Der Biokraftstoff-Hersteller VERBIO meldet am Mittwoch eine Stunde vor Handelsende via Ad-hoc-Mitteilung, dass man die Prognose für den operativen Gewinn für das Geschäftsjahr erneut nach oben korrigiert – doch die Aktie steigt nicht. Das deutet ein Problem an.
Ursprünglich hatte VERBIO im vergangenen Herbst, noch nahe am Beginn des hier immer bis zum 30. Juni laufenden Geschäftsjahres, mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im hohen zweistelligen Millionenbereich kalkuliert. Bedingt durch die deutlich gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoff als Reaktion auf den Ende Februar begonnenen Iran-Krieg wurde dieser Ausblick Ende März auf ein EBITDA zwischen 100 und 140 Millionen nach oben genommen. Gestern dann ging es erneut höher:
Wegen der immer noch hohen Ölpreise sieht das Unternehmen jetzt für 2025/2026 ein EBITDA zwischen 160 und 180 Millionen Euro, erwartet beim operativen Gewinn also noch einmal einen beträchtlichen Schritt nach vorne. Die Aktie zeigte sich zwar nach dieser kurz nach 16:30 Uhr am Mittwoch vorgelegten Mitteilung sehr volatil, ein Plus gelang aber nicht: Am Ende schloss VERBIO 1,8 Prozent unter dem Vortagesschluss. Hatten die meisten Akteure die Meldung vielleicht noch nicht gesehen?
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Expertenmeinung. Der Intraday-Verlauf spricht gegen diese Erklärung. Denn die Aktie hatte zuvor nicht unerheblich im Minus notiert, machte dann einen kurzen Satz nach oben und schloss letztlich zwar in der Verlustzone, aber trotzdem ein gutes Stück über dem vor der Ad-hoc-Meldung erreichten Tagestief. Und genau das führt zu der wahrscheinlichsten Lösung für dieses „Mysterium“ einer negativen Reaktion auf eine positive Nachricht:
Denn VERBIO notierte im Minus, während der Ölpreis nach unten tendierte – und das hat natürlich eine gewisse Logik. Je weiter die hohen Ölpreise zurückkommen, desto weniger Notwendigkeit wird man in Bezug auf den Ausgleich von Angebotslücken durch Biokraftstoffe sehen. VERBIO hatte ja auch explizit darauf hingewiesen: Es sind diese so deutlich gestiegenen Preise bei Rohöl, die den Gewinn derzeit befeuern. Und das führt zu der Frage:
Was wird sein, wenn der Ölpreis wieder „normal“ ist? Schließlich war es auch nach den Jahren mit Corona, den Lieferengpässen und den Anfängen des Ukraine-Kriegs mit dem Gewinn wieder abwärts gegangen. Diese höheren Gewinne könnten also nicht für die Ewigkeit gemacht sein … und außerdem hatte man auf die laufende Entwicklung ja längst reagiert, die Aktie hatte noch im vergangenen Herbst mit der Zehn-Euro-Marke gerungen. Und, das noch obendrauf:
Die Analysten hatten ohnehin bereits mit einem starken Gewinn gerechnet, der Durchschnitt bei den Prognosen für das EBITDA im laufenden Geschäftsjahr hatte mit 154 Millionen Euro schon über VERBIOs vorherigem Ausblick gelegen.

Daher ist das Ausbleiben eines Kurssprungs nicht wirklich überraschend … und zugleich ein Indiz dafür, dass die Marktteilnehmer längst erkannt haben, dass beim Gewinn – zumindest ohne neue Argumente für eine längerfristig noch weiter steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen – nur noch begrenzter Spielraum nach oben besteht und die Aktie das, was bislang gilt, bereits eingepreist hat.
Die Oberseite dürfte, das manifestierte der gestrige Tag, damit so langsam der steinigere Weg für den Aktienkurs geworden sein.
Quellenangaben: adhoc-Meldung zur Anhebung der Gesamtjahresprognose 2025/2026, 27.05.2026: https://www.verbio.de/investor-relations/ad-hoc-meldungen/artikel/verbio-erhoeht-ebitda-prognose-fuer-das-geschaeftsjahr-2025-2026-erneut/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.05.2026 um 21:23 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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