Als das erste Quartal endete, notierte die Infineon-Aktie bei 38 Euro. Gestern, anderthalb Monate später, schloss sie 80 Prozent höher. Und das auf Basis eines Arguments, das keineswegs neu ist. Das sollte vorsichtig stimmen.
Zu behaupten, die Infineon-Aktie wäre recht flott unterwegs, wäre eine Untertreibung. Andererseits: Welche Aktie eines Chipherstellers wäre das derzeit nicht? Sogar wenn ein Unternehmen nur indirekt mit der Erwartung eines dramatischen Nachfrageanstiegs durch die Flut der wegen KI gebauten neuen Rechenzentren zu tun hat, wird derzeit gekauft, als würde es morgen verboten.
Verboten wird es nicht. Aber es könnte einen teuer zu stehen kommen, wenn man bei dieser Hausse, die in Tempo und Reichweite auffällig stark an die Endphase der Internet-Blase 2000 erinnert, zu spät einsteigt oder es verpasst, die Party zeitgerecht zu verlassen. Steht dieser Zeitpunkt hier unmittelbar bevor?
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Expertenmeinung: Gute Frage. Das Problem ist, dass man in solchen Hausse-Phasen nie abschätzen kann, wann eine Aktie wirklich „oben“ ist, so dass man gerade in Fällen wie diesem, in dem Infineon bereits über 20 Prozent über der nächstliegenden Supportlinie in Form der 20-Tage-Linie notiert, so seine liebe Not hat, enge Stopps zu setzen. Aber das bleiben zu lassen in dem Glauben, dass, was steigt, auch weiter steigen wird, ist nicht ratsam.
Hier ist bemerkenswert, dass zwar Quartalszahlen auf den Tisch kamen, aber nicht in dieser Woche, sondern in der vergangenen, am 6. Mai. Und die waren eher gemischt, so dass die Aktie an diesem Tag hochvolatil war und unter dem Strich leicht nachgab. Zwar wurde im Zuge der Quartalszahlen die Margenprognose angehoben und dazu auf eine starke KI-bezogene Nachfrage verwiesen. Aber da ging man nur von „im oberen Zehner-Prozentbereich“ auf „rund 20 Prozent“ nach oben. Das stellte die Perspektive nun wirklich nicht auf den Kopf.

Seither ist die Infineon-Aktie um 14,3 Prozent gestiegen – ohne neue Nachrichten vom Unternehmen. Viele Analysten hatten zwar als Reaktion auf die Bilanzdaten ihre Kursziele nach oben korrigiert. Aber das durchschnittliche Kursziel liegt trotzdem mit derzeit 64,31 Euro ein gutes Stück unter dem letzten Kurs.
Mit dieser Kaufwelle preist diese Aktie eine Menge an höchst positiven Entwicklungen ein, die sich in der Realität erst einmal bestätigen müssten, zumal: Dass die Chip-Nachfrage wegen KI steigen werde, wusste man ja nicht erst, als die Infineon-Aktie Anfang April plötzlich aus dem Stand davonzog. Dass man das scheinbar plötzlich „entdeckt“ haben will, ist unglaubwürdig, daher deutet diese drastische Kaufwelle eher an, dass auf einmal viel mehr „Zocker“ in der Aktie unterwegs sind als sonst. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass „runter“ nicht mehr allzu fern sein könnte.
Aber was tut man, wenn man hier bereits dabei ist, einerseits begeistert ob der schnellen Gewinne, andererseits besorgt darüber, dass sie von jetzt auf gleich wieder weg sein könnten? In Ermangelung einer Glaskugel, die imstande wäre, emotional getriebene Kursbewegungen vorherzusagen, bleibt nur eines: Fallschirm umschnallen und weiter geht’s mit der wilden Jagd … nur eben im Gegensatz zu vielen mit Absicherung.
Und für einen Stop-Loss ist diese 20-Tage-Linie trotz ihrer großen Distanz zum letzten Kurs durchaus zu gebrauchen. Denn erstens bietet sich darüber nichts Taugliches an, zweitens steigt dieser gleitende Durchschnitt rasant an, so dass man den Stop-Loss hier täglich ein gutes Stück nach oben anpassen könnte. Man sollte indes angesichts der hohen Volatilität auf einen gewissen „Rangierabstand“ zwischen 20-Tage-Linie und dem eingegebenen Stop-Loss-Level achten; drei, vier Prozent könnte man da schon zugeben.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.05.2026 um 22:25 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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