Dass in letzter Zeit wenig über den Luxusgüter-Primus Hermès berichtet wurde, liegt daran, dass die Aktie seit Wochen seitwärts läuft. Allerdings spielt sich das auf einem Kursniveau ab, auf dem es lohnen könnte, sich diesen einstigen Liebling der Anleger genauer anzusehen.
Jahrelang trotzten die großen französischen Luxusgüter-Konzerne jeglichem Gegenwind. Corona, Inflation, Zölle … nichts schien das Wachstum bremsen zu können. Das verleitete zu dem Gedanken: Im Zweifel kann man Aktien wie die von Hermès immer kaufen. Doch jetzt scheint die große Zeit stetigen Wachstums vorbei zu sein. 2025 ging der Gewinn pro Aktie erstmals seit 2020 zurück. Ein wenig zwar nur, aber das reichte, um das so unerschütterlich scheinende Vertrauen der Anleger zu unterminieren. Zumal die Analysten Hermès im laufenden Jahr nicht viel Gewinnanstieg zutrauen.
Das Resultat ist eine Aktie, die sich seit ihrem Rekordhoch Anfang 2025 im Kurs zeitweise nahezu halbiert hat, die in einem völlig intakten Abwärtstrend läuft und bei der zögerliche Gegenbewegungen nach oben scheitern, die Versuche, bisherige Tiefs zu unterbieten, aber gelingen. Eine Aktie also, von der mittlerweile die meisten nichts mehr erwarten. Aber genau das ist oft ein sehr guter Grund, genauer hinzuschauen.
[symbol_link]
Expertenmeinung. Hermès war, was das Wachstum angeht, unter den drei Großen dieser Branche (außer Hermès sind das LVMH und Kering) die dynamischste und konstanteste. Damit war man Branchenprimus. Was lange positiv wirkt, dann aber schnell ins Gegenteil umschlagen kann. Denn dadurch, dass Hermès alle anderen auf die Plätze verwies, investierten viele gezielt in diese Aktie. Die Konkurrenz wurde, was die Performance angeht, abgehängt, die Bewertung aber stieg dadurch immens und am Ende auf nahezu absurd hohe Levels. Als es mit dem konstanten Wachstum vorbei war, traf das dadurch auf eine überbewertete Aktie. Das Ergebnis sehen Sie im Chart.

Aber jetzt ist diese Überbewertung ja erheblich abgetragen worden. Der Gewinn pro Aktie gab zuletzt nur geringfügig nach, die Aktie hingegen drastisch, das reduzierte das Kurs-/Gewinn-Verhältnis auf Basis der durchschnittlichen 2026er-Gewinnprognose auf jetzt 36. Angesichts der Erwartung, dass Hermès in den kommenden Jahren im Schnitt ca. 10 bis 15 Prozent beim Gewinn pro Aktie zulegen könnte, wäre das immer noch eher hoch, aber für diese Branche werden normalerweise grundsätzlich etwas höhere Bewertungen akzeptiert, das würde also passen. Und auch, dass die Mehrheit der Analysten hier bullisch ist und nur einer von 22 Experten eine „Verkaufen“-Empfehlung hat, spricht, ebenso wie das durchschnittliche Kursziel von 1.977 Euro, dafür, dass es hier im Prinzip jederzeit zu einem Aufwärtsschwenk kommen könnte.
Was fehlt, ist der initiale Impuls. Natürlich bilden sich bei einem so langen Abwärtstrend Unmengen potenzieller Charthürden heraus, an denen ein Kursanstieg scheitern könnte, zumal alle wichtigen, gleitenden Durchschnitte über dem Kurs liegen. Aber wenn es darum geht, einen einstigen Publikumsliebling zurück ins Rampenlicht zu holen, kann ein erster, kräftiger Impuls durchaus reichen, die Anleger zurückbringen und damit auch einen steinigen Weg über zahlreiche Charthürden gangbar machen. Aktuell erscheint ein Ausbruch über die Widerstandslinie bei 1.800 Euro geeignet, diesen Impuls zu liefern. Hier kreuzen sich ein markantes Tief von Anfang 2024, dem oberen Ende der seit März geltenden Seitwärts-Range und die Anfang des Jahres etablierte, steilere der mittelfristigen Abwärtstrendlinien.
Ob man sich an dieser Hürde zeitnah versucht oder ob man damit wartet, bis Hermès am 29. Juli mit seinen Halbjahreszahlen neue Argumente für die Trader liefert, um nicht Gefahr zu laufen, in die im Licht neuer Zahlen womöglich falsche Richtung vorzupreschen, wird sich weisen … im Auge behalten sollte man die Aktie besser schon jetzt.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/RMS.PA/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 01.07.2026 um 20:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX






