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Wenn ein Unternehmen die mit Spannung erwarteten Ergebnisse nebst Ausblick vorlegt, die Analystenprognosen dabei übertroffen werden und der Kurs der Aktie trotzdem nachgibt, sollte man genau hinsehen. Genau das war am Donnerstag bei der Hochtief-Aktie der Fall.
Im Schnitt hatten die Analysten dem Baukonzern Hochtief für 2025 einen Umsatz von 38,33 Milliarden Euro zugetraut. Diese Prognose wurde mit 38,24 Milliarden minimal verfehlt. Aber es war die einzige Zahl, die hinter den Erwartungen zurückblieb. Denn Hochtief war es gelungen, aus weniger Umsatz als gedacht deutlich mehr Gewinn zu machen als die Experten vermutet hatten. Und, das ist schon was, auch mehr, als der Konzern selbst prognostiziert hatte.
Denn Hochtief hatte die Spanne für den voraussichtlichen operativen Gewinn gerade erst im November angehoben und auf 750 bis 780 Millionen Euro fixiert. Gestern meldete das Unternehmen einen operativen Gewinn von +26,3 Prozent auf 789,3 Millionen Euro, also noch über dem oberen Ende der eigenen Zielspanne.
Auch in Sachen Auftragseingang gab es nichts zu mäkeln. Der stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr um 25,8 Prozent. Mit einem Auftragsvolumen von 72,5 Milliarden Euro hat Hochtief dadurch fast das Doppelte des 2025er-Jahresumsatzes im Auftragsbuch.
Und es soll weitergehen mit dem zügigen Wachstum. Man habe in schnell wachsenden, strategischen Bereichen eine starke Position, damit sieht man für 2026 weiteres Wachstum beim operativen Gewinn in der für einen Konzern wie diesen sehr stattlichen Größenordnung zwischen 20 und 30 Prozent. Ein Anstieg im operativen Gewinn muss sich nicht 1:1 im Nettogewinn pro Aktie niederschlagen, aber nachdem die durchschnittliche 2025er-Analystenprognose (11,30 Euro) für den Gewinn pro Aktie mit 11,99 Euro klar überboten wurde und die Experten bislang für 2026 einen prozentualen Anstieg dieses Gewinns von nur ca. 12 Prozent gesehen hatten, wurde klar: Da ist jetzt deutlich mehr drin.
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Expertenmeinung: Wie kann die Aktie angesichts derart erfreulicher Zahlen und eines so optimistischen Ausblicks fallen? Als Reaktion auf diese Bilanz wurde zwar im Handelsverlauf des Donnerstags kurz ein neues Rekord-Verlaufshoch bei 409,40 Euro erzielt, am Ende stand indes mit 393 Euro ein Minus von 2,92 Prozent zu Buche. Hat man da womöglich etwas falsch verstanden?
Das hat man sicherlich nicht. Was wir da zu sehen bekamen, war „selling on good news“ … und das durchaus mit gutem Grund. Denn der Chart zeigt, dass die Käufer die Aktie im Vorfeld der Zahlen bereits stark gekauft und auf neue Hochs getrieben haben. Man setzte auf besser als erwartete Ergebnisse, bekam sie … und wollte den Gewinn dieser Vorkäufe einkassieren.
Der indes nicht kam, weil erstens zu viele im Vorfeld dasselbe getan hatten, so dass der Hochtief-Aktie in dem Moment, wo man dachte, dass es jetzt richtig durch die Decke gehen würde, die Käufer knapp wurden. Und weil die Aktie zweitens auch angesichts des jetzt ausgelobten Wachstumspotenzials bereits recht teuer bewertet ist. Was dazu führte, dass der Kurs zuletzt deutlich über die Kursziele der Analysten hinausgelaufen war. Deren Kurszielspanne für Hochtief liegt zwischen 259 und 398 Euro, d. h. selbst das höchste aller Kursziele war bereits überboten worden. Der Schnitt findet sich mit 318 Euro weit unter dem momentanen Kursniveau wieder. Und nur drei der neun die Aktie regelmäßig einschätzenden Experten hatten zuletzt eine „Kaufen“-Empfehlung. Was bedeutet:
Wenn die Käufer jetzt nicht umgehend zurückkommen, könnte selbst dieser starke Ausblick nicht verhindern, dass die Aktie ihren Korrektur-Spielraum auslotet. Ein naheliegendes Ziel wäre die Zone 341/344 Euro, wo sich die Zwischentiefs vom Januar und Februar mit der September-Aufwärtstrendlinie kreuzen. Dort könnte man neu überlegen, ob ein solches „Ausatmen“ bereits ausreicht, um in eine solche Korrektur hinein zuzugreifen … aber vorher einzusteigen wäre, diese gestrige Reaktion untermauert das, ziemlich riskant.
Quellenangaben: Ergebnis des Geschäftsjahres 2025 / Ausblick auf 2026, 19.02.2026: HOCHTIEF-Pressemitteilung („HOCHTIEF steigert operativen Konzerngewinn …“)
Analysten-Einschätzungen: Yahoo Finance (Analyst Insights zu HOT.DE)
Aussicht: neutral

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