Eine mögliche Verminung der Straße von Hormus durch den Iran könnte einen der wichtigsten Handelswege der Welt lahmlegen – mit Folgen, die nicht nur den Chemieriesen BASF treffen.
Eskalation im Nadelöhr des Welthandels
Leider mehren sich die Presseberichte, wonach der Iran die Straße von Hormus vermint haben könnte.
Das wäre die maximale Eskalationsstufe vonseiten des Irans. Das würde bedeuten, dass die Straße von Hormus nun komplett geschlossen ist und auf unabsehbare Zeit geschlossen bleiben wird.
Zuvor haben chinesische und iranische Schiffe die Straße von Hormus noch durchquert, und immer wieder auch Blockadebrecher.
Die wirtschaftlichen Implikationen sind weitreichend. Der Ölpreis dürfte hoch bleiben oder weiter steigen. Das verteuert Transport, Produktion und letztlich fast jedes Konsumgut. Gleichzeitig drohen neue Engpässe bei petrochemischen Vorprodukten. Die Golfstaaten sind zentrale Lieferanten für Kunststoffe, Basischemikalien und Düngemittel. Fällt diese Versorgung teilweise aus oder wird deutlich teurer, trifft das viele Branchen hart, doch vor allem den Chemiesektor.
BASF ist omnipräsent
Und damit beispielsweise auch BASF. Das Geschäftsmodell ist an sich simpel, aber komplex in der Umsetzung. BASF kauft Rohstoffe wie Öl, Gas und Naphtha und erzeugt damit Basischemikalien.
Daraus werden weitere Zwischenprodukte und Spezialchemikalien für eine Vielzahl von Anwendungen hergestellt.
Sie sind die Basis für zahllose Produkte, die in nahezu allen Industriezweigen benötigt werden. Wer Autos baut, Häuser isoliert, Felder düngt oder Smartphones produziert, nutzt direkt oder indirekt Produkte von BASF.
Ein Beispiel:
Aus Erdgas oder Naphtha entstehen zunächst Grundstoffe wie Ethylen oder Propylen. Daraus werden Kunststoffe oder Lösungsmittel hergestellt. Diese landen später in Autoteilen, Verpackungen, Dämmstoffen oder Elektronikgehäusen.
Drei Schockwellen für den Chemiesektor
Ein geopolitischer Schock wie eine geschlossene Straße von Hormus trifft das Geschäftsmodell gleich mehrfach.
Erstens steigen die Energiepreise. Gas ist zentraler Energie- und Rohstoffinput für viele chemische Prozesse. Chemieanlagen verschlingen enorme Mengen Energie. Viele Anlagen rechnen sich nur bei moderaten Preisen.
Zweitens verteuern sich petrochemische Vorprodukte. Die Golfstaaten sind große Produzenten von Kunststoffen, Grundchemikalien und Düngemitteln. Wenn diese Lieferungen teurer werden oder ausfallen, steigen die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Drittens sinkt die Nachfrage. Höhere Energiepreise verteuern nahezu alle Produkte und Dienstleistungen, was wiederum den Konsum und Investitionen dämpft.
Erstaunliche Gelassenheit
Daher ist es erstaunlich, wie gelassen die Börse bisher auf den Konflikt reagiert. Der Kurs von BASF ist kaum unter Druck gekommen.
Vielleicht stellen sich die Berichte über die angebliche Verminung der Straße von Hormus als falsch heraus – ich hoffe es.
Doch selbst wenn die Wasserstraße nicht vermint wurde, ist der Frachtverkehr dort nahezu zum Erliegen gekommen. Zieht sich der Konflikt in die Länge – und danach sieht es derzeit aus – sind die wirtschaftlichen Folgen dieselben wie im Fall einer Verminung.
BASF hat ohnehin schon seit Jahren mit Problemen zu kämpfen. Das Letzte, was das Unternehmen gebrauchen kann, sind steigende Gaspreise und teurere Vorprodukte.
Beides dürfte nahezu unausweichlich sein. Der Gaspreis in Europa ist bereits spürbar gestiegen. Bevor sich der Konflikt angebahnt hat, lag der Gaspreis im Großhandel bei etwa 30 Euro pro MWh. Aktuell sind es 47,40 Euro je MWh.
Keine gute Ausgangslage
Bisher wurde erwartet, dass der Gewinn von BASF in diesem Jahr um 9 % auf 2,45 Euro je Aktie steigen wird. Mit Blick auf die geopolitische Lage ist das äußerst optimistisch.
Daher wäre es kein Wunder, wenn BASF zeitnah mit einer Gewinnwarnung aufwartet.
Selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, stellt sich die Frage nach dem Kurspotenzial der Aktie. BASF kommt auf ein KGVe von 18,7 und ist damit im historischen Kontext bereits jetzt hoch bewertet. Langfristig pendelt das KGV um einen Wert von 13,5.
Die hohe Bewertung war nur zu rechtfertigen, weil mit einer substanziellen Erholung der Chemiebranche gerechnet wurde – genau die steht jetzt aber zur Disposition.

Fällt die Aktie jetzt unter 45 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 41,60 und 39 Euro. Darunter würde sich das Chartbild weiter eintrüben.
Gelingt hingegen ein Anstieg über 48,15 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 51 – 54 Euro ermöglichen.
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