First Solar profitiert von einer ungewöhnlichen Kombination aus Protektionismus, staatlichen Anreizen und einer starken Nachfrage nach großen Solarprojekten.
Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
Das Unternehmen ist ein Paradebeispiel dafür, wie politische Entscheidungen die Wettbewerbsposition einer Firma verändern können.
First Solar produziert vorwiegend auf Cadmium-Tellurid-Basis (CdTe), fokussiert sich auf Großprojekte und hat seine Produktion in den USA massiv ausgebaut. Diese strategische Ausrichtung macht das Unternehmen besonders sensibel gegenüber Importzöllen und Steueranreizen.
Die US-Handelspolitik hat First Solar in eine vorteilhafte Lage gebracht. Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, welche die Importe chinesischer Solarprodukte verteuern, darunter Importzölle für Solarzellen und relevante Vorprodukte.
Diese Zollerhöhungen haben den relativen Preisvorteil chinesischer Anbieter quasi zunichte und damit First Solar wettbewerbsfähiger gemacht, weil das Unternehmen lokal produzierte Module anbieten kann, ohne Zollbelastungen zu tragen. Diese Veränderung hat die Nachfrage und die Margen erhöht.
Parallel haben steuerliche Förderungen und kreditseitige Unterstützungsmaßnahmen das Geschäftsmodell von First Solar verstärkt. Die US-Gesetzgebung zur Förderung sauberer Energie umfasst Investitions- und Produktionsanreize und konkrete Steuererleichterungen für Hersteller, die inländische Kapazitäten aufbauen und Arbeitsplätze schaffen.
Das wurde lange ignoriert
Die Kombination aus Zöllen und Steuererleichterungen hat First Solar nicht nur kurzfristig geholfen, sondern eine umfangreiche und profitable Skalierung des Geschäfts ermöglicht.
Die finanziellen Auswirkungen dieser Maßnahmen waren erheblich, wurden an der Börse jedoch lange ignoriert.
Dadurch ist das Ergebnis in den letzten Jahren rasant gestiegen.
Bereits im Geschäftsjahr 2023 konnte ein Rekordergebnis von 7,74 USD je Aktie erzielt werden, etwa 50 % mehr als jemals zuvor in der Unternehmensgeschichte.
Darauf folgte 2024 ein Gewinnanstieg auf 12,02 USD je Aktie.
Im laufenden Geschäftsjahr hat sich die starke Entwicklung fortgesetzt, wenngleich das Unternehmen auch immer wieder Probleme beim Ausbau der Produktionskapazitäten hat.
Derzeit ist das der eigentliche begrenzende Faktor, an Nachfrage mangelt es offenbar nicht.
Zuletzt summierte sich der Auftragsbestand auf 53,7 GW mit einem Gesamtwert von 16,4 Mrd. USD.
Das entspricht in etwa dem Dreifachen des in diesem Jahr erwarteten Jahresumsatzes.
Kapazitäten als Engpass
Die Erweiterung der Produktionskapazitäten läuft jedoch nicht reibungslos. Immer wieder kommt es zu Verzögerungen. Projekte müssen verschoben und Kunden vertröstet werden.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen das exemplarisch. Der Gewinn lag mit 4,24 USD je Aktie unter den Schätzungen von 4,32 USD. Mit einem Umsatz von 1,59 Mrd. USD wurden die Erwartungen erfüllt.
Es läuft nicht so gut, wie es könnte. Aber auf Jahressicht konnten der Umsatz dennoch um 45 % und der Gewinn um 33 % gesteigert werden. Darüber hinaus hat sich die Dynamik im Jahresverlauf verbessert.
Die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2025 musste dennoch von 4,90 – 5,70 auf 4,95 – 5,20 Mrd. USD reduziert werden und die Gewinnerwartungen von 13,50 – 16,50 auf 14,00 – 15,00 USD je Aktie.
Trotz all dieser Unkenrufe und berechtigter Kritik dürfte der Gewinn im Geschäftsjahr 2025 um 21 % auf 14,50 USD je Aktie steigen.
First Solar kommt demnach auf eine forward P/E von 16,3.
Nach langen Verzögerungen hat die neue Niederlassung in Louisiana, deren Baukosten bei 1,1 Mrd. USD lagen, jedoch Ende November den Betrieb aufgenommen. Und auch an anderer Stelle macht das Unternehmen endlich Fortschritte, wodurch die Produktionskapazitäten 2026 spürbar steigen dürften.
Daher sehen die Konsensschätzungen für dieses Jahr einen Gewinnanstieg um 58 % auf 23,00 USD je Aktie vor.
Sollten die hohen Erwartungen erfüllt werden, würde die P/E dadurch auf 10,3 sinken.

Aus technischer Sicht ist die Aktie jedoch angeschlagen. Für antizyklische Investoren könnte sich dadurch eine Gelegenheit ergeben.
Wird die Unterstützungszone bei 225 – 233 USD durchbrochen, könnte das einen Abverkauf bis 212 oder 190 USD einleiten.
Gelingt hingegen ein Anstieg über 250 USD, wären erneute Kursgewinne in Richtung 260 oder 278 USD denkbar.
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