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Aus charttechnischer Sicht ist das, was der Nasdaq 100 gerade zeigt, ebenso originell wie risikobehaftet. Sollte das bullische Lager sofort entschlossen eingreifen, würde nichts anbrennen. Bliebe das aber aus, könnte es hier in der Tat sehr schnell brenzlig werden.
Das Chartbild des Nasdaq 100 ist derzeit originell. Nachdem es Anfang Juni zu einem heftigen Rücksetzer kam, weil die massiv von den Bullen favorisierten Halbleiter-Aktien wegsackten, gelang Anfang letzter Woche eine große Aufwärts-Kurslücke als Reaktion auf die Einigung auf ein Verhandlungs-Rahmenprogramm mit dem Iran, Das war gut, weil dies den Index in Schlagdistanz zu seinem bisherigen, am 3. Juni bei 30.762 Punkten erzielten Verlaufsrekord brachte. Das zu überwinden, wäre ein klar bullisches Signal, das den vorherigen Rücksetzer auf den Level eines „Atemholens“ degradieren würde. Nicht gut war, dass das nicht gelang.

Der Nasdaq 100 hing tagelang unterhalb des alten Hochs fest. Positiv war immerhin, dass es dabei Ende letzter Woche gelang, die vorherige Aufwärts-Kurslücke zu schließen (Gap Close), was nach Lesart vieler technisch ausgerichteter Trader eine ideale Basis für die Fortsetzung des Trends wäre. Doch dann kam dieser Dienstag.
Zum zweiten Mal in kurzer Zeit kam es zu einer kalten Dusche für die den Index fast im Alleingang ziehenden Halbleiter-Aktien. Anfang Juni hatten einige Aktien aus diesem Bereich schon einmal an einem Tag über zehn Prozent verloren. Die Bullen schüttelten sich, standen wieder auf und kauften viele dieser Titel auf neue Rekordhochs. Aber jetzt wird womöglich das damalige Motiv zum Problem:
Expertenmeinung: Wer so vorging, war sich sicher, dass das Hoch noch nicht erreicht sei. Was zwar, bezogen auf die Frontrunner der Hausse wie SanDisk, Micron Technology, ARM Holdings und zahlreiche andere, auch soweit richtig war. Nur sackten diese Aktien jetzt eben relativ zeitig erneut so drastisch durch, wieder waren einige Tagesverluste prozentual zweistellig, wenngleich immer noch im niedrigen Zehner-Prozentbereich. Ein bisschen nagt so etwas schon am Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, das sehr hoch sein muss, wenn man nach derartigen Kaufwellen und nahe Rekordlevels immer wieder und/oder weiter kaufen will.
Und wenn man spürt, dass der Markt und man selbst nervös werden, fällt es immer leichter, große Gewinne mitzunehmen und damit die Chance auf noch größere Gewinne aufzugeben, als mit Verlust zu verkaufen aus Sorge, dass die noch größer werden können. Ein Plus zu realisieren fällt, auch wenn man dachte, es werde noch größer ausfallen, immer leichter, als mit dem Beenden eines Verlusttrades eine gefühlte Niederlage zu zementieren … das ist nicht rational, aber menschlich. Und deswegen könnte dieses gestrige Minus beim Nasdaq 100 durchaus zu einer kritischen Situation führen.
Denn die Halbleiter-Aktien haben den Nasdaq 100 entscheidend nach oben gezogen und können ihn, wenn sie weiter abrutschen würden, auch ebenso drastisch nach unten befördern. Und dort, bei diesen Zugpferden der Hausse, haben wir eben satte Gewinne, die man mitnehmen könnte. Und das durch diesen gestrigen Handelstag entstandene Chartbild liefert ein Szenario, das nervöse Trader gebären könnte.
Der Index startete mit einer Abwärts-Kurslücke, und die wiederum machte aus der vorherigen Kursspanne zwischen der Aufwärts-Kurslücke am 15. Juni und der gestrigen Abwärts-Kurslücke eine „Insel“, sprich: Jetzt haben wir hier ein grundsätzlich bärisches „Island Reversal“ … und das auch noch beim Versuch, das bisherige Rekordhoch zu überwinden. Das ist allemal ein Grund, unruhig zu werden.

Ob die bullischen Akteure dadurch jetzt deutlich mehr beunruhigt werden als bei der ersten, kalten Dusche, muss man abwarten. Erfahrungsgemäß kann, muss aber ein zweiter Warnschuss in solchen Phasen noch nicht zum Gang in die Rettungsboote führen. Achten Sie aber auf das Verlaufstief des ersten Rücksetzers, das am 9. Juni bei 28.197 Punkten markiert wurde. Sollte das unterschritten werden, käme zum „Island Reversal“ noch ein Doppeltopp hinzu … und dann würde es in der Tat brenzlig.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.06.2026 um 23:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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