Palo Alto ist im Zuge der Software-Baisse unter die Räder gekommen. Ist das Unternehmen in Wirklichkeit aber ein massiver KI-Gewinner?
Achtung: Quartalszahlen
Es kommt nicht häufig vor, dass ich unmittelbar vor Quartalszahlen eine Analyse zu einer Aktie schreibe. Denn der Artikel kann einen Tag später schon wieder überholt sein.
Darüber hinaus kann keiner vorhersagen, wie die Kursreaktion auf die Quartalszahlen ausfallen wird.
Falls Sie sich diesem Risiko nicht aussetzen möchten, warten Sie mindestens noch einen Tag ab.
Die Realität ist, dass das Risiko, das von Quartalszahlen ausgeht, vergleichsweise gering ist. Natürlich kann Palo Alto über Nacht 10 % an Wert verlieren, aber statistisch ist die Sachlage eindeutig:
In jeder einzelnen Berichtssaison übertrifft die Mehrheit der Unternehmen die Erwartungen.
Die Gründe dafür sind simpel: Unternehmen legen in der Regel Prognosen vor, die sie auch erfüllen und übertreffen können. Das gehört zum Spiel. Wären Sie CEO eines börsennotierten Unternehmens, würden Sie das nicht anders handhaben.
War das eine gute Idee?
Die Wahrscheinlichkeit für eine positive Kursreaktion ist somit eine ganze Ecke höher als umgekehrt.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Werden Aktien vor den Quartalszahlen abverkauft, ist die Wahrscheinlichkeit einer positiven Kursreaktion noch höher.
Im Fall von Palo Alto sind die Kursverluste im Vorfeld der Quartalszahlen substanziell. Nachdem die Aktie im Oktober bei 223,61 USD ein Allzeithoch markiert hat, ist der Kurs auf 166,95 USD gepurzelt – ein Verlust von etwa 25 %.
Die Palo-Alto-Aktie ist denselben Themen zum Opfer gefallen wie etliche andere Aktien. Zuletzt gab es eine Sektor-Rotation, raus aus Technologie- und Wachstumsaktien. Am härtesten hat es bekanntermaßen Software getroffen, KI sei Dank.
Es gibt aber auch hausgemachte Probleme. Die Übernahme von Cyber Ark (die am 11. Februar abgeschlossen wurde) für etwa 25 Mrd. USD kam nicht bei jedem gut an – mich eingeschlossen.
Palo Alto hat für Cyber Ark einen P/FCF von über 70 auf den Tisch gelegt. Das ist selbst in dieser Branche und trotz der guten Zukunftsperspektive und möglicher strategischer Vorteile ein hoher Preis.
Die Rechnung präsentiert
Palo Alto selbst ist aktuell weniger als halb so hoch bewertet und kommt auf einen P/FCF von 31.
Der Deal ist aber auch kein Weltveränderer. Der Börsenwert von Palo Alto liegt selbst jetzt noch bei mehr als dem Fünffachen des Kaufpreises von Cyber Ark. Umgekehrt könnte man die Rechnung aufstellen, dass Palo Alto nach Bekanntgabe der Übernahme mehr als 25 Mrd. USD an Börsenwert verloren hat – die Sache ist demnach weitestgehend eingepreist.
Ähnliches haben wir in der Vergangenheit schon oft erlebt. Die Börse ist gegenüber Zukäufen skeptisch – oft verlieren Aktien daher mindestens so viel Börsenwert, wie der Zukauf kostet.
Der Börsenwert von Palo Alto ist nach der Bekanntgabe der Übernahme innerhalb von wenigen Tagen um rund 25 Mrd. USD eingebrochen.
NGS verzeichnet massives Wachstum
Abgesehen davon lässt sich mit Sicherheit auch irgendjemand finden, der mit den letzten Quartalszahlen oder dem Ausblick nicht zufrieden ist. Nüchtern betrachtet läuft das Geschäft aber solide.
Der Gewinn lag im ersten Quartal mit 0,93 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 0,88 USD. Mit einem Umsatz von 2,47 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 2,46 Mrd. USD ebenfalls leicht übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 16 % und einem Gewinnanstieg um 19 %.
In ähnlicher Weise dürfte sich das auch in Zukunft fortsetzen. Da der Auftragsbestand (RPO, remaining performance obligation) um 24 % auf 15,5 Mrd. USD gestiegen ist, könnte sogar mit einer Beschleunigung der Wachstumsdynamik zu rechnen sein.
Dafür spricht auch das deutliche Wachstum im Segment Next-Generation Security. Der annualisierte Umsatz in diesem Bereich ist im ersten Quartal um 29 % auf 5,9 Mrd. USD gestiegen und gewinnt innerhalb des Konzerns immer weiter an Gewicht.
Die Next-Generation Security von Palo Alto Networks ist eine integrierte Sicherheitsplattform und erstreckt sich von lokalen Netzwerken bis in die Cloud.
Dabei setzt das Unternehmen auf eine automatisierte Erkennung neuer Bedrohungen durch KI. Darüber hinaus funktioniert die Plattform nach dem Zero-Trust-Prinzip, verifiziert also jedes Gerät, jeden Nutzer und jede Anwendung, bevor Zugriff gewährt wird.
Eine steile These
Wer vorherige Analysen zu Palo Alto gelesen hat, wird wohl wissen, dass das Unternehmen ein Spezialist für die Überwachung von komplexen Netzwerken und Systemen ist – vor allem bei großen Datenmengen.
Ich erlaube mir ausnahmsweise, eine These zu formulieren: Wir beobachten derzeit einen rasanten Anstieg der Anzahl von KI‑Agenten und automatisierten Prozessen. In der Folge nimmt die Komplexität zu, und die zu verarbeitenden Datenmengen scheinen zu explodieren.
Viele Unternehmen, die bisher keine umfassenden Überwachungssysteme wie die von Palo Alto benötigt haben, könnten sie in Zukunft benötigen.
Palo Alto blickt jedenfalls positiv in die Zukunft. Für das erste Quartal stellt das Unternehmen einen Anstieg der Umsätze um 14 – 15 % auf 2,57 – 2,59 Mrd. USD und einen Gewinn von 0,93 – 0,95 USD je Aktie in Aussicht.
Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz um 14 % auf 10,50 – 10,54 Mrd. USD und der Gewinn auf 3,80 – 3,90 USD je Aktie steigen. Der annualisierte Umsatz im Bereich Next-Generation Security soll um 26 – 27 % auf 7,00 – 7,10 Mrd. USD steigen.
Darüber hinaus wird eine FCF-Marge von 38 – 39 % angestrebt, was die hohe Profitabilität von Palo Alto unterstreicht.
Das Unternehmen stellt demnach einen freien Cashflow von etwa 4 Mrd. USD in Aussicht, was wiederum einem P/FCF von 31 entspricht.
Damit ist die Bewertung des Unternehmens wieder in einen Bereich zurückgekommen, der für Palo Alto gewöhnlich ist. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 31,5.

Aus technischer Sicht ist Palo Alto zum mehrjährigen Aufwärtstrend zurückgekommen.
Gelingt jetzt ein Anstieg über 172 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 190 und 199 – 204 USD.
Fällt die Aktie jedoch unter 160 USD, muss mit einem erneuten Rücksetzer zum Aufwärtstrend nahe 152 USD gerechnet werden.
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