Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Für viele Aktienindizes war der Juni nicht gerade ein guter Monat. Doch beim Nasdaq 100 gelang es, ein zeitweise deutliches Minus zum Monatsende aufzuholen und das zweite Quartal damit mit perfekten Kursgewinnen zu beenden. Trotzdem könnte hier Ungemach drohen.
Die herausragend positive Bilanz des ersten Halbjahres basierte für den Nasdaq 100 allein auf dem zweiten Quartal. Das erste Vierteljahr tat sich wenig … bis auf einmal pünktlich zum neuen Quartal „entdeckt“ wurde, dass die Chiphersteller doch immens vom KI-Boom profitieren würden und man da eher gestern als morgen dringend zugreifen müsse. Immer, wenn so etwas passiert, sollte man den Level der eigenen Vorsicht umgehend eine Stufe höher ansiedeln.

Vor allem dann, wenn es nicht um eine Hausse geht, die den Gesamtmarkt bzw. die Gesamtwirtschaft betrifft, sondern nur einen speziellen Bereich des Ganzen. Und wenn es so exzessiv zugeht, dass einem die Parallelen zur Endphase der Internetblase vor über 25 Jahren förmlich ins Gesicht springen. Und noch einmal mehr, wenn die Zugpferde der Hausse beginnen, erratisch zu schwanken, so, wie wir das jetzt sehen.
Dass der Juni drohte, zu einem auffallend schwachen Monat zu werden, basierte auf bislang zwei scharfen Verkaufswellen im Bereich eben dieser Halbleiter-Aktien sowie den Aktien der Zulieferer der Branche. Dass es gelang, den Juni in Bezug auf seine Performance zu retten und damit das zweite Quartal mit einer werbewirksam starken Performance zu beenden, lag vor allem daran, dass die Käufer in den Chipwerten nach jedem Rücksetzer nur umso entschlossener zurückkamen. Das kritische Element dabei ist:
Expertenmeinung: Derart starke Schwankungen und das auffällige Fehlen von Vorsicht trotz erster, massiver Rückschläge sind, wie auch damals vor dem Platzen der Internetblase im März 2000, ein starker Hinweis auf eine immer weiter zunehmende Risikobereitschaft bei zugleich immer dramatischer ansteigenden Bewertungen und Prognosen, deren tatsächliches Eintreten niemand seriös unterschreiben könnte. Diese Kombination bedeutet eine erhebliche Zunahme des Abwärtsrisikos, insbesondere von Rückschlägen der plötzlichen Art.
Doch noch zeigt das Chartbild ja keine Schwäche, könnte man meinen. Das Aufholen der Verluste des Junis wirkt bullisch. Und es gelang, den Nasdaq 100 zur Wochenwende noch oberhalb der entscheidenden Supportzone 28.197/28.628 Punkte nach oben zu drehen. Das bisherige Verlaufshoch bei 30.762 Zählern ist bereits in Reichweite, warum also „unnötig vorsichtig“ sein?
Weil das Gesamtbild, das der Nasdaq 100 seit Anfang Mai abliefert, die Struktur einer „Diamant-Formation“ hat. Diese Formationen treten eher selten auf, haben aber, ähnlich wie die „Trompeten-Formationen“, das Potenzial eines sehr starken Ausbruchs aus der Formationszone und sind nicht immer, aber doch meistens, Basis einer Trendwende.

Diese „Diamanten“ zeichnen sich durch zunächst auseinanderlaufende Wendepunkte aus, die dann aber, in der Regel nach einer ersten, scharfen Korrektur, ihren Abstand zueinander verringern. Man interpretiert das als eine Zunahme hektischer, hoch spekulativer Trading-Operationen, die so intensiv werden, dass sie größere Impulse verhindern und sich der Kurs in einem immer engeren Bereich wiederfindet, in dem kurzfristige Käufe und Verkäufe den „Kesseldruck“ erhöhen. Nach einer Hausse wie dieser würde man eher annehmen, dass der eher über kurz als über lang fällige Ausbruch aus der Formation nach unten erfolgt. Aber ist das auch sicher?
Das ist es keineswegs. Sollte die Rallye zum Halbjahresende heute und in den kommenden Tagen einen Zustrom frischen Anleger-Kapitals auslösen, kann der Nasdaq 100 nach oben ausbrechen, das bisherige Hoch überwinden und die wilde Hatz der Spekulanten dadurch erst einmal verlängern.
Sich aber einfach darauf zu verlassen, dass sich die Sache nach oben auflöst, wäre im Angesicht eines solchen Chartbilds leichtsinnig. Zwar würde der Nasdaq 100 erst ein bärisches Signal generieren, wenn er über einen Ausbruch aus dem Diamanten nach unten auch die vorgenannte Unterstützungszone 28.197/28.628 Punkte durchbrechen würde. Aber diese jetzt nicht mehr aus den Augen zu lassen, wäre in einem derart heiß gelaufenen Markt dringend zu empfehlen!
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.06.2026 um 23:00 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX








