JP Morgan gilt bei vielen als Gradmesser der US-Finanzindustrie. Und wenn CEO Jamie Dimon spricht, hört der Markt besonders genau zu.
JP Morgan ist ein zentraler Gradmesser der US-Bankenindustrie. Kaum ein anderes Institut bildet die Verfassung der amerikanischen Wirtschaft, der Kapitalmärkte und der Kreditmärkte so umfassend ab.
Durch seine Größe, die hohen Marktanteile und breite Aufstellung liefert JP Morgan frühzeitig Signale über Trends im Finanzsystem.
Darüber hinaus hat das Unternehmen mit Jamie Dimon wohl den respektiertesten CEO der Branche. Wenn er spricht, hört die Finanzwelt ganz genau zu.
Branchenprimus
JP Morgan gehört zu den führenden globalen Finanzdienstleistungsunternehmen mit einem weltweiten Netzwerk von Niederlassungen und ist die nach Börsenwert größte Bank der USA.
Das Unternehmen bietet ein breites Spektrum an Dienstleistungen an, darunter Investmentbanking, Vermögensverwaltung und Privatkundengeschäft.
Die Geschichte des Unternehmens reicht mehr als ein Jahrhundert zurück. Heute ist die Großbank vor allem für ihre bedeutende Position im Investmentbanking, insbesondere im Bereich Fusionen und Übernahmen sowie bei der Beratung von Unternehmen bei Kapitalbeschaffung und Wertpapieremissionen, bekannt.
Darüber hinaus unterhält man auch eine starke Präsenz im Privatkundengeschäft, einschließlich Hypotheken, Kreditkarten und Sparkonten.
Der Gradmesser
JP Morgan nimmt innerhalb der Branche eine Sonderstellung ein, weil das Unternehmen nahezu alle relevanten Geschäftsbereiche abdeckt. Investmentbanking, Handelsgeschäft, Vermögensverwaltung und klassisches Kreditgeschäft sind eng verzahnt. Dadurch ist die Bank weniger abhängig von einzelnen Ertragsquellen und kann Konjunkturzyklen besser ausgleichen als viele Wettbewerber. Gleichzeitig setzt JP Morgan regelmäßig Maßstäbe bei Profitabilität, Risikomanagement und Kapitalallokation.
Im vierten Quartal unterstrich JP Morgan diese Rolle mit soliden Zahlen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 5,23 USD und damit über den Erwartungen von 5,01 USD. Die gemanagten Erträge erreichten 46,8 Milliarden US-Dollar und übertrafen ebenfalls die Prognosen.
Das spricht dafür, dass die US-Wirtschaft weiterhin solide wächst. Tatsächlich deuten die jüngsten Wirtschaftsdaten sogar darauf hin, dass die Wachstumsdynamik zunehmen könnte.
Die Unsicherheit durch die Zoll-Ankündigungen im vergangenen April scheint weitgehend verflogen.
Kein Störfeuer – das reicht schon aus
Seitdem verhält sich die US-Administration innenpolitisch erstaunlich ruhig. Das scheint auszureichen, um die US-Wirtschaft wieder anzuschieben.
CEO Jamie Dimon zeichnet ein insgesamt stabiles Bild der US-Wirtschaft. Zwar habe sich der Arbeitsmarkt abgeschwächt, eine weitere Verschlechterung sei jedoch nicht erkennbar. Konsumenten geben weiterhin Geld aus, Unternehmen zeigen sich überwiegend robust. Fiskalische Impulse, Deregulierung und die jüngste Geldpolitik der Notenbank könnten diese Lage noch eine Zeit lang stützen.
Gleichzeitig mahnt Dimon zur Vorsicht. Die Märkte unterschätzten nach seiner Einschätzung weiterhin die bestehenden Risiken. Dazu zählen geopolitische Spannungen, die Gefahr einer hartnäckigen Inflation und hohe Bewertungen vieler Vermögenswerte.
Im Klartext heißt das: Es sollte besser nichts schiefgehen, sonst könnte der Aktienmarkt spürbar unter Druck kommen. So interpretiere ich diese Aussagen jedenfalls.
Für JP Morgan bedeutet das „business as usual“. Im laufenden Geschäftsjahr soll das Ergebnis um 6 % auf 21,25 USD je Aktie.
JP Morgan wird demnach mit einer forward P/E von 14,6 bewertet.
Im Verhältnis zu den vorliegenden Wachstumsraten ist das halbwegs vertretbar, im historischen Vergleich ist die Aktie jedoch aus meiner Sicht überbewertet. Diese Aussage könnte so auch aus einer Analyse über den S&P 500 stammen.
In den letzten fünf Jahren lag die P/E von JP Morgan durchschnittlich bei 11,9.
Die Dividendenrendite von JP Morgan liegt bei 1,94 % und ist gut finanziert.

Was JP Morgan aus meiner Sicht benötigt, ist eine ordentliche Korrektur. Fällt die Aktie unter 300 USD, könnte das einen Rücksetzer in Richtung 280 USD einleiten.
Darunter wäre der Weg bis 250 USD frei.
Gelingt hingegen ein Anstieg über 317 USD, wäre ein erneuter Angriff auf das Allzeithoch möglich.
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