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Traton Aktie Prognose TRATON: Ein klarer Fall von „schau‘n wir mal“?

News: Aktuelle Analyse der Traton Aktie

von | |

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen der Traton Aktie

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

War das jetzt gut oder schlecht, was die VW-Nutzfahrzeugtochter TRATON am Montag zum ersten Quartal meldete? Am Aktienmarkt entschied man, die Zahlen positiv zu werten. Aber noch ist die Aktie nicht wieder bullisch, zumal: Läge man mit einer positiven Reaktion richtig?

TRATON Aktie: Chart vom 28.04.2025, Kurs 30,02 Euro, Kürzel: 8TRA | Online Broker LYNX
TRATON Aktie: Chart vom 28.04.2025, Kurs 30,02 Euro, Kürzel: 8TRA | Quelle: TWS

TRATON hatte Anfang des Monats vorläufige Ergebnisse geliefert, da fehlten aber noch einige wichtige Kennzahlen. Erst jetzt hat man ein komplettes Bild vor sich, das, wenn man es grob zusammenfassen wollte, Folgendes zeigt: Absatz runter, Gewinn deutlich runter … aber Auftragseingang rauf. Und da Letzteres in die Zukunft weist, wurde das höher gewertet und die Aktie gekauft.

TRATON meldete für das erste Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Absatzminus von zehn Prozent, einen Rückgang der operativen Marge von 9,4 auf 6,1 Prozent und ein Minus beim operativen Gewinn von 42 Prozent. Da diese Daten bereits im Rahmen der Vorab-Zahlen am 9. April vorgelegt wurden, hatte man da bereits reagiert … und das mit einem kräftigen Minus.

Jetzt kam ein Auftragseingang hinzu, der prozentual über dem Absatzminus lag, zugleich bestätigte TRATON erneut seine bisherige 2025er-Prognose: Absatzzahlen und Umsatz in der Range von -5 bis +5 Prozent zum Vorjahr, operative Marge zwischen 7,5 und 8,5 Prozent. Und zwar, weil man mit einer deutlichen Belebung der Lage im zweiten Halbjahr rechnet. Da man die negativen Aspekte bereits entsprechend negativ honorierte und der Auftragseingang positiv wirkte, wurde gestern gekauft. Aber hat das wirklich Hand und Fuß?

Expertenmeinung: Wenn man genauer hinschaut, z. B. indem man sich auch die Grafik in der ausführlicheren und plakativeren Pressemitteilung ansieht (2. Link unten), die die sogenannte „Book-to-Bill-Ratio“ zeigt (das Verhältnis von Auftragseingang und Auslieferungen), relativiert sich das positive Bild nämlich, weil der Auftragseingang zuvor ganze zwei Jahre niedriger lag als der Umsatz. Der Auftragsüberhang, der in der Boomphase 2021/2022 aufgelaufen war, dürfte abgebaut sein. Und da der Auftragseingang nur über dem Umsatz lag, weil der eben im ersten Quartal kräftig gefallen ist, ist das kein Signal einer Wende zum Positiven, zumal:

Das, was im ersten Quartal passierte, kann im zweiten ganz anders aussehen. Die für die Fahrzeugindustrie relevanten Zölle und Gegenzölle kamen erst im März und hatten daher nur begrenzt Einfluss, Trumps großer Rundumschlag sogar erst am 2. April und damit zum Start des laufenden Quartals. Dessen Auswirkungen sind hier also in keiner Weise erfasst. Erst die Ergebnisse dieses laufenden Quartals werden wirklich wegweisend. Und wenn man sich die aktuelle Gemengelage ansieht, bleibt auch offen, ob die Zuversicht bei TRATON, dass das zweite Halbjahr ein gutes werde und man daher Umsatz- und Margenziel trotzdem erreichen wird, wirklich berechtigt ist.

Der gut wirkende Auftragseingang und die bestätigte Prognose sind daher, nüchtern betrachtet, ziemlich wacklige Fundamente für einen echten Befreiungsschlag. Der noch nicht erfolgt ist, denn bislang haben die Käufe des Montags und der Tage zuvor nur erreicht, dass die TRATON-Aktie das untere Ende der seit Juni 2024 geltenden Handelsspanne zwischen 25,95 und 32,10 Euro gerade so verteidigen konnte und jetzt deren oberem Ende zustrebt. Aber noch ist nicht einmal die bei aktuell 29,95 Euro verlaufende 200-Tage-Linie eindeutig zurückerobert. Und selbst wenn:

Wirklich bullisch würde TRATON erst dann, wenn es gelingt, zu wiederholen, was im Februar erreicht wurde, nämlich den Ausbruch aus dieser Handelsspanne nach oben. Dazu wären Schlusskurse über 32,10 Euro nötig. Und auch dann müsste man die Sache mit Vorsicht angehen, denn der Ausbruch im Februar, so dynamisch er auch daherkam, scheiterte am Ende … und auszuschließen, dass ein zweiter Ausbruch nicht ebenso schiefgeht, wäre in diesem unsicheren weltwirtschaftlichen Umfeld bei einem derart konjunktursensiblen Unternehmen hoch riskant.

Quellen:
Ergebnis des 1. Quartals 2025, 28.04.2025:
https://ir.traton.com/de/nachrichten/traton-group-rechnet-nach-verhaltenem-erstem-quartal-mit-besserem-geschaeftsverlauf-in-zweiter-jahreshaelfte-und-haelt/2254e29b-8b53-40fd-b39d-0eca0d19b489
https://ir.traton.com/media/document/3d43fc5c-e341-4efe-b927-747173e93269/assets/TRATON_Analyst_Investor_Presentation_Q12025.pdf?disposition=inline

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die Vorab-Ergebnisse der VW-Nutzfahrzeugtochter TRATON zum 1. Quartal sahen gar nicht gut aus. Auf der anderen Seite wurde der bisherige 2025er-Ausblick nicht gesenkt. Wäre der wirklich durchzuhalten, wäre die Aktie einen Blick wert. Aber könnte das denn gelingen?

Nüchtern betrachtet muss man darauf hinweisen, dass dieser 2025er-Ausblick noch nicht gesenkt wurde. Denn bei TRATON hat im Zuge dieser eher knappen Vorab-Ergebnismeldung niemand behauptet, dass man da auch weiterhin nichts würde korrigieren müssen, zumal der vollständige Bericht erst am 28. April folgt. Wie könnte man eine solche Prognose auch als „sicher“ ansehen? Schließlich sind das Annahmen, von denen man im Konzern weiß und als Anleger wissen sollte, dass die in einem derart volatilen, von unvorhersehbaren, externen Faktoren erheblich beeinflussten Geschäfte nie in Stein gemeißelt sein können. Aber was hat TRATON denn überhaupt als Ausblick gegeben?

Im Rahmen der am 10. März vorgelegten 2024er-Ergebnisse avisierte das Unternehmen für 2025 Umsätze in einer Bandbreite von +/- fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Da war es noch gelungen, den Umsatz gegenüber 2023 um ein Prozent zu steigern. Die operative Gewinnmarge sieht man nach 9,2 Prozent im Jahr 2024 im laufenden Jahr zwischen 7,5 und 8,5 Prozent. Packt man das alles in einen Sack, läge die Erwartungsspanne für den operativen Gewinn im Bereich zwischen unverändert und -22 Prozent. Das wurde also, bislang, nicht korrigiert. Aber wieso wurde das in vielen Meldungen so hervorgehoben?

Expertenmeinung: Weil die Vorab-Zahlen zum ersten Quartal ausnehmend unerfreulich waren und man vermutlich nach einem positiven Strohhalm suchte. Der Fahrzeugabsatz sank um 10,0 Prozent. Da zugleich auch die operative Gewinnmarge kräftig von 9,4 auf 6,1 Prozent fiel, lag der operative Gewinn um drastische 42 Prozent unter dem des Vorjahresquartals – und das war schlechter als seitens der Analysten erwartet. Die daraufhin den Daumen senkten?

Nicht alle. In der Tat senkten vier Experten auf die Vorab-Ergebnisse hin ihre Prognosen, aber nur ein Kursziel in Höhe von 23 Euro wurde mit der Einstufung „Verkaufen“ versehen. Ein anderes, bei 28 Euro, wird von einer „Halten“-Empfehlung begleitet. Und zwei weitere, wenngleich etwas gesenkte Ziele, lauten auf 34 und sogar 50 Euro, beide Empfehlungen: „Kaufen“. Mutig, in diesem Umfeld?

Eher ja, denn wenn man sich ansieht, dass sogar die US-Marke International Motors (vormals Navistar) zwölf Prozent weniger Fahrzeuge verkaufte, obwohl der Fahrzeugmarkt in den USA bislang noch stark war, stellt sich natürlich die Frage, was es TRATON hilft, auch in den USA zu produzieren, wenn die Folgen der Zölle in Form sinkender Nachfrage bei Transportraum durch die Hintertür hereinkommen. Und diese Skepsis spiegelt sich auch im Kursbild wider.

TRATON Aktie: Chart vom 11.04.2025, Kurs 25,90 Euro, Kürzel: 8TRA | Online Broker LYNX
TRATON Aktie: Chart vom 11.04.2025, Kurs 25,90 Euro, Kürzel: 8TRA | Quelle: TWS

TRATON hatte die Zahlen am Mittwoch, den 9. April, kurz vor Handelsende als Ad-hoc-Meldung freigegeben, die Anleger konnten da also noch reagieren. Die Folge war ein Minus von 7,8 Prozent. Als dann am Abend Trumps Zoll-Rückzieher für eine wilde Kaufwelle sorgte, spiegelte sich das am Morgen des Donnerstags auch bei TRATON wider: Die Aktie startete mit einem Riesensatz nach oben und notierte kurz nach dem Handelsstart 11,55 Prozent über dem Vortags-Schluss. Zu diesem Zeitpunkt war also die negative Reaktion auf die schwachen Q1-Zahlen komplett aufgeholt. Doch am Ende des Tages waren von diesem beeindruckenden Plus nur noch 2,05 Prozent übrig … und am Freitag kamen die Käufer nicht zurück.

Dass das Thema Zölle vom Tisch ist, TRATON von einem nach Einigung der USA mit den wichtigsten Handelspartnern wieder besseren Umfeld profitiert und daher auch im Fall eines schwächeren Marktumfelds in Asien seine Prognosen erreicht, bezweifelt man also offenbar. Und wundern kann das nicht.

Daher bleibt das Abwärtsrisiko hier hoch. Und sollte die Aktie die ohnehin nur mit Ach und Krach gehaltene, seit letztem August bestehende Unterstützungslinie bei 25,95 Euro durch Schlusskurse unter dem Vorwochen-Verlaufstief (25,12 Euro) klar unterbieten, wäre ein Test der nächstliegenden, potenziellen Auffanglinie in Form des Hochs vom Frühjahr 2023 bei 21,44 Euro keineswegs abwegig.

Quellen:
Vorab-Ergebnisse zum 1. Quartal 2025, 09.04.2025: https://traton.com/de/newsroom/pressemeldungen/traton-group-verzeichnet-im-ersten-quartal-2025-absatzrueckgang-auf-73100-fahrzeuge.html

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.