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Der 83-Milliarden-Dollar-Deal ist geplatzt. Das könnte für Netflix der Startschuss für die nächste Rally sein.
Manchmal ist der beste Deal der, den man nicht macht
In den letzten beiden Analysen hatte ich die mögliche Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Netflix kritisch durchleuchtet – und ein Scheitern des Deals als Wunschszenario aufgezeigt. Jetzt ist genau das passiert.
Der Deal wäre mit 83 Milliarden Dollar nicht nur teuer gewesen, er hätte auch eine ganze Reihe von Risiken mit sich gebracht. Angefangen bei Integrationsproblemen, einer fraglichen Monetarisierung, wegfallenden Aktienrückkäufe und vielem mehr.
Vor diesem Hintergrund sehe ich das Scheitern der Übernahme klar positiv. Netflix ist aus eigener Kraft stark genug – finanziell, operativ und strategisch. Ein riskanter Mega-Deal war dafür nicht notwendig.
Das einzige gute Argument für diese Übernahme war aus meiner Sicht die Zersplitterung des Streaming-Marktes. Es gibt schlichtweg zu viele Anbieter. Je weniger es gibt, umso besser ist es für die Verbliebenen.
Für Netflix könnte es jetzt zu einer Art Goldilocks-Szenario kommen: Die Zahl der Anbieter sinkt durch die wohl bevorstehende Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount und Netflix muss weder die finanziellen noch die operativen Risiken der Konsolidierung innerhalb der Branche tragen.
Das Sahnehäubchen
Warner Bros. Discovery hat offiziell festgestellt, dass ein überarbeitetes Angebot von Paramount Skydance Corporation ein sogenanntes Company Superior Proposal ist – also ein besseres Angebot als der bestehende Fusionsvertrag mit Netflix.
Am 26. Februar 2026 teilte WBD Netflix mit, dass das neue Angebot von Paramount Skydance aus Sicht des Boards besser ist.
Laut Fusionsvertrag hätte Netflix nun mindestens vier Werktage Zeit gehabt, um nachzubessern oder ein besseres Gegenangebot vorzulegen.
Netflix hat jedoch freiwillig auf dieses Recht verzichtet – und ausdrücklich erklärt, dass es keine Anpassung seines Angebots vornehmen wird.
Netflix hat sich bewusst entschieden, nicht in einen Bieterwettkampf einzusteigen.
Am 27. Februar 2026 hat WBD daraufhin den Fusionsvertrag mit Netflix ordnungsgemäß beendet, um den Deal mit Paramount Skydance abzuschließen.
Gleichzeitig wurde die vertraglich vereinbarte Break-up-Fee in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar an Netflix gezahlt.
Für Netflix hätte die Geschichte aus meiner Sicht nicht besser ausgehen können. Warner war von vornherein ein fragwürdiges Übernahmeziel. Jetzt ist die Sache vom Tisch und obendrein kassiert das Unternehmen 2,8 Milliarden Dollar.
Fokus auf die operative Realität
Damit verschiebt sich die Diskussion komplett, weg von der Übernahme, hin zur operativen Realität.
Und diese Verschiebung dürfte maßgeblich zum Kurssprung am Freitag beigetragen haben.
Denn so manch ein Anleger hat nach der Absage an Warner wohl nochmal einen Blick in den Geschäftsbericht geworfen – und der kann sich sehen lassen.
Der Gewinn lag mit 0,56 USD je Aktie knapp über den Erwartungen von 0,55 USD. Mit einem Umsatz von 12,05 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 12,00 Mrd. USD ebenfalls leicht übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 17,6 % und einem Gewinnsprung um 30,2 %.
Daher hatte ich in den letzten beiden Analysen folgendes Fazit gezogen und bleibe dabei: Die operative Entwicklung ist solide. Zuletzt hat sich die Wachstumsdynamik sogar verbessert.
Für mich bestätigt sich damit aber auch eine andere Einschätzung: Netflix braucht Warner nicht.
Ausblick und Bewertung
Für das erste Quartal stellt Netflix einen Umsatz von 12,16 Mrd. USD und einen Gewinn von 0,76 USD je Aktie in Aussicht.
Auf Jahressicht entspräche das einem Umsatzplus von 15 % und einem Gewinnsprung um 15 %.
Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis in diesem Jahr um 24 % auf 3,14 USD je Aktie steigen.
Netflix kommt demnach auf eine forward P/E von 30,6. Das ist in Anbetracht der vorliegenden Wachstumsraten vertretbar. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 44.
Aus Anlegersicht ist zu hoffen, dass Netflix jetzt keine anderen Übernahmeziele sucht, sondern sich wieder auf sich selbst konzentriert.
In diesem Szenario ist mit einer Wiederaufnahme von Aktienrückkäufen zu rechnen, die das Ergebnis zusätzlich befeuern könnten.

Als Reaktion auf die Neuigkeiten ist der Kurs von Netflix am Freitag um 13,77 % auf 96,24 USD gestiegen.
Aktuell notiert die Aktie vorbörslich bei 94,42 USD. In den kommenden Tagen ist mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen.
Mit dem Ausbruch über 93,50 USD wurde ein Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 100 und 104 USD ausgelöst. Darüber rücken Kursziele bei 110 und 114 USD in den Fokus.
Fällt Netflix unter 93,50 USD zurück, sind erneute Verluste in Richtung 85–87 USD denkbar.
Quellenangaben:
www.nasdaq.com/articles/netflix-receives-28-bln-termination-fee-paramount-warner-bros-ends-merger-deal
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