Die US-Notenbank hat den Leitzins bislang trotz hoher Inflationsraten nicht erhöht, aber das muss nicht so bleiben. Am US-Anleihemarkt nimmt man höhere Zinsen bereits vorweg. Das US-Finanzministerium versucht, dagegenzuhalten … aber das scheint nicht zu klappen.
Am Mittwoch verkündete US-Finanzminister Bessent überraschend, dass das Volumen für Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen ab dem 9. September von zwei auf vier Milliarden US-Dollar verdoppelt werde. Rückkäufe in nennenswerter Größenordnung führen im Prinzip dazu, dass die Kurse der Anleihen gestützt und der Anstieg der Anleiherenditen gebremst, gestoppt oder sogar umgekehrt wird. Man kann größere Rückkäufe also als Intervention sehen, um unerwünscht hohe Zinsen zu verhindern. Das kann klappen. Aber es muss nicht. Und in diesem Fall sah es am Donnerstag nicht so aus, als würde es funktionieren.
Die Rendite der US-Staatsanleihen (US-Treasury-Bonds oder kurz T-Bonds) hatte am Dienstag die als riskantes Level angesehene Rendite von 4,75 Prozent erreicht, der Kurs war entsprechend deutlich gefallen, wie unser Chart zeigt, der den Kurs der „Zehnjährigen“ abbildet. Durch Bessents Intervention sackte diese Rendite am Mittwoch als erste Reaktion bis auf 4,63 Prozent durch, der Kurs stieg also wieder ein Stück. Aber Sie sehen es im Chart: Schon gestern, einen Tag später also, fiel der Kurs wieder zurück, die Rendite lief im Tagesverlauf auf bis zu 4,71 Prozent nach oben.

Der Effekt ist verpufft, im Gegenteil könnte der Schuss sogar nach hinten losgehen. Denn die Marktteilnehmer scheinen in dieser Maßnahme des US-Finanzministeriums die Bestätigung dafür zu sehen, dass man dort langsam nervös wird. Zu hoch steigende Renditen sind riskant, das will man daher verhindern. Aber wie soll das auf Dauer funktionieren? Der Anleihemarkt ist ein freier Markt, die Akteure „machen“ den Trend. Und wenn eine Mehrheit der Trader der Ansicht ist, dass die Zinsrenditen steigen werden, steigen sie auch, denn so viele Milliarden, wie es bräuchte, um den Markt zu „überstimmen“, kann die Regierung nicht aufbringen. Aber warum ist man überhaupt so nervös, für wen sind hohe Renditen denn riskant?
Expertenmeinung: Zunächst einmal für die US-Regierung selbst. Gerade meldete das US-Finanzministerium, dass die Staatsverschuldung die unglaubliche Marke von 40 Billionen US-Dollar, also von 40.000 Milliarden, überschritten hat. Dieser wachsende Hunger nach Kapital wird über die Ausgabe von Staatsanleihen befriedigt. Und je höher der Zins wird, den man den Investoren bieten muss, damit sie diesem „Groschengrab“ weiter Geld geben, desto extremer fällt der Schuldendienst aus, sprich die Summe, die man an Zinsen zahlen muss. Was dazu führt, dass man noch mehr Anleihen ausgeben muss, um die Zinsen der bereits laufenden Anleihen zahlen zu können. Diesen Kreislauf zu stoppen, wäre natürlich im Interesse des Finanzministeriums … nur klappen müsste es halt.
Zum anderen ist der Bereich, der momentan entscheidend dafür verantwortlich ist, dass die US-Wirtschaft noch Wachstum ausweist, von Krediten abhängig. Die mittlerweile eine Billionensumme erreichenden Investitionen in KI zahlen die großen Konzerne nicht aus der Portokasse. Auch der Produktionsausbau bei den Halbleiterunternehmen und den Ausrüstern wird zum Teil mit Krediten finanziert. Je höher die Renditen am Anleihemarkt steigen, desto teurer wird das. Und es geht hier ja, genauso wie bei der Staatsfinanzierung, oft um längere bis lange Kreditlaufzeiten. Da machen ein Viertelprozent oder ein halbes Prozent Zins mehr oder weniger schon einiges aus, wenn es darum geht, ob und wann man diese Kosten wieder hereinholen könnte.
Das Motiv, den Anstieg der Zinsen und den mit ihm einhergehenden Abstieg der US-Anleihekurse zu stoppen, ist also nachvollziehbar. Aber wie gesagt: Der Markt ist stärker, das hat man bei Interventionen ein ums andere Mal gesehen. Und es scheint, dass es auch diesmal so sein könnte.
Der Chart zeigt, dass sich die Notierung der US-T-Bonds mit Laufzeit zehn Jahre weiter in einem intakten Abwärtstrend bewegt. Solange das so bleibt, indem der Kurs unter der mittelfristigen Abwärtstrendlinie und der 50-Tage-Linie (aktuell bei 109 2/32 US-Dollar) verharrt, hätte eine auf sinkende Renditen und steigende Anleihekurse ausgerichtete Position in dieser Anleihelaufzeit höchst magere Erfolgschancen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 20.08.2026 um 22:07 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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