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Im Dezember 2024 stieg der DAX erstmals über 20.000, jetzt sind schon 25.000 erreicht: Die Hausse wirkt unaufhaltsam. Aber wie ist die jetzt bezwungene, runde Marke einzuordnen: Steigert sie die Motivation der Bullen oder wird sie zum Weckruf für bislang sorglose Trader?
Es gäbe eine ganze Reihe an Aspekten, die andeuten würden, dass der DAX ein nicht unwesentliches Abwärtsrisiko mit sich herumträgt. Der Index ist seitens der Markttechnik auf Monatsbasis überkauft, was zuletzt Anfang 2015 der Fall war, als dieser Situation knapp ein Jahr lang schwache Kurse folgten. Die Bewertung auf Basis des Kurs-/Gewinn-Verhältnisses ist mit 19,2 ungewöhnlich hoch und gerade wegen der vielen im Index enthaltenen Aktien, die von ihrer Branche her niedrige Bewertungen haben, auffällig problematisch. Und das umso mehr, als viele Bewertungen von Einzelwerten des DAX deswegen untypisch hoch sind, weil zwar die Kurse gestiegen sind, die Gewinne aber nicht mitgezogen haben.

Doch Fakten sind an der Börse nur relevant, wenn genug Akteure sie auch wahrnehmen wollen. Und wäre das der Fall, hätte man schon früher reagiert, indem viele ihren Gewinn mitgenommen und nicht mehr zugekauft hätten. Was womöglich auch ein Grund war, wieso der DAX zwischen Mai und Dezember nur seitwärts lief. Aber jetzt ist er aus diesem Käfig ausgebrochen und hat einen Kurslevel erreicht, den vermutlich vor einem Jahr kaum jemand für den Start ins Börsenjahr 2026 prognostiziert hat. Natürlich könnten sich da einige denken:
‚Das ist genau die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe, um zu perfekten Kursen auszusteigen‘. Aber auch, wenn das ein von den Rahmenbedingungen her nachvollziehbarer Gedanke wäre, könnte, wer diese Idee auch umsetzt, die Rechnung vielleicht ohne den Wirt gemacht haben, denn:
Expertenmeinung: Anders als vor dreißig, vierzig Jahren, als es kaum jemand gewagt hätte, sich an den Aktienmarkt zu wagen, ohne sich ein umfassendes Grundwissen angeeignet zu haben, fließt heutzutage viel Geld von Anlegern zu, die von Bewertungen oder Chart- und Markttechnik nichts wissen und auch nicht wissen wollen. Für sie kann eine runde Marke daher schwerlich ein Weckruf sein, der ihnen deutlich machen würde, dass man sich womöglich in schwindelerregender Höhe bewegt und daher ein kontrollierter Abstieg oder zumindest eine solide Absicherung gegen Kursstürze höchst angebracht wäre. Die sogenannte „Herde“ folgt faktisch betrachtet nicht den Rahmenbedingungen, sondern sich selbst … oft, ohne es zu merken.
Sie folgt sich selbst, weil diese Anleger steigende Kurse als einzig relevanten Beleg dafür sehen, um weiter zu kaufen. Wenn diese Marktteilnehmer aber weiter kaufen, steigen die Kurse eben auch weiter, denn der Anteil derer, die so vorgehen, ist in den letzten Jahren spürbar gestiegen, nicht zuletzt, weil das schnelle Aufholen von Kurseinbrüchen wie des Corona-Crashs 2020 und des Zoll-Crashs 2025 vorgaukelt, dass da nichts schiefgehen kann. Und so sehen wir eine Art Perpetuum mobile: Man kauft, weil es steigt, es steigt, weil man kauft, also kauft man weiter.
Für diese Anleger ist der Ausbruch aus der monatelangen Seitwärtsbewegung und das Überwinden dieser so prägnanten Kursmarke von 25.000 also eher eine Motivation, um erneut zu kaufen, und nichts, was zu höherer Vorsicht anleitet. Aber heißt das, dass der DAX also doch eine Einbahnstraße ist und die „Herde“ somit recht hat?
Genau das wurde beispielsweise Anfang 2000 oder Anfang 2008 von vielen postuliert. Zumal man sich sagte: Die Sache kann zwar dann kippen, wenn das zur Verfügung stehende, frische Geld versiegt und/oder zu viele die Depotbestände abbauen müssten, um Geld für zwingende Anschaffungen freizubekommen. Aber weil das Depot ja immer mehr wert wird, würden viele da eher einen Kredit aufnehmen, um Anschaffungen zu finanzieren, als ihre gut laufenden Aktien zu verkaufen. Was übrigens ganz oben in der Hitliste fataler Ideen steht. Aber die müsste man sich eben vorher zu Gemüte geführt haben, um das zu wissen.
Wie lange eine solche sich aus sich selbst nährende Hausse dauert, weiß man nie im Voraus. Aber das muss man auch nicht. Für den Moment passt charttechnisch alles, vom Umfeld her aber zu wenig, um in gemütlicher Freizeitkleidung bei nüchtern betrachtet hochalpin wirkenden 25.000 Punkten im DAX herumzuturnen, aber:
Solange Sie selbst dem Trend nicht sinnbildlich in Badelatschen und kurzer Hose, sondern mit konsequenter Disziplin in Sachen Money-Management und Stop Loss-Absicherung folgen, wäre ein plötzlicher Absturz, der bei früheren Abrissen scheinbar ewiger Haussen genauso wenig vorab absehbar war, wie es diesmal der Fall sein wird, ein Problem anderer Leute. Long-Positionen so abzusichern, dass sie bei einem klaren Rutsch unter die heute vermutlich bei knapp 24.400 Punkten ankommenden 20-Tage-Linie glattgestellt oder zumindest reduziert würden, wäre derzeit für aggressivere Positionierungen ein sinnvoller Gedanke. Ungesichert die Füße hochzulegen und sorglos von der 30.000 zu träumen, wäre hingegen keine gute Idee.

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