Mensch und Maschine hat 10 Rekordjahre in Folge hinter sich. Das Geschäft scheint blendend zu laufen, die Aktie jedoch nicht.
Ein europäischer Hidden Champion mit globaler Präsenz
Mensch und Maschine (MUM) ist einer der führenden Entwickler von Computer Aided Design, Manufacturing und Engineering (CAD/CAM/CAE), Product Data Management (PDM) und Building Information Modeling/Management (BIM) mit rund 75 Standorten in ganz Europa sowie in Asien und Amerika.
Das Geschäftsmodell gliedert sich in die beiden Segmente MuM-Software (Standardsoftware für CAM, BIM und CAE) und Digitalisierung (kundenspezifische Digitalisierungs-Lösungen, Schulung und Beratung für Kunden aus Industrie, Bauwesen und Infrastruktur).
Auf die beiden Segmente entfällt jeweils etwa die Hälfte der Konzernumsätze, MuM Software erzielt jedoch fast drei Viertel des Gewinns (EBIT).
Die Anwendungen des Unternehmens finden in einer Vielzahl von Industriezweigen Anwendung, darunter Maschinenbau, Architektur/Bau, Infrastruktur, Elektrotechnik, Anlagenbau, Datenmanagement und so weiter.
Mensch und Maschine ist breit aufgestellt und gut diversifiziert, selbst auf den größten Kunden entfällt weniger als 1 % des Umsatzes.
Der größte Kritikpunkt am Unternehmen ist seit jeher die Abhängigkeit von Autodesk, daher hat Mensch und Maschine konsequent darauf hingearbeitet, sie zu reduzieren.
Heute entfällt weniger als 20 % der Konzern-Wertschöpfung auf den Autodesk-Wiederverkauf. Das einstige Kerngeschäft wurde längst durch eigene Produkte abgelöst.
Zehn Jahre in Serie
Seit mehr als einer Dekade gab es bei Mensch und Maschine kein Jahr, in dem kein Wachstum verzeichnet wurde, und genauso lange hat man in jedem Jahr einen neuen Rekordgewinn erzielt.
Zehn Rekordjahre in Folge scheinen kein Zufall zu sein, sondern ein erfolgreiches System.
Der Gewinn konnte in dieser Zeit von 0,40 auf 1,91 Euro je Aktie massiv gesteigert werden und dementsprechend war die Aktie auch über weite Strecken ein massiver Outperformer.
In der jüngeren Vergangenheit hat sich der Kurs jedoch vollkommen von der fundamentalen Entwicklung abgekoppelt. Während das Ergebnis weiter gestiegen ist, tendierte die Aktie über Jahre hinweg seitwärts und ist in den letzten Monaten regelrecht unter die Räder gekommen.
Über die Gründe dafür lässt sich nur spekulieren, denn operativ zeigt der Trend klar aufwärts.
Vermutlich hat die Furcht vor einer Disruption durch KI in den letzten Monaten Druck auf den Kurs ausgeübt. Ein weiterer Grund dürfte die Charttechnik sein. Sinkende Kurse provozieren sinkende Kurse und üben mentalen Druck auf die Aktionäre aus, die irgendwann aus Frust und Ungeduld die Reißleine ziehen.
Wenn Fundamentaldaten und Kurs auseinanderlaufen
Hinzu kommt eine Umstellung des Geschäftsmodells. Früher hat das Unternehmen Software wie die von Autodesk selbst eingekauft und anschließend an Kunden weiterverkauft, wodurch es klassische Handelsmargen erzielt hat.
Bedeutet im Klartext: viel Umsatz, wenig Gewinn.
Dieses Modell wird nun schrittweise durch ein Provisionsmodell ersetzt. In diesem neuen Modell verkauft Mensch und Maschine die Autodesk-Produkte nicht mehr in eigenem Namen. Stattdessen schließt der Kunde den Vertrag direkt mit Autodesk ab, während Mensch und Maschine weiterhin den Vertrieb und die Beratung übernimmt. Dafür erhält das Unternehmen eine Provision.
Diese Umstellung führt dazu, dass der ausgewiesene Umsatz deutlich sinkt, weil die durchlaufenden Softwareerlöse wegfallen. Gleichzeitig reduziert sich aber auch der dazugehörige Aufwand, sodass die Marge auf den verbleibenden Umsatzanteilen tendenziell steigt.
Bedeutet im Klartext: weniger Umsatz, aber derselbe oder potenziell sogar mehr Gewinn.
An der Börse scheint das nicht verstanden zu werden. Anders ist der Kursverfall kaum zu erklären.
Umsatzillusion vs. Gewinnrealität
Inzwischen ist diese Übergangsphase abgeschlossen, wodurch die zugrundeliegenden Trends wieder sichtbar werden. Es ist anzunehmen, dass der Groschen an der Börse ebenfalls langsam fallen wird.
Am 21. April hat das Unternehmen ein Update zum ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt.
Der Umsatz konnte um 8,4 % auf 71,6 Mio. Euro gesteigert werden. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität verbessert, das EBIT konnte um 13,7 % auf 18,3 Mio. Euro gesteigert werden.
Das Ergebnis verbesserte sich sogar um 16 % auf 0,73 Euro je Aktie und erreichte damit den höchsten Quartalswert aller Zeiten.
Der operative Cashflow konnte um 91 % auf 19,1 Mio. Euro gesteigert werden, was 1,17 Euro je Aktie entspricht.
Ausblick und Bewertung
MuM-Gründer/Chairman Adi Drotleff und CFO Markus Pech zeigten sich zufrieden: „Auf der Basis des starken Jahresstarts und der reduzierten Kostenbasis behalten wir die Ziele für das laufende Geschäftsjahr 2026 unverändert bei, also +11 – 19 % auf 211 – 226 Cent beim EPS bzw. EUR 54,5 – 58,5 Mio beim EBIT und planen 220 – 240 Cent Dividende nach 200 Cent für 2025.“
Da das Unternehmen im ersten Quartal bereits 0,73 Euro je Aktie verdient hat und Q1 häufig das schwächste und Q4 das stärkste Quartal im Jahr ist, kann man den Ausblick als zurückhaltend konservativ bezeichnen.
Darüber hinaus dürfte der operative Cashflow über dem gemeldeten Gewinn liegen.
Selbst wenn man diesen Punkt ignoriert, kommt Mensch und Maschine auf ein KGVe von 17,5 und eine Dividendenrendite von 5,8 %.
Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV bei 37 und in den letzten fünf Jahren bei 35,8.
Die Hauptversammlung findet voraussichtlich am 12. Mai statt. Die Ausschüttung dürfte unmittelbar danach erfolgen.

Die jüngsten Quartalszahlen scheinen an der Börse gut anzukommen. Als Reaktion darauf ist der Kurs um knapp 5 % auf 39,45 Euro gestiegen. Damit hat sich der positive Trend der letzten Woche fortgesetzt.
Gelingt jetzt ein Ausbruch über das Widerstandsband bei 40,00 – 40,50 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 45 und 47,50 – 49,00 Euro.
Fällt die Aktie jedoch unter 37,50 Euro zurück, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.
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