Während Kritiker über sinkende Marktanteile diskutieren, sichert sich Nvidia Megadeals und erschließt neue Geschäftsfelder.
Nvidia unter Druck?
In den letzten Monaten wurde intensiv darüber spekuliert, ob Nvidia im Kerngeschäft mit GPUs unter Druck gerät. Große Cloud-Anbieter wie Amazon entwickeln eigene KI-Beschleuniger. Auch Microsoft und Google investieren Milliarden in proprietäre Chips. Die Sorge: Nvidia könnte Marktanteile im GPU-Geschäft verlieren, wenn Hyperscaler ihre Abhängigkeit reduzieren.
Diese Diskussion greift zu kurz und ist von Schlagzeilen getrieben. Die Sachlage ist aus meiner Sicht eine andere.
Es ist richtig, dass Amazon mit den hauseigenen Trainium-Chips ein massiver Durchbruch gelungen ist und dass Microsoft und Google ebenfalls eigene KI-Chips entwickelt haben.
Inzwischen werden mit diesen Chips Milliarden umgesetzt. Amazon hat den annualisierten Umsatz der Trainium-Familie zuletzt auf mehr als 10 Mrd. USD beziffert.
Dadurch entsteht bei den Hyperscalern ein neuer Geschäftsbereich. Nvidia ist dadurch aus meiner Sicht jedoch nicht in Gefahr und bildet nach wie vor das Rückgrat der KI-Revolution.
GPU-Krieg, CPU-Angriff – Wie Nvidia sein Imperium ausbaut
Es ist zwar richtig, dass die Marktanteile von Nvidia sinken dürften, doch welche Rolle spielt es, wenn der Marktanteil von 90 auf 80 % sinkt, während sich der Umsatz in der Branche gleichzeitig vervielfacht? Das ist das aktuell wahrscheinlichste Szenario.
Und während die Bären seit Jahren von der KI-Blase sprechen und Nvidia als maßlos überbewertet bezeichnen, fährt der Zug einfach weiter.
Die Realität ist, dass der Gewinn von Nvidia seit 2022 von 9,75 auf 72,88 Mrd. USD explodiert ist.
Und während die Bären neuerdings die mögliche Erosion am GPU-Markt bemühen, setzt sich das Wachstum ungebremst fort.
Gleichzeitig baut Nvidia die nächsten Geschäftsfelder auf. Der Konzern greift nun offensiv das CPU-Segment an – ein Markt, der jahrzehntelang von Intel und Advanced Micro Devices dominiert wurde. Und das nicht mit Ankündigungen, sondern mit konkreten Großaufträgen.
Den Markt verstehen
Um die Tragweite zu verstehen, lohnt ein kurzer Blick auf die Grundlagen. Eine CPU, die Central Processing Unit, ist das universelle Rechenzentrum eines Computers. Sie verarbeitet sequenziell unterschiedlichste Aufgaben, steuert Betriebssysteme und Anwendungen. Flexibel, vielseitig, unverzichtbar.
Eine GPU, die Graphics Processing Unit, wurde ursprünglich für Grafikberechnungen entwickelt. Ihr Aufbau erlaubt es, tausende Rechenkerne parallel einzusetzen. Genau diese Parallelität macht sie ideal für KI-Modelle, bei denen enorme Datenmengen gleichzeitig verarbeitet werden müssen. In der Welt der künstlichen Intelligenz ist die GPU daher zum Arbeitstier geworden.
Nvidia hat diese Entwicklung früh erkannt und GPUs konsequent für KI optimiert. Das Ergebnis: Der Konzern gilt heute als Goldstandard für KI-Infrastruktur. Doch Nvidia verkauft längst nicht mehr nur Chips. Das Unternehmen liefert komplette Systemarchitekturen aus Hardware, Netzwerktechnik und Software.
Diese vertikale Integration schafft Eintrittsbarrieren, die Wettbewerber nur schwer überwinden können. Das gilt umso mehr, da das Unternehmen schlichtweg die leistungsfähigsten Chips anbietet.
Facebook setzt voll auf Nvidia
Wie mächtig dieses Modell ist, zeigt nun ein neuer Megadeal mit Meta Platforms, dem Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp. Meta steht bereits für rund neun Prozent des Nvidia-Umsatzes. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich das Einkaufsvolumen auf etwa 19 Milliarden US-Dollar.
Doch das dürfte erst der Anfang sein. Bis 2028 sollen bis zu 600 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der US-Infrastruktur fließen. Geplant sind rund 30 Rechenzentren.
Die Partnerschaft geht deutlich über bisherige Lieferbeziehungen hinaus. Meta wird Systeme auf Basis der aktuellen Blackwell-Generation einsetzen und plant bereits mit der kommenden Architektur namens Vera Rubin.
Noch entscheidender ist jedoch ein anderer Punkt: Erstmals will Meta Nvidias Grace-Prozessoren als eigenständige CPUs in großem Stil betreiben. Nicht gekoppelt an GPUs im selben Server, sondern als Herzstück kompletter Systeme.
Damit dringt Nvidia in das klassische CPU-Terrain vor. Die Grace-CPU ist speziell für Rechenzentren konzipiert und auf Energieeffizienz getrimmt.
Für Nvidia ist das mehr als ein weiterer Großauftrag. Es ist ein Beweis für die Stärke des Plattformansatzes. Der Konzern liefert GPUs, CPUs, Netzwerktechnologie und Sicherheitslösungen für KI-Funktionen. Alles aus einer Hand.
Diese enge Verzahnung von Hardware und Software schafft ein Ökosystem mit enormer Kundenbindung.
Fazit:
Die massiven Investitionen in KI werden sich noch Jahre fortsetzen. Gerade erst hat Amazon Investitionen in Höhe von 200 Mrd. USD angekündigt, Google nimmt etwa 180 Mrd. USD in die Hand und bei Microsoft dürften es mindestens 120 Mrd. USD werden – und das nur in diesem Jahr.
Meta will bis 2028 bis zu 600 Mrd. USD in die eigene Infrastruktur investieren.
Um das einordnen zu können: Nvidia hat in den letzten 12 Monaten einen Umsatz von 165 Mrd. USD erzielt.
Ein bedeutender Teil dieser Investments wird bei Nvidia landen und das Geschäft in den kommenden Jahren befeuern. Doch das gilt nicht nur für Nvidia – im Endeffekt bedeuten diese Ankündigungen, dass weite Teile der Hardware-Branche mit einer gigantischen Nachfrage rechnen können.

Wer GPUs und CPUs kauft, benötigt auch etliche andere Teile. Arbeitsspeicher, Motherboards, Stromversorgung, Kühlsysteme, Netzwerktechnik und vieles mehr.
Wer schon länger mitließt, wird sich vielleicht noch daran erinnern. Schon vor Jahren hatte ich immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich um keine Blase handelt und dass das Thema Substanz hat.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen





