CTS Eventim meldete am Donnerstag nach Handelsende einen Umsatzrekord und einen gestiegenen operativen Gewinn für das Jahr 2025. Zugleich plant das Unternehmen, diesen Gewinn 2026 weiter zu steigern. Doch die Aktie fiel daraufhin nicht bloß, sie brach ein. Wieso?
In der Pressemitteilung des Veranstaltungsdienstleisters und Ticketvermarkters klang alles äußerst positiv. In dieser relativ kurzen Meldung betonte das Unternehmen den 2025 erreichten Umsatzrekord und den gestiegenen operativen Gewinn. Für genauere Informationen verwies man auf den eigentlichen Geschäftsbericht. Der hingegen war weit weniger kurzgefasst, sondern umfasste sagenhafte 338 Seiten. Aber der Kursreinbruch der Aktie zeigt, dass sich einige offenbar trotzdem die Mühe gemacht haben, genauer hinzusehen. Und was sie fanden, gefiel nicht.
Zum einen fiel auf, dass der Umsatz im Vorjahr um 9,6 Prozent zulegte, der operative Gewinn, gerechnet als ein um Sonderfaktoren bereinigtes EBITDA, aber nur 7,7 Prozent stieg, was klar machte: Die Gewinnmarge war leicht geschrumpft. Darüber hinaus stieg der Gewinn zwar operativ, aber nicht unter dem Strich: netto fiel er um 15 Prozent, der Gewinn pro Aktie kam auf 2,89 Euro nach 3,32 Euro im Jahr 2024. Nicht gut.
Zwar hatten die Analysten im Vorfeld erwartet, dass der 2025er-Gewinn pro Aktie unter dem des Vorjahres liegen würde, die durchschnittliche Schätzung hatte da aber 3,08 Euro gesehen, diese 2,89 Euro waren also eine Enttäuschung. Dass CTS Eventim dann auch noch die Dividende kürzt, umso mehr. Zwar ist die Kürzung von 1,66 auf 1,44 Euro pro Aktie relativ gesehen nicht dramatisch. Aber dass sie überhaupt vorgenommen wird, ist trotzdem unerfreulich, auch wenn dieser Betrag an den niedrigeren Gewinn angepasst prozentual den, wie CTS Eventim schrieb, „wie gewohnt“ ausgeschütteten 50 Prozent des Konzernergebnisses entspricht.
Hinzu kam, dass man in der Pressemeldung in Sachen Ausblick nur von „einem Anstieg“ bei Umsatz und EBITDA las, weitere Details möge man im Geschäftsbericht nachlesen. Wobei dort ebenso wie in der Pressemeldung betont wurde, dass das nur gelte, wenn die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stabil bleiben sollte. Im Geschäftsbericht wurde es nur insofern konkreter, als man da ausführte, dass der Ausblick voraussetzt, „dass die aktuellen geopolitischen Krisen, konjunkturellen Entwicklungen und Energiepreissteigerungen keinen negativen Einfluss auf das Konsumverhalten der Fans in Bezug auf Konzerte, Shows, Sport- und Kulturveranstaltungen haben werden.“ Was ein wenig wie ein frommer Wunsch wirkt. Und hier konnte man lesen, dass man in diesem Fall von einem „leichten“ Anstieg bei Umsatz, EBIT und EBITDA ausgeht.
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Expertenmeinung: Das hatten sich die Marktteilnehmer offenbar anders vorgestellt. Der stärker als erwartet ausgefallene Rückgang beim Gewinn pro Aktie und der höchst vage Ausblick dürften daher dazu geführt haben, dass die Aktie nicht nur moderat, sondern drastisch fiel. Das … und die charttechnische Konstellation, in der sich der Aktienkurs im Vorfeld befand. Denn die begünstigte eine Stop-Loss-Lawine.

Sie sehen im Chart auf Wochenbasis, wo das Problem lag: Die Aktie war im Vorfeld an die übergeordnete, 2020 etablierte Aufwärtstrendlinie gefallen. Erste Abgaben reichten daher schon, um eine Stop Loss-Lawine auszulösen, indem die ersten Stop Loss-Orders knapp unter der 2020er-Trendlinie auslösten. Das intensivierte den Abgabedruck genug, um Stop Loss, die unter dem 2024er-Tief der Aktie lagen, auch noch auszulösen (bei 58,30 Euro), die den Abgabedruck erneut erhöhten, den Kurs damit auch noch unter das 2023er-Tief (bei 52,30 Euro) drückten und die Lawine damit komplettierten.
Dem entgegen standen am Freitag erst einmal kaum Kauforders, denn unerfreuliche Nachrichten, ein insgesamt an diesem Tag schwacher Gesamtmarkt und prozentual zweistellige Verluste in der Aktie animieren natürlich nicht gerade dazu, die Hand aufzuhalten.
Aber hieße das nicht, dass die Aktie sozusagen „aus Versehen“ so weit gefallen ist und damit günstig wäre? Ersteres mag sein, Letzteres leitet sich daraus aber nicht automatisch ab. Zwar sehen die Analysten die Aktie deutlich höher. Aber das Event-Geschäft ist in einem wirtschaftlich brenzligen Umfeld eines, das man kaum vorhersagen kann, daher sollte man, falls man sich hier den Einstieg überlegt, zumindest charttechnische Argumente auf seiner Seite haben … und die zeigt der Kursverlauf nach diesem Abverkauf des Freitags bislang noch in keiner Weise.
Quellen:
Geschäftsbericht 2025, 26.03.2026:
https://corporate.eventim.de/media/document/ba64fb29-f7db-4f32-ae0e-2e163a12aeef/assets/DE0005470306-JA-2025-EQ-D-00.pdf?disposition=inline
Pressemeldung zum 2025er-Abschluss, 26.03.2026:
https://corporate.eventim.de/news-media/news/cts-eventim-uebertrifft-erstmals-3-milliarden-euro-umsatz-und-setzt-profitables-wachstum-fort/fb4cbfb6-e8b0-4658-ace9-0055e0ba7573
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