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Der DAX hat nach dem starken Zugewinn des Freitags ein Kurslevel erreicht, auf dem ein weiterer, starker Tag den Weg aus charttechnischer Sicht an und idealerweise über das Rekordhoch freigeben würde. Kann das wirklich klappen – oder droht eine Bullenfalle?
Es kann durchaus funktionieren. Aber es muss nicht. Es wird darauf ankommen, wie sich die Lage im Nahen Osten weiter entwickeln wird und darauf, ob sie die Wahrnehmung der Marktteilnehmer so sehr positiv dominiert, dass andere Faktoren, die den DAX bremsen könnten, in den Hintergrund treten.
Wobei der deutliche Anstieg des Freitags zeigt, dass aktuell wirklich der Ölpreis im Fokus steht. Aber das belegt nicht, dass genug Akteure alles andere „vergessen“, um den Weg für weitere Kursgewinne freizugeben. Sehen wir uns die Charts einmal an:

Im langfristigen Bild auf Monatsbasis sehen wir jetzt, nachdem zwei Drittel des Aprils absolviert sind, dass die lange rote Kerze aus dem März effektiv gekontert wurde. Der Ausbruch aus der Handelsspanne des zweiten Halbjahres 2025 nach unten wurde damit erst einmal zur Bärenfalle. Im kurzfristigeren Bild auf Tagesbasis sehen wir, wie wichtig dieses Plus des Freitags für die Ausgangslage war:

Zuerst kam das kleine Doppeltief unterhalb der alten Handelsspanne, das den Index wieder in diese hineinführte. Dann der Run an die 200-Tage-Linie, die erst einmal als effektiver Widerstand fungierte … bis der DAX zum Wochenschluss mit Schwung darüber hinaus ging. Und damit haben wir die aktuelle Ausgangsbasis:
Expertenmeinung: Der Index ist dadurch bereits am oberen Ende einer ganzen Phalanx an Widerstandslinien zwischen 24.266 und 24.771 Punkten angekommen, die sich aus zahlreichen Zwischenhochs und Zwischentiefs seit Juni 2025 zusammensetzt. Er wäre also auf dem Sprung, sich nach oben aus dieser Zone zu lösen und damit aus rein charttechnischer Sicht freie Bahn an das Februar-Hoch bei 25.406 bzw. den Verlaufsrekord vom 13. Januar bei 25.508 Punkten zu haben. Wenn er denn wirklich nicht nur springt, sondern sich auch über dieser dann als Support dienenden Zone halten sollte. Was aber durchaus unsicher ist.
Erstens, weil die Entwicklung im Nahen Osten steten Veränderungen ausgesetzt ist. Stand Samstagmittag, als dieser Beitrag geschrieben wurde, hat der Iran die am Freitag so gefeierte Öffnung der Straße von Hormus wieder zurückgenommen, mit der Begründung, dass erst die Blockade der iranischen Häfen durch die USA beendet werden müsse. Wie sich die Lage dort darstellt, wenn Sie diese Einschätzung am Montag lesen – man kann es nicht vorhersehen.
Zweitens, weil der Iran-Krieg ja beileibe nicht der einzige Aspekt ist, um den es sich in Sachen Ein- oder Ausstieg aus dem DAX drehen würde. Das Wachstum hierzulande ist mager. Ein dauerhafter Rückgang der Energiepreise würde die Lage nur nicht noch weiter verschlimmern, aber nicht über das hinaus verbessern, was bis Ende Februar galt. Und da war der DAX mit seinen Rekorden ziemlich ambitioniert unterwegs. Die Bewertung des Index insgesamt war untypisch hoch und die Zugpferde im Index wirkten vom Kurspotenzial her großenteils eher ausgereizt. Zugleich geht es jetzt in die Phase, in der die Ergebnisse des ersten Quartals auf den Tisch kommen, inklusive ggf. veränderter Jahresprognosen. Fazit:
Rein charttechnisch sieht die Sache für den DAX verheißungsvoll aus, aber angesichts des Gesamtumfelds würde er, wenn er die jetzt bereits fast durchmessene Widerstandszone überbieten sollte, da oben ziemlich heftigen Winden ausgesetzt sein. Um das zu ignorieren, müssten die Marktteilnehmer eine Dominanz guter Nachrichten in Bezug auf den Iran-Krieg sehen. Was offen ist und auch im Fall, dass diese „Good News“ kommen, werden sie nicht so lange nachwirken, dass man auf einem Niveau neuer Rekorde die Füße hochlegen und die Augen schließen könnte.
Der DAX ist momentan für die Short-Seite nicht tauglich, das ist sicher richtig. Aber wer hier Long agiert, sollte darauf achten, seine Stoppkurse bei jeder kleinen Sprosse, die der DAX auf der Leiter nach oben schafft, entsprechend nachzuziehen.
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