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Neue strategische Partner, Rekordgewinne, Wachstum in allen Geschäftsbereichen und ein erwarteter Gewinnsprung: Kurshalbierung.
100 Millionen Kunden
Die wichtigsten Produkte von Intuit sind TurboTax, QuickBooks, Mint, Credit Karma und Mailchimp. TurboTax ist eine Steuer-Software, QuickBooks ein System zur Daten- und Cashflow-Analyse sowie Buchhaltung.
Mit Mint kann man sich einen Überblick über Geldströme sowie verschiedene Konten verschaffen.
Mit Credit Karma kann man sich kuratierte Kreditangebote einholen und kennt bereits vor Beantragung die Wahrscheinlichkeit einer Kreditzusage. Mailchimp gehört zu den bekanntesten Anwendungen im E-Mail-Marketing.
Mit diesem Portfolio von Software-Tools für Geschäftskunden überzeugt das Unternehmen mehr als 100 Millionen Kunden.
In Anbetracht dieser breiten Basis wird es für die Konkurrenz sehr schwer, Intuit das Wasser abzugraben.
100 Milliarden Börsenwert weg
Alle drei Monate flattern Quartalsberichte herein und geben uns Aufschluss darüber, was in den Unternehmen wirklich vor sich geht – abseits von all den zwischenzeitlichen Schlagzeilen ohne wirkliche Basis.
Intuit hat in den letzten Monaten etwa die Hälfte an Wert verloren. Mehr als 100 Milliarden Börsenwert haben sich in Luft aufgelöst.

Und tatsächlich ist das auch bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Im Fall von Intuit besteht tatsächlich eine gewisse Disruptionsgefahr durch KI, vor allem im Bereich Steuer-Software – zumindest lässt sich das logisch argumentieren.
Aus meiner Sicht ist es vorstellbar, dass ein Wettbewerber oder ein KI-Startup mit einer besseren Alternative um die Ecke kommt und Intuit damit das Leben schwer macht.
Ob das dazu führt, dass die Bestandskunden wechseln, ist schwer vorherzusagen. Die meisten Menschen sind Veränderungen gegenüber eher negativ eingestellt – hat man sich erst an etwas gewöhnt und es funktioniert, bleibt man in der Regel auch dabei.
Das Neukundengeschäft könnte durch bessere oder günstigere Alternativen jedoch leiden.
Die wahre Story hinter Intuit
Bisher kann von Problemen aber keine Rede sein. Der Kurssturz basiert ausschließlich auf der Furcht, dass es irgendwann zu Problemen kommen könnte – nicht darauf, dass es schon welche gibt.
Das haben die jüngsten Quartalszahlen abermals gezeigt. Der Gewinn lag mit 4,15 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 3,66 USD. Mit einem Umsatz von 4,65 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 4,54 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 17 % und einem Gewinnsprung um 23 %. Der operative Cashflow kletterte sogar um mehr als die Hälfte auf 2,21 Mrd. USD.
Das Wachstum wurde von allen Geschäftsbereichen getragen. QuickBooks verzeichnete ein Umsatzplus von 24 %, Credit Karma 23 %, TurboTax 12 % und ProTax 7 %.
Das Wachstum von Mailchimp wurde im Quartalsbericht nicht einzeln ausgewiesen. Das Segment, dem es zugerechnet wird (Global Business Solutions), verzeichnete ein Umsatzplus von 18 %. Wir können jedoch davon ausgehen, dass das Wachstum bei Mailchimp im einstelligen Prozentbereich lag.
Realität und Börsenmythos
Dass hin und wieder ein einzelner Teilbereich schwächelt, ist vollkommen normal. Vor allem in diesem Fall, da sich die einzelnen Geschäftsbereiche stark unterscheiden und nicht korreliert sind.
Was zählt, ist das Endergebnis auf Konzernebene – und das ist solide.
Interessanterweise scheint KI immer mehr zum Wachstumstreiber zu werden, ganz im Gegensatz zum vorherrschenden Börsen-Narrativ.
Intuit arbeitet vielmehr daran, eine KI-gestützte Finanzplattform zu erschaffen, ie Steuern, Buchhaltung, Lohnabrechnung und Zahlungsverkehr in einem System bündelt.
Das Ziel ist klar: Finanzprozesse automatisieren, Entscheidungen vereinfachen, Wachstum beschleunigen. Für die Kunden und für sich selbst.
Im Zentrum steht das neue System „Intuit Intelligence“. Es verbindet Daten aus allen Anwendungen, analysiert sie in Echtzeit und liefert konkrete Handlungsempfehlungen.
Intuit entwickelt sich immer stärker weg von isolierten Tools hin zu einem lernenden Gesamtsystem.
Die KI-Agenten, die Intuit seinen Kunden zur Verfügung stellt, sind dabei nur der sichtbarste Baustein. Bisher haben erst etwas mehr als drei Millionen der Kunden KI-Anwendungen getestet, doch die Resultate stimmen zuversichtlich:
Über 85 % der Kunden, die die KI-Funktionen bereits getestet haben, nutzen sie seitdem aktiv. Die Adaptionsraten sind außergewöhnlich hoch, was wiederum dafür spricht, dass die KI-Funktionen keine Spielerei sind, sondern produktiv im Arbeitsalltag genutzt werden.
Damit hätte niemand gerechnet
Auch in der Buchhaltung wirkt die KI als Wachstumstreiber. In QuickBooks beschleunigt sie Prozesse, erstellt Prognosen und beantwortet komplexe Finanzfragen in natürlicher Sprache.
Man hätte erwarten können, dass KI hier zum Gegenspieler wird und vor allem menschliche Experten verdrängt, doch das Gegenteil ist der Fall: Das Serviceangebot QuickBooks Live, bei dem Kunden mit Buchhaltungsexperten zusammenarbeiten, wuchs zuletzt um über 50 Prozent.
Ein zweiter Wachstumsmotor ist der Zahlungsverkehr. Die Zahl der Payment- und Bill-Pay-Kunden ist im letzten Quartal um 29 % gestiegen. Das Zahlungsvolumen hat sich nahezu verdoppelt.
Der Quartalsbericht strotzt nur so vor Überraschungen. Man hätte beispielsweise auch annehmen können, dass vor allem große Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften immer mehr durch hauseigene KI-Anwendungen abdecken und Intuit dadurch ersetzen.
In der Telefonkonferenz, die sie wie den Quartalsbericht hier finden, gab der Vorstand jedoch bekannt, dass Intuit mit mehreren Top-20-Unternehmen in diesem Bereich Partnerschaften geschlossen hat.
(„signed partnerships with several top 20 accounting firms… including CohnReznick, Citrin Cooperman and Eide Bailly“)
Selbst so mancher Intuit-Bulle hätte damit wohl nicht gerechnet.
Ausblick und Bewertung
Der Vorstand beschreibt die Strategie wie folgt: Durch KI soll der adressierbare Markt vergrößert werden. Automatisierte Beratung ersetzt manuelle Arbeit, zusätzliche Services steigern den Umsatz pro Kunde, Partnerprogramme erschließen neue Segmente. Gelingt die breite Durchdringung von Intuit Intelligence, sind nachhaltige zweistellige Wachstumsraten realistisch.
Intuit stellt weiterhin einen Anstieg der Umsätze von 18,8 auf 21,0 – 21,2 Mrd. USD und einen Gewinnsprung von 20,15 auf 22,98 – 23,18 USD je Aktie in Aussicht. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde demnach bestätigt.
Das hat jedoch nicht verhindert, dass es anschließend reihenweise Downgrades gehagelt hat. Man darf und muss die Frage stellen, auf welcher Basis das geschehen ist.
Weil die Erwartungen übertroffen wurden? Weil die Prognose bestätigt wurde? Weil die neuen Produkte von Intuit Anklang finden? Oder liegt es daran, dass das Unternehmen mehrere strategische Partner gewonnen hat?
Wir werden es wohl nie erfahren. Es hat die UBS jedenfalls nicht davon abgehalten, das Kursziel drastisch zusammenzustreichen – von 725 auf 440 USD (Link).
Es wird Unternehmen geben, die disruptiert werden, aber bei vielen wird es schlichtweg nicht geschehen. Rückblickend werden wir in einigen Jahren zurückschauen und kaum mehr nachvollziehen können, warum manche Software-Aktien derartig abgestürzt sind wie zuletzt.
Die Zukunft wird zeigen, zu welcher Kategorie Intuit gehören wird. Doch bisher ist keinerlei Disruption erkennbar.
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