Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy setzte ihr Wachstum im 3. Quartal fort. Der Umsatz übertraf die Prognose, die Marge legte deutlich zu. Doch die Aktie gab als Reaktion auf die Ergebnisse nach. Hatte man mehr erwartet – oder war es einfach nur „Selling on good news“?
Dass manche Marktteilnehmer grundsätzlich erwarten, dass die durchschnittlichen Prognosen der Analysten übertroffen werden, ist bekannt. Aber in diesem Fall hätte auch diese Klientel eigentlich nicht viel an diesem Zahlenwerk von Redcare Pharmacy mäkeln können:
Der Umsatz legte um 18 Prozent auf 847 Millionen Euro zu, im Schnitt hatten die Experten zuvor mit 839 Millionen gerechnet. Dabei gelingt weiterhin, worauf man lange gehofft hatte: Der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zieht, nach holprigem Start, im Kielwasser des E-Rezepts weiter stark an und macht in Sachen Umsatzanstieg die „Pace“. Der Bereich der nicht rezeptpflichtigen Waren (Non-Rx) stieg nur um 9,0 Prozent, der Rx-Umsatz, also der mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, aber um starke 31 Prozent.
Zugleich gelang es, die operative Gewinnmarge deutlich zu steigern, hier wurden 3,4 Prozent nach 1,0 Prozent im Vorjahr gemeldet, was auch daran lag, dass die Vertriebskosten langsam sinken. Zwar blieb unter dem Strich, nach Steuern, immer noch ein Minus, konkret in Höhe von 6,0 Millionen Euro. Aber zum einen war das immerhin weniger als im Vorjahreszeitraum (-10,1 Millionen), zum anderen könnte man dieses Nachsteuer-Minus in Relation zum Umsatz durchaus bereits als das Erreichen der Nulllinie ansehen … und mehr dürfte man am Markt wohl kaum erwartet haben.
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Expertenmeinung: Der Weg in die richtige Richtung wird also fortgesetzt. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde zwar „nur“ bestätigt, aber sie wurde bereits im Juni und dann ein zweites Mal im September nach oben genommen, das kann also auch kein Problem für die Marktteilnehmer gewesen sein. Was bliebe, wären schlicht Gewinnmitnahmen. Und dass es dieser Aspekt gewesen sein könnte, der die Aktie am Donnerstag drückte, wäre mit Blick auf das Chartbild auch plausibel.
Denn die Aktie hatte seit Mitte September in der Spitze um 58 Prozent zugelegt. Und nach den überzeugenden Halbjahreszahlen und der zweimal angehobenen Prognose konnte man sich gestern durchaus sagen: Jetzt liegt erst einmal alles auf dem Tisch, weitere Nachrichten kommen vermutlich in den nächsten Wochen nicht – warum also nicht mal ein paar Gewinne mitnehmen? Zwar liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten höher, bei gut 90 Euro … aber das muss ja nicht in einem Rutsch erreicht werden (bzw. muss ohnehin nicht zwingend erreicht werden), daher ist der Umstand, dass am Donnerstag mehr Verkäufer als Käufer am Markt waren, nicht unbedingt überraschend. Jetzt muss sich indes zeigen, ob aus einem Rücksetzer mehr wird und ob sich die Sache womöglich zu einer Korrektur auswächst.
Denn dass der Kurs noch ein Stück weiter nachgibt, wäre keineswegs bereits eine Übertreibung nach unten, so stark war das Gewinnwachstum auch wieder nicht, dass es eine echte Korrektur unwahrscheinlich machen könnte. Und aus charttechnischer Sicht wären weitere Abgaben durchaus denkbar, sofern die Supportzone, die jetzt bereits im Fokus steht, nicht halten sollte.
Sie sehen im Chart, dass die Redcare-Aktie gerade erst im Verlauf dieses Monats eine formvollendete Aufwärtswende abgeschlossen hatte. Das Problem: Die Nackenlinienzone dieser Bodenbildung war noch nahe, die findet sich zwischen 71,10 und 73,70 Euro. Auf das obere Ende dieser Zone hatte die Aktie am Donnerstag bereits aufgesetzt. Diese Zone sollte halten, damit der Weg nach oben nicht auf einmal wieder steinig wird. Aber auch wenn die Gewinnmitnahmen noch weitergehen sollten:

In der aktuellen Gemengelage böte diese Aktie weder mit Blick auf die Bilanzzahlen noch in Bezug auf die Charttechnik ein lukratives Ziel für das bärische Lager. Das wäre erst zu erwarten, wenn die mittelfristige Unterstützungszone im Bereich 56/58 Euro, bestehend aus der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie und der 200-Tage-Linie, fallen sollte. Und dass es dazu kommt, zeichnet sich, zumindest aktuell, nicht ab.
Quellenangaben:
Ergebnisse des 3. Quartals, 29.10.2026: https://www.redcare-pharmacy.com/de/newsroom/press-releases/strong-q3-with-revenue-increasing-18-driven-by-rx-and-adjusted-ebitda-margin-up-1-0pp-yoy-to-3-4-
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/RDC.DE/analyst-insights/
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.10.2026 um 20:13 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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