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Jetzt mehren sich die Zeichen für ein Comeback, das der Markt noch nicht eingepreist hat. Sartorius hat bereits einen Gewinnsprung erzielt und erwartet den nächsten.
Warum der Markt noch zweifelt
Es gab Zeiten, in denen gehörte Sartorius zu den absoluten Kursraketen am deutschen Börsenhimmel. Über Jahre hinweg erreichte der Kurs ein Allzeithoch nach dem anderen. Das vorläufige Finale dieser Geschichte wurde 2021 erreicht.
Die Branche verzeichnete einen historischen Boom, da weltweit Laborkapazitäten geschaffen wurden und große Mengen von Laborzubehör und Verbrauchsmaterialien benötigt wurden.
Doch wie so oft folgt auf Ebbe Flut und umgekehrt. Nachdem massiv investiert worden war, fand sich die Branche in einer Situation wieder, in der plötzlich Überkapazitäten vorhanden waren.
Bis wieder ein Gleichgewicht hergestellt war, würde es Jahre dauern. Der Gewinn von Sartorius brach daher ein. Die Probleme waren aus meiner Sicht nicht hausgemacht, die Aktie wurde dennoch massiv abgestraft.
Doch im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr konnte der Turnaround vollzogen werden. Sartorius hat einen Gewinnsprung hingelegt, doch die Börse traut dem Braten noch nicht recht. In den Kursen spiegeln sich die Fortschritte noch nicht wider. Sollte sich jedoch herausstellen, dass Sartorius das Tal wirklich durchschritten hat, wird sich das jedoch irgendwann ändern müssen.
Zwei Säulen, ein klarer Fokus
Die Sartorius AG wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Laborzulieferer. Das ist ein einträgliches Geschäft, doch tatsächlich steckt etwas mehr dahinter.
Sartorius verdient sein Geld vor allem mit Ausrüstung und Verbrauchsmaterialien für die Herstellung von Biopharmazeutika. Das sind Medikamente, die nicht chemisch, sondern mit lebenden Zellen produziert werden – etwa Antikörpertherapien gegen Krebs.
Das Unternehmen liefert die Werkzeuge, mit denen diese Medikamente entwickelt und produziert werden. Daher wird Sartorius gerne als Schaufelverkäufer der Branche bezeichnet.
Das Geschäft teilt sich im Kern in zwei Bereiche. Im Segment Bioprocess Solutions geht es um alles, was bei der Produktion von Biopharmazeutika gebraucht wird. Dazu gehören Einweg-Bioreaktoren, Filtersysteme und spezielle Systeme, in denen Zellkulturen wachsen.
Diese Einwegprodukte sind besonders attraktiv, weil sie regelmäßig nachgekauft werden müssen. Hat sich ein Pharmaunternehmen einmal für ein System entschieden, bleibt es meist dabei – ein klassischer Lock-in-Effekt.
Der zweite Bereich, Lab Products & Services, ist breiter aufgestellt. Hier verkauft Sartorius Laborwaagen, Pipetten und Analysegeräte. Das ist weniger margenstark, sorgt aber für Stabilität, weil die Produkte in vielen Forschungslabors weltweit gebraucht werden.
Das eigentliche Erfolgsgeheimnis liegt in der Kombination aus Hardware und Verbrauchsmaterialien. Während Geräte einmalig verkauft werden, bringen die dazugehörigen Verbrauchsmaterialien wiederkehrende Umsätze.
Sartorius eine starke Nischenposition erarbeitet, insbesondere bei Einwegtechnologien für die Bioproduktion. Sie gelten als schneller, flexibler und kosteneffizienter als die Produkte der Konkurrenz – die wichtigsten Wettbewerber sind Thermo Fisher Scientific und Danaher.
Hat der Turnaround längst begonnen?
Mit diesem Ansatz konnte Sartorius den Umsatz in den letzten zehn Jahren von 1,30 auf 3,54 Mrd. Euro erheblich steigern.
Das Ergebnis verbesserte sich von 1,94 auf 4,78 Euro je Stammaktie, obwohl das Unternehmen gerade erst eine Flaute hinter sich hat.
Die operative Marge kletterte in dieser Zeit von etwa 19 auf 27 %. Derzeit ist das Unternehmen noch weit von den Bestwerten entfernt, doch das zeigt, was perspektivisch möglich sein könnte.
Der Vorstand drückt es wie folgt aus: „Das Jahr 2025 war in der gesamten Branche geprägt von einer Rückkehr zu normalem Nachfrageverhalten bei Verbrauchsmaterialien, einer hohen Innovationsdynamik bei etablierten Therapien […].“
Im Geschäftsjahr 2025 konnte der Umsatz organisch um 7,6 % auf 3,54 Mrd. Euro gesteigert werden. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität deutlich verbessert, trotz negativer Währungseffekte und der US-Zölle.
Der Jahresüberschuss kletterte um 18,2 % auf 331 Mio. Euro. Das Ergebnis verbesserte sich von 4,05 auf 4,78 Euro je Stammaktie.
Ein Spezialfall
Für das Geschäftsjahr 2026 zeigt sich der Vorstand ebenfalls optimistisch und stellt ein Umsatzwachstum um 5–9 % und einen Anstieg der EBITDA-Marge von 29,7 % auf „etwas über 30 %“ in Aussicht.
Den Konsensschätzungen zufolge wird das Ergebnis um 15 % auf 5,50 Euro je Stammaktie steigen. Sartorius kommt demnach auf ein KGVe von 31,7. Auf den ersten Blick wirkt das nicht gerade wie ein Schnäppchen. Für die Branche und das Geschäftsmodell von Sartorius ist das aber keine ungewöhnlich hohe Bewertung.
Darüber hinaus ist Sartorius im doppelten Sinn ein Spezialfall. Zunächst hält das Unternehmen eine Beteiligung in Höhe von 71,5 % an Sartorius Stedim. Diese Beteiligung hat einen Wert von 11,65 Mrd. Euro, was wiederum den Großteil des Börsenwerts von Sartorius selbst entspricht, denn der liegt bei etwa 13 Mrd. Euro.
Diese Beteiligung ist konsolidiert und stellt weitgehend die Sparte Bioprocess Solutions dar. Doch das bedeutet auch, dass für die Sparte Lab Products & Services nur ein Börsenwert von 1,35 Mrd. Euro bleibt. Der Bereich hat im letzten Jahr einen Umsatz von 673 Mio. Euro und ein EBITDA von 145 Mio. Euro erzielt.

Der zweite Spezialfall sind die Aktiengattungen. Die Vorzugsaktie ist im DAX gelistet und daher wesentlich teurer. Der Kurs liegt aktuell bei 213,00 Euro.
Die Stammaktie notiert hingegen bei 174,40 Euro. Sie ist demnach günstiger, hat eine höhere Dividendenrendite und obendrein ein Stimmrecht. Wäre der Markt effizient, wäre das unmöglich.
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