Die Börse ist ein Karussell aus Angst und Gier, das sich ständig dreht. Wer das erkennt, könnte Gelegenheiten ergreifen, wenn andere in Panik verkaufen.
Gier, Angst und Schlagzeilen
Die Börse gleicht einer gesprungenen Schallplatte. Alles scheint sich zu wiederholen, nur die Namen der Unternehmen und die Schlagzeilen ändern sich.
Euphorie, Angst, Übertreibung, Ernüchterung. Danach beginnt alles von vorn.
Der Grund dafür liegt weniger in der Wirtschaft als in der Psychologie der Anleger. Und menschliche Verhaltensmuster ändern sich nicht. Gier treibt Kurse nach oben, Angst drückt sie nach unten. Zwischen diesen beiden Polen pendelt die Börse.
Nachrichten und Schlagzeilen wirken dabei wie ein Verstärker. Angst verkauft sich besser als Nüchternheit. Deshalb dominieren häufig extreme Narrative. Eine Woche wird der Untergang einer Branche ausgerufen, dann zieht die Karawane weiter.
Dieses Muster lässt sich immer wieder beobachten. Zuletzt waren Software-Titel die großen Verlierer.
Davor stand die Bau- und Immobilienbranche angeblich vor dem Kollaps. Steigende Zinsen, fallende Preise und drohende Insolvenzen dominierten die Diskussion.
Heute erscheint das zwar absurd, vor ziemlich genau einem Jahr standen ausgerechnet Chip-Aktien auf der Abschussliste. Zyklischer Einbruch, Lagerüberhänge und schwache Nachfrage lauteten die Argumente.
Das wahre Spiel der Märkte
Seitdem sind die Kurse von Aktien wie Nvidia, Broadcom, Seagate oder Micron stark gestiegen.
Diese ständigen Stimmungswechsel haben wenig mit der realen Entwicklung der Unternehmen zu tun. Geschäftsmodelle verändern sich langsam, Investitionszyklen dauern Jahre. An der Börse hingegen drehen sich Narrative oft im Wochentakt.
Der Mechanismus dahinter ist einfach. Anleger reagieren stark auf neue Informationen, besonders wenn sie dramatisch formuliert sind. Sie extrapolieren kurzfristige Trends in die Zukunft und übertreiben sowohl nach oben als auch nach unten. Steigen die Kurse, entsteht schnell der Eindruck eines unaufhaltsamen Trends. Fallen sie, scheint der Niedergang unausweichlich.
Medien, Analysten und soziale Netzwerke verstärken diese Dynamik. Extreme Aussagen erzeugen Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit erzeugt Klicks. Und Klicks erzeugen wiederum mehr Schlagzeilen. So entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Für langfristige Investoren ist genau das die zentrale Erkenntnis. Die Börse bewertet selten nüchtern. Sie übertreibt regelmäßig. Mal in Richtung Euphorie, mal in Richtung Panik.
Der Schlüssel
Wer dazu in der Lage ist, die Panik für sich zu nutzen, könnte dafür fürstlich belohnt werden.
Die letzte Gelegenheit dafür gab es im April 2025, doch die wenigsten dürften sie genutzt haben. Denn kaum jemand ist dazu in der Lage, mitten im Chaos auch wirklich und obendrein reihenweise den Kaufbutton zu drücken.
Doch keine Sorge. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sie bald noch eine Gelegenheit bekommen, um dieses Mal auch wirklich zuzuschlagen.
Schauen Sie sich das ganz genau an
Oracle ist ein Paradebeispiel für das, was ich zuvor beschrieben habe. Das Unternehmen wurde zeitweise als großer KI-Gewinner gehandelt. Der Markt entdeckte, dass das Unternehmen mit seiner Cloud-Infrastruktur und seinen Rechenzentren eine wichtige Rolle beim Training von KI-Modellen spielen könnte.
Der Kurs stieg stark und lag am Hoch bei 345 USD. Doch dann drehte das Narrativ erneut. Plötzlich wurde diskutiert, ob Oracle zu viel investieren würde und ob OpenAI den gigantischen Verpflichtungen nachkommen könne.
Selbst eine mögliche Insolvenz von Oracle wurde in den Medien diskutiert.
Kaum etwas davon dürfte in 6 – 12 Monaten noch irgendjemanden interessieren, denn zu diesem Zeitpunkt wird in irgendeiner anderen Branche gerade die Welt untergehen. Keine Sorge, es wird sich eine finden lassen. Es lässt sich immer eine finden.
Oracle wird in dieser Zeit mehrfach Quartalszahlen vorlegen, die offenbaren werden, ob das Unternehmen wirklich den Bach runtergeht oder nicht.
Das jüngste Quartal sah nicht nach Untergang aus. Der Gewinn lag mit 1,79 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 1,70 USD. Mit einem Umsatz von 17,2 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 16,9 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 22 % und einem Gewinnsprung um 21 %.
Ist Oracle dem Untergang geweiht?
Dazu haben nahezu alle Konzernsparten beigetragen. NetSuite Cloud ERP verzeichnete ein Wachstum von 14 %, Fusion Cloud ERP 17 %, Cloud Application 13 % und Cloud Database 35 %.
Oracle wächst also auch abseits vom allseits zitierten Infrastruktur-Geschäft, welches ein Umsatzplus um 84 % auf 4,9 Mrd. USD verzeichnet hat und inzwischen fast ein Drittel des Konzerngeschäfts ausmacht.
Auf den Auftragsbestand muss man nicht weiter eingehen, denn er hat inzwischen kaum noch eine Aussagekraft. Was bedeutet es schon, wenn man einen langfristigen Auftragsbestand von 553 Mrd. USD hat, wenn ein Großteil davon an OpenAI hängt und unklar ist, ob OpenAI jemals auch alles abnehmen und zahlen kann, was bestellt wurde?
Die Bären sollten bei dieser Argumentationslinie allerdings auch Vorsicht walten lassen. Denn man sollte nicht vergessen, dass OpenAI keineswegs der einzige Kunde ist. Die Nachfrage ist auch abseits von OpenAI enorm und übersteigt das Angebot bei Weitem.
Das Argument zieht nicht
Dasselbe gilt für die Kritik an den hohen Investitionen. Würden sie sich nicht auszahlen, würde der operative Cashflow nicht stetig steigen. In den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte der operative Cashflow von 14,66 auf 17,3 Mrd. USD gesteigert werden.
Und da es alles doch nicht ganz so schlecht läuft, hat Oracle eine aufsehenerregende Umsatzprognose vorgelegt.
Im laufenden Geschäftsjahr, das nur noch bis Ende Mai läuft, wird ein Umsatz von 67 Mrd. USD erwartet und im kommenden Geschäftsjahr 90 Mrd. USD. Damit dürfte bisher niemand gerechnet haben, denn die Konsensschätzungen lagen bei 85 Mrd. USD.
Darüber hinaus kommen wohl Massenentlassungen auf uns zu. Presseberichten zufolge könnte Oracle bis zu 45.000 Mitarbeiter entlassen, was mehr als einem Viertel der Belegschaft entsprechen würde.
An der Börse wird das sicherlich gut ankommen, ein Grund zur Freude ist es aus meiner Sicht nicht.
Mehr zum Thema finden Sie hier:
Die ersten Massenentlassungen durch KI: Block streicht 40 % der Stellen

Gelingt jetzt ein Anstieg über 175 USD, kommt es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 195 und 215 – 220 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 140 USD, muss mit weiteren Kursverlusten in Richtung 127 und 100 – 105 USD gerechnet werden.
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