft, bevor sie heiß laufen. Und manch einer dürfte nach oben blicken und feststellen: Im Anfang 2020 etablierten Aufwärtstrendkanal hätte der Index derzeit Luft bis 53.500 Punkte, bevor die obere Begrenzung erreicht würde (siehe der Chart auf Wochenbasis).

Ob es so läuft, wird davon abhängen, ob das Thema Iran wirklich in den kommenden Tagen vom Tisch kommt, ob die Halbleiter-Hausse weitergeht oder, wenn nicht, andere, zuletzt auch und gerade wegen der hohen Ölpreise gedrückte Branchen im Fall eines „Deals“ mit dem Iran die Hausse übernehmen. Nichts davon ist sicher, nichts davon ist auszuschließen.
Fazit: Einfach blind zu unterstellen, dass die Sache nicht als Bullenfalle endet, wäre fatal leichtsinnig. Dagegenzuhalten, sprich davon auszugehen, dass der Ausbruch schiefgeht, aber ebenfalls. Die Sache mit Vorsicht anzugehen, bestehende Positionen jetzt enger abzusichern, indem man seine Stop Loss nachzieht und Zukäufe vom Kursverhalten der kommenden Tage abhängig zu machen, dürfte der vernünftigste Weg sein, mit diesem bislang nur „halbgaren“ Befreiungsschlag umzugehen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.05.2026 um 21:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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