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Marvell Technology Aktie Prognose Marvell mit Kurssprung. Relative Stärke trotz unruhigem Marktumfeld

News: Aktuelle Analyse der Marvell Technology Aktie

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Der renommierte Börsenjournalist Achim Mautz ist professioneller Day- und Swingtrader mit besonderem Fokus auf die US Märkte. Außerdem ist er Vorstand des Börsenclubs ratgebergeld.at und gerichtlich beeidigter Sachverständiger für den Bereich Wertpapierdienstleistungen in Österreich. Seit über 10 Jahren ist er für den Online-Broker LYNX als Börsenexperte tätig und wird unter anderem für seine täglichen Wertpapieranalysen in unserem Börsenblick geschätzt.

Vorherige Analysen der Marvell Technology Aktie

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 06.03.2026 um 15:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Ein zweistelliger Kurssprung vorbörslich und ambitionierte Wachstumsziele. Marvell könnte vor dem entscheidenden Kapitel seiner Geschichte stehen.

Das Unternehmen hat am Donnerstag nachbörslich Quartalszahlen vorgelegt. Es dürfte jedoch der Ausblick gewesen sein, der den Kurssprung ausgelöst hat.

Der große Wandel in der Chipindustrie

Die Halbleiterindustrie befindet sich im Umbruch. Jahrzehntelang dominierten universelle Chips wie CPUs und GPUs, die möglichst viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen sollten. Mit dem Aufstieg der künstlichen Intelligenz verschiebt sich der Fokus jedoch zunehmend auf spezialisierte Lösungen.

Das US-Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Entwicklern komplexer Halbleiterlösungen und hat sich insbesondere auf sogenannte Application-Specific Integrated Circuits, kurz ASICs, spezialisiert. Diese Chips werden nicht für eine breite Palette von Anwendungen gebaut, sondern gezielt für eine bestimmte Aufgabe optimiert. Während klassische Prozessoren flexibel sein müssen, verfolgen ASICs ein anderes Ziel: maximale Effizienz bei einer klar definierten Funktion.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Ein speziell entwickelter Chip kann deutlich schneller arbeiten und benötigt zugleich weniger Energie als ein universeller Prozessor, der für viele Szenarien ausgelegt ist.

Lange Zeit blieb der Einsatz von ASICs auf Nischen beschränkt. Mit dem Boom der künstlichen Intelligenz hat sich das grundlegend geändert. Training und Betrieb moderner KI-Modelle erfordern enorme Rechenkapazitäten. Gleichzeitig explodieren die Energiekosten in großen Rechenzentren. Genau dieser Druck treibt die Nachfrage nach maßgeschneiderten Chips.

Maßgeschneiderte Chips als Schlüssel

Inzwischen setzen nahezu alle Hyperscaler auf ASICs. Dazu hat Marvell strategische Partnerschaften mit Amazon, Microsoft, Google und Meta geschlossen – selbst Nvidia hat angeklopft.

Im Endeffekt steht die gesamte Branche vor derselben Herausforderung: Es soll maximale Rechenleistung bei minimalen Kosten und möglichst geringem Energieverbrauch erreicht werden. Maßgeschneiderte ASICs sind dafür die ideale Lösung.

Allerdings ist die Entwicklung solcher Chips extrem komplex. Sie erfordert jahrzehntelange Erfahrung im Chipdesign, enorme Investitionen und eine hochspezialisierte Infrastruktur, über die selbst große Technologiekonzerne nicht immer verfügen
Marvell gehört zu der Handvoll Unternehmen, die dazu in der Lage sind. In vielen Fällen hält Marvell auch die Patente für Schlüsseltechnologien.

Partnerschaften mit Amazon, Microsoft, Google und Meta

Für die Cloudplattform Amazon Web Services entwickelt Marvell maßgeschneiderte KI-Beschleunigerchips mit dem Namen Trainium.
Dabei handelt es sich um einen ASIC, der speziell für das Training großer KI-Modelle ausgelegt ist, etwa für Sprachmodelle, Bilderkennung oder generative KI.

Zuletzt gab es immer wieder Gerüchte, wonach Amazon einen neuen strategischen Partner sucht. JPMorgan geht nicht davon aus, dass das der Fall ist (Quelle). Darüber hinaus laufen die derzeitigen Verträge noch bis Ende 2029 (Quelle).

Auch mit Microsoft arbeitet Marvell eng zusammen. Für die Cloudplattform Microsoft Azure entwickelt das Unternehmen den Maia-ASIC. Dieser Chip ist ebenfalls ein KI-Beschleuniger und wird für Training und Inferenz großer KI-Modelle eingesetzt.

Ein weiteres Beispiel ist die Kooperation mit Google. Hier entwickelt Marvell unter anderem den Axion-Prozessor. Dabei handelt es sich nicht primär um einen klassischen KI-Beschleuniger, sondern um eine speziell entwickelte Server-CPU für Rechenzentren von Google Cloud.

Neben diesen drei großen Projekten arbeitet Marvell laut Branchenangaben auch mit weiteren Hyperscalern zusammen, etwa an neuen Generationen von KI-Beschleunigern oder spezialisierten Netzwerk- und Infrastrukturchips für Rechenzentren. Insgesamt betreibt das Unternehmen inzwischen mehr als ein Dutzend aktiver Custom-Chip-Programme mit großen Cloudanbietern und neuen KI-Plattformen.

Derartige Kooperationen sind auf Jahre angelegt, denn so lange dauert es schlichtweg, einen neuen Chip zu entwickeln, zu testen und dann die Produktion hochzufahren.

Jetzt werden die Früchte geerntet

Die ersten durchschlagenden Resultate dieser Kooperationen sind im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr sichtbar geworden.

Im vierten Quartal lag der Gewinn mit 0,80 USD je Aktie über den Erwartungen von 0,78 USD. Mit einem Umsatz von 2,22 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 2,20 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.

Das wirkt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, doch im gesamten Geschäftsjahr wurde ein Umsatzsprung von 5,77 auf 8,19 Mrd. USD erzielt.
Gleichzeitig hat sich die operative Marge von 28,9 % auf 35,3 % spürbar verbessert, was nahezu zu einer Verdopplung des Gewinns von 1,57 auf 2,84 USD je Aktie geführt hat.

Für das erste Quartal stellt Marvell einen Umsatz von 2,28 – 2,52 Mrd. USD und einen Gewinn von 0,74 – 0,84 USD je Aktie in Aussicht.
Auf Jahressicht entspräche das einem Umsatzplus von 25 – 39 % und einem Gewinnsprung um 23 – 40 %.

Für das gesamte, im Februar angebrochene Geschäftsjahr stellt Marvell einen Anstieg der Umsätze von 8,19 auf etwa 11 Mrd. USD in Aussicht.
Sollte das Ergebnis im selben Umfang zulegen, würde das einem Gewinnsprung von 34 % auf 3,80 USD je Aktie entsprechen.

Marvell käme demnach, bezogen auf den gestrigen Schlusskurs von 75,68 USD, auf eine forward P/E von 19,9.

Ambitionierte Ziele

„Wir erwarten, dass sich das Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr im Geschäftsjahr 2027 von Quartal zu Quartal weiter beschleunigt. Treiber dafür ist vor allem die anhaltende Stärke unseres Rechenzentrums-Geschäfts. Gleichzeitig steigen die Auftragseingänge weiterhin in Rekordtempo,“ sagte der CEO von Marvell Technology sinngemäß.

(„We expect year-over-year revenue growth to accelerate each quarter in fiscal 2027, driven by continued strength in our data center business, with bookings continuing to grow at a record pace.“)

Der Vorstand hatte aber noch mehr in Petto. Für das kommende Geschäftsjahr peilt Marvell einen Umsatz von 15 Mrd. USD und einen Gewinn von über 5 USD je Aktie in Aussicht.
(„fiscal year 2028 revenue to approach $15B and non‑GAAP EPS projected to be well over $5“ – Anmerkung: Das Geschäftsjahr 2028 endet im Januar 2028)

Um das zu erreichen, müsste das Ergebnis nicht nur in diesem Jahr um 34 % zulegen, sondern auch im nächsten Geschäftsjahr.

Marvell Technology Aktie: Chart vom 06.03.2026, Kurs: 75,68 USD – Kürzel: MRVL | Online Broker LYNX
Marvell Technology Aktie: Chart vom 06.03.2026, Kurs: 75,68 USD – Kürzel: MRVL | Quelle: TWS

Marvell notiert vorbörslich 11 % im Plus bei 84,00 USD. Kann dieser Kurssprung im regulären Handel bestätigt werden, könnte das eine Rallye in Richtung 89,50 – 95,00 USD einleiten.

Fällt die Aktie jedoch unter 77 USD, haben die Bullen ihre Chance vertan und es muss mit erneuten Kursverlusten bis zu den Aufwärtstrends gerechnet werden.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Marvell Technology hat eine beeindruckende Kursrallye hingelegt. Doch ist das erst der Anfang einer Wachstumsstory?

ASICs – Die neue Waffe im KI-Wettlauf

Im Jahresverlauf hatte ich mich bereits zweimal positiv zu Marvell Technology geäußert.
Das Geschäft läuft seit geraumer Zeit blendend, doch an der Börse wurde das zeitweise nicht angemessen honoriert (Marvell: Starkes Quartal, schwacher Kurs, große Gelegenheit?).

Inzwischen hat die Aktie jedoch Fahrt aufgenommen und der Kurs ist von etwa 60 auf 98 USD gestiegen.
Nach Kursgewinnen in dieser Größenordnung in relativ kurzer Zeit, stellt sich unweigerlich die Frage, ob langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Marvell ist einer der weltweit führenden Hersteller von Halbleiterchips, vor allem ASICs.

Application-Specific Integrated Circuits (ASICs) sind speziell entwickelte Halbleiterchips, die für eine bestimmte Funktion oder Anwendung optimiert sind. Im Gegensatz zu universellen Prozessoren wie CPUs oder GPUs, die für eine Vielzahl von Aufgaben ausgelegt sind, werden ASICs maßgeschneidert, um eine spezifische Aufgabe mit maximaler Effizienz auszuführen.

Bisher haben ASICs eine untergeordnete Rolle gespielt, doch das hat sich spätestens durch KI geändert.

Amazon und Google setzen auf Marvell

Große Technologieunternehmen, sogenannte Hyperscaler wie Amazon, Google, Microsoft und Meta, betreiben riesige Rechenzentren, die enorme Mengen an Daten verarbeiten müssen, insbesondere für KI-Anwendungen wie maschinelles Lernen, Sprachmodelle oder Bilderkennung.

Diese Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Rechenleistung zu maximieren, während sie gleichzeitig die Kosten und den Energieverbrauch minimieren müssen.
ASICs bieten hier eine ideale Lösung, da sie perfekt auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Hyperscalers zugeschnitten werden können.

Obwohl Hyperscaler über beträchtliche finanzielle Ressourcen verfügen, fehlt ihnen oft das spezialisierte Know-how oder die notwendige Infrastruktur, um hochmoderne Chips komplett eigenständig zu entwickeln, da die Entwicklung eines ASIC technisch äußerst anspruchsvoll ist. An diesem kritischen Punkt kommt Marvell Technology ins Spiel.

Marvell entwickelt bereits ASICs für Amazons KI-Beschleuniger, darunter die bekannten Trainium und AWS-Inferentia Chips. Zudem unterstützt Marvell Google bei der Entwicklung maßgeschneiderter CPUs, die sich bereits in Produktion befinden und deren Produktion massiv ausgebaut werden soll.

Jetzt auch noch Microsoft

Im Jahresverlauf konnte Marvell außerdem Microsoft als wichtigen Kunden gewinnen. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit zwei bis vier weiteren großen, nicht offengelegten Hyperscalern zusammen.

Im Klartext bedeutet das, dass alle oder nahezu alle Hyperscaler auf Marvell setzen, um ihre dringend benötigten, spezialisierten KI-Chips zu entwickeln.

Die Entwicklung von Chips kann Jahre in Anspruch nehmen. Die Chips (Maia), die man für Microsoft entwickelt, dürften beispielsweise 2026 auf den Markt kommen und das Wachstum befeuern.
Die gemeinsamen Projekte sind demnach auf Jahre angelegt und werden das Geschäft auf unabsehbare Zeit beflügeln.

Wie stark das Geschäft dadurch befeuert wird, konnte man auch im letzten Quartal wieder beobachten.
Der Gewinn lag mit 0,76 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 0,74 USD. Mit einem Umsatz von 2,08 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 2,06 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 37 % und einem Gewinnsprung von 13 %.

Ausblick und Bewertung

In den ersten neun Monaten konnte der Umsatz von 3,95 auf 5,98 Mrd. USD massiv gesteigert werden. Der Gewinn hat sich von 0,97 auf 2,05 USD je Aktie mehr als verdoppelt.

Den Konsensschätzungen zufolge soll das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 81 % auf 2,84 USD je Aktie steigen.
Marvell kommt demnach auf eine forward P/E von 34,6.

Sollte das Ergebnis im kommenden Jahr wie erwartet auf 3,60 USD je Aktie steigen, würde die P/E dadurch auf 27,3 sinken.
In Anbetracht aller vorliegenden Informationen ist das problemlos vertretbar. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 45,6. Das ist sicherlich hoch gegriffen, zeigt aber die Realität an der Börse.

Marvell Technology Aktie: Chart vom 05.12.2025, Kurs: 98,90 USD - Kürzel: MRVL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Marvell Technology Aktie: Chart vom 05.12.2025, Kurs: 98,90 USD – Kürzel: MRVL | Quelle: TWS

Mit dem Ausbruch über 95 USD wurde ein Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 105 und 110 USD ausgelöst. Darüber rückt das Allzeithoch in den Fokus.

Fällt die Aktie jedoch zeitnah wieder unter 95 USD zurück, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die Diskrepanz zwischen Fakten und dem Kursgeschehen ist faszinierend. Erfolgreiche Investoren müssen das durchschauen.

Kurz vor Quartalszahlen kaufen?

Vergangene Woche hatte ich unmittelbar vor den Quartalszahlen eine Analyse zu Marvell Technologies veröffentlicht:
Wie ein unscheinbarer Chip-Hersteller zur KI-Schaltzentrale werden könnte

Mit einem Kauf direkt vor den Quartalszahlen geht man immer ein gewisses Risiko ein, da es zu Kurskapriolen kommen kann.
Tatsächlich halte ich die Furcht vor einem Investment einige Tage vor einem wichtigen Event für übertrieben – zumindest aus Investorensicht.

Wer über Jahre hinweg investiert ist, muss die mögliche Volatilität von Quartalszahlen und anderen Ereignissen ohnehin tragen. Ob die Quartalszahlen also in 3 Tagen oder in 3 Monaten veröffentlicht werden, macht für mich persönlich keinen Unterschied.

Ebenso wenig sollte man sich von den ersten Kursreaktionen verunsichern lassen. Es kommt immer wieder vor, dass grundsolide oder sehr gute Zahlen vorgelegt werden und der Kurs einbricht.
Wie die Kursreaktion ausfällt, hängt ebenso stark vom aktuellen Marktumfeld ab wie von den nüchternen Fakten.

Teilweise werden Aktien auch nur abverkauft, weil die Erwartungen leicht verfehlt wurden, obwohl das Unternehmen große Fortschritte macht.
Als Beispiel: Der Gewinn lag bei 0,61 USD je Aktie, statt den erwarteten 0,62 USD je Aktie. Der Kurs schmiert ab, obwohl sich der Gewinn auf Jahressicht verdoppelt hat.

Die Börse ist rational und effizient (oder auch nicht)

Etwas ähnliches hat sich auch am vergangenen Freitag ereignet. Der Gewinn von Marvell lag mit 0,62 USD je Aktie über den Erwartungen von 0,60 USD. Mit einem Umsatz von 1,90 Mrd. USD hat man die Analystenschätzungen von 1,88 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 63 % und einem Gewinnsprung um 150 %.

Für das zweite Quartal stellt man einen Umsatz von 2,0 Mrd. USD und ein Ergebnis von 0,62 – 0,67 USD je Aktie in Aussicht.
Damit hat man die bisherigen Erwartungen ebenfalls übertroffen, die Konsensschätzungen für das zweite Quartal lagen bei einem Umsatz von 1,98 Mrd. USD und einem Gewinn von 0,65 USD je Aktie.

Der Kurs ist dennoch um 5,55 % auf 60,19 USD eingebrochen. Damit notiert die Aktie wieder nahezu auf demselben Niveau wie zum Zeitpunkt der letzten Analyse.

Der einzige Unterschied ist, dass man sehr viel sicherer davon ausgehen kann, dass Marvell die extrem hohen Erwartungen an das Geschäftsjahr 2025 erfüllen wird.

Marvell kommt demnach auf eine forward P/E von 21,8. In den letzten fünf Jahren lag die P/E am absoluten Tiefpunkt bei 17,3. Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 32.

Marvell Technologies Aktie: Chart vom 02.06.2025, Kurs: 60,19 USD - Kürzel: MRVL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Marvell Technologies Aktie: Chart vom 02.06.2025, Kurs: 60,19 USD – Kürzel: MRVL | Quelle: TWS

Gelingt ein Ausbruch über 66 USD kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 76-78 und 90 USD.

Fällt die Aktie jedoch unter 60 USD, muss mit einem erneuten Rücksetzer in Richtung 50 USD gerechnet werden.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Ein nahezu unsichtbarer Akteur rückt plötzlich ins Rampenlicht der Tech-Giganten. Amazon, Google und Microsoft setzen auf Marvell.

ASICs: Die neue Geheimwaffe

Marvell Technology ist ein Unternehmen, das vielen Anlegern bislang eher als mittelgroßer Halbleiterhersteller bekannt war, doch diese Wahrnehmung wird dem tatsächlichen Potenzial des Unternehmens nicht länger gerecht.

Marvell ist einer der weltweit führenden Hersteller von Halbleiterchips, vor allem ASICs.

Application-Specific Integrated Circuits (ASICs) sind speziell entwickelte Halbleiterchips, die für eine bestimmte Funktion oder Anwendung optimiert sind. Im Gegensatz zu universellen Prozessoren wie CPUs oder GPUs, die für eine Vielzahl von Aufgaben ausgelegt sind, werden ASICs maßgeschneidert, um eine spezifische Aufgabe mit maximaler Effizienz auszuführen.

Bisher haben ASICs eine untergeordnete Rolle gespielt, doch das hat sich spätestens durch KI geändert.

Diese Spezialisierung führt dazu, dass ASICs weniger Strom verbrauchen, schneller arbeiten und kompakter sind als universelle Chips, die für eine breite Palette von Aufgaben ausgelegt sind.

Die Entwicklung eines ASIC ist ein komplexer und ressourcenintensiver Prozess. Er umfasst die Definition der spezifischen Anforderungen, die Entwicklung des Designs, die Simulation und Validierung sowie die Produktion in einer Halbleiterfabrik (Foundry).

Vom Spezialauftrag zum Milliardenmarkt

Hyperscaler, also die großen Technologieunternehmen wie Amazon, Google, Microsoft und Meta, betreiben riesige Rechenzentren, die enorme Mengen an Daten verarbeiten, insbesondere für KI-Anwendungen wie maschinelles Lernen, Sprachmodelle oder Bilderkennung.

Diese Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Rechenleistung zu maximieren, während sie gleichzeitig die Kosten und den Energieverbrauch minimieren. ASICs bieten hier eine ideale Lösung, da sie speziell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten werden können.

Die Entwicklung eines ASIC ist technisch anspruchsvoll und erfordert spezialisierte Expertise, die nur wenige Unternehmen weltweit bieten können. Hyperscaler wie Amazon oder Microsoft verfügen zwar über beträchtliche Ressourcen, aber oft fehlt ihnen das Know-how oder die Infrastruktur, um hochmoderne Chips komplett eigenständig zu entwickeln.
An dieser Stelle kommt Marvell ins Spiel.

Kooperation mit Amazon, Google und Microsoft

Marvell entwickelt ASICs für Amazons KI-Beschleuniger, darunter den Trainium2-Chip für das Training von KI-Modellen und den AWS-Inferentia3-Chip für KI-Inferenz, die 2025 an Fahrt gewinnen werden.

Marvell unterstützt Google bei der Entwicklung von maßgeschneiderten CPUs, die bereits in Produktion gehen und in den kommenden Jahren weiter skalieren werden.

Marvell hat kürzlich einen bedeutenden Auftrag von Microsoft gewonnen, der voraussichtlich größer ist als die Projekte mit Amazon und Google zusammen. Dieser Chip, basierend auf 3-Nanometer-Technologie und HBM4-Speicher, wird 2025 und 2026 stark ausgebaut, um Microsofts Rückstand im Bereich maßgeschneiderter KI-Chips aufzuholen.

Darüber hinaus arbeitet Marvell mit zwei bis vier weiteren großen, nicht offengelegten Hyperscalern zusammen, deren Projekte in den Jahren 2025 bis 2026 starten und erhebliches Wachstumspotenzial bieten.

Im Klartext bedeutet das, dass alle oder nahezu alle Hyperscaler eine Kooperation mit Marvell eingegangen sind, um Chips zu entwickeln.
Die ersten Resultate dieser Zusammenarbeit sind in der zweiten Jahreshälfte 2024 auf den Markt gekommen, doch das ist erst der Anfang.

Die Entwicklung von Chips kann Jahre in Anspruch nehmen. Die Chips (Maia), die man für Microsoft entwickelt, dürften beispielsweise erst 2026 auf den Markt kommen und das Wachstum befeuern.

Vom Höhenflug zum Absturz

Daher ist die Aktie zeitweise zu einem Höhenflug übergegangen, in den letzten Wochen wurde Marvell wieder massiv abverkauft.
Es wäre gut möglich, dass der Markt dabei etwas übersieht.

Branchentrends deuten darauf hin, dass der Markt für maßgeschneiderte ASICs in den nächsten drei bis fünf Jahren auf 60 bis 80 Milliarden US-Dollar wachsen wird.

Marvell und Broadcom bilden in diesem Markt ein Duopol, da sie die einzigen Unternehmen sind, die die notwendige Expertise und das geistige Eigentum besitzen, um Chips auf dem neuesten Stand der Technik zu entwickeln.

Marvells ASIC-Geschäft, das derzeit weniger als 1 Mrd. USD Umsatz generiert, könnte in den nächsten Jahren mehr als verzehnfachen, angetrieben durch die bereits bekannten Projekte und neue Aufträge.
Sollte das geschehen, würde sich der Konzernumsatz dadurch verdreifachen.

Ausblick und Bewertung

Die Konsensschätzungen schlagen in eine ähnliche Kerbe. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Umsatzsprung von 39 % und ein Gewinnsprung um 78 % erwartet.
Im kommenden Jahr sollen Umsatz und Gewinn ebenfalls um mehr als 20 % zulegen.

Am 29. Mai legt das Unternehmen Quartalszahlen vor (das erste Quartal läuft bei Marvell bis Ende April), dann werden wir sehen, ob die hochgesteckten Ziele realistisch sind.

Sollten die Konsensschätzungen richtig sein, kommt Marvell auf eine forward P/E von 21,8.

Marvell Technology ist, wie in der Branche üblich, fabless. Das Unternehmen übernimmt vor allem das Design und die Entwicklung von Halbleiterchips, die eigentliche Fertigung ist an spezialisierte Halbleiterfabriken (Foundries) ausgelagert. Daher ist man anfällig für mögliche Zölle, was auch der Hauptgrund für den Abverkauf darstellen dürfte.

Marvell Technologies Aktie: Chart vom 26.05.2025, Kurs: 60,69 USD - Kürzel: MRVL | Online Broker LYNX
Marvell Technologies Aktie: Chart vom 26.05.2025, Kurs: 60,69 USD – Kürzel: MRVL | Quelle: TWS

Marvell ist übergeordnet klar bullisch, in Anbetracht der hohen Volatilität aber nichts für schwache Nerven. Gelingt ein Ausbruch über 66 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 76-78 und 90 USD.

Fällt die Aktie jedoch unter 60 USD, muss mit einem erneuten Rücksetzer in Richtung 50 USD gerechnet werden.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.