Während die ganze Welt auf Nvidia schaut, hat eine bei vielen kaum bekannte Aktie den Tech-Giganten überflügelt. Wie war das möglich und geht das so weiter?
Vermeintlich unspektakulär
Dass Nvidia in den letzten Jahren eine außerordentlich gute Kursentwicklung hingelegt hat, dürfte wohl keinem Börsianer entgangen sein.
Es gibt jedoch eine Aktie im S&P 500, die sogar noch stärker gestiegen ist und dennoch kaum jemand kennt.
Die Rede ist von Comfort Systems USA. Die Aktie hat in den letzten fünf Jahren einen Kursanstieg von 1.842 Prozent erzielt und damit selbst Nvidia mit einer Performance von 1.278 Prozent weit übertroffen.

Comfort Systems USA ist ein Spezialist für Gebäudetechnik, insbesondere auf Heizungs-, Lüftungs- und Klimasysteme (HVAC) sowie elektrische und sanitäre Anlagen.
Das Unternehmen plant, installiert und wartet diese Systeme vor allem für gewerbliche und industrielle Gebäude wie Büros, Fabriken oder Rechenzentren. Im ersten Moment hört sich das nicht besonders spannend an, doch damit steht Comfort Systems im Zentrum einer ganzen Reihe von Megatrends.
Ohne Kühlung keine KI
Das Unternehmen liefert die technische Lebensader für Rechenzentren, Chipfabriken und moderne Industrieanlagen. Und diese Nachfrage in diesem Bereich wächst geradezu unaufhörlich.
Der vielleicht wichtigste Treiber ist der globale Boom bei Rechenzentren. Große Sprachmodelle oder generative KI benötigen enorme Rechenleistung. Diese Leistung erzeugt Hitze.
Klassische Kühllösungen stoßen an ihre Grenzen. Genau hier entsteht ein Engpass – und eine Chance. Comfort Systems liefert spezialisierte HVAC-, Elektro- und Kühlsysteme, die genau für die neue Generation von Hochleistungsrechenzentren entwickelt wurden.
Moderne KI-Server erfordern nicht mehr nur Luftkühlung, sondern zunehmend Flüssigkeitskühlung. Lösungen wie integrierte Kühlrohre direkt in Server-Racks oder Near-Direct-to-Chip-Kühlung sind zum Standard geworden.
Comfort Systems hat sich frühzeitig in diesem Bereich positioniert und gehört heute zu den führenden Unternehmen.
Ohne Kühlung keine Industrie
Hinzu kommt der politische Rückenwind für die Reindustrialisierung der USA. Unter der Regierung von Joe Biden wurden mehrere Gesetzespakete verabschiedet, die gezielt die inländische Produktion stärken.
Neben dem CHIPS Act spielt auch der Inflation Reduction Act eine zentrale Rolle. Er fördert Investitionen in erneuerbare Energien, Elektromobilität und grüne Technologien. Ergänzt wird dies durch das Bipartisan Infrastructure Law, das Milliarden in Infrastrukturprojekte lenkt.
Gleichzeitig findet in den USA seit einigen Jahren eine Abkopplung von China statt, die durch protektionistische Maßnahmen und Steuererleichterungen für den Bau lokaler Produktionskapazitäten geprägt ist. Das sogenannte Reshoring ist längst kein Schlagwort mehr, sondern in immer mehr Industriezweigen die Realität, auch abseits von Halbleitern.
Ohne Kühlung keine Nachhaltigkeit
Ein weiterer struktureller Trend verstärkt die Nachfrage zusätzlich: Nachhaltigkeit. Gebäude sind für einen erheblichen Anteil der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. HVAC-Systeme können bis zu 40 Prozent des Energieverbrauchs eines Gebäudes ausmachen.
Die Politik hat entsprechende Verordnungen erlassen, um effizientere Systeme zu fördern und zu fordern. Die Wirtschaftlichkeit verlangt es aber ohnehin.
Comfort Systems bietet in all diesen Bereichen die entsprechenden Lösungen. Energieeffiziente Anlagen, intelligente Steuerungssysteme und optimierte Luft- und Flüssigkeitsströme helfen Kunden, Kosten zu senken und Budgets einzuhalten.
Besonders in energieintensiven Einrichtungen wie Rechenzentren oder Fabriken ist der Hebel enorm. Wer hier Effizienzgewinne erzielt, ist günstiger und setzt sich im Wettbewerb durch.
Wie globale Trends die Nachfrage antreiben
All diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass der Gewinn von Comfort Systems durch die Decke gegangen ist.
In den letzten fünf Jahren kletterte das Ergebnis von 3,93 auf 28,88 USD je Aktie.
Die enormen Kursgewinne sind demnach fundamental gut unterfüttert. Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr hat sich das Ergebnis fast verdoppelt.
Im laufenden Geschäftsjahr soll der Gewinn um 28 % auf 36,90 USD je Aktie steigen. Doch die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Prognosen zu niedrig sind. Trotz einer seit Jahren anhaltenden Serie von massiven Gewinnsprüngen sind die Prognostiker bis heute zurückhaltend.
Vermutlich möchte niemand einen Anstieg um 50 oder 100 % vorhersagen und damit am Ende falsch liegen.
Es ist viel einfacher, zunächst 28 % zu prognostizieren und dann jedes Quartal ein wenig höher zu gehen, um am Ende dann doch bei 50 % zu landen.
In ähnlicher Art und Weise ist das auch in den letzten Monaten geschehen. Comfort Systems hat in jedem Quartal die Erwartungen übertroffen – und zwar deutlich.
Blick nach vorn
Im letzten Quartal lag der Gewinn mit 9,37 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 6,76 USD. Mit einem Umsatz von 2,65 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 2,34 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 42 % und mehr als einer Verdopplung des Gewinns.
Die Wachstumsdynamik hat im Jahresverlauf zugenommen. Darüber hinaus ist der Auftragsbestand von 5,99 auf 11,94 Mrd. USD stark gestiegen.
Daher ist es unwahrscheinlich, dass die Dynamik im laufenden Geschäftsjahr abnehmen und der Gewinn „nur“ um 28 % steigen wird.
Nehmen wir beispielsweise an, dass das Ergebnis um 50 % klettern wird. In diesem Szenario kommt Comfort Systems auf eine forward P/E von 32,6.
Damit geht die Aktie sicherlich nicht als klassisches Schnäppchen durch, aber das kann man bei den vorliegenden Wachstumsraten und Branchentrends auch nicht erwarten.
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