Gold und Silber stehen derzeit im Rampenlicht der Trader. Doch auch Palladium und Platin haussieren. In weniger als zwei Monaten ist Platin um 63 Prozent gestiegen und hat damit das bisherige Rekordhoch des Jahres 2008 mit Schwung überboten. Aber das Risiko steigt.
Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte es bei Gold und Silber eine kräftige Korrektur gegeben. Bei Platin fiel diese aber ungleich drastischer aus: Der Kurs krachte in nur vier Handelstagen von 2.551 auf 2.001 US-Dollar nach unten, ein Einbruch von in der Spitze über 20 Prozent. Jetzt, vier Wochen später, notiert der Platin-Kurs 40 Prozent über dem Tief dieses Rücksetzers. Man muss sich nicht einmal den Chart ansehen, um angesichts solcher Kursspannen zu erkennen: Hier ist etwas aus dem Ruder gelaufen.
Und es ist kein plötzlich höherer Bedarf der Industrie oder des Schmuckgewerbes, es ist reine Spekulation, die die Edelmetalle derart massiv nach oben treibt. Im März 2008 ging eine ähnliche, wilde Hausse bei vielen Rohstoffen zu Ende. Damals hatte der Platin-Kurs in der Spitze 2.308 US-Dollar erreicht und fiel noch im selben Jahr dramatisch bis auf 762 US-Dollar pro Feinunze zurück. Gibt es einen guten Grund, warum diese extreme Hausse diesmal nicht in einen Kurseinbruch führen sollte?
Expertenmeinung. Nein. Und das sollte, wenn man hier aktiv dabei sein will, zu immenser Vorsicht anhalten. Damals, 2008, wirkte die Argumentation absurd: Man sagte sich … und so manche Bank war da mit im Boot … dass die sich abzeichnende Krise durch den implodierenden US-Immobilienmarkt am besten dadurch zu meistern wäre, indem man sein Geld in „reale Werte“ anlegt – und damit unter anderem in Rohstoffe. Dass diese Hausse, die damals auch den Ölpreis und nahezu alle Metalle und viele Nahrungsmittel massiv verteuerte, die Krise durch Engpässe und verteuerte Produktion noch intensivieren würde, wurde ignoriert. Und weil das wider Erwarten vieler wirklich funktionierte und die Kurse trotz vieler Warnungen immer höher stiegen, sprangen immer mehr Spieler auf den Zug auf.
Am Ende passierte indes das, was bei jeder Übertreibungsphase irgendwann passiert: Es kam zu kurzfristigen Angebotsüberhängen im Futures-Handel. Die extrem riskant investierten Trader reagierten sofort mit Verkäufen, um nicht in die Nachschusspflicht bei den hinterlegten Sicherheiten zu geraten (Margin genannt). Vor allem, weil sie so hoch investiert waren, dass sie diese Nachschüsse gar nicht hätten leisten können. Der Kurs fiel schnell und weit … und dadurch war der ganze Hausse-Zauber dahin. Aus Assets, die vorher wirkten, als könne man da binnen Wochen spielend und ohne großes Risiko reich werden, wurden Assets, die keiner mehr mit der Kneifzange anfassen wollte. Das galt für Rohöl, Kupfer und Aluminium, aber auch unter anderem für Platin. Und heute?
Es gibt aus meiner Sicht keinen entscheidenden Unterschied zu der Entwicklung damals. Heute begann die Hausse durch Anleger, die diesmal statt einer platzenden Immobilienblase der Entwicklung in den USA mit ihren Auswirkungen auf Geopolitik und Weltwirtschaft entkommen wollen. Also genauso ein „Ausweichen“ in vermeintlich sicherere Häfen. Was aber, heute wie damals, Spekulanten anzog, die umso extremer agieren, je schneller der Kurs steigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Sache genauso endet wie 2008, scheint daher hoch genug, um hier entweder sehr konservativ und ohne Hebel zu agieren oder ganz wegzubleiben.
Auf welchem Level und wann diese „Fahnenstange“ in sich zusammenfällt, ist unmöglich abzusehen. Genau das macht ja den Reiz einerseits und das Risiko andererseits so groß. Wir sehen ja bei Gold und Silber, dass da gerade Kurse aufgerufen werden, die absolut niemand vor einem Jahr auch nur für annähernd denkbar gehalten hätte.
Per Montagabend, 20 Uhr unserer Zeit, zeigt der Chart auf Tagesbasis nach dem zuvor gegen Mittag erreichten neuen Verlaufsrekord einen „Gravestone Doji“ – ein Warnsignal. Aber wird auch ein Verkaufssignal daraus, indem Platin nicht nur weiter fällt, sondern auch die beiden nächstliegenden Supportlinien durchbricht, die als Orientierung für Stoppkurse taugen könnten, bei 2.551 und 2.410/2.420 US-Dollar, wo heute vermutlich die 20-Tage-Linie ankommen dürfte (Montagabend bei 2.390 US-Dollar)?

Es ist nicht vorhersagbar. Und da diese beiden Chartmarken nicht gerade nahe liegen, wäre eine sinnvolle Stop-Loss-Absicherung bei zu hohen Hebeln und zu großen Positionen knifflig. Daher: Wer hier in den vergangenen Wochen und Monaten etwas gewagt hat, hat unstrittig gewonnen. Aber wer jetzt zu viel wagt, könnte sein blaues Wunder erleben!
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