Während die KI-Großinvestoren gerade wachsender Skepsis der Anleger ausgesetzt sind, laufen Halbleiter-Aktien weiter – und das gilt auch bzw. gerade für Anlagenbauer wie SUSS MicroTec, die in diesem Bereich agieren. Die dahinterstehende Überlegung hat etwas für sich.
Einst sagte man, dass an einem Goldrausch nur diejenigen wirklich stark verdienen, die den Goldgräbern, die komplett auf eigenes Risiko handelten und eher mehr als weniger vom Glück abhängig waren, die Ausrüstung wie Hacken und Schaufeln verkaufen. Damit kommt man zwar nicht zu gewaltigem Reichtum, aber man macht seinen Gewinn ohne große Risiken. Und diesen Gedanken auf den KI-Bereich zu übertragen, ergibt durchaus Sinn.
Denn wer im KI-Bereich eine Führungsposition erreichen will, muss viel investieren, kann aber nie sicher sein, nicht von anderen ausgestochen zu werden, sodass sich die gewaltigen, aufgewendeten Summen am Ende nicht rechnen. Wer aber die dafür nötigen Rechenzentren und Chips baut, hat dieses Risiko nicht: Man bekommt den Auftrag, wickelt ihn ab und streicht den Gewinn ein.
Allerdings stellt sich da wiederum die Frage, was passiert, wenn diese Investitionswelle vorüber ist. Dann könnten die Bauaufträge ebenso in ein Loch fallen wie die Chipnachfrage. Deswegen fokussieren sich einige Anleger auf die Aktien von Unternehmen, die, bildlich gesprochen, die Maschinen herstellen, mit denen die Hacken und Schaufeln gemacht werden. Und zu denen gehört auch SUSS MicroTec.
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Expertenmeinung. SUSS (eigentlich SÜSS, aber das in den USA unbekannte „Ü“ wurde vor einiger Zeit gegen ein „U“ ersetzt) stellt Anlagen und Prozesslösungen vor allem für den Halbleitersektor her. Die Logik hinter der Hausse der Aktie: Solche Systeme brauchen die Chiphersteller, um der gestiegenen Nachfrage Herr zu bleiben und immer auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein.
Dem lässt sich grundsätzlich nicht widersprechen, zumal das Unternehmen für das erste Quartal einen um 69,5 Prozent höheren Auftragseingang als im Vorjahreszeitraum auswies. Und hier geht es nicht um die Chips oder Wafer. Hier geht es um Anlagen, mit denen sie hergestellt werden. Das sind Aufträge, die über einen längeren Zeitraum vorhalten. Ob ein Chiphersteller dann am Ende mit Überkapazitäten dasteht oder nicht: Was er bei den Anlagenbauern geordert hat, wird gebaut und geliefert, das hält das Auftragsbuch länger stabil. Hier investiert zu sein, hat also eine gewisse Logik, aber:
Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass für die Chipindustrie fertigende Anlagenbauer endlos lange endlos weit steigende Unternehmensgewinne erreichen werden. Auch hier fällt man irgendwann in ein Auftragsloch, so wie z. B. nach der panischen Bestellwelle der Chiphersteller im Zuge der Lieferengpässe 2022/2023. „Unfallbar“ sind Aktien wie SUSS MicroTec also keineswegs. Und gerade jetzt sollte man da besser ein wenig aufpassen.
Denn just am Montag ist die SUSS-Aktie in den MDAX aufgestiegen, verbleibt aber trotzdem im TecDAX. Das bedeutet kurzfristig höhere Nachfrage, weil institutionelle Investoren, die den MDAX nachbilden, hier jetzt dabei sein müssen. Aber wenn die erst einmal positioniert sind, kann die Nachfrage sinken. Nicht zuletzt, weil die Aktie bereits teuer bewertet ist und das durchschnittliche Kursziel der Analysten bereits überboten wurde.
Im Chart fällt auf, dass der Kurs binnen zwei Tagen in der Spitze deutlich gestiegen war. Der erste der beiden Tage war der Abrechnungstag an der Terminbörse, der zweite die Erstaufnahme in den MDAX. Und dieser zweite Tag endete mit einem Intraday-Turnaround nach unten – ein Warnsignal. Ein Warnsignal ist nicht automatisch ein Verkaufssignal. Aber wenn man sieht, dass die mittelfristigen Supportlinien in Form des im Herbst etablierten Aufwärtstrends und der 200-Tage-Linie deutlich tiefer verlaufen, sollte man es sich vielleicht besser zweimal und genau überlegen, ob man im Vorfeld einer ja letztlich nie ausbleibenden Korrektur auf diesen Zug noch aufspringen wollte.

Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/SMHN.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.06.2026 um 7:31 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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