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Während Anleger über KI-Kosten und hohe Investitionen diskutieren, entsteht bei Microsoft möglicherweise eine seltene Chance.
Jeder kennt das Sprichwort: „Alle Wege führen nach Rom.“ An der Börse stimmt das nicht, aber zumindest führen viele Wege nach Rom. Es gibt eine ganze Reihe von erfolgreichen Strategien.
Man fährt beispielsweise sehr gut damit, Aktien zu kaufen, die über längere Zeit den Fundamentaldaten hinterherhinken. Im Idealfall steigen die Gewinne dynamisch, während der Kurs gleichzeitig auf der Stelle tritt.
Warum Microsoft jetzt interessant sein könnte
Damit erreicht man zwei Dinge: Steigt der Gewinn dynamisch, steckt das Unternehmen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht in Schwierigkeiten. Ist der Kurs trotz steigender Gewinne seit einiger Zeit nicht gestiegen, liegt in der Regel eine relative Unterbewertung vor.
Relative Unterbewertung bedeutet, dass die Aktie in der Regel höher bewertet wird und in der jüngeren Vergangenheit wurde.
Dieses System ist alles andere als perfekt, aber ein äußerst guter Startpunkt. Microsoft könnte so ein Fall sein.
Im faktisch bereits abgeschlossenen Geschäftsjahr (6/2026) dürfte der Gewinn um 23 % auf 16,76 USD je Aktie gestiegen sein und der Kurs ist zufälligerweise um etwa 23 % gefallen (22,47 %).
Dadurch ist die Blended P/E innerhalb von zwölf Monaten von etwa 36,5 auf 23,0 gesunken.
Der Blended P/E setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zu dem Gewinn der letzten beiden Quartale und dem erwarteten Gewinn der nächsten beiden Quartale. Die Kennzahl dient als Momentaufnahme der aktuellen Lage.
Zufälle. Alles nur Zufälle.
Inzwischen notiert Microsoft auf dem Niveau von Anfang 2024. Interessanterweise lag die Blended P/E damals ebenfalls bei 36,5. Dasselbe gilt für die zyklischen Hochs von 2021 und 2024. In allen Fällen lag die P/E am Top zwischen 35 und 40.
Umgekehrt lässt sich ein ähnliches Phänomen erkennen. An allen relevanten Tiefs von 2020, 2022 und 2025 lag die Blended P/E von Microsoft zwischen 23 und 28. Man könnte fast auf die Idee kommen, dass die Bewertung von Aktien eine Rolle spielt und dass viele Aktien im Zeitverlauf in einem gewissen Korridor schwanken.
Während diese gewagte These im Raum steht, dreht sich das Rädchen bei Microsoft unbeeindruckt weiter. Ob die P/E nun bei 23, 30 oder 40 liegt, ändert an dem Tagesgeschäft des Großkonzerns wenig.
Im letzten Quartal (Q3) lag der Gewinn mit 4,27 USD je Aktie über den Erwartungen von 4,06 USD. Mit einem Umsatz von 82,9 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 81,2 Mrd. USD ebenfalls deutlich übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 18 % und einem Gewinnsprung von 21 %.
Der operative Cashflow verbesserte sich um 28 % auf 46,7 Mrd. USD.
KI-Geschäft boomt
Zum Wachstum haben nahezu alle Sparten beigetragen. Der Bereich Productivity and Business Processes verzeichnete ein Umsatzplus um 17 % auf 35,0 Mrd. USD und Intelligent Cloud konnte um 30 % auf 34,7 Mrd. USD zulegen.
Die kleinste Sparte Personal Computing (v.a. Windows und Xbox) verzeichnete hingegen einen Umsatzrückgang um 1 % auf 13,2 Mrd. USD.
Schlüsselt man die einzelnen Konzernbereiche weiter auf, verstärkt sich dieses Bild. Das Wachstum findet auf breiter Front und in nahezu allen Segmenten statt.
Der größte Wachstumstreiber ist aber natürlich das KI-Geschäft. Der annualisierte Umsatz liegt inzwischen bei 37 Mrd. USD und konnte auf Jahressicht um 123 % gesteigert werden.
Microsoft hat bislang noch keinen Ausblick für das seit Anfang Juli laufende Geschäftsjahr veröffentlicht. Das dürfte voraussichtlich mit der Veröffentlichung der Zahlen zum Schlussquartal am 28. oder 29. Juli geschehen.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 16 % auf 19,42 USD je Aktie steigen. Sollte das eintreffen, würde die P/E von Microsoft dadurch auf 19,9 sinken.
Im langjährigen Durchschnitt liegt die P/E bei 29.
Natürlich ist Microsoft trotz der vergleichsweise niedrigen Bewertung kein Selbstläufer. Der Markt wird weiterhin genau beobachten, ob die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz tatsächlich die erwarteten Renditen liefern werden. Entscheidend wird sein, ob aus den Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und KI-Dienste dauerhaft zusätzliches Wachstum entsteht – und vor allem auch Cashflow und Gewinn.

Microsoft ist zum oberen Aufwärtstrend zurückgekommen und scheint dort auf Interesse zu stoßen. Gelingt jetzt ein nachhaltiger Ausbruch über das Widerstandsband bei 387–390 USD, kommt es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 400–410 und 425–435 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 375 USD, könnte das erneute Kursverluste in Richtung 357 oder 347 USD einleiten.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 07.07.2026 um 15:50 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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