Auf den ersten Blick waren die am Donnerstag vorgelegten Quartalsergebnisse des US-Supermarktriesen Walmart absolut überzeugend. Das Problem war: Auf den zweiten Blick waren sie es weniger. Die Aktie fiel und generierte dadurch eine neue charttechnische Lage.
Vor der Vorlage dieser Ergebnisse des zweiten Geschäftsjahresquartals (das bei Walmart wie bei den meisten US-Einzelhändlern aufgrund des an den Kalender verschobenen, immer am 31. Januar endenden Geschäftsjahres die Monate Mai, Juni und Juli umfasste) sah das Chartbild der Aktie durchaus verheißungsvoll aus. Da war eine solide wirkende Bodenbildung im Gange, deren Vollendung zugleich die Rückeroberung der aktuell bei 118,50 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie bedeutet hätte. Und hätten die Quartalszahlen die Anleger überzeugt, hätte der Ausbruch gestern gelingen können. Aber der Chart zeigt:

Die Zahlen überzeugten nicht. Was überraschen könnte, schließlich legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,9 Prozent zu, der operative Gewinn sogar um 28,8 Prozent. Und beide Ergebnisse lagen über der durchschnittlichen Prognose der Analysten. Die wiederum für Walmart überwiegend bullisch sind: Von den aktuell 41 Einschätzungen lauten 34 auf „Kaufen“. Und das durchschnittliche Kursziel? Mit knapp 138 Euro meilenweit über dem Kurs vor der Bilanz … und natürlich noch weiter darüber, nachdem die Anleger die Aktie am Donnerstag fallen ließen.
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Walmart Aktie finden Sie hier.
Expertenmeinung: Was war die Ursache für diese negative Reaktion? Es waren vermutlich vor allem zwei Aspekte, die den Tradern sauer aufstießen:
Zum einen stieg der operative Gewinn deswegen so markant, weil in die berichtete Zeitspanne Steuerrückzahlungen der US-Regierung als „Reparatur“ der laut oberstem US-Gericht zu Unrecht eingezogenen Zölle fielen. Bereinigt um diesen Sonderfaktor stieg der Gewinn zwar auch, aber nicht um 28,8, sondern um 17,4 Prozent.
Zum anderen wuchs das für Walmart entscheidende US-Geschäft nicht so, wie erhofft. Der Umsatz legte im Kernmarkt in diesem zweiten Quartal nur um 2,6 Prozent zu, wenn man den Tankstellen-Umsatz mal herausrechnet. Im ersten Quartal war man da noch auf 4,1 Prozent gekommen … und das Problem ist: Das sind ja keine inflationsbereinigten Werte, d. h., wenn man einmal die Teuerungsrate dagegenhält, wäre rein vom Warenvolumen her quasi nichts vorangegangen.
Das wäre unschön, aber keinen derart deutlichen Abschlag wert, wenn man am Aktienmarkt nicht offenbar positive Überraschungen im Vorfeld eingepreist hätte. Und wenn die Aktie von der Bewertung her noch eher günstig gewesen wäre – was sie aber nicht ist, im Gegenteil: Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis liegt bei 40, das ist für einen Einzelhändler äußerst teuer. Das ist nur zu rechtfertigen, wenn man mit konstantem und starkem Wachstum des Gewinns pro Aktie in einer Größenordnung von 20 Prozent rechnen darf … und das nicht nur über ein Jahr, sondern über mehrere.
Falls einige im Vorfeld darauf gesetzt hatten, haben sie diese Bilanzdaten auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt … und die Aktie selbst aus ihrem Boden nach unten heraus. Damit ist der Weg nach oben aus charttechnischer Sicht erst einmal zugestellt, zumal die Aktie bereits unter dem Tief der Bodenbildung im Bereich 106,79 zu 107,25 US-Dollar in den Handelstag startete.
Ob man das als nutzbares Short-Signal sehen könnte, ist zwar fraglich, es wäre nicht überraschend, wenn versucht würde, die psychologisch bedeutsame, runde 100-US-Dollar-Marke mit aller Macht zu verteidigen. Aber für die Long-Seite ist Walmart erst einmal aus der Watchlist gefallen, denn die Rückeroberung dieser jetzt als Widerstand fungierenden Tiefs bei 106,79/107,25 US-Dollar würde nicht für ein bullisches Signal ausreichen, da müsste weiterhin die 200-Tage-Linie überboten werden – und die ist mit ihren 118,50 US-Dollar erst einmal außer Reichweite.
Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Geschäftsjahresquartals 2026/2027, 20.08.2026: https://corporate.walmart.com/news/2026/08/20/walmart-releases-q2-fy27-earnings
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/WMT/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 20.08.2026 um 22:07 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Vermögensaufbau ist mehr als reines Sparen und stellt einen strategischen Prozess dar, bei dem es darum geht, das vorhandene Kapital aktiv zu vermehren. Dabei kommt es vor allem auf die Strategie an, die von Anleger zu Anleger sehr unterschiedlich sein kann.
Mögliche Strategien für Ihren Vermögensaufbau finden Sie hier:
Vermögen aufbauen: Die besten Tipps
Die Core Satellite Strategie – Kernportfolio mit Satelliten
Die Dividendenstrategie – Alles was Sie darüber wissen sollten



