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Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 04.-10.05.2026

„sell in may and go away“ … klappt es diesmal endlich?

Von

04.05.2026 | 07:00 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Als Anleger merkt man schnell, dass in Sachen Börse nichts wirklich sicher vorhersagbar ist. Da wäre es natürlich grandios, wenn man ein paar Faustregeln zur Hand hätte, mit denen sich das Unerwartete umschiffen ließe. Faustregeln wie „sell in may and go away, but remember to come back in september“. Aber zuletzt funktionierte diese Regel kaum noch … könnte das 2026 anders werden?

Ich finde es absolut verständlich, dass sich manche Anleger nach Tools sehnen, die einem das Erzielen von Gewinnen erleichtern. Die Suche nach solchen Eiern des Kolumbus nimmt immer dann dramatisch ab, wen Aufwärtstrends über Jahre funktionieren und man eigentlich mit „kaufen und halten“ nichts falsch macht. Anders wird es, wenn plötzlich der alte Wegbegleiter der Börsen wieder vorbeischaut: das Unerwartete. Dann wirbeln die Märkte durcheinander, man weiß nicht, wann und wo die Kurse wohin drehen und ist genötigt, höchst aufmerksam zu agieren. Das kostet Zeit, erfordert Wissen und Disziplin. Nach Phasen, in denen von alledem nichts vonnöten war, will das natürlich keiner. Und dann geht die Suche los:

Die Suche nach der perfekten Prognose, nach dem perfekten Indikator oder Handelssystem oder nach der perfekten Faustregel, die einen aller Mühsal enthebt. Im Mai verkaufen, im September wieder einsteigen, diese uralte Regel soll, so behaupten einige, die Performance spürbar verbessern und somit ein ideales „Helferlein“ des Anlegers sein. Wirklich?

Die Grundlage der „sell in may“-Faustregel existiert schon lange nicht mehr

Nein, nicht wirklich. Der folgende Chart des DAX zeigt, dass das meist nicht funktioniert. Dabei habe ich hier als Verkaufszeitpunkt den ersten Handelstag im Mai angesetzt, als Zeitpunkt des Wiedereinstiegs den ersten Handelstag im September. Da es keine taugliche Regel dafür gibt, ob jeweils der Monatsanfang oder dessen Ende gelten soll (was die Statistiken für die Fans dieser Regel angenehm flexibel macht), muss man einfach einen bestimmten Zeitpunkt annehmen. Aber auch, wenn man daran dreht und Varianten durchspielt: Diese Regel funktioniert in der Mehrzahl der Jahre nun einmal nicht. Und das ist auch nachvollziehbar, denn:

Börse aktuell: DAX-Entwicklung zwischen Mai und September von 2016 bis 2025 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX-Entwicklung zwischen Mai und September von 2016 bis 2025 | Quelle: marketmaker pp4

Diese „Strategie“ entstand aus der Beobachtung heraus, dass Anleger dazu neigten, vor Beginn der Sommer-Ferienzeit ihre Aktien eher zu verkaufen. Und zwar deswegen, weil sie Sorge hatten, dass in dieser Zeit etwas Negatives passieren und die Kurse massiv drücken könnte, ohne dass sie eingreifen könnten oder das auch nur mitbekommen würden. Diese Verkäufer kehrten aber im September, wenn die Ferienzeit vorbei war, wieder zurück, das sorgte ab dann für tendenziell wieder festere Kurse. Wobei die Ferienzeit in den USA, wo die Faustregel herkommt, Anfang September endet, was dafür spricht, die Sache mit den jeweiligen Monatsanfängen durchzuspielen, wie vorstehend geschehen.

Das klingt nicht nur, als würden wir von einem Umfeld wie vor 100 Jahren sprechen, genau darum geht es tatsächlich. Noch bis in die Achtzigerjahre war es schwierig, relativ aktuelle Kurse zu bekommen. Das war schon im eigenen Büro aufwändig, aber irgendwo unterwegs noch weitaus mehr. Dasselbe galt für das Trading: Ohne das heute normale Online-Trading war man bis in die Neunzigerjahre mehr oder weniger von allem abgeschnitten. Aber heute eben nicht mehr.

Ebbe und Flut in Bezug auf den Anleger-Optimismus: Gibt es, bringt hier aber wenig

Ein Aspekt könnte indes hilfreich sein, um das „sell in may“ weiterhin einigermaßen sinnvoll wirken zu lassen: Das stete Auf und Ab im Stimmungsbild der Marktteilnehmer. Ob das laufende Jahr mies lief oder solide, im Herbst beginnt die Saison der Prognosen für das kommende Jahr. Und meist sind die, offenbar nach dem Motto „neues Jahr, neues Glück“, ziemlich optimistisch. Das wirkt ansteckend auf die Anleger, weshalb die Kurse so auffällig oft im Herbst nach oben drehen, meist in der Zeit zwischen Anfang September und Ende Oktober. Und sind erst ein paar Monate im neuen Jahr vorüber und viele Prognosen einige Male nach unten korrigiert worden, schwindet diese Zuversicht. So gesehen könnte das dafür sprechen, dass diese Regel trotz der überkommenen ursprünglichen Basis funktioniert. Tut sie aber nicht.

Und dass sie öfter daneben liegt als funktioniert, hat durchaus einen logischen Hintergrund, der schwerer wiegt als die Gezeiten ins Sachen Anlegerstimmung: den, dass sich entscheidende, trendbestimmende Ereignisse nicht um den Kalender scheren.

Der „Corona-Crash“ kam im März 2020. Der Angriff auf die Ukraine erfolgte im Februar 2022. Der Trump’sche Zoll-Schock fand Anfang April 2025 statt, der Angriff auf den Iran Anfang März 2026. Der Mai taucht in dieser Liste nicht auf. Die Folge: Entweder fielen die Kurse schon deutlich vor dem Mai, wie im folgenden Chart beim DAX für das Jahr 2022 gezeigt, und fielen dann weiter. Oder sie waren, wie im Mai 2020 oder im Mai 2025, längst wieder auf dem Weg nach oben.

Börse aktuell: DAX-Entwicklung zwischen Mai und September im Jahr 2022 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX-Entwicklung zwischen Mai und September im Jahr 2022 | Quelle: marketmaker pp4

Und so geht das eigentlich immer. Ein Abdrehen nach unten im Frühjahr und der Aufwärtsschwenk im Herbst tauchen vor allem dann öfter auf, wenn es um ruhige Börsenjahre geht, in denen keine dramatischen Ereignisse alles durcheinanderwirbeln. Aber derzeit kann man von einem ruhigen Umfeld nun wirklich nicht sprechen. Was 2026 noch alles an Überraschungen bereithält, weiß niemand. Aber man darf mutmaßen: Da kommt noch einiges an Unerwartetem auf uns zu. Aber mal angenommen, man wollte wider aller Logik trotzdem nach der „sell in may“-Faustregel handeln: Wäre man dann zwingend zum Scheitern verurteilt?

Könnte 2026 wieder ein „sell in may“-Jahr werden?

Zwingend wäre das keineswegs. Auch, wenn alles kann, aber nichts muss, weil in unsichtbaren Lettern über jeder Börse „Unverhofft kommt oft“ geschrieben steht: Die Chance, dass 2026 ein Jahr wird, in dem man mit einem Ausstieg im Mai und dem Rückkauf im September grundsätzlich Performance gutmachen könnte, wäre zumindest vorhanden. Immerhin haben wir eine gewaltige Schere zwischen der weltwirtschaftlichen und geopolitischen Realität und der Hausse der Aktienmärkte. Aber trotzdem wäre es eine riskante Wette, auf eine Faustregel zu setzen, die genau das, nämlich das Risiko, eigentlich verringern soll, denn:

Börse aktuell: DAX-Entwicklung in ereignisgetriebenen Wellen von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
DAX-Entwicklung in ereignisgetriebenen Wellen von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Je unsicherer die Zeiten, desto emotionaler die Entscheidungen der Marktteilnehmer. Dass sich die vorgenannte Schere zu Ungunsten der Aktienmärkte schließen wird, wäre die derzeit logischere Variante der Zukunft, das ist schon so. Aber die Logik ist eben derzeit kein entscheidender Faktor. Außerdem könnte niemand auch nur ahnen, was in den Monaten zwischen Mai und September passiert – es könnten genauso gut sehr positive Entwicklungen auftauchen, die die laufende Hausse nicht nur verlängern, sondern auch faktisch unterfüttern. Und selbst, wenn nicht:

Dass die Kurse im Fall eines in nächster Zeit erfolgenden Abwärtsschwenks im September oder kurz danach nach oben drehen, ist aus heutiger Sicht nur eine Wette auf das übliche Hoffen auf ein starkes, neues Jahr. Es kann aber sehr leicht – z.B. aufgrund der US-Zwischenwahlen im September – dazu kommen, dass diese Hoffnungsphase ausfällt und, wer im September kauft, das Falsche tut. Daher:

Die Börse lässt sich nun einmal nicht einfach mit irgendwelchen Plattitüden vorhersagbar und „einfach“ machen. Sie gehorcht mit der Nachrichtenlage, der Menge an freiem Kapital und der wankelmütigen Gemütslage der Anleger vielen Herren … und keiner von ihnen ist berechenbar. Daher ist ein konsequentes Verfolgen laufender Trends der weitaus bessere Weg. Und einer, der zwar eine gewisse Disziplin, aber keineswegs gewaltiges Fachwissen und viel Zeit benötigen würde. „sell in may and go away“? Ab in die Mottenkiste damit!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 03.05.2026 um 20:34 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.04.2026 um 21:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Neue Rekorde bei S&P 500 und Nasdaq 100, der Dow Jones immerhin nahe dran: In dem aktuellen Umfeld wirft das Fragen auf. Wer kauft da? Warum glauben die Käufer, dass sie auf neuen Hochs kaufen und trotzdem mit Gewinnen rechnen können? Ein paar Gedanken dazu, warum das dramatisch schiefgehen kann … aber keineswegs muss.

Die US-Indizes scheinen ein Ende des Iran-Konflikts nebst wieder auf vorherige Levels fallende Ölpreise zu feiern, bevor es tatsächlich passiert. Das ist nicht neu, das haben wir auch bei Corona und Inflation erlebt. Aber wenn in Kürze alles wieder würde, wie es vorher war … warum sollten dann die Aktienmärkte höher laufen, als sie vorher standen? Und wenn nicht, wer kauft dann auf diesem jetzigen Niveau noch … und warum?

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und US-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes von 1999 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 und US-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes von 1999 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Angeblich soll der Aktienmarkt ja ein zuverlässiger Spiegel der wirtschaftlichen Lage und ihrer Perspektiven sein. Herrscht Wachstum bei niedriger Inflation und niedrigen Zinsen, liegt das sogenannte „Goldilocks“-Szenario vor, in dem alles für einen soliden Aufwärtstrend am Aktienmarkt passt. Den Aufwärtstrend sehen wir. Aber das Umfeld? Der vorstehende Chart zeigt, dass die Einkaufsmanager zwar derzeit in den USA leicht optimistisch sind. Aber erstens können sie schiefliegen. Zweitens bezieht sich das nicht zwingend auf die Gesamtwirtschaft. Drittens liegt der Einkaufsmanagerindex derzeit deutlich weniger weit über der 50-Punkte-Marke, die die Scheidemarke zwischen erwartetem Wachstum und Kontraktion darstellt, als in früheren Phasen.

Das kann doch nur schiefgehen … oder?

Trotzdem steigt der US-Aktienmarkt, in obigen Chart durch den marktbreiten S&P 500 repräsentiert. Und das tat er auch schon, als die Einkaufsmanager in den vergangenen drei Jahren mehrheitlich negativ gestimmt waren. Der frühere, auffallend zuverlässige und logisch unterfütterte Parallelflug des US-Aktienmarkts mit diesem wichtigen Indikator scheint dauerhaft ausgehebelt zu sein.

Und das ließe sich nicht damit begründen, dass die Einkaufsmanager nicht repräsentativ für die US-Gesamtwirtschaft wären: Die US-Konjunktur steht wirklich nicht gerade stabil da. Nach einem unerfreulich schwachen vierten Quartal 2025 rechnen die Experten kurz vor der Vorlage der ersten Schätzungen zum ersten Quartal 2026 mit einem erneut mageren Wachstum. Bezogen auf das Vorjahresquartal und damit in der Jahresrate schaffte es die US-Wirtschaft zum Jahresende 2025 nur auf +2,0 Prozent Wachstum. Wie der folgende Chart zeigt, ist das gerade mal durchschnittlich … während die US-Aktienindizes deutlich überdurchschnittlich stiegen. Eine Absurdität, die nur in eine dramatische Bauchlandung führen kann?

Börse aktuell: Entwicklung US-BIP Wachstum von 1985 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung US-BIP Wachstum von 1985 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Logisch ist die Börse selten … und damit ist nie etwas unmöglich

Würde man die Sache mit Logik angehen, kann das eigentlich nur schiefgehen. Und das alleine aus der Überlegung heraus, dass, wenn sich der Iran-Krieg in Luft auflösen würde (was derzeit überraschen würde) und zugleich die Ölversorgung sofort wieder normal wäre (was wegen der beträchtlichen Zahl beschädigter Produktionsanlagen, Raffinerien und Logistikeinrichtungen noch mehr überraschen würde) ja eigentlich nur genau der Level der Aktienmärkte angemessen wäre, der unmittelbar vor Beginn des Konflikts Ende Februar erreicht wurde. Aber höher … warum?

Und wieso begann man schon Ende März zu kaufen, auf Basis von Versprechungen und Weissagungen aus dem Weißen Haus, die sich jetzt, Ende April, durch die Bank als heiße Luft erwiesen haben? Wieso tut man angesichts der stur weiter steigenden Kurse so, als wäre alles in Butter, obwohl jeder sehen könnte, der es wollte: Das Gegenteil ist der Fall?

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 und Ölpreis von 2025 bis 2026 im Vergleich  | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 und Ölpreis von 2025 bis 2026 im Vergleich | Quelle: marketmaker pp4

Weil die Prämisse dafür, dass die Kurse sich in rationalen Bahnen bewegen, nicht erfüllt ist. Die Marktteilnehmer treffen Entscheidungen selten auf Basis der Logik, sondern emotional. Und wenn die Zahl derer, die aus welchen rationalen oder irrationalen Argumenten auch immer heraus kaufen, groß genug ist, steigen die Kurse nun einmal.

Was bedeutet, dass, wer strikt aufgrund eines „das müsste eigentlich ganz anders laufen“ dagegenhält, weil er/sie Argumente wie eine gegenüber dem Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) des Jahres 2024 niedrigere Bewertung des Dow Jones als absurd und zum Scheitern verurteilt einstuft, einfach überrannt wird. Denn ja, das ist genauso irrational wie bei einer abgestürzten Aktie als Kaufargument zu werten, dass sie vor Kurzem noch viel höher notierte, aber:

Börse aktuell: Entwicklung KGV der Aktien im Dow Jones von von 2016 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung KGV der Aktien im Dow Jones von von 2016 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Was zählt, ist nicht, was ist. Was zählt ist, was die aktiven Trader glauben wollen

Es zählt eben nicht, was eigentlich sein müsste. Es zählt, was diejenigen motiviert, die genau in diesem Moment kaufen oder verkaufen. Und je unübersichtlicher die Lage und je unvorhersehbarer die Zukunft sind, desto weniger spielen Fakten eine Rolle, sondern der unmittelbare Augenblick.

Der Augenblick, in dem Anleger, die mehrheitlich kein allzu umfassendes (oder gar kein) Fachwissen und wenig Erfahrung mitbringen, das Gefühl haben, dass ihnen die Kurse davonlaufen und aus „FOMO“ (der Angst, etwas zu verpassen) dem Trend folgen und nicht auf Basis sachlicher Argumente.

Der Augenblick, in dem rein charttechnisch orientierte Trader zwar erkennen, dass die Leiter, auf der die Kurse nach oben klettern, morsche Sprossen hat, aber eben trotzdem konsequent einem intakten Aufwärtstrend folgen.

Der Augenblick, in dem erfahrene Fondsmanager und Verwalter von ETFs zwar die Haare zu Berge stehen mögen, weil die Kurse in absurd wirkende Höhen klettern … sie aber trotzdem kaufen müssen, weil diejenigen, die das nicht realisieren, ihnen Unmengen an frischem Geld vor die Tür karren, das nun einmal angelegt werden muss.

Alles kann … nichts muss

Sie sehen: Unter dem Strich hebeln Emotionen Fakten aus. Und die kennen kein rational basiertes „zu billig“ oder „zu teuer“. Emotionen wie Gier und Angst sind es, die die Aktienmärkte entscheidend prägen. Und die kennen keine Limits, daher sind diese neuen Hochs einiger US-Aktienindizes sicherlich mit höherem Risiko behaftet, als hätten wir ein dazu passendes Umfeld. Aber erst, wenn aus Gier durch unerwartet drastisch negative Entwicklungen wieder Angst würde, würde die Sache schiefgehen. Was immer passieren kann. Aber nie passieren muss.

Ein Grund mehr sich, sofern noch nicht geschehen, unbedingt zu überlegen, ob man nicht von einer stur beibehaltenen Marktmeinung und/oder einem „müsste aber“ zu konsequenter Trendfolge als Basis des eigenen Tradings übergehen sollte.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.04.2026 um 21:17 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Wie zu erwarten war, erleben wir seit Anfang 2025 eine „Trump-Börse“. Je nachdem, was gerade unverhofft an Aussagen aus dem Weißen Haus kommt, zeigen die Aktienmärkte massive Reaktionen nach oben oder unten, oft … und gerade nach Wochenenden … mit Kurslücken. Das steigert das Risiko und die Zahl unerfreulicher Überraschungen. Was, wenn man diese Probleme mit einem konsequent charttechnischen Ansatz lindern könnte?

Schon im Vorfeld des Iran-Krieges musste man jederzeit damit rechnen, dass Mr. Trump wieder „einen raushaut“ und die Kurse plötzlich nach oben springen oder wegbrechen. Seit Anfang März ist das aber noch deutlich öfter der Fall. Und da man nicht wissen kann, ob da etwas Positives oder Negatives kommt, wann solche Nachrichten die Kurse in Wallung bringen und wie stark und wie nachhaltig solche Reaktionen dann sind, kommt einem der alte römische Spruch in den Sinn: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Und am Aktienmarkt ebenso. Die Entwicklungen sind nicht vorhersehbar … also muss man entweder wegbleiben oder auf sein Glück hoffen. So scheint es zumindest, aber:

Mit rationalem Denken kommt man derzeit nicht weit. Mit sturer Konsequenz schon eher.

Ein konsequent anhand charttechnischer Regeln ausgerichtetes Vorgehen kann zwar genauso wenig vorhersehen, was wann als nächstes einen Kurssprung oder gar eine Über-Nacht-Kurslücke auslösen wird. Hellsehen ist auch mit Trendlinien, gleitenden Durchschnitten und markttechnischen Indikatoren nicht drin. Aber dafür sind diese technischen Handelsansätze auch nicht gedacht. Sie sollen einem Marktteilnehmer die übergeordnete Richtung weisen und anzeigen, wo mögliche Punkte sein könnten, deren Überkreuzen Käufe und Verkäufe sinnvoll machen könnten.

Dabei kann man nicht darauf wetten, dass diese Chartmarken gegen das Unerwartete gefeit wären. Da muss nur eine Nachricht aus dem Nichts auftauchen und eine massiv wirkende Unterstützung wird durchschnitten wie Butter oder ein Widerstand, der schon in einem weniger schwierigen Umfeld eine brettharte Hürde wäre, wird überboten, als wäre er gar nicht da. In Phasen wie diesen die Ratio beiseite zu stellen und konsequent den Kursen und ihren Trends zu folgen, bringt keine derart grandiosen Trefferquoten, dass man den Ferrari schon mal vorbestellen könnte. Aber mit diesen Hilfestellungen funktioniert es besser als aus dem Bauch heraus oder nach einem an die Vernunft gebundenen „müsste eigentlich“.

Einfach, weil man weiß, wo die Punkte sind, auf die es ankommt. Und weil diese Ankerpunkte umso besser funktionieren, je mehr Anleger sich nach ihnen richten. Und immer dann, wenn’s neblig wird in Sachen Zukunft, nimmt die Zahl bzw. Relevanz der „Techniker“ am Markt zu. Auch und gerade, weil starke Schwankungen dazu führen, dass ganz kurzfristige Trader vermehrt aktiv sind. Und die arbeiten eben nicht mit fundamentalen Daten, Prognosen von Wirtschaftsforschern und Bilanzen, sondern einfach mit den Charts. Die folgenden Beispiele sollen darlegen, was ich meine:

Weg mit der Glaskugel, her mit Steigeisen und Sicherungsseilen

Sehen wir uns zunächst den DAX als Beispiel an. Wir haben auf der einen Seite eine unberechenbare Nachrichtenlage, in der sich positive wie negative Nachrichten die Klinke in die Hand geben und niemand absehen könnte, wie sich die Rahmenbedingungen morgen oder auch nur in ein paar Stunden darstellen. Und wir haben auf der anderen Seite einen DAX, der charttechnisch fast „vorbildlich“ daherkommt. Die Rückkehr in die vorherige Handelsspanne, die auffällige Relevanz der 200-Tage-Linie, an der die Aufwärtsbewegung zunächst hängenblieb und der Index dann durchging und jetzt diese per Sonntagabend offene Ausgangslage: Schafft er den Sprung hinaus aus der fast schon durchbrochenen Widerstandszone … oder dreht er ab?

Börse aktuell: Entwicklung DAX von Juni 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX von Juni 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Würde man nicht wissen, in welchem Umfeld wir uns gerade bewegen und sich nur diesen Kursverlauf ansehen, müsste man denken: Das läuft ja alles streng nach Regelwerk. Was es ja auch tut. Und das weniger trotz dieser Unwägbarkeiten im Umfeld, sondern eher wegen dieses Faktors. Denn wie vorstehend angedeutet: Je nebliger der Weg vor einem wird, desto mehr verlegen sich die Akteure darauf, einen Schritt vor den anderen zu machen, sich an direkt vor einem liegenden Wegmarken zu orientieren, wie es Chartmarken nun einmal sind und zugleich jede Hürde, die genommen wurde, konsequent zu nutzen, um ihre Stop Loss, sprich ihre Sicherungsseile, nachzuziehen. Dito beim marktbreiten US-Index S&P 500:

Börse aktuell: Entwicklung S&P 500 von August 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung S&P 500 von August 2025 bis April 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Hier wurden zuletzt sogar neue Rekordhochs erreicht. Nüchtern betrachtet völlig absurd. Schließlich ist in Sachen Iran jederzeit eine erneute Eskalation möglich. Die Ölpreise sind noch hoch, die Versorgung durch die vielen Schäden an Produktionsanlagen vermutlich auf Monate hinaus unter dem Normalniveau. Und außerdem rollen jetzt erst die Bilanzen der großen Unternehmen an. Wer stur entlang der Charttechnik agiert, wäre indes spätestens nach dem Sprung zurück über die 200-Tage-Linie auf der Long-Seite gestanden. Kopfschüttelnd und mit ein wenig Sorge vermutlich. Aber man wäre eben mit dem Trend unterwegs statt gegen ihn und könnte dadurch auch die Stop Loss mit jedem gelungenen, weiteren Schritt nachziehen. Wer gegen den Trend agiert, hat diese Möglichkeit nicht.

Charttechnisch basierte Trades können in hochvolatilen Phasen mehr Orientierung bieten

Damit wird Trading nicht unbedingt einfacher. Absolute Konsequenz und eine strikte Trennung von auf Basis der Ratio eigentlich zu erwartenden Kursimpulsen und dem, was wirklich passiert, ist für die meisten von uns eine Herausforderung. Und Verlusttrades werden nicht ausbleiben, eben weil jederzeit ein einziges Posting aus dem Weißen Haus die Lage auf den Kopf stellen könnte. Der Knackpunkt ist, dass man mit dem rein charttechnischen Vorgehen immer imstande ist zu sehen, wo wichtige Punkte sind, die einen nächsten Schritt im Trendimpuls bedeuten oder sein Scheitern wahrscheinlich machen.

Sich an diesen Wegmarken zu orientieren hilft, die Verluste über Stop Loss einzugrenzen und Signale für den Einstieg, für Zukäufe oder Gewinnmitnahmen am Kursbild festmachen zu können. Natürlich muss man in volatilen Phasen wie diesen einen etwas größeren Puffer zu den als Orientierung für einen Stop Loss gewählten Chartmarken einbauen, muss bei Käufen und Zukäufen defensiver agieren. Aber man hat immerhin etwas, an dem man sich festhalten kann. Wer nach Gefühl tradet oder immer direkt auf eine eigentlich zu erwartende, weil logische Reaktion auf einlaufende Nachrichten setzt, hat diese Orientierung nicht.

Dabei würde ich persönlich noch den Gedanken in den Raum stellen, in Phasen wie diesen ein wenig mehr in Richtung des Index-Tradings zu gehen, denn Einzeltitel sind in der Regel volatiler, dieser Tage aufgrund der anstehenden Quartalsbilanzen ohnehin. Die großen Indizes bewegen sich tendenziell weniger sprunghaft, weil dieser Korb an Einzelwerten da in seiner geglätteten Gesamtheit daherkommt, zumal der wachsende Anteil des Kapitals, das über ETFs in Indizes investiert ist, dieses „Smoothing“ noch intensiviert.

Wunder sollte man auch mit diesem Vorgehen nicht erwarten, aber …

Schritt für Schritt, mit Steigeisen und Sicherungsseil statt mit einem „müsste eigentlich“: Die Beispielcharts deuten an, dass sich diese Vorgehensweise für all jene durchaus lohnen könnte, die bislang noch nicht so vorgehen. Wunder darf man auch da nicht erwarten … eine Trefferquote von 80 und mehr Prozent und ein Mehrfaches an prozentualem Effekt bei Gewinntrades gegenüber Verlusttrades wäre ein solches … aber man kommt einfach besser durch. Gut genug, um ein „ich bleibe weg, bis die Märkte wieder normal werden“ als die zweitbeste Lösung erscheinen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.