Eigentlich lagen die Zahlen, die Beiersdorf am Dienstag zum 3. Quartal vorlegte, insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Aber womöglich hatten einige auf eine positive Überraschung gesetzt. Die blieb definitiv aus – und dadurch wird es hier aus charttechnischer Sicht spannend.
Die einzelnen Bereiche des Beiersdorf-Konzerns präsentierten sich mit Licht und Schatten, letztlich also so, wie auch das 1. Halbjahr abgelaufen war. Während die Sektoren Derma und La Prairie mit Pflege- und Kosmetikprodukten solide Umsatzzuwächse vermelden konnten, ging es in den Sparten Nivea und tesa abwärts. Insgesamt kam dadurch für das 3. Quartal ein Umsatzminus von 1,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum zustande, für die ersten neun Monate liegt der Umsatzrückgang bei 2,8 Prozent.
Beiersdorf bestätigte zugleich die bisherige Gesamtjahresprognose. Man erwartet einen organischen Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich sowie eine Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) von mindestens 11,8 Prozent (2025: 13,4 Prozent). Was bedeutet: Der Gewinn pro Aktie wird niedriger ausfallen als im Vorjahr. Im Schnitt sehen die Analysten für 2026 3,76 Euro, 2025 lag der Gewinn pro Aktie noch bei 4,25 Euro.
Aber letzten Endes waren die neuen Zahlen keine böse Überraschung, die Gesamtjahresprognose wurde ja auch bestätigt. Warum bestünde trotzdem das Risiko, dass die seit März andauernde Bodenbildung dadurch einen Rückschlag erleiden könnte?
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Expertenmeinung: Das Problem ist, dass die Bewertung der Aktie mit einem derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 22 zwar deutlich niedriger ist als in früheren Jahren, aber da kam es ja auch noch zu Gewinnwachstum. Aktuell jedoch rechnen die Analysten damit, dass der 2025 erzielte Gewinn von 4,25 Euro pro Aktie erst 2028 wieder erreicht werden könnte. Und für ein derart mageres Gewinnwachstum ist auch ein KGV von 22 eher teuer.
Hinzu kommt, dass die Aktie zuletzt das Kurslevel erreicht hatte, auf dem Beiersdorf geschlossen hatte, nachdem Anfang März die damals enttäuschend negative, jetzt bestätigte Prognose für das laufende Jahr mit einem Kurseinbruch quittiert wurde. Weshalb sich Anleger die Frage stellen könnten: Warum sollte ich jetzt, nachdem auch nach dem 3. Quartal klar wird, dass die Entwicklung so mager bleibt wie im März avisiert, auf einem höheren Kursniveau einsteigen, als es Beiersdorf damals auswies?
Und es ist nicht nur diese Überlegung, die der Aktie jetzt einen „Deckel“ aufsetzen könnte, sondern auch das Chartbild. Sie sehen im Chart, dass der Kurs unmittelbar vor der Reaktion auf die Quartalsbilanz die Widerstandszone 81,16 bis 82,94 Euro überboten hatte. Damit wäre die monatelange Bodenbildung eigentlich gelungen gewesen, aber knapp darüber wartete der markante Widerstandsbereich 87/88 Euro. Und unterhalb dieser Hürde, deren Überwinden aus rein charttechnischer Sicht einiges an weiterem Aufwärtspotenzial freigegeben hätte, hat Beiersdorf jetzt erst einmal abgedreht. Nicht gut, aber:

Das alleine kippt den Trend noch nicht, noch könnten die Käufer die Aktie über Supportlinien stabilisieren, die, wenn sie halten sollten, die Chance für einen zweiten Anlauf nach oben aufrechterhalten.
Dabei geht es zwar auch um die am Jahrestief im Juni etablierte Aufwärtstrendlinie bei derzeit 75,90 Euro. Aber schon oberhalb dieser Linie findet sich ein Kreuzsupport, dessen Verteidigung dazu führen würde, dass die Aufwärtstrendlinie gar nicht erst in unmittelbare Reichweite gerät. Dieser liegt bei aktuell 79,66/80,29 Euro, setzt sich aus der 20-Tage- und der 200-Tage-Linie zusammen … und wurde am Dienstag angelaufen und verteidigt.
Dass es gelang, diesen Bereich zu halten und die Aktie damit zumindest leicht von ihrem Tagestief zu lösen, hält die Tür nach oben erst einmal offen, ein bullisches Signal ist das aber noch keineswegs. Das wäre gegeben, wenn die Aktie diesen Widerstandsbereich 87/88 Euro überwindet. Und auch wenn das gelingen sollte, wäre der Weg nach oben recht riskant, solange sich die Wachstumsperspektive des Konzerns nicht spürbar aufhellt. So, wie sich der Chart derzeit präsentiert, ist er nichts, was die Bären interessieren dürfte … aber das ist nicht mit einer Einstiegsgelegenheit gleichzusetzen.
Quellenangaben:
Ergebnis des 3. Quartals 2026, 27.10.2026: https://www.beiersdorf.de/presse/presse-informationen/alle-pressemitteilungen/2026/10/27-ergebnisse-des-dritten-quartals-2026
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.10.2026 um 21:58 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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