WashTec zeigt eindrucksvoll, wie ein Managementwechsel aus einem jahrelangen Problemfall wieder eine echte Investmentstory machen kann.
Ein starkes Geschäftsmodell mit jahrelanger Führungsschwäche
WashTec ist ein Lehrstück dafür, wie sehr Führung über Erfolg oder Misserfolg eines scheinbar soliden Geschäfts entscheiden kann. Das Unternehmen baut Autowaschtechnik, verkauft die dafür notwendigen Waschmittel (Chemikalien) und bietet ergänzende Services wie Wartung an.
Der Kern des Geschäfts ist simpel und robust: Rund 50 % des Umsatzes kommen aus Equipment, etwa 30 % aus Service und circa 15 % aus Chemikalien.
Beim Verkauf der Anlagen selbst erzielt WashTec vergleichsweise geringe Margen von 5 – 10 %.
Die Einnahmen aus Ersatzteilen, Wartung und Chemie sind hingegen hochmargig und wiederkehrend. Darüber hinaus ist das Geschäft nicht kapitalintensiv, gut skalierbar und abseits des Anlagenverkaufs profitabel.
In Europa ist WashTec mit einem Marktanteil von mehr als 40 % ein bedeutender Anbieter und mehr als doppelt so groß wie die nächstgrößeren Anbieter Istobal oder Otto Christ.
Ein Wettbewerbsvorteil, der oft unterschätzt wird, ist das Servicenetz. Betreiber von Tankstellen und Waschstraßen entscheiden stark danach, wie schnell und zuverlässig ein Anbieter Maschinen repariert und Ersatzteile liefert. Genau hier hebt sich WashTec als Premium-Marke ab.
In Nordamerika ist die Lage eine andere. Dort ist WashTec weit davon entfernt, der Marktführer zu sein – das sind Sonny’s (Genstar) und NCS (Berkshire).
Die Dynamiken, die das Geschäft in Europa stützen, sind in den USA umgekehrt, also negativ für WashTec.
Das ist der Knackpunkt
Das letzte Management hat mehrere strategische Fehlentscheidungen getroffen. WashTec investierte beispielsweise stark nach Asien, erwartete dort ein hohes Wachstum, das weitgehend ausblieb, und musste das Geschäft später abstoßen.
Parallel dazu wurde viel Kapital in Nordamerika gebunden, ohne die nötige Anpassung an andere Produktanforderungen und Vertriebsmodelle.
Hinzu kam eine zu große Produktpalette, die eine erhöhte Fertigungskomplexität nach sich zog und die Margen drückte.
Da der damalige Vorstand die aufziehenden Probleme nicht erkannt hat, wurden darüber hinaus wohl mehrere Kaufinteressenten abgeschmettert.
An einem gewissen Punkt wurde es den Großaktionären zu bunt. Dazu muss man wissen, dass sich derzeit nur 25,9 % der Anteile im Freiverkehr befinden.
Der spanische Großinvestor EQMC hält 20,36 % der Aktien, weitere 10,61 % liegen bei Morgan Stanley, 9,60 % bei Kempen Oranje, über 7 % bei Norman Rentrop, über 5 % bei Teslin Capital und fast 5 % bei Dr. Kurt Schwarz (die komplette Liste finden Sie hier, unter dem Punkt Aktionärsstruktur).
Die Wende begann 2023, als in der Führungsebene bis hin zum CEO Köpfe rollten.
Ausblick und Bewertung
Das hört sich nach einer interessanten Geschichte an, doch der neue Vorstand glänzt nicht nur mit Plänen und Ankündigungen, sondern kann handfeste Erfolge vorweisen.
Nach etlichen Jahren anhaltender Probleme dürfte der Gewinn im Geschäftsjahr 2025 das dritte Mal in Folge deutlich gestiegen sein. Es handelt sich also nicht nur um eine gute Phase, sondern einen aus meiner Sicht klaren Aufwärtstrend.
Im Geschäftsjahr 2023 erfolgte langsam der Turnaround und der Gewinn kletterte um 5 % auf 2,06 Euro je Aktie.
Darauf folgte 2024 ein Gewinnsprung um 13 % auf 2,32 Euro je Aktie.
Im faktisch bereits abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025 dürfte der Gewinn den Konsensschätzungen zufolge um 8 % auf 2,52 Euro je Aktie steigen.
In den ersten neun Monaten konnte der Umsatz um 7,2 % auf 358,2 Mio. Euro gesteigert werden. Gleichzeitig verbesserte sich die Profitabilität, wodurch das EBIT um 17,4 % auf 32,4 Mio. kletterte.
Das Ergebnis je Aktie konnte sogar um 21,3 % auf 1,57 Euro je Aktie gesteigert werden.
Sollten die Konsensschätzungen für 2025 erfüllt werden, kommt Wachtec derzeit auf ein KGVe von 18,8.
Wird der Gewinn in diesem Jahr wie erwartet um 13 % auf 2,82 Euro je Aktie steigen und ein neues Rekordniveau erreichen, würde das KGV dadurch auf 16,8 sinken.
Strategische Optionen
Die Vorgehensweise in Europa ist naheliegend. Zuletzt hat das Unternehmen eine EBIT-Marge von 9 % erzielt, am Höhepunkt waren es etwa 15 %. Das Management und die Großinvestoren gehen davon aus, dass das wieder erreicht werden kann.
Dazu wurden mehrere konkrete Maßnahmen beschlossen: Die Verlagerung von Produktion und Montage von Deutschland in die Tschechische Republik, die bereits läuft.
Zudem sollen Standardisierung und Maßnahmen zur Reduktion der Installationskosten umgesetzt werden – also weniger Produktvarianten mit schnellerer Montage und einer höheren Zuverlässigkeit.
Abschließend soll die installierte Basis stärker über Serviceangebote und Chemie monetarisiert werden.
In Nordamerika ist die Lage schwieriger. Andere Produkttypen, andere Kundenpräferenzen und eine stärkere Konkurrenz machen WashTec dort das Leben schwer.
Daher werden die berühmt-berüchtigten „strategischen Optionen“ geprüft. Im Klartext bedeutet das, dass ein Verkauf der Sparte im Raum steht.
Aus Anlegersicht wäre dieser Schritt wünschenswert. Dadurch würde die Profitabilität zunehmen, die dortige Kapitalbindung beendet und stattdessen erhebliches Kapital freigesetzt werden, welches in das Kerngeschäft in Europa investiert oder an die Aktionäre ausgeschüttet werden könnte.

Größere Rücksetzer könnten sich daher als Gelegenheit herausstellen. Für antizyklische Investoren könnte der Bereich zwischen 45 und 42 Euro interessant sein.
Gelingt hingegen ein direkter Ausbruch über 50 Euro, käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen zwischen 52,50 und 60,00 Euro. Die Aktie bewegt sich weitgehend in 2,50-Euro-Schritten.
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