Zum Wochenstart zog Hensoldt deutlich an. Drei Tage kräftig steigende Kurse nach einem Aufwärtsschwenk über einer wichtigen Unterstützung, das sieht vielversprechend aus für das bullische Lager. Aber noch ist der übergeordnete Abwärtstrend nicht bezwungen.
Als die Aktien des Verteidigungssektors vor gut einem Jahr aus einem langen Dornröschenschlaf erwachten, hatten sich offenbar viele Anleger weit größere Wachstumsraten für die kommende Zeit vorgestellt. Ein zügiger und umfassender Ausbau der europäischen Verteidigungsfähigkeit klang nach einer zügigen Vervielfachung von Umsatz und Gewinn bei Unternehmen wie Hensoldt, das als Radartechnik- und Optoelektronik-Spezialist gute Perspektiven für ein randvolles Auftragsbuch hat.
Tatsächlich meldete Hensoldt auch eine solide Perspektive für 2026, als Ende Februar im Rahmen von vorläufigen 2025er-Ergebnissen der Ausblick auf das laufende Jahr vorgelegt wurde. Aber von rasantem Wachstum war da nichts zu lesen. Was unterstrich: Die Super-Hausse, die die Aktie im Herbst 2025 auf das bisherige Verlaufshoch von 117,70 Euro getragen hatten, war überzogen, die Korrektur, wie sie im Herbst ablief, war also angemessen. Doch wie sollte es weitergehen?
Ende Februar, als der Ausblick kam, lag das Kurs-/Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2026er-Gewinnerwartungen um 40. Nicht günstig, aber im Fall konstanten, einigermaßen zügigen Wachstums auch nicht so teuer, dass die Aktie zwingend noch tiefer hätte laufen müssen, um wieder für Käufe attraktiv zu sein. Es drohte daher eine volatile Seitwärtsphase … zumindest so lange, bis neue Fakten Argumente für die bullische oder bärische Seite bringen würden. Und die zeichnen sich aktuell zumindest ab:
Der US-Präsident spricht in den letzten Tagen auffallend oft von einem Thema, das man nach kurzem Aufflackern im vergangenen Jahr erst einmal als begraben angesehen hatte: vom Austritt der USA aus der NATO.
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Expertenmeinung: Käme es wirklich dazu, wäre das ein Faktor, der die Lage für Hensoldt in ein neues Licht rücken würde, denn dann wäre in Sachen Verteidigung noch mehr Eile geboten. Zwar kann man bei Hensoldt nicht hexen, die Produktion wird im Fall von noch schneller und umfassender einlaufenden Aufträgen nicht mithalten können. Aber man wird alles daransetzen, das so gut wie möglich umzusetzen. Höhere Dringlichkeit bietet die Chance auf mehr Umsatz, höhere Margen und damit auf mehr Gewinn pro Aktie, als man derzeit seitens der Experten erwartet. Der Haken:
Derjenige, der jetzt wieder über einen NATO-Austritt spricht, ist nicht bekannt dafür, an einem einmal gefassten Entschluss, schon gar nicht an einer Meinung, festzuhalten. Ob sich für Hensoldt wirklich eine neue Lage ergeben wird, ist also per hier und heute noch offen (Stand Mittwochabend 20 Uhr). Daher wäre es höchst gewagt, einen neuen Hausse-Schub zu unterstellen, bevor nicht das Chartbild und idealerweise auch die Nachrichtenlage passen.

Und wir sehen im Chart: Drei starke Tage haben die Aktie an, aber noch nicht über die Widerstandszone getragen, deren Überwinden die Ampel auf „bullisch“ stellen würde. Diese Zone setzt sich aus der im Oktober etablierten Abwärtstrendlinie, den Zwischenhochs der Monate Februar und März sowie der 200-Tage-Linie zusammen und wartet zwischen 82,00 und 87,40 Euro. Ob sie da durchgeht oder abdreht … womöglich werden die kommenden Tage da bereits klare Wegweisungen liefern.
Sollte der Hensoldt-Kurs diese Zone überbieten, wäre die Aktie rein charttechnisch bullisch. Aber solange in Sachen Wachstum Erwartungen und nicht Fakten die Aktie anschieben, wäre das „nur“ ein Ausbruch auf Bewährung, dem man mit entsprechender Vorsicht begegnen sollte.
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